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O alte Burschenherrlichkeit! mini|hochkant|Postkarte „O alte Burschenherrlichkeit!“ O alte Burschenherrlichkeit! war der Anfang eines 1825 anonym erschienenen Studentenliedes „Rückblicke eines alten Burschen“, in dem geklagt wird, dass das ungebundene Studentenleben vorbei ist: „O alte Burschenherrlichkeit,Wohin bist du entschwunden,Nie kehrst du wieder goldne Zeit,So froh und ungebunden!Vergebens spähe ich umher,Ich finde deine Spur nicht mehr.O jerum, jerum, jerumo quae mutatio rerum.“ Der Titel ist aufgrund der Popularität des Liedes zu einem geflügelten Wort geworden, mit dem die Studentenjahre in der studentischen Kultur umschrieben werden.

O Deutschland, bleiche Mutter! mini|hochkant|Fritz Cremers Denkmal für das KZ Mauthausen „O Deutschland, bleiche Mutter“ Diese Zeile stammt aus dem 1933 geschriebenen Gedicht Deutschland von Bertolt Brecht, der 1933 aus dem nationalsozialistischen Deutschland auswanderte und seine Heimat mit diesen Worten beschrieb: O Deutschland, bleiche Mutter! Wie haben deine Söhne dich zugerichtet Daß du unter den Völkern sitzest Ein Gespött oder eine Furcht!graswurzel.net

In Berlin befindet sich ein Zweitguss der Skulptur O Deutschland, bleiche Mutter, die Fritz Cremer 1964/65 für die Gedenkstätte Mauthausen anfertigte und die von Brechts Gedicht Deutschland inspiriert ist. Dargestellt ist eine überdimensionale, auf einem Mauerstück sitzende Frau in Schmerz, Scham und Empörung. Sie ist in ein Tuch gewickelt, das an Stacheldraht oder an einschnürende Stricke denken lässt. Auf dem Gelände des KZ Mauthausen wird obiger Text auf einem Denkmal zitiert.

In Anlehnung an das Zitat entstand 1979 der deutsche Spielfilm Deutschland, bleiche Mutter der Regisseurin Helma Sanders-Brahms, der von dem Schicksal einer jungen Frau handelt, die sich im Krieg alleine mit einem kleinen Kind durchschlagen muss, da ihr Mann an die Front gerufen wird.

O diese Männer! O diese Männer! ist der Titel eines Lustspiels des Autors Julius Rosen, der damit möglicherweise Desdemonas Ausruf „O, these men, these men!“ aus William Shakespeares Drama Othello (IV,3) aufgreift. Rosens Theaterstücke sind heute weitgehend unbekannt.

Dieser Ausruf begleitet meist ein resignierendes weibliches Kopfschütteln.

O, du Ausgeburt der Hölle! miniatur|S. Barth: Der Zauberlehrling Dieser Ausruf stammt aus Goethes Ballade Der Zauberlehrling. Mit diesem Ausruf beschimpft der Zauberlehrling den Wasserträger, den er aus einem Besen geschaffen hat und nicht zum Stillstand bringen kann: „O, du Ausgeburt der Hölle!Soll das ganze Haus ersaufen?Seh’ ich über jede SchwelleDoch schon Wasserströme laufen.Ein verruchter Besen,Der nicht hören will!Stock, der du gewesen,Steh doch wieder still!“Der Zauberlehrling: Zitiert nach Der Zauberlehrling auf Wikisource

Das Wort Ausgeburt ist eigentlich eine Krankheitsbezeichnung und bezieht sich stark abwertend auf ein Kind mit Missbildungen. Der Kraftausdruck wird heute zum Beispiel als Filmtitel zitiert: „Ausgeburt der Hölle“ (Horrorfilm) „Hydra – Die Ausgeburt der Hölle“ (Horrorfilm) „Ist der Weihnachtsmann eine Ausgeburt der Hölle?“

O du lieber Augustin! mini|hochkant|Der liebe Augustin in Wien „O du lieber Augustin!“ sind die Anfangsworte eines Liedes, das der Wiener Bänkelsänger, Sackpfeifer und Stegreifdichter Marx Augustin 1679 gesungen haben soll, als er nach einem Rausch in einer Pestgrube aufwachte. In einer Erzählung des Predigers Abraham a Sancta Clara wird von einem Dudelsackpfeifer berichtet, der durch sein Spiel entdeckt und wieder aus der Grube heraufgezogen wird: „O du lieber Augustin, alles ist hin!Geld ist hin, Gut ist hin, alles hin, Augustin!O du lieber Augustin, alles ist hin!“ Der Legende nach war der 36-jährige Augustin 1679 während der Pestepidemie wieder einmal betrunken und schlief in der Gosse seinen Rausch aus. „Siech-Knechte“, die die Opfer der Epidemie einsammeln mussten, fanden ihn, hielten ihn für tot und brachten ihn zusammen mit den Pest-Leichen vor die Stadtmauer. Dort warfen sie ihre ganze Ladung in ein offenes Massengrab.

Das Volkslied „Oh, du lieber Augustin“ ist erst um 1800 in Wien nachgewiesen. Auf dem Strohplatzl in Wien wurde 1908 zu Augustins Ehren ein Denkmal eingeweiht. Die Statue Augustins an der Ecke Neustiftgasse-Kellermanngasse wurde während der Zeit des Nationalsozialismus gestohlen. Kurz darauf wurde an ihre Stelle ein Schild mit der Aufschrift angebracht: „Der Schwarzen Pest bin ich entronnen,die braune hat mich mitgenommen.“

Heute wird oft resignierend die Fortsetzung „Alles ist hin“ zitiert.

O Ewigkeit, du Donnerwort! „O Ewigkeit, du Donnerwort“ ist der erste Vers aus dem Lied Ernstliche Betrachtung der unendlichen Ewigkeit des Pfarrers und Dichters Johann Rist, das mit folgenden Zeilen beginnt: „O Ewigkeit, du Donnerwort,O Schwert, das durch die Seele bohrt,O Anfang sonder Ende!O Ewigkeit, Zeit ohne Zeit,Ich weiß für großer TraurigkeitNicht, wo ich mich hinwende!Mein ganz erschrocknes Herz erbebt,Daß mir die Zung am Gaumen klebt.“Zitiert nach http://www.bach-cantatas.com/Texts/Chorale007-Eng3.htm Das Lied ist vor allem durch die Vertonung als Choral durch Johann Sebastian Bach bekannt geworden.

O heilige Einfalt! mini|Jan Hus auf dem Scheiterhaufen „O heilige Einfalt!“ (lat.: „O sancta simplicitas!“) soll der zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilte Reformator Jan Hus 1415 ausgerufen haben, als er sah, wie eine übereifrige Frau Holz für seinen Scheiterhaufen brachte. Allerdings sind diese Worte bereits in spätlateinischen Quellen überliefert.

Später wurden diese Worte zu einem ironischen Ausspruch des Erstaunens über die Dummheit der Menschen. In diesem Sinne wird es auch von Mephistopheles in Goethes Faust zitiert.

Der Ausdruck stammt ursprünglich vom Kirchenlehrer Hieronymus, der damit die schlichte Sprache der Jünger im Neuen Testament bezeichnete.Hieronymus: Epistulae 57,12

O jemine Der klagende Ausruf O jemine steht für Überraschung oder Entsetzen oder auch Mitleid. Der Ausdruck kommt verkürzt von O Jesu Domine als lateinische Anrede für „O Herr Jesus“.

Auch die Refrainwendung „O jerum, jerum, jerum“ aus dem Studentenlied O alte Burschenherrlichkeit leitet sich vom lateinischen O Jesu Domine ab, als Ausruf des Erschreckens und der Klage.

O lieb, solang du lieben kannst! Diese Zeile bildet die Anfangs-, Mittel- und Schlussstrophe des Gedichts Der Liebe Dauer des deutschen Dichters Ferdinand Freiligrath: „O lieb’, solang du lieben kannst!O lieb’, solang du lieben magst!Die Stunde kommt, die Stunde kommt,Wo du an Gräbern stehst und klagst!“Zitiert nach http://www.deutsche-liebeslyrik.de/freiligrath.htm#g1 Freiligrath hat hier eine besondere Art des Memento mori verfasst, das nicht auf die eigene Sterblichkeit verweist, sondern auf die Sterblichkeit geliebter Mitmenschen. Wer den Nächsten vielleicht durch ein unbedachtes Wort kränkt, kann nach dessen Tod diese Kränkung nie wieder gutmachen.

O mein Papa! O mein Papa ist ein Lied aus der musikalischen Komödie Der schwarze Hecht von Paul Burkhard, dessen bekannter Refrain so beginnt: „O mein PapaWar eine wunderbare Clown.O mein PapaWar eine große Kinstler.“Zitiert nach http://ingeb.org/Lieder/omeinpap.html Das Lied handelt von einer jungen Frau, die über ihren Vater singt, einen ehemals berühmten Circus-Clown. Dieser Schlager über die Faszination der Zirkuswelt steht im Zentrum der musikalischen Komödie, die mit Lili Palmer und Romy Schneider unter dem Titel Feuerwerk verfilmt wurde. Der Schweizer Sängerin Lys Assia gelang 1950 mit diesem Lied ein Welterfolg.

O, rühret, rühret nicht daran! Dieser Ausruf stammt aus einem Gedicht von Emanuel Geibel mit dem Titel Rühret nicht daran! Darin warnt er davor, Liebe zu unterdrücken oder zu zerstören: „Wo still ein Herz voll Liebe glüht,O rühret, rühret nicht daran!Den Gottesfunken löscht nicht aus!Fürwahr, es ist nicht wohlgethan.“Zitiert nach

O selig, so selig, ein Kind noch zu sein! mini|hochkant|Peter der Große als Kind Dieses Zitat stammt aus Albert Lortzings Oper Zar und Zimmermann. Dort singt Zar Peter der Große: „Sonst spielt ich mit Zepter, mit Krone und Stern,Das Schwert schon als Kind, ach ich schwang es so gern.Gespielen und Diener bedrohte mein Blick,Froh kehrt ich zum Schoße des Vaters zurück,Und liebkosend sprach er: Lieb Knabe bist mein. –|: O selig, o selig, ein Kind noch zu sein.:|“Albert Lortzing: Zar und Zimmermann, III,14; Zar Der historischen Nachforschung über die Kindheit des Zaren hält diese Idylle allerdings nicht stand. Sein Vater hatte zahlreiche Nachkommen, Peter war sein vierzehntes Kind. Peters Mutter war die zweite Frau. Nach dem Tod seines Vaters 1676 und seines älteren Bruders vier Jahre später fand sich der junge Peter ungewollt mitten in einem Kampf um den Thron wieder.

’O sole mio! ’O sole mio (neapolitanisch für „Meine Sonne“) wurde 1898 vom neapolitanischen Musiker und Komponisten Eduardo Di Capua komponiert. Di Capua soll während einer Gastspielreise in Odessa einen persischen Teppichhändler singen gehört haben. Während er dessen Gesang lauschte, soll sich der verdeckte Himmel geöffnet haben und die Sonne strahlte durch die Wolkendecke. Die erste Strophe lautet in der deutschen Übersetzung: „Wie schön ist ein sonniger Tag,Die klare Luft nach einem Sturm!Durch die frische Brise scheint alles ein Fest zu seinWie schön ist ein sonniger Tag.“

O Täler weit, o Höhen! Das 10. Kapitel von Joseph von Eichendorffs Roman Ahnung und Gegenwart schließt mit dem vierstrophigen Lied des Dichters Graf Friedrich: „Friedrich machte noch eilig einen Streifzug durch den Garten und sah noch einmal von dem Berge in die herrlichen Täler hinaus Wie im Fluge schrieb er dort folgende Verse in seine Schreibtafel: …“ Es folgt das von Mendelssohn vertonte Lied, das mit folgenden Zeilen beginnt: „O Täler weit, o Höhen,O schöner, grüner Wald,Du meiner Lust und WehenAndächt’ger Aufenthalt!“ Später erschien es auch unter dem Titel Abschied.

O tempora, o mores! mini|Cesare Maccari: Marcus Tullius Cicero klagt Catilina an Dieser lateinische Ausruf der Verzweiflung über die Verhältnisse im alten Rom („O diese Zeiten, o diese Sitten!“) findet sich an mehreren Stellen in den Werken des Staatsmanns und Philosophen Marcus Tullius Cicero. Es findet sich in dessen erster Rede gegen Catilina, die mit der berühmt gewordenen Frage Quo usque tandem abutere, Catilina, patientia nostra? beginnt. Im zweiten Abschnitt dieser Rede sagt Cicero: „O tempora, o mores! Senatus haec intellegit. Consul videt; hic tamen vivit. Vivit? immo vero etiam in senatum venit, fit publici consilii particeps, notat et designat oculis ad caedem unum quemque nostrum.“Zitiert nach Oratio in Catilinam Prima in Senatu Habita auf Wikisource Cicero hielt seine Rede im Römischen Senat 63 v. Chr., um die zweite Catilinarische Verschwörung, einem Umsturzversuch Catilinas und seiner Anhänger gegen die Römische Republik, aufzudecken und zu bestrafen.

Ciceros Worte werden auch heute noch gebraucht, wenn Unverständnis über Änderungen in der Gesellschaft ausgedrückt werden sollen: In einem Beitrag zum Thema Begräbnis-Charts im Radio schreibt Peter Glaser im Magazin Focus: „‚O Zeiten, o Sitten‘ heißt es im Original bei Marcus Tullius Cicero. Und wahrlich, die Zeiten ändern sich und mit ihnen die Sitten. Das tun sie allerdings seit langer Zeit. Viele der Veränderungen gehen fast unmerklich vonstatten, manche bleiben abstrakt.“

O, wär ich nie geboren! Diese Selbstverwünschung, ein alter literarischer Topos, steht in der 9. Strophe der Ballade Lenore (1773) von Gottfried August Bürger: Die Titelfigur Lenore beklagt so ihren Geliebten Wilhelm, von dem sie annimmt, dass er in der Schlacht am Weißen Berg (1620) gefallen sei, und der sie im Verlauf der Ballade als Gespenst entführen wird. „O Mutter! Mutter! hin ist hin!Verloren ist verloren!Der Tod, der Tod ist mein Gewinn!O wär ich nie geboren!“Gottfried August Bürger: Leonore, Vers 68, zitiert nach Leonore in der Ausgabe von 1817.