mini|Stadtzentrum Bad Dürkheim (pfälzisch Derk(e)m, Därkem oder Dergem) ist eine Kur- und Kreisstadt in der Metropolregion Rhein-Neckar am Rande des Pfälzerwalds in Rheinland-Pfalz. Sie ist der Verwaltungssitz des Landkreises Bad Dürkheim und gemessen an der Einwohnerzahl nach Haßloch dessen zweitgrößte verbandsfreie Gemeinde. Überregionale Bekanntheit erlangte die Stadt durch den Dürkheimer Wurstmarkt sowie durch das Dürkheimer Riesenfass. Bad Dürkheim ist gemäß Landesplanung als Mittelzentrum ausgewiesen.

Geographie Lage

mini|Pfälzerwald innerhalb der Gemarkung der Stadt Bad Dürkheim

Die Kernstadt von Bad Dürkheim liegt unmittelbar östlich der Haardt, wie der Ostrand des mittleren Pfälzerwaldes genannt wird, an der Deutschen Weinstraße, etwa 30 Kilometer östlich von Kaiserslautern sowie knapp 20 km westlich von Ludwigshafen und Mannheim. Die Gemarkung ragt bis weit in den Pfälzerwald hinein und bildet südwestlich des Siedlungsgebiets den sogenannten Limburg-Dürkheimer Wald; im äußersten Nordwesten umfasst sie Gebiete von dessen Teilbereich Diemersteiner Wald.

Die ausgeprägte Ost-West-Erstreckung der Bad Dürkheimer Gemarkung folgt im Wesentlichen der Topographie. Diese ist durch den Verlauf der Isenach geprägt. Von ihrer Quelle im Westen, entlang des Tals der Isenach, über den Stadtkern weiter nach Osten, bis zu ihrem Schwemmkegel, dem Dürkheimer Bruch, mit seinen wechselfeuchten Wiesen, erstreckt sich die Gemarkung über etwa 20 Kilometer. Kulturgeographisch gesehen haben die Menschen seit jeher ihre unterschiedlichen Siedlungstätigkeiten entlang der Isenach entfaltet. Beispielsweise haben sich am Oberlauf Papierfabriken und Sägewerke angesiedelt, während am Unterlauf in den 1960er Jahren ein Gewerbegebiet und das kommunale Klärwerk errichtet wurden.

Etwa 15 Kilometer südlich liegt Neustadt an der Weinstraße. Östlich der Kernstadt erstreckt sich der Haardtrand.

Nachbargemeinden sind im Uhrzeigersinn – einschließlich Exklaven – Kallstadt, Freinsheim, Erpolzheim, Birkenheide, Ellerstadt, Gönnheim, Friedelsheim, Wachenheim an der Weinstraße, Neidenfels, Weidenthal, Frankenstein, Fischbach (bei Kaiserslautern), Wattenheim, Neuleiningen, Kirchheim an der Weinstraße, Bobenheim am Berg, Weisenheim am Berg, Herxheim am Berg, Weisenheim am Sand, Dackenheim und Altleiningen.

Erhebungen mini|Drachenfels, höchste Erhebung innerhalb der Stadtgemarkung

Auf Gemarkung von Bad Dürkheim befinden sich mehrere Berge des Pfälzerwalds. Entlang dessen Ostrand erstrecken sich Gipfel wie der Ebersberg () und der Kästenberg (). Nördlich von Grethen erheben sich der Kleine Peterskopf () und der Teufelsstein (). An der Grenze zu einer Waldexklave von Herxheim am Berg liegt der Weilerskopf (). Unmittelbar nördlich der Kernstadt und außerhalb des Pfälzerwalds liegt der hohe Michelsberg und südlich von ihr der hohe Fuchsmantel.

Weiter westlich liegt mit dem messendem Drachenfels die höchste Erhebung innerhalb der Stadtgemarkung. Weitere Berge in diesem Bereich sind der Steinkopf (), der Hohekopf (), der Becherskopf (), der Engelsberg (), der Große Pfaffenkopf (), die Dreispitz (), der Stüterkopf (), der Stüterberg () und an der Grenze zu einer zu Freinsheim gehörenden Exklave der Rahnfels (). Entlang der Grenze zu Wachenheim liegen der hohe Seekopf und der hohe Plankenberg.

Im äußersten Nordwesten der Gemarkung erstrecken sich das hohe Krumme Eck, der hohe Spitzkopf, der hohe Bellenscheid, die unmittelbar an der Gemarkungsgrenze zu Altleiningen befindliche Mönchskappe () sowie im Westen der hohe Mainzer Berg.

Gewässer mini|Herzogweiher, dahinter das Pfalzmuseum mini|Isenach innerhalb von Bad Dürkheim

Am Nordrand des Ortsteils Grethen befindet sich der Herzogweiher. Nordöstlich der Stadt, also bereits in der Rheinebene, liegt der Almensee.

Von West nach Ost fließt die Isenach durch die Stadt, ein linker Nebenfluss des Rheins, der zugleich das zentrale Gewässer der Stadt darstellt. Sie besitzt mit dem Isenachweiher nahe ihrer Quelle mitten im Pfälzerwald einen Stausee. Im Nordosten zweigen von ihr der Erlengraben und der Albertgraben ab. Zum Flusssystem der Isenach gehören der Kirschbach, Dreibrunnentalbach beziehungsweise Stütertalbach samt dessen Nebenfluss Glashüttentalbach sowie der Pfaffentalbach. All diese Gewässer verlaufen auf ihrer gesamten Länge durch die Waldgemarkung der Stadt.

Zudem verläuft im Nordosten für nur wenige hundert Meter der Schlittgraben über die Stadtgemarkung. 2023 wurde zum Hochwasserschutz ein umfangreiches Projekt entlang des Grabensystems im Bad Dürkheimer und Erpolzheimer Bruch abgeschlossen. Seit dem Frühjahr 2019 wurde dazu das 125 Hektar große Areal renaturiert und unter anderem sechs Hochwasserrückhaltebecken und ein Damm gebaut.

Weitere Bäche entspringen im westlichen Waldgebiet von Bad Dürkheim, fließen aber unmittelbar hinüber zu den Nachbargemeinden. So entspringt mehrere Kilometer südlich der Isenach der Schwabenbach, der abseits der Bebauung verläuft und nach einigen Kilometern Wachenheim erreicht. Im äußersten Westen bildet der Glasbach, ein linker Nebenfluss des Hochspeyerbachs, auf weiter Strecke die Grenze zu Frankenstein. Dessen linker Nebenfluss Erlenbach entspringt auf dem Stadtgebiet, um nach einem Kilometer auf das Gebiet der Gemeinde Frankenstein zu gelangen. Der Siebenquellenbach, ebenfalls ein linker Nebenfluss des Glasbachs, bildet auf gesamter Länge die Gemarkungsgrenze zu Fischbach.

Klima mini|Jährliche Niederschlagsmenge und mittlere Temperatur der Jahre 2010–2024 in Bad Dürkheim

Wie im gesamten Oberrheingraben herrscht in Bad Dürkheim ein trocken-warmes Klima. Die mittlere Jahresdurchschnittstemperatur beträgt in Bad Dürkheim etwa 11,1 °C. An Sommertagen entstehen tagsüber lokale warme Hangaufwinde (kommend von der Rheinebene über die Weinstraße hinauf in die Hangzonen des Pfälzerwaldes). In der Nacht kehrt sich dieser Effekt um und es entstehen lokale Hangabwinde.

Jährlich fallen durchschnittlich 574 mm Niederschlag. Das liegt im unteren Viertel der in Deutschland erfassten Werte, lediglich an 16 % der Messstationen des Deutschen Wetterdienstes werden niedrigere Werte registriert. Der trockenste Monat ist der Februar, die meisten Niederschläge fallen im Mai, nämlich 1,6-mal mehr als im Februar. Die Niederschläge variieren wenig und sind sehr gleichmäßig über das Jahr verteilt. An lediglich einem Prozent der Messstationen werden niedrigere jahreszeitliche Schwankungen registriert. Neben der Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes in der Nähe des Flugplatzes betreibt die Agrarmeteorologie RLP eine eigene Messstelle im Bereich Am Neuberg.

Siedlungsstruktur und Ortsbezirke mini|Leistadt

Neben der Kernstadt bestehen westlich entlang des Kerbtals der Isenach die eingemeindeten Stadtteile Grethen und Hardenburg. Verwaltungsrechtlich gehört zu Grethen zusätzlich die Siedlung Hausen und zu Hardenburg das Jägerthal. Der Stadtteil Seebach, der sich südwestlich der Ursprungsstadt befindet, ist baulich mit dieser inzwischen zusammengewachsen, ebenso wie der unmittelbar östlich der Kernstadt befindliche Stadtteil Trift und nordöstlich die Sägmühle. Im Nordosten liegt der Stadtteil Ungstein, zu dem zusätzlich der Weiler Pfeffingen gehört, und im Norden, auf einer Anhöhe gelegen, der Stadtteil Leistadt. Mit Grethen, Hardenburg, Seebach, Ungstein und Leistadt hat Bad Dürkheim fünf Ortsbezirke.

Geschichte Eisenzeit Zwischen 1200 und 500 vor Christus war das Gebiet um den Ostausgang des Isenachtales von Kelten besiedelt. Auf sie geht eine keltische Höhensiedlung bei der späteren Benediktinerabtei Limburg und eine zweite Höhensiedlung auf der nördlichen Seite der Isenach, die Heidenmauer, zurück; 1864 wurde auf dem Heidenfeld ein Fürstinnengrab und am Ebersberg ein Grabhügelfeld mit 60 reich ausgestatteten Gräbern entdeckt. Mit weiteren fünf möglichen Fürstengräbern zeigen diese Bauwerke die Bedeutung der Gegend schon zu damaliger Zeit. Ausgrabungen sollen weitere Erkenntnisse zu diesem keltischen Zentrum erbringen.

Bereits die Römer hinterließen zahlreiche Belege für ihre Aktivitäten, beispielsweise das große römische Weingut Weilberg in Bad Dürkheim-Ungstein mit Friedhof und Herrenhaus, samt Belegen für damals schon angebaute Vorläufer der Riesling-, Traminer- und Burgunder-Reben. Wenige Kilometer weiter südlich in Wachenheim wurde ebenfalls eine Villa rustica gefunden. Bedeutsam waren ebenso der römische Steinbruch Kriemhildenstuhl und der Burgus Bad Dürkheim-Ungstein, der Bestandteil des Donau-Iller-Rhein-Limes war.

Mittelalter Die älteste erhaltene Erwähnung des Ortes, als „Turnesheim“, stammt vom 1. Juni 778 und steht im Lorscher Codex. In einem Lehnsbrief des Bischofs von Speyer aus dem Jahr 946 ist von „Thuringeheim“ die Rede.

Um 1025 wurde der Bau der Benediktinerabtei Limburg begonnen, die als Klosterruine überdauerte. Kaiser Konrad II. schenkte die Siedlung Dürkheim am 16. Februar 1035 diesem neu gegründeten Kloster. Es heißt dort, das Kloster erhalte den Ort „zum Eigentum, mit allen Rechten und Nutznießungen wie sie seither die rheinfränkischen Herzöge dort inne gehabt“ hätten.Wilhelm Manchot: Kloster Limburg. Mannheimer Altertumsverein, 1892, S. 7. Auch das Kloster Otterberg war im Ort begütert.Jürgen Keddigkeit, Michael Werling, Rüdiger Schulz und Charlotte Lagemann: Otterberg, St. Maria. Zisterzienserabtei Otterburg. In: Jürgen Keddigkeit, Matthias Untermann, Sabine Klapp, Charlotte Lagemann, Hans Ammerich (Hrsg.): Pfälzisches Klosterlexikon. Handbuch der pfälzischen Klöster, Stifte und Kommenden, Band 3: M–R. Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde. Kaiserslautern 2015. ISBN 978-3-927754-78-2, S. 524–587 (538).

Die am 1. Januar 1360 verliehenen Stadtrechte wurden Dürkheim 1471 wieder entzogen, nachdem Kurfürst Friedrich der Siegreiche von der Pfalz den Ort erobert und beträchtliche Zerstörungen angerichtet hatte. Der kurpfälzische Geschützmeister Martin Merz leitete damals die Beschießung.

Frühe Neuzeit mini|Stich von Johann Jakob Rieger, 1787 mini|Schloss Dürkheim, 1787 mini|Blick auf Bad Dürkheim vom Vigilienturm aus

Nach dem langsamen Wiederaufbau kam Dürkheim 1554 an die Linie Leiningen-Dagsburg der Leininger Grafen. Im Jahre 1689 wurde der Ort fast vollständig zerstört, als die Truppen Frankreichs im Pfälzischen Erbfolgekrieg die Kurpfalz niederbrannten. Diesmal wurde zügiger wieder aufgebaut, so dass Graf Johann Friedrich von Leiningen bereits 1700 erneut die Stadtrechte vergab. Graf Friedrich Magnus von Leiningen-Dagsburg-Hardenburg (1703–1756) ließ ab etwa 1720 an der nordöstlichen Ecke der Stadt das barocke Schloss Dürkheim als Residenz erbauen und verlegte 1725 hierher seinen Wohnsitz. Dürkheim wurde gräfliche, ab 1779 fürstliche Residenz. Von dem Schloss existieren bloß noch geringe Reste, nachdem die Franzosen es 1794 niederbrannten. An seinem Platz stehen das Kurhaus und das Kurpark-Hotel.

Die Region wurde 1794 im Ersten Koalitionskrieg von französischen Revolutionstruppen besetzt und 1798 an das französische Staatsgebiet angegliedert. Von 1798 bis 1814, als die Pfalz Teil der Französischen Republik (bis 1804) und anschließend Teil des Napoleonischen Kaiserreichs war, war Dürckheim – so die damalige Schreibweise – Verwaltungssitz des gleichnamigen Kantons im Département Donnersberg, dem 21 weitere Gemeinden angehörten sowie der gleichnamigen Mairie. 1815 wurde der Ort Österreich zugeschlagen. Anschließend wechselte der Ort in das Königreich Bayern. Von 1818 bis 1862 war Dürkheim Bestandteil des Landkommissariat Neustadt, das anschließend in ein Bezirksamt umgewandelt wurde. Aufgrund seiner sieben Heilquellen erhielt Dürkheim 1847 den Zusatz „Solbad“.

20. Jahrhundert