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Tabula rasa mini|Schreibtafel mit Griffel Tabula rasa (lateinisch: abgeschabte Schreibtafel) bedeutet eigentlich: unbeschriebene Tafel (auch: unbeschriebenes Blatt). Hiermit wurde die Seele in ihrem ursprünglichen Zustand – also bevor sie Eindrücke von der Außenwelt empfing – bezeichnet.
Im konkreten Sinne war tabula rasa in der Antike eine wachsüberzogene Schreibtafel, von der nach dem Beschreiben die Schrift wieder vollständig entfernt wurde.
Der Vergleich der Seele mit der beschreibbaren Wachstafel stammt von Platon. Auch bei Aristoteles findet man einen Vergleich zwischen der Seele und einer Wachstafel. John Locke verwendet diese Vorstellung als Metapher für den menschlichen Verstand bei der Geburt eines Kindes. Ausgangspunkt der Erkenntnis ist die sinnliche Wahrnehmung. Der Verstand wird erst im Verlauf des Lebens durch die Erfahrung geprägt.
Die Sentenz wird oft im falsch verstandenen Sinne von „reinen Tisch machen“ verwendet.
Tadeln können zwar die Toren, aber besser machen nicht. Diese Worte paraphrasieren das ehemals populäre Gedicht Die neue Eva (1788) des Berliner Schriftstellers August Friedrich Ernst Langbein, das mit folgenden Zeilen endet: „Tadeln können zwar die Toren,Aber klüger handeln nicht.“Georg Büchmann: Geflügelte Worte. 11. Auflage 1879, S. 138 books.google. Gedichte von August Friedrich Ernst Langbein. Erster Theil, Leipzig 1800, S. 63 books.google. Mit einer "Vorrede - Geschrieben im März 1801: Billige Leser und rechtliche Kunstrichter werden nicht unbemerkt lassen, daß ich mich bey dieser neuen Auflage meiner im Jahre 1788 gesammelten Gedichte bemüht habe, sie durchaus zu verbessern und zu verfeinern. [...]" S. 3 f. books.google. Siehe auch Carl Adolph Walder: Tadeln können alle Thoren; -- aber besser machen nicht! Dramatisirtes Sprüchwort. In: Kleinere Theaterstücke für gesellschaftliche Bühnen, Band 1, 1793, S. 101 books.google
Tag des Herrn Dieser veraltete Ausdruck für Sonntag ist die Übersetzung des lateinischen dominica dies, das im 4. Jahrhundert an die Stelle des heidnischen Namens dies solis (Tag der Sonne) getreten war. Die griechische Form war Κυριακή (kyriake).
Der erste Tag, der der Sonne gewidmet war, hieß ursprünglich auf Griechisch hêméra Hêliou. Bei Übernahme der Wocheneinteilung durch die Germanen übersetzten sie den Begriff althochdeutsch sunnûntag. Das Christentum deutete den Tag um. In romanischen Sprachen setzte sich die kirchenlateinische Bezeichnung Tag des Herrn durch, so französisch dimanche.
Ludwig Uhlands Gedicht Schäfers Sonntagslied beginnt und endet mit diesen Worten: „Das ist der Tag des Herrn!Ich bin allein auf weiter Flur,Noch eine Morgenglocke nur!Nun Stille nah und fern.Anbetend knie’ ich hier.O süßes Graun! geheimes Wehn!Als knieten viele ungesehnUnd beteten mit mir.Der Himmel, nah und fern,Er ist so klar und feierlich,So ganz, als wollt’ er öffnen sich.Das ist der Tag des Herrn!“Ludwig Uhland: Schäfers Sonntagslied. Zitiert nach
Tam de se iudex iudicat quam de reo Eine lateinische Redewendung, die auf Publilius Syrus zurückgeht: „Ein Richter richtet sich selbst ebenso wie den Angeklagten“ oder auch „Der Richter spricht beim Spruch auch sich das Urteil“.
Tand, Tand ist das Gebilde von Menschenhand. mini|Brücke am Tay In seinem Gedicht Die Brück’ am Tay (1880) schildert Theodor Fontane den Eisenbahnunfall auf der Firth-of-Tay-Brücke in Schottland. Die Naturgewalten sprechen am Anfang und Ende des Gedichts als Hexen miteinander. Beide Abschnitte enden mit der Zeile: „Tand, TandIst das Gebilde von Menschenhand.“
Fontane bezog neben realistischen Einzelzügen auch literarische schottische Motive ein, so die Verabredung der Hexen aus William Shakespeares Drama Macbeth. Sein Fazit legt er einer der Hexen in den Mund.
Tand steht hier für ein hübsches Ding, das keinen Wert hat, womit in diesem Fall die Brücke gemeint ist, die der Fortschrittsgläubigkeit des 19. Jahrhunderts entsprach.
Tant de bruit pour une omelette. Der Ausspruch (So viel Lärm um ein Omelett) wird dem französischen Schriftsteller Jacques Vallée Des Barreaux (1599–1673) zugeschrieben. Er habe damit ein heftiges Donnerwetter kommentiert, das genau in dem Moment über einem Gasthaus niederging, als der fromme Wirt widerstrebend das Omelett mit Speck servierte, das Des Barreaux sich unter Missachtung des freitäglichen Fastengebots bestellt hatte.Büchmann: Geflügelte Worte, seit der dritten umgearbeiteten und vermehrten Auflage 1866 S. 204 BSB/MDZ. 19. Aufl. books.google. Collection complette des oeuvres de M. [de Voltaire], tome 25: Questions sur l'Encyclopédie, tome 1. Genéve 1774 S. 434 books.google
Sinngemäß entspricht dem die Redensart Viel Lärm um nichts, die auch Titel einer Komödie von Shakespeare ist. „Ledergerber, Elmar (S, ZH), für die Kommission: Ich bin fast geneigt zu sagen: ‚Tant de bruit pour une omelette.‘ Herr Randegger, die Meinung, die Sie hier vertreten, entspricht weitgehend der Meinung der Kommission.“
Tanz auf dem Vulkan
mini|Deburau als Pierrot Den Sturz der Bourbonen kündigte Narcisse-Achille de Salvandy, französischer Gesandter in Neapel, im Jahr 1830 an, als er an einem Ball teilnahm, den der Herzog von Orléans zu Ehren seines Schwagers, des Königs von Neapel, gab. Salvandy beschrieb dies später so: „Als ich am Herzog von Orléans vorbeiging, dem man von allen Seiten Komplimente über die Pracht seines Festes machte, sagte ich jenes Wort zu ihm, welches die Zeitungen am folgenden Tage wiederholten: ‚Das ist ein ganz neapolitanisches Fest, mein Prinz, wir tanzen auf einem Vulcan.‘“ („Nous dansons sur un volcan.“)Zitiert nach
Tanz auf dem Vulkan ist ein deutscher Spielfilm aus dem Jahr 1938, in dem von dem charismatischen Schauspieler Jean-Gaspard Deburau erzählt wird, der Couplets vorträgt, in denen er Spott über den beim Volk äußerst unbeliebten König Karl X. ausschüttet. Er lässt auch von ihm gedichtete Vierzeiler, die den König schmähen, im Untergrund drucken und in ganz Paris verteilen. So gerät er ins Visier der Staatsmacht. Aber auch privat kommt er dem König in die Quere: Debureau verehrt und liebt die Gräfin Héloise de Cambouilly, die sich Karl X. als Favoritin ausgespäht hat. Am Ende wird Deburau zum Tode verurteilt. Auf dem Weg zum Schafott singt Debureau noch einmal seine Couplets und ruft die Bürger zum Staatsstreich auf. Der Plan gelingt, die mitreißenden Melodien bringen das Volk dazu, Debureau zu befreien, und als sich sogar die Soldaten Karls X. mit den Aufständischen verbünden, ist der König gestürzt und flieht ins Ausland.
Tausend mal berührt Diese Worte sind Teil des Refrains des Schlagers 1000 und 1 Nacht, mit dem Klaus Lage im Jahr 1984 berühmt wurde: „Tausend mal berührt, tausend mal ist nix passiert.Tausend und eine Nacht, und es hat ‚Zoom‘ gemacht.“Zitiert nach Der Text wurde von Klaus Lage mit dem Politiker und Musiker Diether Dehm geschrieben, der für Die Linke von 2005 bis 2021 Mitglied des Deutschen Bundestages war.
Tausendundeine Nacht mini|Illustration Tausendundeine Nacht ( hazār-o-yak šab, alf layla wa-layla) ist eine Sammlung morgenländischer Erzählungen und zugleich ein Klassiker der Weltliteratur. Sie umfasst mehr als 300 Geschichten, die von einer Rahmenhandlung zusammengehalten werden und im 18. Jahrhundert zum ersten Male ins Französische übersetzt wurden.
Die Rahmenhandlung erzählt, dass König Schahriyâr so schockiert von der Untreue seiner Frau ist, dass er seinem Wesir die Anweisung gibt, ihm jede Nacht eine neue Jungfrau zuzuführen, die am nächsten Morgen umgebracht wird. Nach einiger Zeit will Scheherazade, die Tochter des Wesirs, das Morden beenden. Sie beginnt, dem König Geschichten zu erzählen; am Ende der Nacht ist sie an einer so spannenden Stelle angelangt, dass der König unbedingt die Fortsetzung hören will und die Hinrichtung aufschiebt. In der folgenden Nacht erzählt Scheherazade die Geschichte weiter, unterbricht am Morgen wieder an einer spannenden Stelle. Nach tausend und einer Nacht gewährt ihr der König Gnade.
Wenn man heute von einem „Märchen aus Tausendundeiner Nacht“ spricht, spielt man normalerweise auf das Fantastische (aber auch das Erfundene) eines Vorgangs an: „Indien – ein Märchen aus tausendundeiner Nacht“ „Die Sahara Geiseln (ein Märchen aus tausendundeiner Nacht?)“ „Vielfältig und bunt, wie ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht, präsentieren sich dem Besucher die Emirate.“
Tauwetter-Periode Tauwetter (russisch: Оттепель; Ottepel) war ein Roman des russischen Schriftstellers Ilja Ehrenburg von 1954, der einer ganzen Epoche der sowjetischen Kulturpolitik, nämlich der Liberalisierung nach dem Tod Josef Stalins (Tauwetter-Periode), den Namen gab.
Viele politische Gefangene wurden freigelassen und zum Teil rehabilitiert. Auch die noch inhaftierten 30.000 deutschen Kriegsgefangenen durften zurückkehren. Die Tauwetter-Periode hielt jedoch nicht lange an. Bereits mit der Niederschlagung des Volksaufstands in Ungarn 1956 wurden viele Hoffnungen auf eine weiter gehende Öffnung begraben.
Teile und herrsche! Teile und herrsche (lateinisch: divide et impera) ist angeblich ein Ausspruch des französischen Königs Ludwig XI., er geht vielleicht sogar bis auf Julius Cäsar zurück. Er steht für das Prinzip, die eigenen Gegner und ihre Uneinigkeit für eigene Zwecke, zum Beispiel für die Machtausübung, zu verwenden. Wichtig ist dabei, dass Uneinigkeit bei den Gegnern gefördert oder sogar verursacht wird, so dass diese in einzelnen, kleineren Gruppen leichter zu besiegen sind. Goethe formuliert in Sprichwörtliches einen Gegenvorschlag: „Entzwei und gebiete! Tüchtig Wort. – Verein und leite! Besserer Hort.“
Tempi passati! Mit diesen italienischen Worten (deutsch: Vergangene Zeiten!) soll der römisch-deutsche Kaiser Joseph II. Federico Zuccaris Gemälde im Saal des Großen Rats im Dogenpalast von Venedig kommentiert haben, auf dem dargestellt ist, wie sich Kaiser Friedrich Barbarossa am 24. Juli 1177 vor dem Markusdom in Venedig kniefällig Papst Alexander III. unterwarf. Man habe gehofft, schreibt Karol Fryderyk Wojda im dreizehnten seiner Briefe über Italien, geschrieben in den Jahren 1798 und 1799, dem Kaiser dieses Gemälde zu verbergen. Allein er wurde es selbst gewahr, blieb davor stehen und nachdem er es eine Zeit lang betrachtet hatte, verließ er es ganz gleichgültig mit den Worten: „tempi passati!“Briefe über Italien, geschrieben in den Jahren 1798 und 1799. Zweiter Band. Leipzig 1802. S. 259 f. ()
Das Zitat bedeutet so viel wie die Zeiten sind vorbei und kann sowohl Bedauern als auch Erleichterung ausdrücken.
Tempora mutantur. Der lateinische Hexameter „Tempora mutantur, nos et mutamur in illis“ („Die Zeiten ändern sich und wir ändern uns in ihnen“) geht auf ein mittelalterliches Vorbild zurück. Die Quelle dieses Spruches ist jedoch unbekannt.
Eine Variante des Spruches wird vom flämischen Gelehrten Jan Gruters Kaiser Lothar I., dem Enkel Karls des Großen, zugeschrieben: „Omnia mutantur, nos et mutamur in illis.“ „Alles ändert sich, und wir ändern uns mit.“
Wer diese Worte heute gebraucht, will meistens ausdrücken, dass ihm die modernen Zeiten nicht fremd geworden sind, sondern er ihnen gemäß sich gleichfalls verändert hat oder vorfindet.
Terra incognita mini|Weltkarte von Rumold Mercator mit dem Südkontinent Der lateinische Begriff Terra incognita (unbekanntes Land) ist die Bezeichnung für Gebiete, die noch nicht kartographiert oder beschrieben sind. Diese Bezeichnung findet sich auf historischen Karten in jenen Regionen, die noch unerforscht waren. Zum Teil waren an diesen Stellen Fabelwesen eingezeichnet.
Die Terra Australis incognita (unbekanntes Südland), von der der Name Australien abgeleitet ist, war eine große Landmasse auf der südlichen Halbkugel, die der antike Geograf Claudius Ptolemäus seinem Werk Geographike Hyphegesis als Gegengewicht zu den nördlichen Kontinenten postulierte.