mini|hochkant|Marktplatz mit Turm der Lambertus-Kirche

Erkelenz ist eine Mittelstadt im Rheinland. Sie liegt rund 15 Kilometer südwestlich von Mönchengladbach am Nordrand der Kölner Bucht auf halbem Weg zwischen Niederrhein und Niedermaas. Sie ist eine mittlere kreisangehörige Stadt und die größte im Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen.

Während die Stadt auf mehr als 1000 Jahre Geschichte und Tradition zurückblickt, werden seit 2006 bis in das Jahr 2030 die östlich gelegenen Ortsteile des Stadtgebietes durch den Braunkohletagebau Garzweiler II der RWE Power AG zerstört. Über fünftausend Menschen aus zehn Ortschaften müssen deshalb umgesiedelt werden. Die Dörfer Pesch, Borschemich und Immerath wurden eingeebnet. Als Ersatz wurden Immerath (neu) bei Kückhoven, Pesch an einer Straße in Kückhoven und Borschemich (neu) an dem Stadtteil Erkelenz-Nord angelegt. Die Räumung des Weilers Lützerath wurde im Januar 2023 durch Klimaschutzaktivisten verzögert.

Geographie Landschaft mini|hochkant|Das Erkelenzer Land bei Lövenich Das Landschaftsbild ist von der flachwelligen bis fast ebenen Jülich-Zülpicher Börde geprägt, deren fruchtbarer Lössboden überwiegend landwirtschaftlich genutzt wird. Die Siedlungs- und Verkehrsfläche umfasst 20 Prozent des Stadtgebietes, 75 Prozent werden landwirtschaftlich genutzt und nur zwei Prozent sind bewaldet.Prozentwerte sind gerundet Der Wahnenbusch, das größte zusammenhängende Waldgebiet, erstreckt sich südlich der Stadt bei Tenholt und umfasst 25 Hektar. Im Norden beginnt die wald- und wasserreiche Landschaft der Schwalm-Nette-Platte, eines Teilgebiets des Niederrheinischen Tieflandes. Im Westen, jenseits des Stadtgebietes, liegt 30 bis 60 Meter tiefer die Rurniederung. Der Übergang wird vom Baaler Riedelland eingenommen. Bäche haben hier eine abwechslungsreiche Landschaft von Berg und Tal geschaffen. Im Osten befindet sich das Niersquellgebiet bei Kuckum und Keyenberg. Südlich steigt die Landschaft zur Jackerather Lößschwelle hin an. Der niedrigste Punkt misst (Niersgebiet im Nordosten und Nähe Ophover Mühle im Südwesten) und der höchste Punkt (Stadtgrenze bei Holzweiler/Immerath im Süden).

Klima Das Klima wird vom atlantischen Golfstrom im Übergang zwischen ozeanischem und kontinentalem Klima beeinflusst. Es herrschen Südwestwinde vor und Niederschläge gibt es zu allen Jahreszeiten. Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt etwa 710 mm, wobei August der niederschlagsreichste und September der niederschlagsärmste Monat ist. Die Sommer sind warm und die Winter mild. Im Juli liegt die mittlere Temperatur bei 19 °C, im Januar bei 3 °C. Die Dauer der kalten Periode mit einem Temperatur-Minimum unter 0 °C beträgt im langjährigen Mittel 50 Tage, die Anzahl der Sommertage mit Temperaturen über 25 °C liegt bei 30 Tagen, wobei es zusätzlich acht Tropentage mit Tagestemperaturen von mehr als 30 °C und Nachttemperaturen über 20 °C geben kann und insgesamt an 20 Tagen mit Gewittern zu rechnen ist. Der Frühling, der nach der Blüte von Kirsche, Apfel, Birne bemessen wird, zieht zwischen dem 29. April und dem 5. Mai ein. Der Hochsommer, der mit der Ernte des Winterroggens einsetzt, beginnt zwischen dem 10. und 16. Juli.Diercke, Weltatlas, Westermann Verlag, Braunschweig 1957, S. 22 f.Debra Zizkat und Hans-Wilhelm Cuber, Cusanus-Gymnasium Erkelenz, Wetterstation Erkelenz/Haus Hohenbusch.

Geologie Die Erkelenzer Börde ist der nördliche Ausläufer der Jülicher Börde und wird aus einer Lößplatte gebildet, die hier im Durchschnitt eine Mächtigkeit von über elf Metern besitzt. Darunter stehen Kiese und Sande der eiszeitlichen Hauptterrasse an, angelagert von Rhein und Maas. Eingebettet in den Löß sind stellenweise Linsen aus Mergel, die bis in das 20. Jahrhundert hinein zur Kalk-Gewinnung zum Teil auch durch Anlegen von Schächten und Stollen unter Tage abgebaut wurden.Hans Frohnhofen: Mergeln im Lövenicher Feld in: Heimatkalender der Erkelenzer Lande. Erkelenz 1959, S. 18 ff. Im Tertiär bildete sich entlang von Verwerfungslinien der Erkelenzer Horst. Östlich des Horstes verläuft die Venloer Scholle, westlich die Rurscholle, im Süden die Erftscholle und der Jackerather Horst. Ein kleinerer Abschnitt des Horstes wird vom Wassenberger Horst eingenommen. Mächtige Braunkohlenflöze aus dem Tertiär und Steinkohlenflöze aus dem Karbon befinden sich im Untergrund. Der Erkelenzer Horst gehört zum Erdbebengebiet Kölner Bucht.

Stadtgebiet mini|Östliche Ortsteile, die dem Tagebau Garzweiler II weichen sollen mini|Blick vom Burgturm auf den Stadtkern Das Stadtgebiet hat eine Ausdehnung in Ost-West-Richtung von 20 und in Nord-Süd-Richtung von elf Kilometern. Es grenzt an folgende Gemeinden: Stadt Wegberg (8 Kilometer nördlich, Kreis Heinsberg), kreisfreie Stadt Mönchengladbach (15 Kilometer nordöstlich), Stadt Jüchen (14 Kilometer östlich, Rhein-Kreis Neuss), Gemeinde Titz (zwölf Kilometer südöstlich, Kreis Düren), Stadt Linnich (elf Kilometer südwestlich, Kreis Düren), Stadt Hückelhoven (sieben Kilometer westlich, Kreis Heinsberg), Stadt Wassenberg (elf Kilometer nordwestlich, Kreis Heinsberg). Die Stadtgrenze zu den Städten Mönchengladbach und Jüchen ist auch zugleich die Grenze zwischen den Regierungsbezirken Köln und Düsseldorf.

Laut Hauptsatzung ist die Stadt Erkelenz in folgende neun Stadtbezirke eingeteilt (Einwohner: Stand 31. Dezember 2025): Stadtbezirk 1: Erkelenz mit den in ihr aufgegangenen Orten Oestrich und Buscherhof sowie Oerath, insgesamt 20.909 Einwohner Stadtbezirk 2: Gerderath mit Fronderath, Gerderhahn, Moorheide und Vossem, insgesamt 5.139 Einwohner Stadtbezirk 3: Schwanenberg mit Gendiek, Geneiken, Genfeld, Genhof, Grambusch und Lentholt, insgesamt 2.284 Einwohner Stadtbezirk 4: Golkrath mit Houverath, Houverather Heide, Hoven und Matzerath, insgesamt 2.154 Einwohner Stadtbezirk 5: Granterath und Hetzerath mit Bellinghoven, Commerden, Genehen, Scheidt und Tenholt, insgesamt 3.870 Einwohner Stadtbezirk 6: Lövenich mit Katzem und Kleinbouslar, insgesamt 4.097 Einwohner Stadtbezirk 7: Kückhoven, insgesamt 2.572 Einwohner Stadtbezirk 8: Keyenberg, Venrath und Borschemich mit Alt-Berverath, Alt-Keyenberg, Alt-Kuckum, Berverath, Etgenbusch, Kaulhausen, Kuckum, Mennekrath, Neuhaus, Oberwestrich, Terheeg, Unterwestrich, Westrich und Wockerath, insgesamt 3.934 Einwohner Stadtbezirk 9: Holzweiler und Immerath, insgesamt 2.304 Einwohner

Geschichte mini|hochkant|Jupitersäule (Rheinisches Landesmuseum Bonn) Vor- und Frühgeschichte Aus dem gesamten heutigen Stadtgebiet liegen Funde von Feuersteinschlagplätzen der älteren bis jüngeren Steinzeit vor.Jürgen Driehaus, Die urgeschichtliche Zeit im Landkreis Erkelenz. in: Heimatkalender der Erkelenzer Lande. Erkelenz 1967, S. 105 ff. Bei Gut Haberg, gelegen nördlich von Lövenich, existiert eine überregional bedeutende Fundstelle. In der Nähe von Kückhoven wurde 1990 ein Holzbrunnen entdeckt, der zu einer Siedlung der Bandkeramiker gehörte und um 5100 v. Chr. erbaut wurde. Damit stellt er eines der ältesten Holzbauwerke der Welt dar.Jürgen Weiner: Eine bandkeramische Siedlung mit Brunnen bei Erkelenz-Kückhoven. In: Schriften des Heimatvereins der Erkelenzer Lande. Band 12, Erkelenz 1992, S. 17 ff. Nördlich der alten Ortslage von Erkelenz, am heutigen Marienweg, lagen drei Brandgräber, nordwestlich bis südlich zahlreiche Trümmerstätten. Römische Ziegel, Hypokaustenziegel und Scherben stammen vom Markt südlich des Rathauses. Hier in der Südwestecke und östlich vom Chor der katholischen Pfarrkirche stieß man auf mit Feldsteinen eingefasste Urnengräber aus der frühen fränkischen Zeit von 300 bis 500 n. Chr. Am Süd- und Südostrand des Marktes fand man auch Kugeltöpfe im Stil der Badorfer Keramik aus karolingischer Zeit.Institut für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande an der Universität Bonn, Rheinischer Städteatlas. III Nr. 15, Köln 1976, S. 1. 1906 entdeckte man in Kleinbouslar eine römische Jupitersäule aus dem Anfang des 3. Jahrhunderts n. Chr. Der Erkelenzer Chronist Mathias Baux schrieb im 16. Jahrhundert, dass „Die bussche sein in middelen tiden utgerodet und der boden to fruchtbarm lande gemacht, so dat uth der rouwer wildtnisse ein kornreicher gelends und overall ein lustig paradis woirden is.“Mathias Baux: Die Chronik der Stadt Erkelenz. In: Annalen des historischen Vereins für den Niederrhein. Heft 5, Köln 1857, S. 70. Aus der Sicht des Mathias Baux waren die mittleren Zeiten das 8. Jahrhundert, was sich mit der Entstehung des karolingischen Reiches deckt. Unter der heutigen katholischen Pfarrkirche lagen beigabenlose fränkische und mittelalterliche Gräber sowie Bruchstücke von Badorfer Keramik und römischen Ziegeln.Peter Anton Tholen: Die Ausgrabungen in der Pfarrkirche St. Lambertus zu Erkelenz. In: Früher Kirchenbau im Kreis Heinsberg. Museumsschriften des Kreises Heinsberg Band 8, Heinsberg 1987, S. 206 ff.

Ortsname Eine fiktive Erka wurde von Mathias Baux in dessen frühneuzeitlicher Stadtchronik, als mythologische Gründerin und somit als Namensgeberin von Erkelenz ersonnen. Die heutige Ortsnamenforschung aber ordnet Erkelenz den für das linksrheinische Gebiet charakteristischen Ortsnamen mit dem galloromanischen Suffix -(i)acum zu. Der erstmals im Jahre 966 n. Chr. in einer von Otto dem Großen besiegelten, allerdings nur in einer Abschrift aus dem 11. Jahrhundert erhaltenen Urkunde als herklenze bezeugte Ortsname geht damit auf ein *fundus herculentiacus ‚herkulentisches Gut (Gut des Herculentius)‘ zurück.Günter Breuer: Erkelenz. In: Manfred Niemeyer (Hrsg.): Deutsches Ortsnamenbuch. Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2012, S. 164. Aus dem adjektivischen Personennamen entwickelte sich der heutige Ortsname. Eine Siedlungskontinuität von der Römer- bis zur Frankenzeit ist archäologisch aber nicht nachweisbar.Leo Gillessen: Zur Ortsnamen- und Siedlungskunde des Kreises Erkelenz (Teil I). In: Heimatkalender der Erkelenzer Lande. Erkelenz 1967, S. 145; Derselbe: Zur Ortsnamen- und Siedlungskunde des Kreises Erkelenz (Teil II). In: Heimatkalender der Erkelenzer Lande. Erkelenz 1968, S. 82. Daher wurde früher auch postuliert, dass der Name nicht römischen, sondern althochdeutschen Ursprungs sei und das Wort linta ‚Linde‘ enthalte.Paul ter Meer: Ortsnamen des Kreises Erkelenz. Ein Versuch zu ihrer Deutung. Erkelenz 1924, S. 8 f. mini|hochkant|„Herkelens“ um 1560, Die Karte J. v. Deventers zeigt die noch weitgehend erhaltene Straßenführung der Innenstadt mit Stadtbefestigung, Rathaus und Kirche mini|hochkant|Wappen der Stadt Erkelenz aus der Chronik des Mathias Baux, 1562

Grundherrschaft Am 17. Januar 966 erhielt das Marienstift zu Aachen durch Tausch mit dem lothringischen Grafen Immo unter anderen den im Mühlgau in der Grafschaft des Eremfred gelegenen Ort Erkelenz und den Nachbarort Oestrich. Kaiser Otto der Große bestätigte diesen Tausch in der genannten Urkunde bei einem Hoftag in Aachen.Theodor Joseph Lacomblet, Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins, Düsseldorf 1840, S. 63; Friedel Krings u. a.: 1000 Jahre Erkelenz, Ein Rückblick auf die 1000-Jahr-Feier. Erkelenz 1967, Vorspann, Kopial der Urkunde aus dem 13. Jahrhundert;Theo Schreiber, Erkelenz – eine Stadt im Wandel der Geschichte. In: Schriften des Heimatvereins der Erkelenzer Lande. Band 12, Erkelenz 1992, S. 43 ff., weiteres Kopial der Urkunde. Das Stift war nunmehr Eigentümer des gesamten Grund und Bodens in Erkelenz und den umliegenden Dörfern mit der Besonderheit, dass die Landesherrschaft von den Grafen ausgeübt wurde.Josef Gaspers, Leo Sels u. a. Geschichte der Stadt Erkelenz. Erkelenz 1926, S. 13 f. Später wurden die Güter innerhalb des Stiftes zwischen Propst und Kapitel aufgeteilt. Die Höfe wurden nicht selbst bewirtschaftet, sondern verpachtet. Erst 1803 verlor das Stift diese Eigentumsrechte, als Frankreich die Säkularisation im Rheinland durchführte.Friedel Krings, Zur geldrischen Geschichte der Stadt Erkelenz. In: Heimatkalender der Erkelenzer Lande. Erkelenz 1960, S. 53.

Stadtrecht