Hettstedt ist eine Stadt im östlichen Harzvorland im Landkreis Mansfeld-Südharz des Bundeslandes Sachsen-Anhalt, etwa 50 km südlich der Landeshauptstadt Magdeburg und etwa 40 km nordwestlich von Halle (Saale). Die Stadt ist für den früheren Kupferbergbau und eine noch heute bedeutende Nichteisen-Metallurgie bekannt.

Geographie mini|hochkant|Wipper in Hettstedt Hettstedt liegt am Südostrand des Harzes an der Wipper.

Geomorphologie Hettstedt befindet sich an der Grenze von Unterharz und Harzvorland. Die Altstadt Hettstedts liegt im Tal der Wipper, weitere Stadtteile erstrecken sich auf die Talhänge und die umliegende Hochebene. Bei der Hochebene handelt es sich um die herausgehobene Scholle des Unterharzes, in die sich die Wipper mit ihren Zuflüssen tief eingeschnitten hat. Dies bedeutet, dass die Anhöhen – im Gegensatz zu Bergen und Hügeln im eigentlichen Sinn – nach mindestens einer Seite hin nicht deutlich abfallen, sondern in das hügelige Plateau des Unterharzes übergehen. Die relativ großen Höhenunterschiede geben dem Stadtgebiet einen bergigen Charakter. Niedrigster Punkt der Stadt: Flussbett der Wipper nahe Sportplatz am Silbergrund +139 m Höchster Punkt der Stadt: Steinberg +278 m

Geologie Hettstedt befindet sich auf der herausgehobenen Harzscholle am nordöstlichen Rand des Mansfelder Beckens. Unter einer Schicht aus Sand- und Kalkstein liegt eine Schicht kupferhaltigen Tonsteins, der als Kupferschiefer bezeichnet wird. Unter dieser Schicht liegt erneut eine Schicht aus Kalkstein und/oder durch Eisenoxid rot gefärbtem, sehr feinkörnigem Sandstein, dem Rotliegend. Teilweise liegen beide Gesteine gemischt als Konglomerat vor. Diese Schichtfolge tritt nördlich und westlich von Hettstedt an die Oberfläche und fällt nach Südosten hin in größere Tiefe ab.

Das Tal der Wipper schneidet durch diese Schichtfolge. Somit tritt der Kupferschiefer bei Hettstedt drei Mal an die Oberfläche: nördlich bzw. westlich der Stadt durch Auslaufen der Schichten sowie am westlichen und östlichen Hang des Tals der Wipper. Der Talboden des Wippertals wird durch Flusssedimente gebildet.

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind Arnstein im Norden, Gerbstedt im Südosten und Mansfeld im Südwesten.

Stadtgliederung mini|hochkant|Gedenksäule zum historischen Kupferbergbau in Hettstedt mini|Kirche St. Gangolf, in ihrem Umfeld der frühe Kupferbergbau von Hettstedt mini|Erinnerungstafel zum Kupferbergbau in Hettstedt an der Kirche St. Gangolf

Die Stadt Hettstedt ist eine Einheitsgemeinde und besteht aus der Kernstadt sowie den Ortschaften Ritterode und Walbeck (beide am 1. September 2010 eingemeindet).StBA: Gebietsänderungen vom 1. Januar bis 31. Dezember 2010

Ortschaft Einwohner Ortsteile Kernstadt Hettstedt 14.427 siehe unten Ritterode 320 Ritterode und Meisberg Walbeck 882 Walbeck

Geschichte Anfänge des Ortes (1046–1199) Hettstedt entstand an einer Furt über die Wipper. Der Zeitpunkt der ersten Ansiedlung ist nicht bekannt. 1046 wurde Hettstedt in einer Schenkungsurkunde von Heinrich III. an das Bistum Meißen erstmals als „Lokus“ (Dorf, Ort, Marktflecken) namens Heichstete erwähnt. Namenforscher gehen davon aus, dass der Name sich auf den Vornamen Heiko oder Heco bezieht. Dieser könnte der Name eines Anwohners gewesen sein, woraufhin man den Ort „Heikos Stätte“ nannte. 1181 wurde der Ort von Heinrich dem Löwen (von Braunschweig) zerstört. Bei weiteren historischen Nennungen lautete der Ortsname, unter anderem, auch Hekstede (1256), Hetzstede (1297), Hestede (1394, 1435), Hetstede (1464), Hetsted (1494), Hetzstadt (1506, 1524), Hetstett (1525), Heckstedt (1538), Hetstedt (1541) und schließlich Hettstedt (1531).Zeitschrift des Harz-Vereins für Geschichte und Altertumskunde, Band 19, S. 332. Selbstverlag des Harzvereins 1886. (books.google.de; Abgerufen am 11. Oktober 2022)

Erste Blüte durch den Bergbau (1199–1560) Der Legende nach fanden die Brüder Napian und Neucke 1199 bei Hettstedt Kupfer. Bei dessen Gewinnung fielen auch bedeutende Mengen Silber an. Obwohl mengenmäßig Kupfer dominierte, stellte jedoch vorerst Silber vom Wert her den Hauptteil der Produktion dar. 1223 wird der Ort als Dorf und 1283 erstmals als Stadt erwähnt. Durch den lukrativen Kupfer- und Silberbergbau und die Verhüttung wuchs die Einwohnerzahl des Ortes durch Einwanderung schnell an. 1334 wurden die Stadtrechte verliehen. 1341 eroberte der Bischof von Halberstadt im Erbfolgekrieg mit dem Grafen von Regenstein Hettstedt. 1394 verpfändete dieser das Schloss für 4.400 Gulden an die Grafen von Mansfeld. Von 1430 bis 1439 erhielt die Stadt eine Stadtmauer mit drei Toren: das Saigertor Richtung Norden, das Brückentor über die Wipper nach Osten und das Molmeck-Tor Richtung Südwesten. Nachdem die Bürger der Stadt die Wasserburg besetzt hatten, wurde die Stadt 1439 durch den Grafen von Mansfeld und seine Verbündeten belagert und erobert. Hettstedt wurde in Folge Teil der Grafschaft Mansfeld und erlebte ein Jahrzehnt des Niedergangs. Der Aufschwung der Stadt setzte durch die Verleihung einiger Privilegien und durch Einführung des Saigerverfahrens ab 1450 wieder ein. Das Silber konnte nun mit geringerem Aufwand vom Kupfer getrennt werden. Hettstedt profitierte daneben als Marktort, an dem Getreide und Vieh aus der Magdeburger Börde und dem Saalegebiet für die Bergleute der Region umgeschlagen wurden.

mini|400px|Bergbaulandschaft bei Hettstedt, Halden vom historischen Bergbau im Vordergrund

Wirtschaftlicher Niedergang (1560–1644) Holzmangel infolge der zunehmenden Entwaldung des Harzes, zunehmende Probleme mit dem Grundwasser in den immer tiefer vorstoßenden Schächten und der Verfall der Silberpreise durch die Silberimporte aus den Spanischen Kolonien in Südamerika sorgten ab etwa 1560 für einen Rückgang der Produktion. 1573 kam die Stadt als Schuldendienst unter sächsische Oberlehenshoheit zurück, der Bergbau blieb formell jedoch unter Kontrolle der Grafen von Mansfeld. Um 1600 hatte die Stadt etwas mehr als 2000 Einwohner. Im Dreißigjährigen Krieg kam der Bergbau vorerst zum Erliegen. Die Einwohnerzahl der Stadt fiel durch Kriegshandlungen, Hungersnöte und den Ausbruch der Pest bis 1644 auf rund 500 Einwohner bei nur noch elf bewohnbaren Häusern.

Wirtschaftliche Erholung (1644–1785) Durch den Bau neuer Entwässerungsstollen mittels Schwarzpulver kam der Bergbau nach dem Dreißigjährigen Krieg langsam wieder in Gang; die Einwohnerzahl Hettstedts stieg in Folge wieder an. Durch den Preisverfall des Silbers war Kupfer nun auch wertmäßig das Hauptprodukt von Bergbau- und Hüttenwesen. Die Wasserhebung wurde durch die zunehmende Tiefe der Stollen jedoch ein immer größeres Problem, was die wirtschaftliche Entwicklung bremste. Durch den Tod des letzten männlichen Mansfelder Grafen Josef Wenzel Nepomuk von Mansfeld-Vorderort-Bornstedt fiel Hettstedt an die Lehnsherren zurück, der Bergbau im Umland der Stadt 1780 an Preußen, während Sachsen vorerst die direkte Kontrolle der Stadt übernahm.

mini|Frühe petrographische Karte, Grafschaft Mannsfeld, 1815 (handkolorierter Kupferstich)

Industrialisierung und zweite Blüte (1785–1929) 1785 wurde zur Entwässerung der Stollen nahe Hettstedt eine Dampfmaschine wattscher Bauart errichtet, deren Baupläne durch Industriespionage bei Boulton & Watt erworben wurden. Somit wurde Hettstedt zum Standort der ersten Dampfmaschine wattscher Bauart in Preußen. Durch zunehmenden Einsatz von Dampfmaschinen konnte der Bergbau in den folgenden Jahrzehnten drastisch ausgeweitet werden. Bis 1790 erreichte Hettstedt wieder eine Einwohnerzahl von 2900. 1808 trat das Königreich Sachsen Hettstedt an das Königreich Westphalen ab. Nach den Napoleonischen Kriegen wurde die Stadt Hettstedt 1815 ein Teil der preußischen Provinz Sachsen. Hettstedt entwickelte sich in den folgenden 120 Jahren auf Basis des Bergbaus und der Kupferverhüttung zu einem wichtigen Schwerindustriestandort. Es entstanden neben Kupferhütten und Maschinenbau unter anderem eine Anlage zur Schwefelsäureproduktion aus den schwefelhaltigen Abgasen der Hütten (um 1850), ein Stahl-Walzwerk (1908), ein Kupfer- und Messingwerk (1909) und ein Aluminiumwerk (1935/36). Bergbau und Schwerindustrie sorgten in der Stadt für eine beträchtliche Umweltbelastung, vor allem durch die Freisetzung von Schwermetallen, Staub und Schwefelverbindungen aus der Verhüttung des schwefelhaltigen Kupferschiefers.

Subventioniertes Fortbestehen (1929–1989) Seit der Weltwirtschaftskrise 1929 war der Kupferbergbau nicht mehr rentabel. Noch in der Weimarer Republik wurden staatliche Subventionen gezahlt, um Massenentlassungen zu verhindern. Die Subventionen wurden wegen Autarkiebestrebungen und Devisenmangel sowohl im „Dritten Reich“ als auch in der DDR aufrechterhalten und stetig vergrößert.

Trotz der Konzentration kriegswichtiger Industriebetriebe wurde die Stadt im Zweiten Weltkrieg nur einmalig am 11. April 1945 durch US-Bomber angegriffen. Hierbei wurden keine Industrieanlagen getroffen, Bombeneinschläge in der Altstadt töteten jedoch 51 Bürger und zerstörten 30 Gebäude mit 109 Wohnungen, weitere 117 Gebäude wurden beschädigt. Einige Tage später besetzten amerikanische Truppen die Stadt, zogen sich jedoch gemäß der Erklärung von Jalta einige Wochen später wieder zurück. Sowjetische Truppen besetzten das Gebiet, das zu einem Teil der Sowjetischen Besatzungszone und später der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) wurde.

Am 1. Juli 1950 wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde Burgörner eingegliedert. 1952 wurde Hettstedt Kreisstadt des neugegründeten gleichnamigen Kreises im Bezirk Halle. Im Norden der Stadt wurden große Wohnsiedlungen angelegt. Bergbau und große Teile der Schwerindustrie und des Maschinenbaus der Region wurden zum Mansfeld-Kombinat, einem der größten Kombinate der DDR, zusammengefasst.

Der Bergbau verlagerte sich nach fortschreitender Erschöpfung der lokalen Vorkommen zwischen 1951 und 1969 in die ca. 20 km entfernte Region Sangerhausen, was einen regen Pendelverkehr der Hettstedter Bergleute auslöste. Schwerindustrie und Maschinenbau blieben in Hettstedt, jedoch wurde in der DDR kaum in die Anlagen investiert, so dass teilweise bis 1989 mit Maschinen von 1908 gearbeitet wurde. Zwar wurde versucht, die noch immer gravierende Umweltbelastung in der Stadt zu reduzieren, mangels Kapital erzielte man jedoch kaum Erfolge. Durch die Eingemeindungen, Einwanderung sowie Geburtenüberschuss stieg die Einwohnerzahl bis 1950 auf 16.316, bis 1989 noch einmal auf über 21.000.

Neubeginn (1989 bis heute) Die Produktionskosten des Mansfelder Kupfers lagen Ende der 1980er Jahre etwa beim zehnfachen des Weltmarktpreises für Kupfer. Nach der deutschen Wiedervereinigung wurden keine Subventionen mehr gezahlt, woraufhin der Bergbau eingestellt wurde. Die Industrieanlagen des Mansfeld Kombinates waren zum größten Teil veraltet, so dass auch sie mangels Rentabilität stillgelegt wurden. Nachdem für das unter dem Namen „Mansfeld AG“ firmierenden Gesamtunternehmen kein Investor gefunden wurde, wurde es ab 1993 in mehrere Teile aufgegliedert. Die Suche nach Investoren war in einigen Fällen erfolglos, andere Betriebsteile wechselten mehrfach den Besitzer, was bei der Bevölkerung für Verunsicherung sorgte. Binnen weniger Jahre reduzierte sich die Zahl der Beschäftigten in der Industrie auf weniger als ein Viertel. Dies war einer der Hauptgründe dafür, dass Hettstedt seit Jahren eine der höchsten Arbeitslosenquoten Deutschlands aufwies und noch immer aufweist.