Die Rhön ist ein etwa 1500 km² großes Mittelgebirge im Grenzgebiet der deutschen Länder Bayern, Hessen und Thüringen. Der Großteil seines Kerngebietes, in Bayern jedoch auch Teile seiner nichtvulkanischen, südlichen Abdachung, liegen im rund 2433 km² großen Biosphärenreservat Rhön. Das Gebirge im äußersten Südosten des (hier länderübergreifenden) Osthessischen Berglandes ist überwiegend vulkanischen Ursprungs. Der höchste Berg der Rhön ist mit die im hessischen Bereich liegende Wasserkuppe, die auch der höchste Berg Hessens ist. Es befinden sich mehrere Skigebiete in der Rhön.
Etymologie Die Herkunft des Namens Rhön, dessen früheste schriftliche Überlieferung mit Rone nemus (, ‚Wald‘) erst aus dem Jahr 1228 stammt, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Es wird einerseits ein keltischer, andererseits ein germanischer Ursprung der Bezeichnung vermutet. Die keltische Herkunft wird in den Wörtern sowie oder gesehen. Angesichts des Umstandes, dass die Kelten im heutigen Süddeutschland, nicht aber im heutigen Ost- bzw. Mitteldeutschland gelebt haben, scheint in Bezug auf den ausgedehnteren und höheren Thüringer Wald die Bezeichnung der Rhön als „Vorberg“ aus Sicht dieser „süddeutschen“ Kelten durchaus nicht abwegig. Germanische Wurzeln des Namens Rhön werden mit dem altnordischen Wort verknüpft, das so viel wie ‚steiniges Land‘ oder ‚Geröllwüste‘ bedeutet und beispielsweise im dänischen Wort , ‚kleine steinige Insel’ noch heute lebendig ist. ist im modernen Isländischen die Vokabel für Lava und Lavafeld.
Die heutige Schreibweise mit „Rh“ soll sich aus dem 16. und 17. Jahrhundert erhalten haben, als man das Dehnungs-h noch vor den Stimmlaut setzte. Nach aktuellerer Ansicht handelt es sich jedoch um einen „pseudogelehrten Anschluss an griechische Namen“, dessen Erstauftreten unbekannt ist.
Die Rhön war im frühen Mittelalter Teil der Landschaft Buchonia, eines vage abgegrenzten großen Waldgebiets im östlichen und nordöstlichen Hessen. Der Name wird in der Regel von der Buche () abgeleitet, es gibt vereinzelt andere Deutungen. Urkunden, die Orte in einem Wald () oder einer Einöde () Buchonia bezeichnen, finden sich mit Bezug auf Orte vom Kaufunger Wald über Knüll, Vogelsberg und Rhön bis nahe dem Main. Der Name wurde ab dem 19. Jahrhundert besonders oft mit der Rhön in Verbindung gebracht, vor allem aufgrund der Überlieferung der Gründung des Klosters Fulda, das durch dessen ersten Abt Sturmi gegründet wurde. Einige Wissenschaftler beziehen einen bei Caesar, De bello Gallico erwähnten Wald „Bacenis silva“ von „unendlicher Größe“ () auf die Buchonia. Dessen Lage ist aber unbekannt und nur Gegenstand von Spekulationen, ein Bezug auf die Rhön ist nicht möglich.
Geschichte Vor- und Frühgeschichte Viele der in der Rhön vorkommenden Ortschafts-, Berg- und Flurnamen gehen auf keltische Sprachwurzeln zurück. Nachgewiesen ist beispielsweise die keltische Besiedlung der Milseburg, wo sich ein keltisches Oppidum mit etwa 1.000 Einwohnern befand. Weiterhin gibt es vorgeschichtliche Ringwallanlagen in der Kuppenrhön auf dem Stallberg und dem Kleinberg. Nach Ausgrabungen wurde der Stallberg im Neolithikum (Michelsberger Kultur), in der späten Bronzezeit und im Hochmittelalter genutzt, der aus Phonolithsteinen aufgeschichtete Ringwall wird unsicher in die Bronzezeit datiert. Am Kleinberg liegen Funde aus der Bronzezeit, der Eisenzeit und dem Mittelalter vor.Hélène Blitte, Frank Verse, Rüdiger Krause: Die LOEWE-Ausgrabungen auf Stallberg, Kleinberg, Haimberg und Sängersberg in Osthessen. In: Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Hessen-Archäologie 2017. Jahrbuch für Archäologie und Paläontologie in Hessen. Konrad Theiss Verlag, Darmstadt 2018. ISBN 978-3-8062-3810-5, S. 54–57.
Mittelalter Die Rhön gehörte im frühen Mittelalter zum Gau Grabfeld, der westlich bis zur Fulda reichte. Hier schloss der Gau Wettereiba, die spätere Wetterau, an. Die gesamte waldreiche Gegend wurde Buchonia genannt. Obwohl in zwei Urkunden und einer Traditionsnotiz des Klosters Lorsch von einem „pagus Buchonia“ die Rede ist, wird die Existenz eines Gaus dieses Namens heute allgemein abgelehnt.
Wegen des hervorragenden Rundblickes waren einige der Rhönberge im Mittelalter auch Standorte für Höhenburgen. Ein Beispiel ist die Burg Hauneck (heute in der Gemeinde Haunetal) auf dem Stoppelsberg, die noch als Ruine erhalten ist. Sie diente sowohl der Überwachung und dem Schutz des Verkehrs auf der Altstraße Antsanvia als auch dem Schutz der Ortschaften im Haunetal. Im Mittelalter wurden in allen Teilen der Rhön Landwehren angelegt und die Herrschaftsgebiete zur Verwaltung in Ämter eingegliedert, die jeweils einer Burg als Amtssitz zugeteilt waren. Neben diesen größeren Herrschaftsgebilden gelang es seit dem späten Mittelalter auch kleinen Adelsgeschlechtern aus der Rhön (von Ebersberg, von Eberstein, von der Tann, von Kranlucken, von Völkershausen und andere), selbständige Machtbereiche aufzubauen.
Neuzeit Die Einführung der Reformation erfasste zunächst den größten Teil der Rhön und wurde erst im 18. Jahrhundert durch die Gegenreformation zurückgedrängt. Nach der Auflösung der weltlichen Herrschaft Fuldas im Jahre 1802 und im Ergebnis des Wiener Kongresses 1814/15 wurden im Prinzip in diesem Bereich bereits die Grenzen zwischen den heutigen Bundesländern Thüringen, Hessen und Bayern festgelegt. Zum Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach gehörten neben den ehemals hennebergischen Ämtern Kaltennordheim und Lichtenberg auch die vordem fuldischen Ämter Dermbach (Fischberg) und Geisa sowie das zuvor hessische Amt Vacha. Dermbach wurde das Zentrum des Eisenacher Oberlandes. In verschiedenen Herrschaften durften sich im späten 18. und im 19. Jahrhundert wieder jüdische Gemeinden ansiedeln und entwickeln. Die (bescheidene) Industrialisierung der Rhön ging mit dem Ausbau der Transportwege einher, wobei der Bau der Eisenbahnlinien nur in wirtschaftlich ertragreiche Gebiete vorangetrieben wurde. Neben der Porzellanindustrie (Stadtlengsfeld) und der Korkverarbeitung (Dermbach) waren Brauereien und Steinbruchunternehmen erfolgreich. Im späten 19. Jahrhundert blühten Bergbau und die Kaliindustrie auf. Gleichwohl blieb „die arme Rhön“ bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts ein „Land der armen Leute“, in dem viele Bewohner kaum ihr Auskommen fanden.Julius Oesterreich: Die arme Rhön. Ein Kultur- und Sittenbild aus dem letzten hundert Jahren vor dem Kriege. Gerisch, Hamburg 1919 (mit vielen Beispielen für die vielerorts herrschende Armut).Wilhelm Heinrich Riehl: Land und Leute. 5. Auflage. Cotta, Stuttgart 1861 (VII. Das Land der armen Leute, S. 223–266; MDZ-Reader).
Drittes Reich Im Herbst 1933 kamen die Nationalsozialisten auf die Idee, die Rhön agrarisch zu kultivieren und die Wirtschaftsbedingungen der Rhön zu verbessern. Grundlage war der Dr.- Hellmuth-Plan; er sah Wegebauten, Kultivierungsarbeiten, Entsteinungen, Entwässerungen, Umbruchmaßnahmen und die Anlage von Waldschutzstreifen vor. Zeitgleich begannen Vorbereitungen zum Bau der „Hochrhönstraße“. Bei Kriegsbeginn wurden die Arbeiten teilweise gestoppt, in die Arbeitslager wurden nun Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter verlegt. Bäuerliche Musterhöfe gab es auf dem Ellenbogen, bei Frankenheim, Oberweid, Kaltennordheim sowie die heute als Hotel Katzenstein bekannte „Burg“.
Seit 1945 mini|Innerdeutsche Grenze durch die Rhön, 1982 Nach dem Zweiten Weltkrieg verlief die Innerdeutsche Grenze bis zur Wiedervereinigung in grober Nord-Süd-Richtung durch die Rhön – etwa von Bad Salzungen, dann östlich der Wasserkuppe, östlich der Königsburg und östlich vorbei an Bad Königshofen. Der Verlauf entsprach dem der heutigen Landesgrenze von Thüringen zu Hessen und Bayern. Die sowjetische Militäranlage auf der Hohen Geba war der westlichste Großhorchposten des Warschauer Paktes auf europäischem Boden. Auf westlicher Seite markierten amerikanische Militäranlagen (z. B. Point Alpha) die Präsenz dieser Großmacht, auch in der hessischen und bayerischen Rhön wurden neue Truppenübungsplätze eingerichtet oder bestehende erweitert. Im Rahmen der „Sicherung der Staatsgrenze“ wurden ein Grenzregiment in Dermbach und mehrere Grenzkompanien in den Rhöngemeinden stationiert. In Bad Salzungen entstand eine große Garnison mit einem großflächigen Übungsgelände um den Pleßberg. Auch der Ellenbogen war ein durch die NVA genutztes militärisches Sperrgebiet. Auf dem Pleßberg, auf dem Ellenbogen und auf der Hohen Geba wurden Radarstationen errichtet. Deshalb konnten die Gipfel auch nicht mehr vom Rhönclub und der Bevölkerung genutzt werden.
Geographie Lage mini|Lage der Rhön in Deutschland Die Rhön gehört zu den südlichsten Teilen der Mittelgebirgsschwelle und stellt darin den Südosten des Osthessischen Berglandes dar. Die Rhön liegt in Teilen folgender Landkreise:
Bayern Landkreis Bad Kissingen Landkreis Rhön-Grabfeld Hessen Landkreis Fulda Landkreis Hersfeld-Rotenburg Main-Kinzig-Kreis Thüringen Landkreis Schmalkalden-Meiningen Wartburgkreis
Orographisch wird die Rhön und das sie abdachende Vorland nach Westen durch die Fuldaer Senke entlang der Fliede und der Fulda bei Fulda vom Vogelsberg im Westen separiert, das weiter in Richtung Bad Hersfeld im Norden in das Kämmerzell-Hersfelder Fuldatal, die Grenze zum (orographischen) Knüll, übergeht.
Im Norden bildet eine Talung längs Ulfe und Suhl eine orographische Grenze zum Fulda-Werra-Bergland. Rechts der Werra, bei Berka, setzt sich diese Talung in der (östlichen) Suhl nach Osten und schließlich Südosten fort, ab Möhra dann bachabwärts entlang dem Fischgraben. Dieses Tal befindet sich jedoch bereits in einiger Entfernung zur eigentlichen Rhön und stößt unmittelbar an die südwestliche Abdachung des Nordwestlichen Thüringer Waldes. Bereits das Tal der Werra mit dem Salzunger Becken bei Bad Salzungen stellt südwestlich davon eine deutliche Schwelle der nordöstlichen Rhönabdachung dar.
Von Bad Salzungen nach Meiningen setzt weiterhin die Werra, dann schließlich Jüchse und Bibra die orographische Grenze nach Süden fort.
Von den aufgezählten Tälern in Westen, Norden und Osten sind die Kuppen der eigentlichen (Kuppen-)Rhön jeweils durch einige Kilometer Buntsandstein-Landschaften getrennt, in die Randkuppen wie (von Nord nach Ost) Dreienberg, Oechsen, Baier, Pleß und Gebaberg teilweise (insbesondere beim Pleß) weit hinein ragen. In Richtung Süden gibt es keine wirkliche orographische Grenze. Zwar begrenzt die Fränkische Saale, die auch Teile der Rhön entwässert, die sogenannte Südrhön nach Süden, jedoch wird deren Buntsandsteinland in der Übereinheit Odenwald, Spessart und Südrhön bereits dem Südwestdeutschen Stufenland zugerechnet und als Teil des Spessarts östlich der Sinn – ihrerseits eine orographische Südwestgrenze – aufgefasst. Zum Stufenland zählt auch die Muschelkalk-Landschaft der Werra-Gäuplatten und das flachwellige Keuper-Hügelland des Grabfelds (beides Teile der Mainfränkischen Platten) unmittelbar südöstlich der Rhön.
Die Südgrenze der Mittelgebirgsschwelle zum Süddeutschen Stufenland verläuft in etwa knapp nördlich der Linie Schlüchtern–Zeitlofs–Burkardroth–Sondheim vor der Rhön–Ostheim vor der Rhön–Rentwertshausen.
Naturräumliche Gliederung Die Rhön und ihre unmittelbare Abdachung gliedert sich naturräumlich nach dem Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands wie folgt: (zu 35 Osthessisches Bergland) 353 Vorder- und Kuppenrhön (mit Landrücken) 353.0 Landrücken 353.1 Westliches Rhönvorland 353.2 (Westliche und Östliche) Kuppenrhön 353.20 Brückenauer Kuppenrhön (bis ) 353.21 Milseburger Kuppenrhön (bis ) 353.22 Soisberger Kuppenrhön (bis ) 353.23 Mittleres Ulstertal 353.24 Auersberger Kuppenrhön (bis ) 353.25 (?) Mittleres Feldatal 353.26 (?) Vordere Rhön (bis ) 353.3 Östliches Rhönvorland 354 Hohe Rhön 354.0 Südliche Hochrhön (Umweltatlas Hessen: Südliche Hohe Rhön) 354.00 Dammersfeldrücken (bis ) 354.01 Schwarze Berge (bis ) 354.02 Kreuzberg-Gruppe (bis )