__TOC__ Ça ira! mini|Die Monarchie und die französische Republik: „Ça n’ira pas, ça ira.“ Der US-amerikanische Staatsmann und Schriftsteller Benjamin Franklin war 1777 – also noch vor Ausbruch der Französischen Revolution – als Gesandter der dreizehn Vereinigten Staaten nach Frankreich geschickt worden und antwortete, wenn man sich bei ihm nach den Fortschritten der Revolution in Amerika erkundigte, mit der kurzen französischen Floskel: „Ça ira!“ „Es wird schon gehen!“

Ça ira ist der Beginn eines Kampfliedes aus der Zeit der Französischen Revolution, das 1790 entstand. Es rief zum Kampf gegen Aristokratie, Klerus und Adel auf.fordham.edu Original Übersetzung Ah! ça ira, ça ira, ça ira, Les aristocrates à la lanterne! Ah! ça ira, ça ira, ça ira, Les aristocrates on les pendra! Ah, wir werden es schaffen, Die Adeligen an die Laterne! Ah, wir werden es schaffen, Die Adeligen werden wir aufknüpfen!

Ça ira ist auch eine Sammlung von sechs Gedichten des deutschen Schriftstellers Ferdinand Freiligrath.

Canossa-Gang mini|Heinrich bittet Mathilde und Abt Hugo von Cluny um Vermittlung Der Gang nach Canossa war ein Meilenstein im Investiturstreit. Im 11. und 12. Jahrhundert stritten Kaiser und Papst um die Macht der Kirche, so zum Beispiel über das Recht der Investitur, also um das Recht der Einsetzung von Bischöfen und Äbten in ihre Ämter. Papst Gregor VII. verhängte im Verlaufe des Investiturstreits den Kirchenbann über König Heinrich IV.: „spreche ich König Heinrich (…) die Herrschaft über das Reich der Deutschen und Italiens ab, löse alle Christen vom Eid, den sie ihm geleistet haben (…) und untersage, dass ihm irgendjemand fortan als König diene (… und) binde ich ihn als Dein [i.e. Gottes] Stellvertreter mit der Fessel des Kirchenbannes.“ Dies bedeutete aus mittelalterlicher Sicht Vogelfreiheit. Damit waren Heinrich auch alle kirchlichen Sakramente wie beispielsweise Heirat, Absolution, Krankensalbung und ein Begräbnis auf einem kirchlichen Friedhof verwehrt. Um von diesem Bann erlöst zu werden, zog Heinrich, natürlich mit Armee und Gefolge als Begleitung, über die Alpen nach Italien, um den Papst zu treffen. Dieser zog sich, aus Angst vor einem Angriff, auf die Burg Canossa zurück, doch Heinrich belagerte ihn nicht, sondern kam mehrere Tage mit Frau und Kind barfuß vor die Burg und bat den Papst um Vergebung, die Gregor ihm schließlich gewährte. Heinrich erlangte durch die Aufhebung des Bannes einen Großteil seiner Handlungsfreiheit zurück.

1872 wurde dieses Ereignis vom Reichskanzler Otto von Bismarck in seiner Rede vor dem Reichstag mit dem Satz „Seien Sie außer Sorge, nach Canossa gehen wir nicht – weder körperlich noch geistig.“ aufgegriffen. Dem war ein Streit mit der katholischen Kirche vorausgegangen, der so genannte Kulturkampf, in dem der Papst den deutschen Gesandten beim Heiligen Stuhl abgelehnt hatte.

Capua der Geister mini|Hannibals Route So nennt der Dramatiker Franz Grillparzer in seinem 1843 veröffentlichten Gedicht Abschied von Wien die österreichische Hauptstadt. Grillparzer vergleicht Wien mit dem antiken Capua, dessen üppiges Wohlleben Hannibals Kriegern die Lust zum Kämpfen nahm. Ähnlich lasse Wien die künstlerischen Kräfte erschlaffen, da die Künstler nur noch mit der passiven Aufnahme des Schönen um sich herum beschäftigt sind:Christian Jäger, Erhard H. Schütz: Städtebilder zwischen Literatur und Journalismus: Wien, Berlin und das Feuilleton der Weimarer Republik. Deutscher Universitäts-Verlag, Wiesbaden 1999, ISBN 3-8244-4349-X, S. 32. Schön bist du, doch gefährlich auch Dem Schüler wie dem Meister Entnervend weht dein Sommerhauch, Du Capua der Geister!

Dieser nicht sehr schmeichelhafte Vergleich setzt Wien mit der durch ihren Luxus sprichwörtlich gewordenen antiken Stadt gleich, die nach der Schlacht von Cannae von den Römern zu den siegreichen Karthagern überlief.

Carpe diem mini|Carpe diem auf einer Sonnenuhr "Nutze den Tag", wörtlich "Pflücke den Tag".

Zur Popularisierung hat in jüngerer Zeit der Film „Der Club der toten Dichter“ aus dem Jahr 1989 beigetragen. „Carpe Diem“ ist der zentrale und Lehrsatz dieses Films. Der Mensch sollte aus seinem Leben etwas Besonderes machen; jedes einzelne Leben sollte ein außergewöhnliches sein oder werden.

Catch-22

Catch-22 wird in der Regel mit Dilemma, Sackgasse, Teufelskreis oder Zwickmühle (für Catch-22-Situation) ins Deutsche übersetzt.

Cause célèbre Der bildungssprachlich für einen berühmten oder berüchtigten Streit- oder Kriminalfall verwendete Ausdruck geht auf den französischen Juristen François Gayot de Pitaval zurück, der in seinem Werk Causes célèbres et intéressantes, avec les jugemens qui les ont décidées zwischen 1734 und 1743 in zwanzig Bänden berühmte und interessante Rechtsfälle mit den dazugehörenden Urteilen zusammenstellte.

Zunächst bildete die Sammlung Pitavals das Vorbild und schließlich auch den Oberbegriff „Pitaval“ für die Sammlung von aufsehenerregenden Kriminalfällen, wie „Der neue Pitaval“ von Julius Eduard Hitzig und Willibald Alexis, Egon Erwin Kischs „Prager Pitaval“ und einer Vielzahl anderer Sammlungen.

Beispiele Gilles de Rais Adolph Beck Rosemarie Nitribitt

Cause célèbre ist auch ein Gedicht des Schriftstellers August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, das mit folgender Strophe beginnt: Ihr lieben Herrn, was forschet ihr, Ob ich wol sei ein Dichter? Ich habe nichts für euch gemacht, Ich habe nur ans Volk gedacht, Das Volk nur ist mein Richter.August Heinrich Hoffmann von Fallersleben: Cause célèbre. Zitiert nach Cause célèbre auf zeno.org

Ceterum censeo. mini|Ruinen von Karthago Ceterum censeo Carthaginem esse delendam (lateinisch: Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Karthago zerstört werden muss.) ist ein Cato zugeschriebener Ausspruch, der in jeder Senatssitzung die Zerstörung Karthagos beantragte. Cato war der Ansicht, dass ohne Vernichtung des wichtigsten phönizischen Handelshafens die Weltmachtstellung Roms nicht zu erreichen war.

Ursprünglich überliefert ist der Satz auf Altgriechisch:

In Anlehnung daran spricht man heute von einem „Ceterum Censeo“, wenn jemand eine Forderung beharrlich wiederholt.

Ceterum censeo Carthaginem esse delendam ist ein Gedicht, das der deutsche Schriftsteller August Heinrich Hoffmann von Fallersleben im Schweizer Exil schrieb und in dem er beklagt, dass „noch ein Feind im deutschen Vaterlande“ die Menschen plagt. Es endet mit folgenden Strophen:August Heinrich Hoffmann von Fallersleben: Ceterum censeo Carthaginem esse delendam. Zitiert nach Ceterum censeo Carthaginem esse delendam auf zeno.org Sind ehrlos doch der Henker und der Schinder Im deutschen Publikum, So sei’s der deutsche Censor auch nicht minder: Der bringt die Seelen um.

Drum auf, ihr Männer, Frauen, Greis’ und Kinder, Rächt unsers Landes Noth! Ein Censor ist noch schlimmer als der Schinder – Dem Censor Fluch und Tod!

Chacun à son goût. Diese französische Redensart hat die Bedeutung „jeder nach seinem Geschmack“ und wurde durch das Couplet Ich lade gern mir Gäste ein des Prinzen Orlofsky aus der Operette Die Fledermaus von Johann Strauss bekannt. In seinem Haus nimmt er sich alle Freiheiten, die er seinen Gästen nicht einräumt. Das Couplet lautet:Die Fledermaus. Zitiert nach: opera-guide.ch Ich lade gern mir Gäste ein, Man lebt bei mir recht fein, Man unterhält sich, wie man mag, Oft bis zum hellen Tag. Zwar langweil ich mich stets dabei, Was man auch treibt und spricht, Indes, was mir als Wirt steht frei, Duld ich bei Gästen nicht. Und sehe ich, es ennuyiert Sich jemand hier bei mir, So pack ich ihn ganz ungeniert, Werf ihn hinaus zur Tür. Und fragen Sie, ich bitte, Warum ich das denn tu? ’s ist mal bei mir so Sitte: Chacun à son goût!

In der Berliner Umgangssprache kam früher offenbar die Wendung vor: „Jeder nach seinem Chacun.“Konrad Telmann: Bohémiens. Berlin 1895, S. 257

Cherchez la femme! Cherchez la femme ist eine ins Deutsche übernommene französische Redewendung und meint so viel wie: „Da steckt eine Frau dahinter!“dwds.de

Als Französisch im 19. Jahrhundert noch Bildungssprache war, drang dieser Ausdruck in die gehobene deutsche Konversation. Meyers Enzyklopädie von 1888 schreibt dazu:

Der Satz Il y a une femme dans toutes les affaires; aussitôt qu’on me fait un rapport, je dis: Cherchez la femme ist die Devise des Polizeibeamten Jackal in dem Roman über die Pariser Unterwelt Les Mohicains de Paris (Die Mohikaner von Paris) des älteren Alexandre Dumas.

Christel von der Post Diese Bezeichnung stammt aus dem Auftrittslied der „Briefchristel“ in Carl Zellers Operette Der Vogelhändler, die von einem Liebespaar, dem Vogelhändler Adam und der Postbotin Christel, handelt. Das Lied beginnt mit den folgenden Zeilen:Zitiert nach: operettenfuehrer.de Ich bin die Christel von der Post; Klein das Salär und schmal die Kost. Aber das macht nichts, wenn man noch jung ist – Wenn man nicht übel, wenn man im Schwung ist. Ohne zu klagen Kann man’s ertragen. Das Lied endet mit den Versen: Einen Kuss Wenn ich muss. Nur nicht gleich, nicht auf der Stell, Denn bei der Post geht’s nicht so schnell!

Chronique scandaleuse Dieser französische Ausdruck, der im Deutschen mit Skandalchronik übersetzt wird beschreibt die Ereignisse unter König Ludwig XI., aufgezeichnet im Tagebuch des Sekretärs Johanns II., des Herzogs von Bourbon. Die Schrift hieß ursprünglich Chroniques du très-chréstien et victorieux Louys de Valois. Erst ein Buchhändler, der diese Schrift 1611 erneut druckte, soll ihr den Titel Chronique scandaleuse gegeben haben.

Der Ausdruck bezeichnet eine Sammlung von Skandal- und Klatsch-Geschichten einer Epoche oder eines bestimmten Milieus.

Citius, altius, fortius. mini|Olympische Ringe Citius, altius, fortius (lateinisch, zu deutsch: Schneller, Höher, Stärker) ist das heutige Motto der Olympischen Spiele. Es wurde vorgeschlagen von Pierre de Coubertin nach einer Idee des französischen Dominikanermönchs Henri Didon, der mit diesen Worten anlässlich der Eröffnung des ersten Schülersportfestes des Dominikaner-Kollegs Albertus-Magnus in Arcueil am 7. März 1891 den Mitgliedern seines Schulsportvereins einen Wimpel überreichte, mit der Aufforderung, dass dieser sie „oft zum Sieg, immer zum Wettkampf begleiten sollte“. Pierre de Coubertin, Generalsekretär der französischen Vereinigung der Schüler-Sportvereine war als Wettkampfleiter anwesend und hatte diesen Leitspruch offensichtlich stark verinnerlicht. Wenige Tage später nämlich zitiert er diese Aussage in einem kurzen Bericht zum Verlauf dieser Wettkämpfe in der Fachzeitschrift Les Sport Athlétiques.

1894 schlug Coubertin offensichtlich auf der Schlusssitzung des Gründungskongresses des IOC diese drei Wörter als Devise vor. Im Bulletin hieß es:

Die Begriffe „altius“ und „fortius“ waren in dieser Formulierung vertauscht. Vermutlich waren stilistische Gründe dafür ausschlaggebend. 1921 erschien diese Devise zusammen mit den olympischen Ringen auf offiziellen IOC-Drucksachen.

Civis Romanus sum. Mit dem lateinischen Satz Civis romanus sum (Ich bin ein römischer Bürger) beriefen sich Verfolgte im Römischen Reich auf ihr römisches Bürgerrecht.

Der Apostelgeschichte zufolge bewahrte dieser Satz den Apostel Paulus vor der Kreuzigung. Er wurde als römischer Bürger durch das Schwert hingerichtet.

Im 19. Jahrhundert forderte der britische Staatsmann Lord Palmerston in seiner „Civis Romanus sum“-Rede, dass das Britische Empire seine Bürger in der Welt genau so schützen sollte wie einst das Römische Reich seine Bürger, die sich im Ausland aufhielten.

Cogito, ergo sum. mini|Auguste Rodin: Der Denker Cogito, ergo sum, ich denke, also bin ich, ist die lateinische Übersetzung der französischen, Descart’schen Definition: „Je pense donc je suis“. Seine berühmte These kommt auch vor in seinem Werk Die Prinzipien der Philosophie: „Ego cogito, ergo sum.“