Oschersleben (Bode) liegt im Landkreis Börde des Landes Sachsen-Anhalt. Die Stadt liegt inmitten der Magdeburger Börde und wurde durch die umgebenden fruchtbaren Schwarzerdeböden stark landwirtschaftlich geprägt. Sie hat eine mehr als 1000-jährige Geschichte.

Bekannt ist Oschersleben für die 1997 erbaute Motorsport Arena Oschersleben. Die Rennstrecke, auf der bereits viele nationale und internationale Rennen ausgetragen wurden, ist eine von fünf permanenten Rennstrecken in Deutschland.

Geographie Oschersleben liegt in der Magdeburger Börde, ca. 35 km südwestlich von Magdeburg. Hier mündet der Große Graben, der von der Schöninger Aue und dem Hohlebach gespeist wird, in die Bode, die in Oschersleben den nördlichsten Punkt erreicht. Dieses Gebiet wird aufgrund der Ausdehnung des Gewässernetzes als Großes Bruch bezeichnet.

Geologie Die Stadt liegt geologisch im mitteldeutschen Bruchschollenland. Genauer betrachtet liegt Oschersleben auf der Oscherslebener-Bernburger Scholle in der Subherzynischen Senke. An der Oberfläche findet man Gesteine des Keupers mit gering durchlässigen Ton- und Schluffsteinen. Diese Scholle wird begrenzt durch die Allertal-Störung und den Lappwald, im Westen durch die Asse, im Osten durch den Halleschen Vulkanitkomplex und im Süden durch den Harz.

Weiterhin liegt Oschersleben am Rande des Oschersleben-Egeln-Staßfurter Salzsattels. Wegen des Vorkommens von Braunkohlen im Randbereich des Sattels wurden in der Vergangenheit Tagebaue in den Ortsteilen Hornhausen, Jakobsberg, Neindorf und Klein Oschersleben betrieben. Mittlerweile sind alle Gruben in diesen Bereich wieder verfüllt.C.F. Zincken: Die Braunkohle und ihre Verwendung 1867, S. 695–702.

Im Bodetal sind quartäre, frühsaalekaltzeitliche Schotter vorhanden. Das Grundwasser hat nur einen geringen Abstand zur Oberfläche.

Als Bodentyp ist die Schwarzerde im Einzugsgebiet der Stadt weit verbreitet. Dieser fruchtbare Boden hat die Stadt über Jahrhunderte stark landwirtschaftlich geprägt.

Klima Die Stadt liegt in der gemäßigten Klimazone und im Regenschatten des Harzes.

Stadtgliederung Die Stadt Oschersleben (Bode) ist eine Einheitsgemeinde und gliedert sich in die Ortsteile

Wohnplätze der Stadt sind: Am Bahnhof Jakobsberg Siedlung

Am 1. Juli 2014 ist das neue Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt in Kraft getreten. In dessen §14 (2) wird den Gemeinden die Möglichkeit gegeben, den Ortsteilen, die vor der Eingemeindung Städte waren, diese Bezeichnung zuzuerkennen.Kommunalverfassungsgesetz des Landes in der Fassung vom 1. Juli 2014 Die Stadt Oschersleben (Bode) hat von dieser Regelung Gebrauch gemacht. Ihre Hauptsatzung ist in der jetzigen Fassung mit Wirkung vom 8. Juli 2017 in Kraft getreten. Im §1 werden die Ortsteile und im §14 (1) die Ortschaften mit ihren amtlichen Namen aufgeführt.Hauptsatzung in der Fassung von 2017

Geschichte Mittelalter und Neuzeit Oschersleben wurde angeblich 814 in den Stiftungsbriefen des Kaisers Ludwig des Frommen unter dem Namen Oscheresleve im Harzgau erwähnt, jedoch sind derzeit keine Originaldokumente darüber vorhanden.J. A. F. Hermes: Historisch-geographisch-statistisch-topographisches Handbuch vom Regierungsbezirke Magdeburg. W. Heinrichshosen, Magdeburg 1842. Die Urkunde Ludwigs des FrommenD LdF 15. vom 2. September 814, in der auf eine Gründung durch Karl den Großen verwiesen wird, ist eine Fälschung aus dem 12. Jahrhundert.Theo Kölzer: Die Urkunden Ludwigs des Frommen für Halberstadt (BM2 535) und Visbek (BM2 702) und ein folgenreiches Mißverständnis. in: Archiv für Diplomatik, Band 58 (2012), S. 103–124 (doi:10.7788/afd.2012.58.jg.103).Theo Kölzer: Die Anfänge der sächsischen Diözesen in der Karolingerzeit. in: Archiv für Diplomatik, Band 61 (2015), S. 11–38, hier S. 15 (doi:10.7788/afd-2015-0105).

Am 23. November 994 wurde Oschersleben dann erstmals nachweislich in einer UrkundeSächsisches Landeshauptarchiv zu Dresden, Orig. Urk. Nr. 8 (A). Vgl. RI II,3 n. 1125, in: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0994-11-23_1_0_2_3_0_581_1125 (Abgerufen am 1. Dezember 2017). von König Otto III., in der er Quedlinburg das Marktrecht verlieh, als Nordgrenze seines Bereiches erwähnt: „palus quae ex Oscheresleuo tenditur usque Hornaburch (der Sumpf, welcher von Oschersleben bis Hornburg sich ausdehnt)“. Zu diesem Anlass wurde 1994 die 1000-Jahr-Feier begangen.

Der Namenforscher Jürgen Udolph deutet den Ortsnamen als „Ansgers Erbe“. Der Vorname zeigt die für das Altsächsische und andere nordseegermanische Sprachen typische Lautentwicklung ans- > ôs-. Trotz oberflächlicher Ähnlichkeit ist eine Herleitung von Oskar unwahrscheinlich, da dieser Name sich erst im 19. Jahrhundert von Schottland aus auf das europäische Festland verbreitete. Der zweite Bestandteil ist das an der mittleren Elbe häufige germanische -laiba „Hinterlassenschaft, Erbteil“, siehe dazu die -leben-Namen.Jürgen Udolph: Ortsnamen des Magdeburger Landes. In: Magdeburger Namenlandschaft. Onomastische Analysen zu Stadt und Region in Geschichte und Gegenwart. Hg. von Armin Burkhardt, Ursula Föllner, Saskia Luther. Sonderdruck, Frankfurt am Main (u. a.) 2005. Hier S. 121.

Am 27. Oktober 1010 war OskeresleuoData VI kal. novemb. indictione VIIII, anno dominacae incarnationis millesimo X, anno vero domni secundi heinrici regnantis VIIII; actum publice Oskeresleuo; feliciter amen. MG. DD. 3, 259 no. 223. Ausstellungsort einer wichtigen Königsurkunde, in welcher Heinrich II. die bischöfliche Kirche von Brandenburg in seinen Schutz nahm und dem Bischof Wigo (1004–1017/19) und seinen Nachfolgern die freie der Wahl der Vögte sowie das freie Verfügungsrecht über die Zehnten aus dem Havelland und allen Provinzen des Bistums zusicherte.Qualiter nos ... ecclesiam Brandeburgensem in honore beatissimi Petri apostolorum principis fundatum sub nostri mundiburdii defensione suscepimus, concedentes eiusdem ecclesię episcopo Wigoni suisque successoribus, ut habeant eandem libertatem, quam episcopi Saxonici habent, videlicet in eligendo advocatos in toto suo episcopatu, prout eis oportunum fuerit, habeantque liberam facultatem de decimis sui episcopatus, in provincia scilicet Heveldon et in aliis provinciis ubicumque parrochia eiusdem episcopatus est, sicut sui antecessores tenuerunt, faciendi ad utilitatem supra dictae ecclesię quicquid voluerint, omnium hominum regni nostri contradictione remota. RI II,4 n. 1736, in: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1010-10-27_1_0_2_4_1_447_1736 (Abgerufen am 1. Dezember 2017).

Am 17. Januar 1052 kam die Grafschaft des Grafen Bernhard im Harzgau, Derlingau, Nordthüringgau und Balsamgau – und damit auch Oschersleben – durch eine Schenkung des Saliers Heinrich III. (HRR) an das expansive Bistum Halberstadt.Urkunde vom 17. Januar 1052, ausgestellt in Hasselfelde: [RIplus] Regg. Heinrich III. n. 281, in: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/a9d0a2c9-662e-40ba-8953-5f8bb8c19a8f (Abgerufen am 1. Dezember 2017).

Der damals erst vierzehnjährige Salier Heinrich IV. „schenkte“ am 6. September 1065 in Osckerslevo unter der Vormundschaft seines alleinigen Regenten Bischof Adalbert von Bremen die wichtige Reichsabtei Corvey dem Erzbistum Bremen.abbatiam Chorbeia . . . in pago Angera in ducatu Ottonis ducis sitam cum omnibus appendiciis . . . omnique utilitate . . . in proprium dedimus atque tradidimus. – Sigehardus canc. vice Sigefridi archicanc. – RI III,2,3 n. 414, in: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1065-09-09_1_0_3_2_3_414_414 (Abgerufen am 1. Dezember 2017). – 1066 wurde Adalbert von Bremen gestürzt, weil er die Herrschaftsgewalt ausgenutzt hatte, um seine Kirche aus Krongut zu bereichern.

Im 12. Jahrhundert befand sich Oschersleben im Besitz des Pfalzgrafen von Sommerschenburg. Später im Jahr 1207 wurde Oschersleben dann dem Bistum Halberstadt zugeordnet und anschließend mehrmals an das Bistum Magdeburg versetzt. Im Jahre 1339 ging die Stadt dann in den Pfandbesitz der Grafen von Reinstein über. Im Jahre 1399 wechselte der Besitz wieder in die beiden Adelsgeschlechter von Veltheim und von Wenden. Ein weiterer Wechsel der Besitzverhältnisse vollzog sich im Jahre 1484, dort wurde die Stadt den von Hoym und den Asseburgern zugeordnet. Erst im Jahre 1545 fiel Oschersleben wieder an das Bistum Halberstadt zurück. mini|Turm der Befestigungsanlage Eine Urkunde, wann Oschersleben das Stadt- oder Marktrecht erhielt, ist nicht vorhanden. Allerdings wurden die Einwohner 1235 schon als „Burgenses“ (Bürger) bezeichnet. Die Befestigungsanlagen fanden ab dem 15. Jahrhundert Erwähnung.

Kirchlich gehörte die Stadt stets zum Bistum Halberstadt, war Sitz eines Archidiakonats und führte 1540 die Reformation durch.

Die ursprüngliche Dorfsiedlung lag dicht am Bruch westlich und südwestlich der späteren befestigten Stadt und wird in Urkunden das „alte Dorf“ oder antiqua villa genannt. Der Begriff Altes Dorf blieb für die westliche Vorstadt später erhalten und findet als Straßenname bis in unsere Zeit Verwendung. In dieser alten Dorfsiedlung lag die Stephanskirche, angeblich 806 von Bischof Hildegrim gegründet.

Südöstlich des Alten Dorfes, ganz nah dem Bruch im Süden vorgeschoben, lag die alte Burg Oschersleben, deren Entstehung wohl Anfang des 12. Jahrhunderts anzusetzen ist. Sie war mit Mauern und Graben befestigt und hatte ihren Eingang ursprünglich vom Damme her. Die Burg wurde 1545 neu erbaut und nach Norden gegen die Stadt zu erweitert. Seit dem Übergang an Brandenburg (1648) war sie kurfürstliche, ab 1701 königliche Domäne, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Privathand überging.

Nordöstlich dieser älteren Siedlungsteile wurde dann im 12. Jahrhundert die Stadt angelegt. Sie hatte eine Ausdehnung von etwa 450 × 450 m. Die Westseite war gerade, die anderen hufeisenförmig gebogen. Das Straßennetz war vor allem nach Osten völlig regelmäßig. Den Mittelpunkt bildet bis heute der rechteckige Markt, der im Norden durch das Rathaus und im Süden durch die Nikolaikirche begrenzt wird.

Über die Anlage der Stadtbefestigungen gibt es keine verbürgten Nachrichten. Bereits vor 1235 muss die Stadt befestigt worden sein – später mit Mauer, doppelten Wällen und Graben. Der Verlauf der Stadtmauer ist heute noch deutlich feststellbar. Ursprünglich bestanden an den Stadteingängen das Magdeburger Tor im Osten, das Hornhäuser- oder Oldendorpsche Tor im Westen, das Halberstädter Tor im Süden und das Neue Tor im Norden. Die Befestigung an den Toren wurde seit 1700 eingeebnet, gleichwie der Stadtgraben, der in Gärten umgewandelt wurde. Erweiterungen erfuhr die Stadt erst ab dem 19. Jahrhundert vor allem nach Norden und Westen.

Im 17. Jahrhundert fielen Teile Oscherslebens Bränden zum Opfer. Nach Ende des Dreißigjährigen Krieges 1648 gelangte die Stadt an Brandenburg-Preußen. Nach der territorialen Neuordnung des Wiener Kongresses wurde sie am 1. Juli 1816 zur Kreisstadt. Bis zum Jahr 1859 war Sitz der Kreisverwaltung in Schwanebeck.

Gegen Mitte des 19. Jahrhunderts setzte durch die sich rasch entwickelnde Rübenzuckerindustrie der große Zustrom von Binnenwanderern nach Oschersleben ein, bis dahin waren Ackerbau und Viehzucht die Haupterwerbszweige der Stadtbevölkerung gewesen. 1840 wurde die erste Zuckerfabrik eröffnet. Als weiterer städtischer Wirtschaftsfaktor entstand 1846 die Maschinenfabrik und Eisengießerei C. Bartels Söhne, hinzu kamen später einige Ziegelbrennereien, 1861 eine Wurst- und Fleischwaren-, 1869 eine Malzfabrik. Um 1890 wurde das Amtsgericht Oschersleben erbaut.