__TOC__ Hab ich den Markt und die Straßen doch nie so einsam gesehen. mini|Daniel Chodowiecki: Hermann begegnet Dorothea im Flüchtlingstreck Bei diesen Worten handelt es sich um die Anfangszeile von Goethes Epos Hermann und Dorothea. Dort wird zu Beginn erzählt, dass fast alle Bewohner der Stadt sich neugierig einen Flüchtlingszug ansehen, der in der Nähe des Ortes vorbeizieht. Die Wirtsgattin Lieschen schickt ihren Sohn Hermann mit Gaben für die Notleidenden: „Hab ich den Markt und die Straßen doch nie so einsam gesehen!Ist doch die Stadt wie gekehrt! wie ausgestorben! Nicht funfzig,Deucht mir, blieben zurück von allen unsern Bewohnern.Was die Neugier nicht tut! So rennt und läuft nun ein jeder,Um den traurigen Zug der armen Vertriebnen zu sehen.“Johann Wolfgang von Goethe: Hermann und Dorothea

Hab ich doch meine Freude dran! mini|Joseph Keppler: Conkling als Mephistopheles Diese höhnische Antwort erhält Faust von Mephisto in Goethes Theaterstück Faust I.Goethe: Faust I, Marthens Garten Mephisto freut sich über die Verstricktheit Fausts in seine Liebe zu Gretchen und kommentiert den Gang der Ereignisse mit diesen zynischen Worten:

Mephistopheles: „Und die Physiognomie versteht sie meisterlich.In meiner Gegenwart wird’s ihr, sie weiß nicht wie,Mein Mäskchen da weissagt verborgnen Sinn;Sie fühlt, daß ich ganz sicher ein Genie,Vielleicht wohl gar der Teufel bin.Nun, heute nacht –?“ Faust: „Was geht dich’s an?“ Mephistopheles: „Hab’ ich doch meine Freude dran!“Zitiert nach: sternenfall.de Mephisto verhöhnt Fausts Doppelmoral. Werde er bei Gretchen nicht bald Versprechungen von ewiger Liebe abgeben, die er nicht einhalten könne?

Hab ich nur deine Liebe, die Treue brauch ich nicht. Dies sind die beiden Anfangszeilen des Liedes von Fiametta, der Geliebten der Titelgestalt aus Franz von Suppés Operette Boccaccio: „Hab ich nur deine Liebe,Die Treue brauch’ ich nicht,Die Liebe ist die Knospe nur,Aus der die Treue bricht.“

Hab Sonne im Herzen! mini|Version von „Hab Sonne im Herzen“ auf einem Wandbehang Die Aufforderung „Hab Sonne im Herzen!“ ist der Anfang eines Gedichts aus dem viel gelesenen Buch Aus den Lehr- und Wanderjahren des Lebens des Schriftstellers Cäsar Flaischlen. Die Anfangszeilen des Gedichts Hab Sonne …, das nach der Melodie von Der Mai ist gekommen gesungen wird, wird als Ermunterung zu positiver Lebenseinstellung auch heute noch zitiert: Hab Sonne im Herzen obs stürmt oder schneit, ob der Himmel voll Wolken, die Erde voll Streit!

Die erste Zeile wurde auch zum Titel eines Spielfilms, der 1952 mit Liselotte Pulver gedreht wurde.

Habe nun, ach! Mit diesen Worten beginnt nach drei Prologen die eigentliche Handlung von Goethes Drama Faust I:

Habe nun, ach! Philosophie,Juristerei und Medizin,Und leider auch TheologieDurchaus studiert, mit heißem Bemühn.Da steh ich nun, ich armer Tor!Und bin so klug als wie zuvor[.]

Sie werden gerne im ursprünglichen Sinn des bedauernden Ausrufs zitiert.

Habeas corpus. Mit Habeas corpus (lateinisch: „du sollst den Körper haben“) wurden im Mittelalter in England die rechtlich nicht beschränkten königlichen Haftbefehle eingeleitet. Die Haftbefehle begannen je nach Haftgrund mit den Worten: – man kann die Person festhalten, um sie zum Gegenstand (einer Befragung, einer Anklage) zu machen – man kann die Person festhalten, um ein Zeugnis zu erlangen

In England missbrauchte Karl I. dieses Instrument, indem er von wohlhabenden Bürgern Zahlungen erpresste mit der Androhung, sie bei Verweigerung der Zahlungen einsperren zu lassen.

Heute versteht man unter Habeas corpus meist die Einschränkungen dieses Rechtes. Diese Einschränkung erfolgte in England durch ein Gesetz aus dem Jahre 1679, das die Bezeichnung trägt.Vollständiger Text: https://www.constitution.org/eng/habcorpa.htm Es wird umgangssprachlich auch als bezeichnet, im Deutschen daher oft fehlerhaft: „Habeas-Corpus-Akte“.Im Englischen ist das Wort mehrdeutig, es bedeutet sowohl „Akt“, „Agieren“, „Handlung“, „Schritt“ (des Parlaments) als auch „Gesetz“

Die Europäische Menschenrechtskonvention stuft das Recht auf Schutz vor willkürlicher Inhaftierung in Artikel 5 als Menschenrecht ein.

Habemus Papam. mini|Habemus Papam, 1415 Einem kirchlichen Ritus entsprechend wird nach einer Papstwahl mit der lateinischen Formel Habemus Papam auch heute noch der neue Papst durch den Kardinalprotodiakon der Öffentlichkeit präsentiert. Die vollständige, seit dem 15. Jahrhundert schriftlich überlieferte Formel lautet: „Annuntio vobis gaudium magnum: habemus Papam. Eminentissimum ac reverendissimum dominum, Dominum (Vorname des Papstes), Sanctae Romanae Ecclesiae cardinalem (Nachname des Papstes), qui sibi nomen imposuit (Papstname).“Annuntio Vobis Gaudium Magnum Habemus Papam. vatican.va „Ich verkündige euch große Freude: Wir haben einen Papst! Den herausragendsten und hochwürdigsten Herrn, Herrn [Vorname], der Heiligen Römischen Kirche Kardinal [Nachname], welcher sich den Namen [Papstname] gegeben hat.“ Mit dem Ruf wird vor der Außenloggia der Peterskirche den Wartenden die vollzogene Papstwahl bekannt gegeben.

„Habemus Satan“ war eine zynische Anmerkung zu der Wahl des CSU-Vorsitzenden Franz Josef Strauß zum Kanzlerkandidaten der Unionsparteien im Jahr 1980.

Haben und Nichthaben Haben und Nichthaben (englisch: To have and have not) ist der Titel eines Romans von Ernest Hemingway. In dem Roman versucht ein mittelloser Bootsverleiher, mit skrupellosen Methoden der Reichen sein Geld zu verdienen und kommt schließlich bei einer Schießerei ums Leben. Möglicherweise bezieht sich der Titel auf eine Stelle im 20. Kapitel von Miguel de Cervantes’ Roman Don Quichotte, wo es auf Spanisch heißt: „Dos linages sólos hay en el munde, como decia une abuela que son el tenir y el no tenir.“ „Es gibt nur zwei Familien auf der Welt, wie eine meiner Großmütter sagte, die Habenden und die Nichthabenden.“

Habent sua fata libelli. mini|Wappen mit dem Motto Habent sua fata libelli an der Fassade der Buchhandlung Höllrigl in Salzburg Das lateinische Zitat Habent sua fata libelli stammt aus einem Lehrgedicht über die Artikulation der Buchstaben des antiken Grammatikers Terentianus Maurus, der so lautet: „Pro captu lectoris (habent) sua fata libelli.“Terentianus Maurus: De litteris. Vers 258 „Je nach der Aufnahme durch den Leser haben die kleinen Büchlein ihre Schicksale.“

Der Medienphilosoph Vilém Flusser schreibt in der Neuen Zürcher Zeitung Über das Schicksal von Büchern: „Der Autor wagte nicht, sich gegen die Vergewaltigung seines Textes zur Wehr zu setzen, um die Veröffentlichung nicht in letzter Minute in Frage zu stellen, litt aber unter jedem Eingriff wie unter einem Schlage des Schicksals: habent sua fata libelli, Bücher haben ihre Schicksale.“nzzfolio.ch

Mit dem Zitat wird auf die bisweilen sehr bewegte Rezeption literarischer Werke hingewiesen: „Untersuchung der Wahrheit der These ‚habent sua fata libelli‘ in einem Teil einer bibliothekswissenschaftlicher Sammlung“Untersuchung der Wahrheit der These “habent sua fata libelli”. oszk.hu

Es gibt aber auch Varianten des Spruchs: „Habent sua fata bibliothecae“ (Bibliotheken haben ihre Schicksale.) „Habent sua fata libelli – wenn Bücher schon Schicksale haben, wie dann erst Schiffe.“ „Habent sua fata campanae – Glocken haben ihre Schicksale.“

Haie und kleine Fische Haie und kleine Fische ist der Titel eines 1956 erschienenen Romans von Wolfgang Ott, in dem der U-Boot-Krieg dargestellt wird.

Große Haie – Kleine Fische ist ein computeranimierter Film, der im Oktober 2004 in die Kinos kam.

Der durch das Buch und seine Verfilmung populär gewordene Titel wurde bald dazu verwendet, die Verhältnisse von Herrschenden und Beherrschten zu charakterisieren: „Haie und kleine Fische – Im Netz floriert der Handel mit Privatkrediten.“ „Zwei Übernahmen: Große Haie und kleine Fische unter sich“

Hakuna Matata Hakuna Matata ist ein Spruch aus der ostafrikanischen Sprache Swahili, der wörtlich übersetzt „Es gibt keine“ (hakuna) „Probleme“ (matata) heißt.

Der Spruch ist besonders durch den Walt-Disney-Zeichentrickfilm Der König der Löwen berühmt geworden. Hakuna Matata ist der Titel eines Liedes, das im Film und auch in dem darauf basierenden Musical von den Figuren Timon und Pumbaa vorgetragen wird.

Halb zog sie ihn, halb sank er hin. Diese Worte stammen aus der vorletzten Zeile der Ballade Der Fischer von Johann Wolfgang von Goethe. Darin wird von einem Fischer erzählt, der sich von den Worten und Gesängen einer aus dem Wasser auftauchenden Nixe so betören lässt, dass er ihr am Ende ins Wasser folgt: „Das Wasser rauscht’, das Wasser schwoll,Netzt’ ihm den nackten Fuß;Sein Herz wuchs ihm so sehnsuchtsvollWie bei der Liebsten Gruß.Sie sprach zu ihm, sie sang zu ihm;Da war’s um ihn geschehn;Halb zog sie ihn, halb sank er hinUnd ward nicht mehr gesehn.“

Man verwendet dieses Zitat gelegentlich, wenn man kommentieren will, dass sich jemand nur zögernd dazu entschließt, eine bestimmte Beziehung einzugehen.

Das Zitat findet sich auch in einem Artikel über die Schwänin Petra in Münster, die aufgrund ihrer Zuneigung zu einem weißen Tretboot in Schwanenform Aufmerksamkeit erregte: „Halb zog sie ihn, halb sank er hin – doch ganz schnell gab Zoodirektor Jörg Adler Münsters Schwänin Petra frei, als die schwarze Dame wild flatternd in Richtung Tretboot-Schwan stürzte.“, auf echo-muenster.de

Persifliert wird gerne formuliert: „Halb zog sie ihn, halb er sie aus…“

Half ihm doch kein Weh und Ach. Dieses Zitat stammt aus Goethes Volkslied Heidenröslein, dessen dritte Strophe so lautet: „Und der wilde Knabe brach’s Röslein auf der Heiden;Röslein wehrte sich und stach,Half ihm doch kein Weh und Ach,Musst es eben leiden.Röslein, Röslein, Röslein rot, Röslein auf der Heiden.“

Hallo Herr Kaiser! Mit diesem Werbeslogan präsentierte sich der fiktive Günter Kaiser als kompetenter Berater im direkten Dialog mit dem Zuschauer und erklärte aktuelle Versicherungs- und Vorsorgethemen, um anschließend Lösungsvorschläge der Hamburg-Mannheimer aufzuzeigen. Die Spots hatten einen hohen Bekanntheitsgrad. „Über die Jahre wurde so aus dem 'Hallo, Herr Kaiser' ein geflügeltes Wort.“Check24 holt Herrn Kaiser aus dem Werbe-Grab. In: Handelsblatt, 18. Oktober 2017.

Hals- und Beinbruch Eine Verballhornung des jiddischen Ausdrucks hatslokhe u brokhe, der als Glück- und Segenswunsch benutzt wurde, mit der Bedeutung Erfolg und Segen, führte möglicherweise zum geflügelten Wort Hals- und Beinbruch.

Halt, mein Freund! Wer wird denn gleich in die Luft gehen? Dies war der Spruch des HB-Männchens, einer Zeichentrickfigur, mit der die Zigarettenmarke HB beworben wurde. Das HB-Männchen ist eine der bekanntesten Werbefiguren in der Geschichte des deutschen Werbefernsehens.

Die Werbefilme in Kino und Fernsehen liefen stets nach demselben Schema ab: Es wurden Alltagssituationen dargestellt, in denen immer etwas schieflief, worauf das Männchen Bruno sich aufregte, mit unverständlicher Sprache tobte und „in die Luft ging“. Der daraufhin folgende Slogan – aus dem Off mit besänftigender Stimme gesprochen – lautete: „Halt, mein Freund! Wer wird denn gleich in die Luft gehen? Greife lieber zur HB!“ Dann schwebte das HB-Männchen gutgelaunt zum Boden zurück, begleitet von der Stimme: „Dann geht alles wie von selbst.“

Der Werbeslogan wird aber auch anders zitiert: „Heißluftballons: Wer wird denn gleich in die Luft gehen.“

Hand Gottes mini|Diego Maradona, 2006 Die Hand Gottes (spanisch: la mano de Dios) bezeichnet eine Situation während der Fußball-Weltmeisterschaft 1986, in der der argentinische Fußballspieler Diego Maradona beim Viertelfinalspiel gegen England seine Hand zu Hilfe nahm, um ein irreguläres Tor zu erzielen. Den Ausdruck prägte Maradona selbst, als er nach dem Spiel keine Reue zeigte und vor laufenden Kameras sagte: „un poco con la cabeza de Maradona y un poco con la mano de Dios“ „ein bisschen mit Maradonas Kopf und ein bisschen mit der Hand Gottes“