mini|hochkant=1.2|Dom und Schloss Merseburg ist eine Dom- und Hochschulstadt an der Saale im südlichen Sachsen-Anhalt. Die Mittelstadt ist Verwaltungssitz des Saalekreises und Bestandteil des länderübergreifenden Ballungsraums der Großstädte Leipzig und Halle. In der maßgeblich von diesen beiden Oberzentren geprägten Metropolregion Mitteldeutschland fungiert Merseburg als Mittelzentrum. Unmittelbar an Merseburg grenzen die Chemiestandorte Schkopau (Buna) und Leuna.
Merseburg, eine der ältesten Städte im mitteldeutschen Raum, wurde im 10. Jahrhundert zur Königspfalz erhoben. Die Ersterwähnung im 9. Jahrhundert als „Mersiburc civitas“ weist auf eine bereits vorhandene befestigte Ansiedlung hin. Tatsächlich lassen sich seit der Jungsteinzeit anhaltende Besiedelungen nachweisen. Von Beginn an durch die Gründung des Bistums Merseburg im Jahre 968 durch König Otto I. bis zur Reformationszeit war Merseburg ein bedeutendes religiöses Zentrum. Von 1656 bis 1738 war Merseburg Residenzstadt der Herzöge von Sachsen-Merseburg und von 1815 bis 1933 Hauptstadt des gleichnamigen Regierungsbezirkes der preußischen Provinz Sachsen.
Merseburg ist Fund- und Aufbewahrungsort der aus dem 9./10. Jahrhundert stammenden Merseburger Zaubersprüche.
Geografie Lage Merseburg liegt am östlichen Rand der Querfurter Platte überwiegend am linken Ufer der Saale, in die im Stadtgebiet die Geisel mündet. Nach Osten erstreckt sich die Leipziger Tieflandsbucht.
Die Stadt bildet das Tor zur schlösser- und burgenreichen Region des Saale-Unstrut-Tales. Nordöstlich grenzt Merseburg an die Saale-Elster-Aue, südwestlich an die Region Unteres Geiseltal.
Stadtgliederung mini|hochkant=1.2|Grundriss Merseburgs von 1807 mit den 1832 eingemeindeten Vorstädten Zum Stadtgebiet gehören die in der folgenden Tabelle dargestellten rechtlichen Ortschaften mit ihren Ortsteilen.
Ortschaft Ortsteile Beuna (Geiseltal) Niederbeuna, Oberbeuna Geusa Atzendorf, Blösien, Geusa, Zscherben Merseburg Altenburg (Vorstadt), Annemariental, Elisabethhöhe, Freiimfelde, Merseburg, Neumarkt (Vorstadt), Gut Werder, Venenien KötzschenAmtsblatt Merseburg, Nr. 40/2024; 29. November 2024 Kötzschen Meuschau Meuschau Trebnitz Trebnitz
Eingemeindungen Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung Altenburg (Vorstadt) 1832 Eingemeindung nach Merseburg Atzendorf 01.07.1950 Eingemeindung nach Geusa Beuna (Geiseltal) 01.01.2009 Eingemeindung nach Merseburg Blösien 01.07.1950 Eingemeindung nach Geusa Geusa 01.01.2010 Eingemeindung nach Merseburg Kötzschen 01.07.1950 Eingemeindung nach Merseburg Meuschau 30.05.1994 Eingemeindung nach Merseburg Neumarkt (Vorstadt) 1832 Eingemeindung nach Merseburg Niederbeuna 01.04.1934 Zusammenschluss mit Oberbeuna zu Beuna Oberbeuna 01.04.1934 Zusammenschluss mit Niederbeuna zu Beuna Trebnitz 01.01.2003 Umgemeindung von Kreypau nach Merseburg Venenien 01.01.1949 Eingemeindung nach Merseburg Zscherben 01.07.1950 Eingemeindung nach Geusa
Die Ortschaften von Merseburg (anklickbare Karte)
Nachbargemeinden Angrenzende Gemeinden von Merseburg sind Schkopau im Norden, Leuna im Süden sowie Braunsbedra und Bad Lauchstädt im Westen. Der Ort Schkopau grenzt nördlich an Merseburg, die Stadt Leuna südlich. Infolge von Eingemeindungen grenzen Ortsteile von Schkopau und Leuna im Osten an Merseburg.
Geschichte Ortsname Seit Thietmar von Merseburg bis in die Zeit der Renaissance wurde der Name der Stadt vom römischen Kriegsgott Mars abgeleitet, wonach der Ort von römischen Soldaten gegründet worden sein soll.
Das erste Glied des Stadtnamens ist mehrdeutig. Zum Beispiel kommen in Frage: altsächsisch meri und germanisch mari für stehendes Gewässer, wässriges Gelände oder Sumpf. Ferner wäre auch die Reduktion eines germanischen Personennamens mit zwei Gliedern wie Merifrid, Merowig, Meriswid oder Meriswind oder die Kurzform Marso denkbar. Letztendlich ist auch der Name einer Stammesgruppe wie Marsi, Marsaki oder Marsingi nicht auszuschließen, denn Merseburg lag im Friesenfeld und die ursprüngliche Besiedlung durch Splittergruppen von der Nordseeküste ist durchaus möglich.
Die Deutung des Stadtnamens aus slawischen Sprachmitteln, wie zum Beispiel Mezibor (‚Grenzland‘), hat keine ausreichende Grundlage und wird von Sprachforschern abgelehnt.Ernst Eichler, Hans Walther: Städtenamenbuch der DDR. 2. Auflage. Leipzig 1988, S. 186–187.
Vorgeschichte/Altertum Bereits in vorgeschichtlicher Zeit ist eine erste Besiedlung im Bereich des heutigen Merseburgs nachweisbar. Im Kulturhistorischen Museum Schloss Merseburg finden sich Funde aus den Gräbern der Band- und Schnurkeramik, der Bronzezeit, der ausgehenden Hallstattzeit, der römischen Kaiserzeit, der Völkerwanderungszeit sowie von Siedlungen der Elbslawen.Kulturhistorisches Museum Schloss Merseburg, auf saalekreis.de
Mittelalter mini|hochkant|Merseburger Zaubersprüche mini|König-Heinrich-Denkmal Die erste schriftliche Erwähnung Merseburgs erfolgte in den Jahren 881/899 im Hersfelder Zehntverzeichnis als mersiburc civitas. Bereits im 9. Jahrhundert gab es eine jüdische Gemeinde. Nach 919 wurde der Ort von König Heinrich I. zu einer Pfalz ausgebaut. Heinrich hatte die Tochter des Merseburger Grafen Erwin geheiratet, so dass der Ort in die Herrschaft des sächsischen Herrschaftshauses gelangte. Er verstärkte die Befestigungsanlagen auf dem Burgberg und ließ nach seinem Sieg gegen die Ungarn bei Riade den Speisesaal mit Fresken ausschmücken. Zugleich siedelte er als Verstärkung in der Vorburg eine aus verschonten Dieben und Räubern zusammengewürfelte Truppe an, die sogenannte „Merseburger Schar“ (legio Mesaburiorum).Paul Hirsch, Hans-Eberhard Lohmann (Hrsg.): Widukindi monachi Corbeiensis rerum gestarum Saxonicarum libri tres = Die Sachsengeschichte des Widukind von Korvei (= Monumenta Germaniae Historica. Scriptores. 7: Scriptores rerum Germanicarum in usum scholarum separatim editi. Bd. 60). 5. Auflage. Hahn, Hannover 1935, S. 68 (Digitalisat).
Im Jahr 955 gelobte König Otto I., nachdem er in der Schlacht auf dem Lechfeld die Ungarn endgültig geschlagen hatte, ein Bistum zu gründen. Nach der Synode von Ravenna 967 kam es 968 auf Betreiben von Otto I. zur Gründung des Erzbistums Magdeburg mit den Suffraganbistümern Zeitz, Meißen und dem Bistum Merseburg. Die Gebiete dafür musste das bereits länger bestehende Bistum Halberstadt abgeben.
Merseburg lag zuvor an der Grenze des Hassegaus.
Das Bistum wurde 981 bereits wieder aufgelöst und erst 1004 von König Heinrich II. erneut gegründet. Bis zur Reformationszeit sollte Merseburg nun Bischofssitz und ein bedeutendes religiöses Zentrum an der östlichen Grenze Deutschlands bleiben. Das Bistum war flächenmäßig eines der kleinsten deutschen Bistümer und umfasste den Süden des heutigen Sachsen-Anhalt sowie Teile des heutigen Freistaates Sachsen. Auch die Stadt Leipzig gehörte zum Bistum, wodurch der jeweilige Bischof als Kanzler der Leipziger Universität fungierte. Das Siegel der Universität beinhaltet noch heute die beiden Merseburger Dompatrone St. Johannes und St. Laurentius. Im 11. Jahrhundert wurde auf dem Domhügel außerdem ein Bischofspalast errichtet.
Am Ende des Mittelalters umfasste es als Mittelpunkt des Hochstiftes Merseburg rund 310 Pfarr- und Filialkirchen und war im Laufe der Jahre Residenz von 43 Bischöfen.
mini|hochkant=0.7|Grabplatte Rudolfs von Rheinfelden im Dom, die älteste Bronzegrabplatte Mitteleuropas 1012 wurde erstmals ein Benediktinerkloster in Merseburg erwähnt. Ab 1015 wurde als Ersatz für eine ältere Johanneskirche der Dom St. Johannes der Täufer und Laurentius errichtet und am 1. Oktober 1021 in Anwesenheit von Kaiser Heinrich II. und seiner Gemahlin Kunigunde festlich geweiht. Merseburg blieb bevorzugter Pfalzort für Heinrich II. und sein Gefolge.
Im Jahr 1188 wurde der sich östlich der Saale etablierte Markt Richtung Leipzig durch Urkunde von Kaiser Friedrich I. Barbarossa bestätigt. Darin wird auch die Neumarktkirche erstmals bezeugt. Zu diesem Zeitpunkt existierte hier bereits die erste Saalebrücke. Inzwischen hatte Merseburg als Handelsort bereits einen weitreichenden Einfluss, von dem beispielsweise die Benennung der Brama Merseburska (Merseburger Tor) im 490 Kilometer entfernten westpreußischen Kulm zeugt. In den Jahren 1218/19 wurde der Markt am linken Saaleufer durch eine Stadtmauer geschützt, die sich an die bereits befestigte Domfreiheit anschloss. 1289 wurde erstmals eine bürgerliche Selbstverwaltung der Stadt erwähnt, auf dem Siegel einer Urkunde erscheint das Wappen der Stadt. 1323 zerstörte der erste von sechs schweren Stadtbränden große Teile der Stadt.
1428 trat Merseburg gemeinsam mit anderen Städten und gegen den Widerstand der Bischöfe der Hanse bei, der es bis mindestens 1604 angehören sollte. Um 1470 wurde das dreiflügelige Schloss (den vierten Flügel bildet der Dom) im spätgotischen Stil neu errichtet. Bereits 1473 befand sich in Merseburg die erste Druckerei.
Im 15. Jahrhundert ließ Bischof Thilo von Trotha (1466–1514) die dreiflügelige Schlossanlage neu gestalten. Bei der Leipziger Teilung im Jahr 1485 wurde Merseburg dem Albertinischen Herzogtum Sachsen zugeschlagen.
Neuzeit mini|hochkant=1.2|Stadtansicht um 1650 mini|Merseburg um 1700
Im Laufe der Reformationszeit und der beginnenden Bauernkriege verfassten die Merseburger Bürger und Bauern die 16 Merseburger Artikel, in denen sie sich gegen die ständig neuen Dienste und Abgaben (Steuern für Wasser, Holz, Weideland, Acker, Abgabe von Kleinvieh, zahlreiche Bußgelder u. a.) wandten. Am 3. Mai 1525 musste Bischof Adolf infolge von Unruhen nach Leipzig fliehen. Am 8. Mai versuchten die Aufständischen, die Domfreiheit zu stürmen. Nach Verurteilung in Gerichtsverhandlungen im Juni wurden am 10. Juni 1525 vier Bürger und vier Bauern auf dem Merseburger Markt enthauptet.
In den Jahren 1510 und 1537 fanden am Dom nochmals größere Umbaumaßnahmen statt.
Am 1. Juli 1543 hielt Lic. Laurentius Reynhard die erste evangelische Predigt in der Stadtkirche St. Maximi und die Reformation begann sich durchzusetzen. Anfang August 1545 predigte Martin Luther dreimal im Merseburger Dom und ordinierte Georg III. zum Koadjutor und damit geistlichen Nachfolger des bisherigen katholischen Bischofs. Durch die Niederlage der Evangelischen im Schmalkaldischen Krieg wurde Merseburg auf kurze Zeit erneut katholisch. Nach dem Tod des letzten katholischen Bischofs Michael Helding im Jahr 1561 setzte sich die Reformation endgültig durch. Das Benediktinerkloster wurde aufgelöst und teilweise abgerissen. Im Jahr 1575 wurde auf Grundlage der alten Domschule das Domgymnasium Merseburg gegründet. Das Territorium des Hochstifts wurde säkularisiert und kam 1565 in den Besitz der Kurfürsten von Sachsen. Im selben Jahr war bereits der elfjährige Alexander von Sachsen gestorben, der das Bistum Merseburg seit dem Tod des letzten Bischofs als Administrator nominell verwaltet hatte. Bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts blieb allerdings eine eigene Stiftsregierung. Weiterhin war Merseburg der Hauptort des hochstiftlich-merseburgischen Amts Merseburg.Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas 1790. Verlag Klaus Gumnior, Chemnitz 2009, ISBN 978-3-937386-14-0, S. 84 f. Von 1605 bis 1608 erfolgten tiefgreifende Um- und Erweiterungsbauten am Schloss.
Von 1621 bis 1622 hatte Merseburg eine Kippermünzstätte, in der unter Münzmeister Georg Sömmerling Interimsmünzen geschlagen wurden. Das waren Kippermünzen vom Kipper-Drei-Pfennig-Stück bis hin zum sogenannten Kippertaler zu 60 Groschen.
Von 1656 bis 1738 war Merseburg Residenzstadt der Herzöge von Sachsen-Merseburg. Diese Zeit war mit reger Bautätigkeit und kulturellem Aufschwung für die Stadt verbunden. Nach Erlöschen der Herzogslinie fiel Merseburg wieder an Kursachsen, dem es bis 1815 angehörte.
19. Jahrhundert mini|Waterloo-Gedenktafel an der Neumarktbrücke