Die Unstrut ([], mitunter auch []) ist ein 192 km langer, linker Nebenfluss der Saale und deren wasserreichster Zufluss. Das Einzugsgebiet umfasst nahezu das gesamte Thüringer Becken nebst einem Teil der westlichen und nördlichen Randplatten, Teile des Südharzes und kleinere Teile des nördlichen Thüringer Waldes. Dabei entspringen die wasserreicheren Zuflüsse wie auch die Unstrut selbst in den im Vergleich zum Becken niederschlagsreicheren Randgebirgen.
Name Um 575 wurde der Fluss Onestrudis genannt, im 7. Jahrhundert Unestrude, 994 Vnstruod. Der Name wird vom germanischen strōdu hergeleitet, was Sumpfdickicht heißt. Für die Vorsilbe Un- wird eine Steigerungsform wie beispielsweise in „Unwetter“ erwogen oder eine Form der Lokalpartikel *(h1)en ,in‘. Der Flussname würde demnach ,Sumpf(dickicht) an sich habend(er Fluss)‘ bedeuten, wofür auch die für die Unstrut typische Auenlandschaft und Hochwassergefährlichkeit sprächen. Eine ähnliche Wortbildung findet sich in der österreichischen Erlauf (früher: Arelape), (Fluss,) der einen See vorn/am Anfang hat‘.Bichlmeier, Harald, Opfermann, Andreas: Ein neuer Vorschlag zur Etymologie des Flussnamens Unstrut. In: Namenkundliche Informationen 99/100 [2011 (2013)], S. 173–204. (Onlineversion)
Geographie Verlauf Die Unstrut entspringt westlich von Kefferhausen bei Dingelstädt in Nordthüringen im südlichen Eichsfeld. In der Thüringer Pforte bei Sachsenburg durchbricht sie die Hainleite. In ihrem Unterlauf durchfließt sie in zahlreichen Schleifen den Burgenlandkreis im südlichen Sachsen-Anhalt. Sie wird dabei unterhalb von Memleben zunächst vom Ziegelrodaer Plateau, bei Laucha vom Dorndorfer Plateau sowie in der Nähe Freyburgs von den kalkreichen Schweigenbergen flankiert und mündet im Großjenaer Blütengrund bei Naumburg in die Saale.
Das Einzugsgebiet Unstrut ist etwas größer als das der Saale oberhalb der Unstrutmündung (55 % : 45 %). Aber hinsichtlich der Gewässerlänge oberhalb der Mündung (192 vs. 255 km) und der Wasserführung (45 % : 55 %) ist die Unstrut kleiner, wie bei Nebenflüssen der Normalfall. Die Saale hat unterhalb der Unstrut-Einmündung, am , einen MQ von 67 m³/s, wovon 30,2 von der Unstrut stammen; die Fließlänge der Saale bis zur Mündung ist dort mit 158 km angegeben, die von den 413 km Gesamtlänge abgezogen werden müssen.
Flusssystem miniatur|links|Wipper (linker Nebenfluss) in Wollersleben Die Unstrut ist, gemessen an ihrem Einzugsgebiet von über 6.000 km², mit nur etwa 30 m³/s Abfluss vergleichsweise wasserarm (Abflussspende: nur knapp 5 l/s·km²). Dieses ist zum einen durch die verbreitete Ebenheit des Thüringer Beckens verursacht, zum anderen dadurch, dass die Oberläufe der größeren Zuflüsse wie auch der Unstrut selbst von der Leeseite der Randgebirge kommen. So erreicht selbst die im Oberlauf den montanen Thüringer Wald entwässernde Gera nur knapp 7 l/s·km², während die zur Werra entwässernden Flüsse an der Luvseite des Gebirges (z. B. Schleuse) mehr als die doppelte Wassermenge pro Quadratkilometer Einzugsgebiet führen.
Wichtige Zuflüsse der Unstrut sind linksseitig Wipper (Einzugsgebiet: 647 km²), Helbe (414 km²) und Helme (1.318 km²); rechtsseitig sind neben der Gera (1.090 km²) die Gramme (357 km²) und die Lossa (394 km²) von Bedeutung. Der größte Nebenfluss, die Gera, übertrifft die Unstrut am Mündungspunkt an Wasserführung deutlich (6,6 m³/s vs. 4,6 m³/s).Pegelwerte von Erfurt-Möbisburg (Gera) und Nägelstedt (Unstrut), vermehrt um den Gebietsabfluss des Resteinzugsgebietes (jedoch ohne die Schmale Gera). Die jeweiligen Resteinzugsgebiete sind Teilflächen des Zwischeneinzugsgebietes der Pegel Nägelstedt, Erfurt-Möbisburg und Wangen (Oldisleben wegen offensichtlich fehlerhafter MQ und MHQ-Werte ausgeklammert), das einen Gebietsabfluss von 4,4 l/s km² hat. Das Wasser der Schmalen Gera erreicht erst nach Umgehung des Unstrut-Pegels Straußfurt die Unstrut. Daher ist ohne Berücksichtigung eines mittleren Durchflusses der Schmalen Gera von rund 300 l/s der Mq-Wert des oberhalb angrenzenden Zwischeneinzugsgebiets erniedrigt und der des unterhalb folgenden erhöht. Es ergibt sich für den Mündungspunkt ein mittlerer Abfluss der Gera von knapp 6,9 m³/s (ohne Schmale Gera) und für die Unstrut von rund 4,6 m³/s.
Von den Hauptflüssen des Flusssystems zweigen viele zumeist künstliche Nebenarme ab, die dann wiederum zahlreiche Entwässerungsgräben aufnehmen. So mündet beispielsweise die Helbe in drei parallelen Armen.
Geomorphologie Buntsandstein und Muschelkalk aus der Triasformation prägen das Gesicht des Saale-Unstrut-Triaslandes. Mancherorts sind sie durch tertiäre und quartäre Sedimente verdeckt, an anderen Stellen treten sie offen zutage. Insbesondere im Unterlaufbereich ist die geologische Schichtenfolge gut zu erkennen.
Das Durchbruchstal der Thüringer Pforte trennt die das Thüringer Becken im Norden und Nordosten begrenzenden Höhenzüge Hainleite und Schmücke, die aus Muschelkalk bestehen. Der Gipsfelsen des Wendelsteins, der sich kurz vor Memleben unmittelbar an der Unstrut schroff erhebt, gehört als östlicher Ausläufer der Bottendorfer Höhe zu den Aufwölbungen des Zechsteins, der aufgrund der Nordrandstörung der Hermundurischen Scholle hier zutage tritt. Zwischen Memleben und Nebra durchfließt die Unstrut ein in den Mittleren Buntsandstein eingeschnittenes Tal, dessen Steinbruchwände von der jahrhundertelangen Bausteingewinnung künden. Bei Karsdorf weitet sich das Tal, der weiche Schieferton des Oberen Buntsandsteins wurde hier vom Fluss teilweise ausgewaschen. In den Karsdorfer Zementwerken wird der Kalk als Rohstoff gewonnen. Von Karsdorf bis Freyburg begleiten rebentragende Erhebungen des Unteren Muschelkalks die Unstrut; der plattig bis wellig geschichtete, teilweise auch kompakte Kalkstein wurde durch den Fluss großflächig freigelegt. Freyburger Schaumkalk wurde in früheren Jahrhunderten unter anderem im Naumburger Dom verbaut.
Wahrscheinlich wandte sich einst die Unstrut vom Zufluss der Helme an dem jetzigen Mansfelder Land zu, durchfloss die vom ehemaligen Salzigen See eingenommene Senke und erreichte damals über das heutige Salzatal die Saale. Im Geröll des Sees und der Salza findet man Steine, die aus dem Thüringer Becken stammen und nicht durch die gegenwärtigen Gewässer dorthin verbracht sein können. Als sich der Hornburger Sattel und seine Nachbarhöhen erhoben, wurde der Unstrut der alte Abflussweg versperrt, worauf sie in Richtung ihres heutigen Tals bei Freyburg einen neuen fand.
Naturräume, Klima, Flora und Fauna In ihrem gesamten Verlauf liegt die Unstrut im Lee des Harzes, klimatisch hat dies zur Folge eine geringe bis mäßige Jahresniederschlagsmenge, da die meisten Niederschläge im Nordwesten vor den Bergen niedergehen, sowie ein kontinentales Klima mit etwa 1600 Sonnenstunden im Jahr. Im Unterlauf bildet das Unstruttal eine von nördlichen Winden abgeschirmte Wärmeinsel, deren steile Südhänge auch im Winter nahezu senkrecht einfallende Sonnenstrahlen erhalten können.
Ihren besonderen Reiz gewinnt die Unstrut durch den Gegensatz von Flussauenbiotopen und angrenzenden trockenen Böden. Die feuchten Ufer sind von Weiden, Pappeln und Eschen gesäumt. Auf den trockenen, kalkhaltigen Böden finden sich Trocken- und Halbtrockenrasen, an geschützten Stellen wie im Naturschutzgebiet Tote Täler wachsen seltene Orchideen wie das Bleiche und das Purpur-Knabenkraut, die Bienen-, Spinnen- und Fliegen-Ragwurz, der Frauenschuh oder das Große Zweiblatt.
Die Unstrutgegend ist eine jahrhundertealte Kulturlandschaft, die besonders durch den Weinanbau geprägt ist und durch die Streuobstwiesen, die aus Weinbergsbrachen hervorgegangen sind. Wasserliebende Vögel wie die Wasseramsel und der Eisvogel sind hier heimisch, seit den 1990er Jahren ist zunehmend der von Fischern als Konkurrent ungern gesehene Kormoran anzutreffen.
Gewässergüte, Gewässerschutz mini|Unstrut (unten) und Saale (oben) aus der Vogelperspektive Im Jahre 2004 durchgeführte Messungen von der Quelle bis zur Mündung wiesen eine hohe Nitratbelastung der Unstrut nach. Schon in der Quelle bei Kefferhausen fanden die Gewässerschützer einen stark erhöhten Wert von 29,7 mg/l. Die Konzentration verringerte sich im Verlauf bis zu einem Wert von 13 mg/l nahe der Mündung. Vom „Rat von Sachverständigen für Umweltfragen“ (SRU) werden jedoch sogar Nitratwerte unterhalb von 8 mg/l in den der Nordsee zufließenden Flüssen gefordert, um deren heutige Eutrophierung zu vermindern. Nach der chemisch-physikalischen Gewässergüteklassifikation der staatlichen Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) ist die Unstrut im oberen Gewässerlauf bis Bad Langensalza als stark nitratbelastet anzusehen. Bei der Untersuchung der Zuflüsse fand sich in der Gera eine vergleichbare Nitratkonzentration, eine geringere in der Helme. Ursache ist, dass das Grundwasser im Oberlaufgebiet stark durch Düngemitteleintrag belastet wird. Zu dessen Minderung verlangen die Gewässerschützer, zusätzliche Abgaben für stickstoffreiche Düngung zu erheben wie beispielsweise für die vielfach praktizierte Gülle-Wirtschaft. Weil sich aber schon über die vergangenen Jahrzehnte hohe Nährstoffmengen im Grundwasser angereichert haben, würden auch durch diese Maßnahme die Grenzwerte erst nach langer Frist erreicht werden.
Zur kurz- bis mittelfristigen Nitratentlastung sei es notwendig, die Selbstreinigung zu fördern, etwa indem man Regenwasser dem Grundwasser zuführt und die Uferzonen für die Überflutung freigibt. „Auen mit ihren positiven Einflüssen auf die Selbstreinigungskraft müssen reaktiviert werden. Als positive Nebenwirkung werden dabei auch Hochwasser- und Naturschutz betrieben“, formuliert der VSR-Gewässerschutz.
Geschichte Schlachten und Gefechte in Unstrutnähe mini|hochkant|Kanone in Zscheiplitz Im Jahr 531 fand nach Gregor von Tours’ Decem libri an der Unstrut die Entscheidungsschlacht zwischen Franken und Thüringern statt, die mit der Vernichtung und Einverleibung des Reiches der Thüringer in das Frankenreich endete.
In der Schlacht bei Riade an der Unstrut wurden 933 die Magyaren erstmals von einem deutschen Heer unter Heinrich I. geschlagen.
Am 9. Juni 1075 schlug König Heinrich IV. in der Schlacht bei Homburg an der Unstrut (ehemaliges Kloster Homburg, etwa 1 km nördlich von Bad Langensalza) ein überwiegend aus einfachen Bauern bestehendes sächsisches Heer, um danach verheerend durch Sachsen und Thüringen zu ziehen. Dies führte schließlich am 27. Oktober zur vollständigen Unterwerfung der sächsischen Führer bei Spier (Sondershausen). Heinrich IV. hielt anschließend zahlreiche sächsische Große an verschiedenen Orten in Haft und vergab ihre Lehen anderweitig.
Vom 19. bis 21. Oktober 1813 überschritt die in der Völkerschlacht bei Leipzig geschlagene französische Armee die Unstrut bei Freyburg und an der Zeddenbachmühle, noch einmal kam es dabei zu einem blutigen Gefecht. Etwa 100.000 Mann wälzten sich über die von französischen Pionieren errichteten provisorischen Brücken. Napoleon selbst überwachte und leitete den Übergang. Die Franzosen hatten ihre Kanonen beherrschend auf den Höhen der Schweigenberge und bei Zscheiplitz postiert und konnten so die nachstoßenden Alliierten aufhalten, so dass der weitere Rückzug gesichert war. Russen und Preußen überschritten die Unstrut erst am 22. Oktober.
Schiffbarmachung mini|Blick von der Schleuse Freyburg zur Neuenburg mini|Hochwasserrückhaltebecken Straußfurt