mini|hochkant=1|Blick von Zgorzelec auf die 2004 eröffnete Fußgängerbrücke nach Görlitz; im Hintergrund die evangelische Pfarrkirche St. Peter und Paul und das Waidhaus

Görlitz (, oder auch GerltschHans Klecker: In: oberlausitzer-woerterbuch.de, aufgerufen am 12. April 2024., ) ist die östlichste Stadt Deutschlands, Kreisstadt des Landkreises Görlitz im Freistaat Sachsen und größte Stadt der Oberlausitz. Sie liegt an der Lausitzer Neiße, die seit 1945 die Grenze zu Polen bildet. Die Grenze trennte die östlichen Stadtteile auf der anderen Seite des Flusses ab. Diese Stadtteile bilden die eigenständige polnische Stadt Zgorzelec.Ebenfalls ist Zgorzelec die historische polnische Bezeichnung für die (gesamte) Stadt Görlitz. Zur Unterscheidung von der polnischen Stadt gleichen Namens wird für den deutschen Teil heute auch im Polnischen der deutsche Ortsname verwendet.

Görlitz bildet zusammen mit Bautzen und Hoyerswerda einen oberzentralen Städteverbund, ist auch Mitglied der Euroregion Neiße und bildet seit 1998 mit Zgorzelec eine Europastadt.Wir feiern 25 Jahre Europastadt Görlitz/Zgorzelec. In: goerlitz-zgorzelec.eu, aufgerufen am 12. April 2024. Görlitz blieb im Zweiten Weltkrieg von Zerstörungen fast völlig verschont. Die historische Altstadt blieb erhalten. An ihren Häusern erkennt man alle wesentlichen Phasen der mitteleuropäischen Baustile (Spätgotik-, Renaissance- und Barockbürgerhäuser). Umgeben ist die Altstadt von ausgedehnten Gründerzeitvierteln. Mit über 4.000 großteils restaurierten Kultur- und Baudenkmalen wird Görlitz oft als das flächengrößte zusammenhängende Denkmalgebiet Deutschlands bezeichnet.Broschüre: Große Kreisstadt Görlitz. Integriertes Stadtentwicklungskonzept INSEK. Demographie, Fachkonzepte Städtebau und Denkmalschutz, Wohnen • Fortschreibung 2009/2010. (PDF; 24 S., 1700 kB) In: Stadt Görlitz, Stadtplanungs- und Bauordnungsamt, 2009, aufgerufen am 12. April 2024. Diesem besonderen Stadtbild verdankt Görlitz seinen Status als beliebte und häufig genutzte Filmkulisse („Görliwood“).

Auf diese Weise konnte die Stadt seit der Wiedervereinigung zwar architektonisch aufblühen, allerdings weniger durch wirtschaftliche Prosperität, sondern durch die Spendenbereitschaft Einzelner und die öffentliche Finanzierung. Der wirtschaftliche Niedergang in der hochindustrialisierten und durch Energie- und Textilwirtschaft geprägten Region fand hier wie andernorts in Ostdeutschland statt. Strukturelle Überalterung und jahrelange Werbemaßnahmen, die besonders auf wohlhabende Rentner (Pensionopolis) als Zuzugsgruppe zielten, verstärkten diese demografische Entwicklung.

Aktuell sind der Strukturwandel und die Transformation die Hauptthemen der Stadt.Sebastian Beutler: Görlitzer OB: „Wir wollen internationaler werden.“ In: Sächsische Zeitung, 6. Mai 2023, Octavian Ursu im Interview, nur Artikelanfang frei. Gleichzeitig entwickelt sich Görlitz zunehmend zu einem Wissenschaftsstandort von überregionaler und internationaler Bedeutung. Neben der Hochschule Zittau/Görlitz, die sich sowohl im technisch-naturwissenschaftlichen als auch im sozialwissenschaftliche Spektrum auf gesellschaftliche Veränderungsprozesse fokussiert, sind auch die Technische Universität Dresden (Exzellenzuniversität), die Universität Leipzig und die HHL in Görlitz mit Außenstellen, Studiengängen oder Forschungsinstituten aktiv. Die Stadt ist zudem Standort mehrerer Fraunhofer-Institute, Forschungsgruppen und Labs, des Senckenberg Instituts für Naturkunde, des zur Helmholtz-Gesellschaft gehörenden CASUS Center of Advanced Systems Understanding des u.a zum Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung gehörenden Interdisziplinären Zentrums für ökologischen und revitalisierenden Stadtumbau (IZS) und des Deutschen Zentrums für Astrophysik (DZA). Allein das Investitionsvolumen für das DZA beträgt 1,25 Milliarden Euro. Görlitz ist außerdem Sitz der 1779 gegründeten Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften, bei der es sich um eine der ältesten deutschen Wissenschaftsgesellschaften handelt. Der Zuzug aus dem Ausland, der zu einem internationalen Bevölkerungsanteil von knapp 17 % geführt hat, wirkt sich inzwischen positiv auf die Bevölkerungsentwicklung aus.

Die Stadt ist Sitz des römisch-katholischen Bistums Görlitz.

Geographie Lage mini|Luftbild der Stadtansicht: vorn der Kaisertrutz am Demianiplatz und hinten St. Peter und Paul an der Neiße mini|Luftbild der Stadt mit dem Berzdorfer See Görlitz liegt im zwischenzeitlich preußisch-niederschlesischen Teil der OberlausitzPlanungsregion: Die Region im Überblick. In: Regionaler Planungsverband Oberlausitz-Niederschlesien, aufgerufen am 12. April 2024.Land, Leute und Regionen – Oberlausitz. In: Sächsische Staatskanzlei, aufgerufen am 8. September 2020. am westlichen Ufer der Lausitzer Neiße, die dort den Ostrand des Lausitzer Granitmassivs mit den Ausläufern des böhmisch-lausitzischen Grenzgebirges durchbricht. Es bildet den Übergang zwischen dem nördlichen Oberlausitzer Heide- und Teichgebiet und dem südlichen Lausitzer Bergland. Die ehemaligen Stadtteile am östlichen Flussufer bilden seit 1945 die polnische Stadt Zgorzelec. Görlitz und seine Schwesterstadt Zgorzelec bezeichnen sich gemeinsam als eine Europastadt.

Der Ortsmittelpunkt liegt auf einer Höhe von . Die höchste Erhebung des Görlitzer Stadtgebiets – die Landeskrone – liegt . Die niedrigste Stelle der Stadt mit befindet sich an der Neiße. Der Mittelwert für das Stadtgebiet liegt bei . Der Wasserspiegel des im Süden der Stadt gelegenen Berzdorfer Sees liegt auf einer Höhe von . Der See ist an seiner tiefsten Stelle 72 m tief.

Der Meridian der geographischen Länge 15° östlich von Greenwich, an dem sich die Zeitzone der Mitteleuropäischen Zeit orientiert, durchquert die Stadt. Dies hat zur Folge, dass die Mitteleuropäische Zeit mit der mittleren Sonnenzeit von Görlitz übereinstimmt.Holger Reischock: Görlitz liegt auf dem 15. Meridian – der „Mittagslinie“, die die mitteleuropäische Zeit bestimmt. Wo die Stunde schlägt. In: Berliner Zeitung, 31. März 2007. Die Stadt liegt auf 51° 09′ nördlicher Breite. Zu Ehren Juri Gagarins, des ersten Menschen im Weltall, wurde 1961 südwestlich der Stadthalle unmittelbar an der Straßenbrücke nach Polen ein Meridiandenkmal errichtet. Nach den heutigen Messverfahren ist der Standort des Steins jedoch nicht mehr exakt. Der 15. Meridian verläuft danach etwa 137 m entfernt an den Neißewiesen unterhalb der Stadthalle.Fritz R. Stänker: Görlitz hat ein Luxusproblem: Die Meridianmarkierung. In: Görlitzer Anzeiger, 5. Dezember 2013.

Das Stadtgebiet erstreckt sich 19,4 km von Nord nach Süd und 7,3 km von Ost nach West. Die nächsten größeren Städte sind das tschechische Liberec (Reichenberg) etwa 50 km südlich, Cottbus etwa 80 km nordwestlich, das schlesische Legnica (Liegnitz) etwa 80 km östlich und Dresden etwa 90 km westlich von Görlitz. Bis Bautzen sind es etwa 50 km.

Geologie Während des Tertiärs bildeten sich in abflusslosen Senken Moorwälder. Überflutungen, das Absterben von Pflanzen und die daraus resultierenden Ablagerungen führten zur Bildung von Braunkohlebecken wie im ehemaligen Tagebau Berzdorf. Die Basalt- und Phonolithkuppen wie die Landeskrone sind vulkanischen Ursprungs.

Der geologische Untergrund im Görlitzer Gebiet besteht im Norden aus Lausitzer Grauwacke. Sie setzt sich aus Biotit, grauem Quarz und hellem Feldspat mit Schichten aus feinkörniger Grauwacke und dichten Grauwackenschiefern zusammen. Den Süden des Stadtgebietes bestimmt Ostlausitzer Granodiorit. Die Grenze zwischen den verschiedenen Untergrundarten verläuft ungefähr auf der Linie Ochsenbastei, Neißstraße, Peterstraße, Heiliges Grab bis über Girbigsdorf hinaus. An der Obermühle endet die vom harten Granodiorit verursachte Einengung des Neißetals.

Natur mini|Neißetal mit Eisenbahnviadukt Vier Gebiete nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Gebiet) und ein Vogelschutzgebiet erstrecken sich teilweise auf dem Stadtgebiet. Das Vogelschutzgebiet Neißetal und das FFH-Gebiet Neißegebiet überschneiden sich in weiten Teilen. Sie erstrecken sich von der Obermühle im Norden, durch das Neißetal, die Neißeauen bis an die südlichen Grenzen der Stadt im Ortsteil Hagenwerder. Sie beinhalten u. a. das Weinberggelände mit seinen bewaldeten Talhängen, die Weinlache sowie die Neißewiesen und das Ackerland zwischen dem Stadtteil Weinhübel und dem Ortsteil Hagenwerder. Im Vogelschutzgebiet sind 26 Vogelarten nach den Kategorien 1 und 2 der Roten Liste Sachsens nachgewiesen. Dazu zählen u. a. der Eisvogel, der Flussuferläufer, der Mittelspecht und der Ortolan. Für diese vier Vogelarten zählt das Vogelschutzgebiet zu den bedeutendsten Brutgebieten im Freistaat Sachsen. An die Gebiete grenzt das FFH-Gebiet Pließnitzgebiet in den Ortsteilen Hagenwerder und Tauchritz. Es umfasst die Flussauen der Pließnitz – eines Nebenflusses der Lausitzer Neiße.

Die Landeskrone (siehe auch Abschnitt Die Landeskrone) gehört dem FFH-Gebiet Basalt- und Phonolithkuppen der östlichen Oberlausitz an. Die Stadt ist auch Teil des FFH-Gebiets Separate Fledermausquartiere und -habitate in der Lausitz. Hierbei sollen die Wochenstuben, Quartiere und Nahrungshabitate von Mopsfledermaus und Großem Mausohr sowie zahlreicher weiterer gefährdeter Fledermausarten geschützt werden.

Mit der Verordnung zur Festsetzung von Naturdenkmalen im Stadtgebiet aus dem Jahr 1997 sowie den geänderten Verordnungen aus den Jahren 2001 und 2005 wurden durch die Stadt 27 Naturdenkmale benannt.

Stadtgliederung

Das Stadtgebiet von Görlitz ist in neun Stadt- und fünf Ortsteile gegliedert. Die Stadtteile sind historisch gewachsen, entstanden durch Ansiedlung der Vertriebenen nach 1945 oder wurden als vorher selbstständige Gemeinden oder Gemarkungen bis 1952 eingegliedert. Die fünf Ortsteile wurden bei der jüngsten Gemeindereform in den 1990er Jahren der Stadt zugeschlagen und liegen räumlich vom Kernstadtgebiet entfernt.

Stadtteile sind Altstadt, Biesnitz, Innenstadt, Klingewalde, Königshufen, Nikolaivorstadt, Rauschwalde, Südstadt und Weinhübel (bis 1937 Posottendorf-Leschwitz).

Zum Stadtgebiet gehören auch folgende ehemals eigenständige Ortschaften: Deutsch Ossig, Hagenwerder (bis 1936 Nikrisch), Klein Neundorf, Kunnerwitz, Ludwigsdorf, Ober-Neundorf, Schlauroth und Tauchritz. Folgende ehemals eigenständige Orte bilden jeweils einen gemeinsamen Ortsteil: Hagenwerder und Tauchritz, Kunnerwitz und Deutsch-Ossig mit Klein Neundorf sowie Ludwigsdorf und Ober-Neundorf. Der Ort Deutsch-Ossig ist durch die Ausweitung des Tagebaus Berzdorf unbewohnt, nachdem die Einwohnerschaft umgesiedelt wurde. Ein Großteil zog in die Eigenheimneubausiedlung südlich von Kunnerwitz.

Umland Das Görlitzer Umland ist vor allem ländlich geprägt, die nächsten größeren Städte sind im Norden Weißwasser, im Westen Bautzen und Löbau, im Süden Zittau sowie im Osten Lubań (Lauban) und Bolesławiec (Bunzlau). Von den fünf Städten ist Löbau mit rund 20 km Entfernung die am nächsten gelegene Stadt.

Die Gemeinde Schöpstal mit den Gemeindeteilen Girbigsdorf, Ebersbach und Kunnersdorf sowie die Gemeinde Neißeaue mit dem Gemeindeteil Zodel grenzen nördlich, Markersdorf westlich an das Stadtgebiet an. Östlich der Neiße befindet sich die polnische Stadt Zgorzelec (Görlitz) sowie die gleichnamige Landgemeinde mit den Ortschaften beginnend im Norden in Richtung Süden mit Żarka nad Nysą (Sercha), Jędrzychowice (Hennersdorf), Koźlice (Köslitz), Osiek Łużycki (Wendisch-Ossig) und Radomierzyce (Radmeritz). Im Südwesten liegt die Gemeinde Schönau-Berzdorf auf dem Eigen, im Süden die Landstadt Ostritz mit dem Ortsteil Leuba. Nordwestlich von Görlitz liegen die Kleinstädte Niesky und Rothenburg, die aber nicht direkt an das Stadtgebiet grenzen.