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Kadavergehorsam Dieser im 19. Jahrhundert gebräuchlich gewordene Ausdruck leitet sich von einer Vorschrift aus den Ordensregeln des Ignatius von Loyola ab. In seinen Constitutiones heißt es, die Ordensmitglieder sollen sich von Gott und den Vorgesetzten leiten lassen:Constitutiones. 4,1.
So heißt es zu diesem verächtlichen Kraftwort, das oft gegen die militärische Subordination verwendet wird, in Otto Ladendorfs Historischem Schlagwörterbuch:textlog.de
In etwa diesem Sinne findet sich die Rede vom „blinden Gehorsam“ unter anderem bei Friedrich Schiller, der in seinem Drama Wallensteins Lager schreibt:
Heute wird das Wort Kadavergehorsam im Sinn von „blinder Gehorsam“ gebraucht, der den eigenen Tod nicht ausschließt: „Kadavergehorsam und Körperkult“ (über Nazi-Eliteschulen) „Außenpolitischer Kadavergehorsam“ „Gewissensfreiheit statt Kadavergehorsam“
Kai aus der Kiste Die Beschreibung „… wie Kai aus der Kiste“, welche gerne als Kommentar zu einem überraschenden Vorschlag verwandt wird, entstammt einem Kinderroman von Wolf Durian, welcher 1924/25 als Fortsetzungsgeschichte in der Kinderzeitung Der heitere Fridolin erschien, danach wegen des großen Erfolgs 1926 auch als Buch veröffentlicht wurde. Es wird darin vom Titelhelden Kai erzählt, einem Berliner Straßenjungen, der mit Hilfe seiner Freunde den Wettstreit um den Titel und Posten des Reklamekönigs gewinnt, welcher von einem amerikanischen Schokoladenfabrikanten ausgelobt wird. Um aber überhaupt erst als Teilnehmer wahrgenommen zu werden, versteckt Kai sich zuvor in einer Kiste, die im Hotelzimmer des Fabrikanten abgeliefert wird.
Kalter Krieg Kalter Krieg war das Schlagwort für das frostige Verhältnis zwischen den beiden Machtblöcken und wurde als Bezeichnung für die Auseinandersetzung zwischen Staaten unterhalb der Schwelle eines offenen Krieges betrachtet. Sie findet sich in der amerikanischen Publizistik seit 1947, so bei Walter Lippmann („The Cold War. A Study in US Foreign Policy“).
Die Supermächte vermieden zwar den „heißen“ Krieg mit Waffeneinsatz gegeneinander, trieben aber das Wettrüsten voran, vor allem auf dem Gebiet der Atomwaffen. Die Drohung des Atomkriegs, den beide Seiten einkalkulierten, beschwor erstmals in der Menschheitsgeschichte die Gefahr der Selbstauslöschung herauf.
Der Interessenkonflikt drohte mehrmals militärisch zu eskalieren: in der Berlin-Blockade 1948, während des Korea-Kriegs 1950 und besonders in der Kuba-Krise 1962. Ein besonders augenfälliges Produkt des Kalten Krieges war die Spaltung Deutschlands und Europas entlang des „Eisernen Vorhangs“ durch Grenzanlagen mit Stacheldrahtzäunen, Wachttürmen und Selbstschussanlagen. Zum wichtigsten Symbol und Mahnmal des Ost-West-Konflikts wurde die 1961 errichtete Berliner Mauer. Eine ähnliche Lage entstand bei der noch heute bestehenden Teilung Koreas entlang des 38. Breitengrads.
Kampf der Kulturen mini|Huntingtons Einteilung der Welt in Kulturkreise Der Begriff Kampf der Kulturen geht auf das Buch Clash of Civilizations and the Remaking of World Order des US-amerikanischen Politikwissenschaftlers Samuel P. Huntington zurück, wobei „Zusammenprall der Kulturen“ die genauere Übersetzung wäre.
Huntington stellte 1993 die These auf, dass die Weltpolitik des 21. Jahrhunderts nicht von Auseinandersetzungen politischer, ideologischer oder wirtschaftlicher Natur, sondern von Konflikten zwischen Angehörigen unterschiedlicher Kulturkreise bestimmt sein werde, insbesondere zwischen dem westlichen und dem islamischen.
Huntington teilt die Welt in folgende Kulturkreise ein. Jeder Kulturkreis hat einen Kernstaat, der das Machtzentrum darstellt. Sinisch – China Japanisch – Japan isoliert Hinduistisch – Indien Islamisch – Organisation der Islamischen Konferenz Slawisch-Orthodox – Russland Westlich – USA, EU (bzw. europäische Kernstaaten) Lateinamerikanisch (fraglich) Afrikanisch (ebenfalls fraglich)
Kampf ums Dasein „Kampf ums Dasein“ () ist ein Schlagwort aus Charles Darwins grundlegendem Werk On the Origin of Species by Means of Natural Selection, or the Preservation of Favoured Races in the Struggle for Life (deutsch: „Über die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl oder Die Erhaltung der begünstigten Rassen im Kampfe ums Dasein“), das im Jahr 1859 veröffentlicht wurde und als grundlegende Arbeit im Bereich der Evolutionstheorien gilt.
Der Begriff „Kampf ums Dasein“ wird als Zentralbegriff des so genannten Darwinismus sowie des Sozialdarwinismus gesehen. Herbert Spencer und Charles Darwin griffen auf die Bevölkerungslehre von Thomas Robert Malthus zurück, nach der ein potentiell exponentielles Wachstum von (auch menschlichen) Populationen zusammen mit der Begrenztheit an Ressourcen einen „Kampf ums Dasein“ notwendig macht. Darwin selbst nutzte das geflügelte Wort allerdings nur als Metapher für das Selektionsprinzip bzw. für die wechselseitigen Abhängigkeiten aller Organismen, die um Nahrung und Lebensraum konkurrieren wie etwa Vieh und Gras oder Buche und Eiche. Andere hingegen deuteten den Ausdruck als Überlegenheit und Recht des Stärkeren und gewalttätiger Krieg um das Überleben vor allem auch in menschlichen Gesellschaften. Von politischen Strömungen wurde dieser Begriff vielfach weltanschaulich missbraucht, um beispielsweise Eugenik, „Rassenhygiene“ oder Ausbeutung zu rechtfertigen.Philipp Sarasin, Marianne Sommer (Hrsg.): Evolution. Ein interdisziplinäres Handbuch. J. B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2010, ISBN 978-3-476-02274-5, S. VIII, 33–35.
Der Philosoph Bertrand Russell schrieb zu diesem Begriff:
Kann denn Liebe Sünde sein? Die rhetorische Frage „Kann denn Liebe Sünde sein?“ stammt aus dem 1938 gedrehten Film Der Blaufuchs, in dem Zarah Leander das berühmte Lied singt, das mit den folgenden Worten beginnt: Jeder kleine Spießer macht das Leben mir zur Qual, denn er spricht nur immer von Moral. Einige Verse weiter unten heißt es dann: Kann denn Liebe Sünde sein? Darf es niemand wissen, wenn man sich küsst, wenn man einmal alles vergisst, vor Glück?
Der Text stammte von Bruno Balz und die Musik von Lothar Brühne. Durch den homosexuellen Balz gedichtet und durch seine Freundin und Homosexuellen-Ikone Leander mit ihrer tiefen Stimme gesungen, war das Lied gerade auch wegen des Themas unter Homosexuellen und Homophilen vor allem bis Anfang der 1970er Jahre sehr beliebt und wurde auch danach von vielen Damenimitatoren und Travestiekünstlern interpretiert.
Einen ähnlichen Gedanken findet man bereits in Gotthold Ephraim Lessings 1755 entstandenem Trauerspiel Miss Sara Sampson, in dem Lady Marwood sagt:
Ulrike Sanders gab 1988 ihrer Zarah-Leander-Biografie den sinnigen Titel Kann denn Schlager Sünde sein?
Kanonisches Alter
Kanonisches Alter bezeichnet ursprünglich jede Festlegung einer Anzahl von Lebensjahren zur Erlangung bestimmter Rechte und Pflichten nach dem Kanonischen Recht, also dem Kirchenrecht (CIC).
Im Besonderen versteht man jedoch unter kanonischem Alter die Regel, dass ein Kandidat zur Erlangung des priesterlichen Weihesakraments das 25. Lebensjahr vollendet haben muss (c. 1031 CIC).
Weitere Mindestalter-Vorgaben:
Wahrnehmung des Bischofsamtes: 35 Jahre Zulassung zum Noviziat: 17 Jahre Ablegung der zeitlichen Profess: 18 Jahre, der ewigen Profess: 21 Jahre Zulassung in Säkularinstituten: 17 Jahre Mindestalter zur Übernahme einer Taufpatenschaft: 16 Jahre. Der Taufpate muss zudem gefirmt sein. Kirchliche Trauung: Mann 16, Frau 14 Jahre zur Gültigkeit; in Deutschland nach c. 1071 § 1 No. 2 (weltliche Eheverbote) 18 Jahre zur Erlaubtheit
Im Volksmund nannte man auch die nicht genau bestimmte Altersvorschrift für nicht verwandte Pfarrhaushälterinnen (40–45 Jahre) kanonisches Alter.
Unter Kanoniker versteht man heute Kleriker aller Weihestufen, die Mitglieder eines Kapitels an einer Kathedrale, Basilika oder Ordenskirche sind und an der gemeinsamen Liturgie als Kapitulare teilnehmen.
Karnickel hat angefangen. mini|Kaninchen Diese berlinische Redensart stammt aus dem 19. Jahrhundert. Das „Karnickel“ steht hier für denjenigen, der in einem Streit nicht nur der Unterlegene ist, sondern auch noch die Schuld am Streit zugeschrieben bekommt.
Vermutlich geht die Redensart auf die letzte Zeile eines Gedichtes von Friedrich Christoph Förster zurück, das er unter dem Titel „Karnikkeltod“ 1827 veröffentlichte.Hermann Kügler: Zu „Karnickel hat angefangen“. In: Zeitschrift für deutsche Philologie 57/1932, S. 178–180.
Im Gedicht wird geschildert, dass ein junger Maler mit seinem Hund, einem Windspiel namens Presto, über den Markt geht. Am Stand eines Gärtners sitzt unter dem Grünkohl ein Kaninchen und der Hund beginnt ihm „den Pelz zu befühlen“. „Karnikkel denkt: er will ‚backe Kuchen‛ spielen“ so heißt es in dem Gedicht. Der Hund beißt es tot und der Gärtner ruft so die Polizei herbei. In die Angelegenheit mischen sich zahlreiche Personen auf dem Markt ein. Schließlich tritt ein Schusterjunge hinzu und spricht den Maler an:
Der Zitatensammler Georg Büchmann schreibt in seinen Geflügelten Worten:Georg Büchmann: Geflügelte Worte, 19. Auflage (1898). Zitiert nach
Mit der Redensart erklärt man scherzhaft einen offensichtlich Unschuldigen zum Sündenbock für Uneinigkeiten.
Kastanien aus dem Feuer holen mini|„Kastanien aus dem Feuer holen“ Die Redewendung „Kastanien aus dem Feuer holen“ () stammt aus der Fabel von La Fontaine Le singe et le chat (Der Affe und die Katze), in der der Affe Bertrand die Katze Raton überredet, für ihn geröstete Kastanien aus dem Feuer zu holen:Jean de la Fontaine: Der Affe und die Katze. Zitiert nach zeno.org.
Während Bertrand die Kastanien allein isst, ohne Raton auch nur eine davon abzugeben, reibt sich der Kater die verbrannten Pfoten.
Wenn jemand die Kastanien aus dem Feuer holt, so bedeutet das, dass er sich für einen anderen in Gefahr begibt und womöglich auch keinen Dank dafür erntet. Diese Redensart wird auch in der politischen Berichterstattung verwendet. So heißt es über das Verhältnis des russischen Präsidenten Wladimir Wladimirowitsch Putin zum belarussischen Präsidenten Aljaksandr Lukaschenka:redensarten-index.de.
Kategorischer Imperativ Der kategorische Imperativ ist die ethische Grundnorm in der Philosophie Immanuel Kants. Er gelte für alle vernunftbegabten Wesen und lautet folgendermaßen:
Je nachdem, ob man die so genannte Universalisierungs-Formel als identisch mit der Allgemeinen Formel oder mit der Autonomie-Formel betrachtet, erscheint der kategorische Imperativ bei Kant in fünf bzw. sechs (für Kant gleichwertigen) Formeln.
Katilinarische Existenz mini|Cicero verdammt Catilina im römischen Senat. In Anspielung auf die Verschwörung des römischen Prätors Lucius Sergius Catilina gebrauchte Otto von Bismarck 1862 in der Sitzung der Budgetkommission des preußischen Abgeordnetenhauses diesen Ausdruck:
Der römische Politiker Catilina wurde bekannt durch die von ihm durchgeführte Catilinarische Verschwörung, ein misslungener Umsturzversuch im Jahr 63 v. Chr., mit der er die Macht in der römischen Republik an sich reißen wollte.
Eine Katilinarische Existenz ist eine heruntergekommene, verzweifelte Person, die nichts zu verlieren hat, wie es auch bei Catilina selbst der Fall war (in den Gallettiana kurz und bündig mit dem Spruch „Die Revolution des Katilina bestand darin, dass er Schulden hatte“ umschrieben). So wird der Ausdruck auch im Titel von Hubert Lengauers Aufsatz über den österreichischen Schriftsteller Ferdinand Kürnberger im Vormärz verwendet:
Der bayerische Schriftsteller Ludwig Thoma zitiert diesen Ausdruck in seinen Lausbubengeschichten im Zusammenhang mit einer Standpauke:.
Kaudinisches Joch