mini|hochkant=1.2|Ratsstadt links, Bischofsstadt mit Dom rechts, Luftaufnahme (2018) mini|hochkant=1.2|Teilpanorama der Altstadt von Naumburg|alt=Von erhöhter Position aufgenommen, rechts ist über den Häusern der Stadt den Turm der Stadtkirche zu sehen, links sieht man die vier Türme des Doms. Im Hintergrund ist der Hang des Saaletals in größerer Entfernung zu sehen.
Naumburg (Saale) ist eine Mittelstadt im Süden Sachsen-Anhalts. Naumburg ist Verwaltungssitz des Burgenlandkreises und Mittelpunkt des nördlichsten deutschen Qualitätswein-Anbaugebietes Saale-Unstrut. Die Stadt ist ein Knotenpunkt im deutschen Schienennetz. Sie ist geprägt durch eine reichhaltige, fast 1000-jährige Geschichte, insbesondere als historischer Sitz des Bistums Naumburg. Wahrzeichen ist der Naumburger Dom in der mittelalterlichen Altstadt, der seit dem 1. Juli 2018 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.Zeuge aus Stein und Weltkulturerbe: Der Naumburger Dom, MDR.de, 7. Juni 2020, abgerufen am 5. August 2020 Naumburg ist ein staatlich anerkannter Erholungsort.
Geografie Überblick mini|Brücke der Thüringer Bahn über die Saale bei Naumburg|alt=Steinerne Bogenbrücke, Eisenbahn oben, mittelgroßer Fluss (Saale) unten. Im Hintergrund ein Weinberg und Wald. Naumburg liegt im Süden Sachsen-Anhalts nahe der Grenze zu Thüringen, 39 km südlich von Halle und 30 km nördlich von Jena. Südwestlich des Randes der Leipziger Tieflandbucht gelegen, gehört die Stadt mit einer Höhe von 130 m über NHN schon zur Mittelgebirgsregion. Die Stadt ist vom hügeligen Weinanbaugebiet Saale-Unstrut umgeben und liegt im Naturpark Saale-Unstrut-Triasland. Das Klima in Naumburg ist außergewöhnlich mild, was den Weinbau an den Talhängen der Umgebung ermöglicht.
Die maximale Ost-West-Ausdehnung der Kernstadt beträgt etwa 6,5 km, die maximale Nord-Süd-Ausdehnung etwa 5,5 km.
Unmittelbar nördlich der Kernstadt Naumburgs mündet die aus Richtung Nordthüringen kommende Unstrut in die aus Richtung Fichtelgebirge kommende, sächsische Saale. Weitere Gewässer sind die Wethau im Osten und Südosten von Naumburg sowie kleinere Bäche. mini|Luftaufnahme des Markts|alt=Von einer Drohne aufgenommen. Der Marktplatz ist quadratisch, an ihm stehen sanierte alte Patrizierhäuser mit roten Ziegeldächern und zahlreichen Dachgauben. mini|Allee Lindenring zwischen den zwei Altstadtkernen|alt=In der Mitte ist ein Fußweg (breiter Kiessandstreifen), links und rechts davon Baumreihen mit Linden, daneben die Fahrbahn mit parkenden Autos.
Stadtgliederung Naumburg gliedert sich in eine Kernstadt mit ca. 25.000 Einwohnern und die eingemeindeten Umlanddörfer.
Die Altstadt entwickelte sich aus zwei mittelalterlichen Stadtkernen. Dabei bildeten sich zwei separate Hoheitsbereiche heraus: im Südosten die Rats- und Bürgerstadt, im Nordwesten durch die Vorgeschichte als Bischofssitz die Bischofsstadt. Zwischen den beiden verläuft heute eine Allee (Lindenring).
An die Altstadt schließen sich die Vorstädte aus der Zeit der Industrialisierung an. Durch Naumburgs Geschichte als ehemalige preußische Beamten-, Garnisons- und Anwaltsstadt sind vergleichsweise wenige Vorstädte als Arbeiterquartiere ausgebildet (z. B. nördlich der Altstadt). Stattdessen wurden bevorzugt Villen gebaut (z. B. im Bürgergartenviertel im Süden und in der östlichen Vorstadt).
Aus der Zeit der DDR gibt es ebenfalls nur kleinere Neubausiedlungen. Darunter zählen Teile der Naumburger Gartenstadt im Norden, die Völkerfreundschaft im Südosten unweit des Neuen Friedhofs sowie Teile der Siedlung Flemminger Weg.Stadt Naumburg (Saale): Zusammenführung der Teilflächennutzungspläne Crölpa-Löbschütz - 1. Änderung, Naumburg (Saale) 2025 und des Ergänzungsflächennutzungsplanes Naumburg (Saale) gem. § 6 Abs. 6 BauGB. Fassung vom 11. Februar 2015. S. 49.
Nach der Wende wurden wieder mehr Einfamilienhäuser in der Kernstadt gebaut, z. B. in der Naumburger Gartenstadt und in der Siedlung Flemminger Weg.
Zur Kernstadt gehören ebenfalls die mit ihr verschmolzenen Dörfer Almrich (früher Altenburg), Grochlitz sowie die vorgelagerten Dörfer Henne und Weinberge. Weiterhin besteht die Stadt Naumburg aus folgenden Umlanddörfern: Ortsteil Ein-wohner(Januar 2020) Jahr derEinge-meindung Bad Kösen 3.621 2010 Beuditz 64 1991 Boblas 165 1991 Crölpa-Löbschütz 140 2010 Eulau 429 1991 Flemmingen 452 1992 Fränkenau 75 2010 Freiroda 111 2010 Großjena 465 1994 Großwilsdorf 130 1994 Hassenhausen 300 1992 (Kösen)2010 Heiligenkreuz 144 2010 Janisroda 155 2010 Kleinheringen 60 2010 Kleinjena 274 1991 Kreipitzsch 46 2010 Ortsteil Ein-wohner(Januar 2020) Jahr derEinge-meindung Kukulau 66 2010 Meyhen 160 1991 Neidschütz 226 1991 Neuflemmingen 38 1992 Neujanisroda 34 2010 Prießnitz 294 2010 Punschrau 169 2010 Rödigen 19 1991 (Kösen)2010 Roßbach 248 1991 Saaleck 228 2010 Schellsitz 187 1950 Schieben 81 2010 Schulpforte 126 2010 Tultewitz 52 2010 Wettaburg 86 1991
Flächennutzung Die folgende Grafik zeigt die Anteile der Flächennutzung auf dem Stadtgebiet aus dem Flächennutzungsplan 2025.Stadt Naumburg (Saale): Zusammenführung der Teilflächennutzungspläne Crölpa-Löbschütz - 1. Änderung, Naumburg (Saale) 2025 und des Ergänzungsflächennutzungsplanes Naumburg (Saale) gem. § 6 Abs. 6 BauGB. Fassung vom 11. Februar 2015. S. 247 ff.
mini|Mauern über künstlerisch behauenem Buntsandstein bei Großjena|alt=Oben über den Mauern steht das Max-Klinger-Haus
Geologie Naumburg liegt regionalgeologisch im Saale-Unstrut-Triasland. Dieses wird geprägt durch einen Schichtstapel der triassischen Sedimentgesteine des Buntsandsteins, Muschelkalks und Keupers.LAGB Sachsen-Anhalt: Digitale Geologische Oberflächenkarte 1:25.000 (WMS-Darstellungsdienst), WMS-Link: geodatenportal.sachsen-anhalt.de (GIS benötigt), abgerufen am 26. November 2021. Nachdem diese in der jüngeren Erdgeschichte gehoben wurden, erodierten die Flüsse Saale, Unstrut und Weichau ca. 50 bis 100 Meter tiefe Täler, in denen heute Auesedimente wie Auelehm und Flusskies anstehen. Da die Eintiefung der Täler nicht gleichmäßig stattfand und die Wasserführung der Flüsse nicht konstant über den Lauf der Zeit erfolgte, existieren in Naumburg Flussterrassen mit Flusskies ca. 30 m oberhalb der heutigen Talsohle. Auf einer solchen Terrasse liegt heute der Großteil der Kernstadt Naumburgs. An den Rändern der Täler finden sich bis heute unzählige Felsen aus den roten- und weißen Sandsteinen und Tonsteinen des Buntsandsteins und aus den graublauen Kalksteinen und Tonsteinen des Muschelkalks. Im Blütengrund bei Großjena existiert mit dem Steinernen Album eine im Stile des Barock behauene Sandsteinwand.Stadt Naumburg: Steinernes Album. Zugriff am 30. Oktober 2021.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind Freyburg (Unstrut) im Norden, Goseck im Nordosten, die Gemeinden Schönburg, Wethau und Mertendorf der Verbandsgemeinde Wethautal im Osten, Molauer Land im Süden, die Gemeinden Dornburg-Camburg des thüringischen Saale-Holzland-Kreises und Großheringen des thüringischen Landkreises Weimarer Land im Südwesten und die Gemeinden Lanitz-Hassel-Tal und Balgstädt der Verbandsgemeinde An der Finne im Westen.
Klima In der folgenden Tabelle sind die Klimadaten der Wetterstation Naumburg/Saale-Kreipitzsch aus der Periode 2018–2023 verzeichnet. Der jährliche Niederschlag beträgt 479 Millimeter. Naumburg liegt im Mitteldeutschen Trockengebiet.
Geschichte mini|Familiengräber von Eulau|alt=Im Museum aufgenommen. Man sieht drei Wandtafeln mit Präparaten der Fundstellen (Bodenmaterial und Menschenknochen, von oben dargestellt). Die Tafeln hängen vor schwarzem Hintergrund
Ur- und Frühgeschichte Wie weite Teile Mitteleuropas wurde die Landschaft um Naumburg seit ca. siebeneinhalbtausend Jahren von wechselnden Kulturen der Jungsteinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit besiedelt (siehe Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas). Von diesen Ur- und Frühgeschichte sind jedoch keine Schriftzeugnisse überliefert, sondern nur archäologische Funde. Nach dem heutigen Naumburg benannt ist dabei z. B. das bronzezeitliche Depot von Naumburg sowie die Kultur der Naumburger Gruppe aus der Eisenzeit von ca. 300 v. Chr. bis 60 v. Chr. Auf der Saale-Hochterrasse bei Eulau wurden im Jahre 2005 die Familiengräber von Eulau geborgen. Diese stellen den ältesten bekannten archäologischen Fund einer menschlichen Kernfamilie dar und stammen aus dem 3. Jahrtausend vor Christus. Zuständig für die Verwaltung dieser Funde ist heute das sachsen-anhaltische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in Halle (Saale).
Völkerwanderung Zur Zeit der Völkerwanderung siedelten sich ab dem 4. Jahrhundert nach Christus germanische und slawische Stämme im Naumburger Raum an. Die Saale bildete später in der Region die ungefähre Grenze zwischen den deutschsprachigen Gebieten im Nordwesten und den slawischsprachigen im Südosten. Ab dem 9. Jahrhundert wurde ein Großteil der heute bestehenden Ortschaften um Naumburg gegründet. Vorwiegend östlich der Saale sind dabei die einst slawischen Siedlungen an ihren bis heute überdauernden Ortsnamen erkennbar (z. B. Scheiplitz, Gröbitz, Neidschütz, Zeitz). Im Zuge der Hochmittelalterlichen Ostsiedlung breiteten sich deutsche Siedler über die Saale weiter nach Osteuropa aus und verdrängten, bzw. assimilierten die früheren slawischen Bewohner.
Mittelalter Erste urkundliche Erwähnungen und Bischofssitz mini|Darstellung des ehemaligen bischöflichen Territoriums|alt=Alte Landkarte. Zum Bistum gehörten im Nordwesten ein Territorium um Naumburg und im Südwesten ein Territorium um Zeitz.
Naumburg wurde erstmals 1012 urkundlich erwähnt, als an der Kreuzung zweier Handelsstraßen die neue Burg der Ekkehardiner, der Markgrafen von Meißen, entstand. 1021 wird in der Merseburger Bischofschronik von der kurz zuvor erfolgten Neugründung einer Propstei an der Stelle des späteren Naumburger Doms berichtet. Auf Betreiben der Ekkehardiner gab Papst Johannes XIX. 1028 seine Zustimmung zur Verlegung des Bistumsitzes von Zeitz nach Naumburg.L. Naumann: Zur Gründungsgeschichte der Stadt Naumburg. Heimatbücherverlag H. Sieling, Naumburg, 2. Aufl. 1937. Bis zur Säkularisation des Bistums Naumburg-Zeitz war Naumburg der Bischofssitz, wenngleich die Bischöfe ab dem 13. Jahrhundert wieder meist in Zeitz residierten. Letzter Bischof war Julius von Pflug, der in Zeitz starb und auch dort beerdigt ist.
Auf das Jahr 1030 datiert ist die Gründung der Domschule. Seit 1144 wurde Naumburg Stadt genannt.
Klöster, Dörfer und Wüstungen Das Bistum Naumburg-Zeitz belehnte seinen Besitz an die Klöster der Region. In und um Naumburg waren dies insbesondere das Kloster Pforte sowie das Moritzkloster und das Georgenkloster am Ort. Die Klöster verwalteten sogenannte Vorwerke, Meierhöfe und diverse Dörfer auf dem Stadtgebiet von Naumburg.
Im Frühmittelalter gab es mehr Dörfer um Naumburg als heute. Teils sind diese durch die wirtschaftlichen Aktivitäten der Klöster verlassen worden, teils mussten sie auf Grund klimatischer Veränderungen und dem damit einhergehenden Versiegen von Wasserquellen aufgegeben werden (siehe Wüstung).