__INHALTSVERZEICHNIS__
Üb’ immer Treu’ und Redlichkeit! Diese Aufforderung, stets ehrlich zu bleiben, bildet die Anfangszeile des Gedichts Der alte Landmann an seinen Sohn von Ludwig Heinrich Christoph Hölty: „Üb’ immer Treu’ und RedlichkeitBis an dein kühles Grab,Und weiche keinen Finger breitVon Gottes Wegen ab.“
Volkstümlich wurden diese Zeilen in der Verbindung mit der Melodie des Papageno Ein Mädchen oder Weibchen aus Mozarts Oper Die Zauberflöte.
Das Glockenspiel der Potsdamer Garnisonkirche spielte ab 1797, dem Regierungsantritt Friedrich Wilhelms III., zur vollen Stunde Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren und zur halben Stunde Üb’ immer Treu' und Redlichkeit, ein Sinnbild preußischer Moraltugend. Das Glockenspiel stürzte beim Luftangriff auf Potsdam in der Nacht vom 14. auf den 15. April 1945 herab. Dass es zuvor ohne menschliches Zutun ununterbrochen Üb’ immer Treu’ und Redlichkeit gespielt habe, gehört ins Reich der Legende, denn auf der die Glockenklöppel steuernden Walze wechselten die Melodien.Zur Legende siehe Andreas Kitschke: Die Potsdamer Garnisonkirche. »Nec soli cedit«. Potsdamer Verlagsbuchhandlung, Potsdam 1991, ISBN 3-910196-00-4, S. 94, dort auch zur Nachbildung S. 104f. Am 14. April 1991 stellte die Bundeswehr eine ihr 1987 von privater Seite gestiftete Nachbildung des Glockenspiels in unmittelbarer Nähe des alten Standorts auf, die beide Lieder wieder spielt.
Als beim Bau der Garnisonkirche am Goetheplatz in Hannover 1893 einer der Türme wegen mangelhafter Fundamentierung einstürzte, spotteten die Anhänger der Welfenpartei, ein Schuljunge habe im Vorbeigehen Üb’ immer Treu und Redlichkeit gepfiffen – das habe der Turm nicht verkraftet.Dieter Brosius: Die Industriestadt. Vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des I. Weltkriegs. Hier: Welfen und Nationalliberale, S. 345 books.google In: Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.): Geschichte der Stadt Hannover, Bd. 2 Vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 1994, ISBN 3-87706-364-0.
Über allen Gipfeln ist Ruh So beginnt das Gedicht Wandrers Nachtlied von Johann Wolfgang von Goethe, das er 1780 mit Bleistift an die Holzwand einer Jagdhütte auf dem Kickelhahn bei Ilmenau schrieb. Es erhielt jedoch bei der ersten Veröffentlichung, die 1815 unter einem früheren Gedicht mit demselben Titel erfolgte, die Überschrift „Ein Gleiches“. Wandrers Nachtlied zählt zu seinen berühmtesten Gedichten.
Über den Wolken Über den Wolken ist das bekannteste Lied von Reinhard Mey. Es stammt aus dem Jahr 1974 und beschreibt die Sehnsucht des Sängers, der auf einem Flugplatz steht und einem Flugzeug beim Abheben zusieht. Berühmt ist vor allem der Refrain: „Über den Wolken muß die Freiheit wohl grenzenlos sein.Alle Ängste, alle Sorgen, sagt man,Blieben darunter verborgen und dannWürde, was uns groß und wichtig erscheint,Plötzlich nichtig und klein.“Zitiert nach
In der Berliner Morgenpost erklärt Uwe Sauerwein, dass auch „unter den Wolken die Freiheit grenzenlos sein kann“ und lässt Mey von seinem glücklichen Leben erzählen.
Über die Wupper Der/das ist über die Wupper (gegangen) ist ein heute gesamtdeutscher umgangssprachlicher Ausdruck dafür, dass jemand oder etwas verlorengegangen oder abhandengekommen ist. Die Redewendung geht auf den Umstand zurück, dass im 17. und 18. Jahrhundert junge Männer aus der zu Preußen gehörenden Grafschaft Mark, die sich nicht in der preußischen Armee wiederfinden wollten, vor allem an der alten Heckinghauser Zollbrücke über die Wupper und damit über die Grenze ins Herzogtum Berg gingen.abgerufen am 28. August 2012 um 8:30 Uhr
Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden. Dies ist der Titel eines Aufsatzes von Heinrich von Kleist. Es bedeutet, dass man sich über seine zunächst noch verworrenen Vorstellungen klar werden soll, indem man sie jemandem vorträgt.
Kleist empfiehlt, schwierige Fragen mit einem Gesprächspartner zu besprechen. Ihm geht es dabei um die Notwendigkeit, sich eines Sachverhaltes im Moment des Darüber-Sprechens klarer zu werden: Wenn nämlich der Sprechende seine Gedanken ordnet, um seine Sichtweise zu erläutern, wird er sich der Dinge bewusster.
Heute verwendet man das Zitat, um auszudrücken, dass man oft erst beim Reden seine Gedanken entwickelt.
Überall ist Wunderland. mini|Strumpfband|hochkant
Diese Feststellung trifft der Schriftsteller Joachim Ringelnatz in seinem skurrilen Gedicht Überall: „Überall ist Wunderland.Überall ist Leben.Bei meiner Tante im Strumpfenband Wie irgendwo daneben.“
Das Strumpfband ist in seiner ursprünglichen Form ein Stoffstreifen, der über einem Strumpf um das Bein gebunden wurde, um diesen am Herunterrutschen zu hindern. Strumpfbänder wurden, wie auch Strapse (Strumpfhalter), ursprünglich von beiden Geschlechtern getragen.
Das Zitat Überall ist Wunderland kann als Aufforderung verstanden werden, auch in alltäglichen Dingen das Besondere zu erkennen.
Ubi sunt?
Die Frage Ubi sunt (lateinisch: „Wo sind sie?“, vollständig: „Ubi sunt qui ante nos in mundo fuere?“ – „Wo sind sie (geblieben), die vor uns auf der Welt waren?“) ist ein Topos in der Predigt und Dichtung des Mittelalters, der dazu dient, dem Leser oder Hörer an Beispielen vergangener Macht oder Schönheit die Vergänglichkeit alles Irdischen in Erinnerung zu rufen und ihn auf das Jenseits als die Bestimmung des Menschen zu verweisen, sich zuweilen aber auch mit nostalgischer Verklärung der Vergangenheit und zeitkritischer Klage über die Gegenwart verbindet.
Der Topos stellt im christlichen Mittelalter eine Variante des jüdisch-christlichen Vanitas-Motives dar und findet sich bereits im biblischen Buch Baruch vorgebildet (Bar 3,16–19):
Lateinischer Bibeltext der Vulgata:Wörtlich aus der Vulgata übersetzt:ubi sunt principes gentium et qui dominantur super bestias quae sunt super terramWo sind die Gebieter der Völker, die selbst die Tiere der Erde beherrschen Ein bekanntes Beispiel ist das Studentenlied Gaudeamus igitur, das bereits in seiner ältesten bekannten Fassung oder Vorstufe aus dem 13. Jahrhundert eine Strophe zu diesem Thema enthielt.
Ultima Ratio
Siehe auch Ultima Ratio von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben
Siehe auch Ultima Ratio von Johann Wolfgang von GoetheUltima ratio auf Wikisource.
Um des Kaisers Bart streiten mini|Statue Friedrichs I. am Kyffhäuserdenkmal|hochkant
Die Redewendung „Um des Kaisers Bart streiten“ wird gebraucht, um auszudrücken, dass es um belanglose Dinge geht, die sich womöglich gar nicht entscheiden lassen. Ein solcher Streit entbrannte tatsächlich im Jahr 363, als Kaiser Julian Apostata auf dem Weg zu seinem Perserfeldzug in Antiochia am Orontes Station machte und die leichtlebigen Bewohner Spottverse auf den ernsten Kaiser mit seinem Philosophenbart dichteten. Julian antwortete mit einer philosophisch inspirierten Satire (Misopogon, griechisch für „Barthasser“), einem der wenigen überlieferten Selbstzeugnisse eines Kaisers nach Mark Aurel.
Allerdings war schon im zweiten vorchristlichen Jahrzehnt die lateinische Wendung „rixari de lana caprina“ („streiten um Ziegenwolle“) zur Kennzeichnung sinnlosen Streits um Nichtigkeiten gebräuchlich. In dieser Bedeutung findet sich im ersten Buch der Horazischen Episteln der Hexameter „alter rixatur de lana saepe caprina“ („ein anderer streitet ständig um Ziegenwolle“).s:la:Epistulae (Horatius) - Liber I#Epistula XVIII, Vers 15; vgl. Harald Fuchs: Zu Horaz, Epistulae I, 18. (PDF; 627 kB) S. 188. Die Redensart geht möglicherweise auf die Unbestimmtheit des Begriffes lana (Wolle) zurück, die Meinungsverschiedenheiten darüber Raum ließ, ob allein das Haarkleid des Schafs oder auch das anderer Tiere oder gar pflanzliches Material so genannt werden könne; noch das Corpus iuris civilis nahm dazu allerlei klärende Aussprüche Ulpians in sein 32. Buch De legatis et fideicommissis auf.thelatinlibrary.com siehe z. B. Dig. 32.70.9: „Lana legata etiam leporinam lanam et anserinam et caprinam credo contineri et de ligno, quam eriocylon appellant.“ Vgl. Theodor Schmid (1828) Google Books, S. 380. Aller Wahrscheinlichkeit nach hat sich die deutsche Übersetzung von lana caprina in Geißhaargeiszhaar im Deutschen Wörterbuch. oder Geißbart wegen der Lautähnlichkeit im Laufe der Zeit zu Kaisers Bart gewandelt, ohne dass sich dabei am Sinn der Redensart etwas änderte. Nur die ursprünglichen Zusammenhänge gerieten in Vergessenheit.Christoph Gutknecht: Lauter blühender Unsinn. Erstaunliche Wortgeschichten von Aberwitz bis Wischiwaschi. C.H. Beck, München 2003, S. 197–201.
In Emanuel Geibels Gedicht Von des Kaisers Bartzeno.org. streiten drei junge Männer im Wirtshaus darüber, ob der Bart Kaiser Friedrich Barbarossas braun, schwarz oder weiß gewesen sei, und gehen deshalb schließlich sogar mit Säbeln aufeinander los. Das Gedicht endet mit der Ermahnung: Zankt, wenn ihr sitzt beim Weine, Nicht um des Kaisers Bart!
Um wieder auf besagten Hammel zu kommen. Diese Redewendung hat sich aus dem französischen „revenons à nos moutons“ (Kommen wir auf unsere Schafe zurück!) durch August von Kotzebues Lustspiel Die deutschen Kleinstädter von 1802 eingebürgert:
Bürgermeister „Wiederum auf besagten Hammel zu kommen –“ Olmers „O Herr Bürgermeister! und wenn Sie mir alle Hammel von ganz Tibet versprächen, jetzt hab’ ich einen Wunsch, der mir näher am Herzen liegt.“ Bürgermeister „So? So?“ Olmers „Ich liebe Ihre Mademoisell Tochter.“ Bürgermeister „Ei, ei.“Zitiert nach
Die Redewendung scheint aus einem Schwank entstanden zu sein, den der französische Bernard le Bovier de Fontenelle in der Einleitung zum Leben des Dichters Thomas Corneille erzählt. Darin verklagt ein Tuchhändler seinen Schäfer, weil er Schafe unterschlagen haben soll. Anstatt aber dem Richter darüber zu antworten, spricht er von dem Tuch, um das ihn ein Mann betrogen hat, den er im Gerichtssaal zu sehen glaubt.
Die Redewendung wird angewandt, wenn jemand von allem Möglichen redet, nur nicht von dem Gegenstand, von dem er reden soll.
Umgang mit Menschen Diese Floskel geht auf die 1788 erschienene, berühmte Schrift Über den Umgang mit Menschen des Schriftstellers Freiherr Adolph Knigge zurück. Knigge gab in dieser aufklärerischen Schrift seinen Zeitgenossen Regeln für den richtigen Umgang miteinander. Als „Knigge“ bezeichnet man danach heute ein Buch mit Verhaltensregeln.
Im ersten Kapitel mit der Überschrift Allgemeine Bemerkungen und Vorschriften über den Umgang mit Menschen schreibt Knigge: „Jeder Mensch gilt in dieser Welt nur so viel, als wozu er sich selbst macht... Diese Erfahrung macht den frechen Halbgelehrten so dreist, über Dinge zu entscheiden, wovon er nicht früher als eine Stunde vorher das erste Wort gelesen oder gehört hat, aber so zu entscheiden, daß selbst der anwesende bescheidene Literator es nicht wagt, zu widersprechen, noch Fragen zu tun, die des Schwätzers Fahrzeug aufs Trockene werfen könnten.“
Umwertung aller Werte Dieser Ausdruck für eine neue Bewertung bisheriger Wertvorstellungen stammt vom Philosophen Friedrich Nietzsche und bezieht sich auf die Ersetzung christlich-abendländischer Werte durch vorchristlich-archaische Tugenden.
Die ganze Moderne leide an Dekadenz. Dagegen sei nun eine „Umwertung aller Werte“ nötig. Wie allerdings die neuen Werte aussehen sollten, wird aus Nietzsches Werk nicht eindeutig klar.
Unbewältigte Vergangenheit Der Ausdruck wurde 1955 auf einer Einladung zu einer Tagung der Evangelischen Akademie Berlin durch den damaligen Akademiedirektor Erich Müller-Gangloff geprägt und in der Folgezeit häufig im Zusammenhang mit dem Thema Nationalsozialismus verwendet, in Analogie zum Trauma bei einem Individuum, wenn eine Gruppe oder Gesellschaft eine historische Erfahrung nicht verarbeitet und die Aufarbeitung einer schuldhaften Vergangenheit noch nicht stattgefunden hat: „Argentiniens unbewältigte Vergangenheit“ „Linkspartei: Unbewältigte Vergangenheit“