Simbabwe (deutsch üblicherweise [] ausgesprochen; lokale Sprachen und ; übersetzt „Steinhäuser“ in der Sprache der Shona) ist ein Binnenstaat im Südlichen Afrika, der als ehemalige britische Kronkolonie Südrhodesien sowie als Sezessionsterritorium kurzzeitig Rhodesien und Simbabwe-Rhodesien hieß.

Der Name Simbabwe geht auf die heute Groß-Simbabwe genannte Ruinenstätte zurück, die größten vorkolonialen Steinbauten im Südlichen Afrika.Astrid Cornaro, Marcus Cornaro: Zimbabwe. Das afrikanische Hochland zwischen den Flüssen Zambezi und Limpopo (= DuMont-Dokumente: Landschaftsführer). Köln 1991, S. 94. Darüber hinaus ist Simbabwe auch für das UNESCO-Weltnaturerbe der Victoria-Wasserfälle international bekannt.

Seit der Unabhängigkeit 1980 regiert die ehemalige Unabhängigkeitsbewegung ZANU-PF das Land diktatorisch als Einparteiensystem.

Geografie Simbabwe liegt zwischen den Breitengraden 15° und 23° Süd und den Längengraden 25° und 34° Ost und hat als Binnenstaat keinen eigenen Zugang zum Meer. Es grenzt an Südafrika (225 km), an Botswana (831 km), Sambia (797 km, ehemals Nordrhodesien) und an Mosambik (1231 km). Der Sambesi bildet die nördliche Grenze zu Sambia, und der Limpopo die südliche zu Südafrika. Simbabwe hat eine Fläche von 390.757 km², wovon 3910 km² Wasser sind. Die Gesamtfläche des Landes entspricht ungefähr der Fläche von Deutschland und Belgien oder der halben Fläche der Türkei. Der höchste Berg, der 2592 m hohe Inyangani, liegt im östlichen Hochland im Nyanga-Nationalpark nördlich von Mutare.

Klima 250px|ohne|mini|Die Klimazonen Simbabwes nach Köppen-Geiger Simbabwe hat ein subtropisches bis tropisches Klima mit feuchten, teilweise schwül-heißen Sommern (bis über 35 °C) und winterlichen Trockenzeiten mit angenehmer Wärme (um 25 °C). In den höheren Lagen, die den größten Teil des Landes ausmachen, ist die sommerliche Hitze gemäßigt (25 bis 30 °C) und im Winter gibt es ab und zu gemäßigte Nachtfröste (bis −5 °C). Die Regenzeit dauert von November bis März, wobei über 90 % der jährlichen Niederschläge fallen, die im Schnitt 1000 mm betragen. In der Hauptstadt Harare liegt die durchschnittliche Temperatur bei 20 °C, sonst bei 19 bis 22 °C.

Zu den Auswirkungen des Klimawandels in Simbabwe gehört der Rückgang des Niederschlags um 5 % im 20. Jahrhundert (bis 2017); daneben ist ein unbeständigerer Regen zu unterschiedlichen Zeiten und an anderen Orten sowie eine Zunahme von Dürren und Hitzeperioden zu verzeichnen.Climate Change & Human Development: Towards Building a Climate Resilient Nation. UN Development Programme (2018): Zimbabwe Human Development Report 2017. Vor einigen Jahren, wie etwa 2007/2008, kam es zu ungewöhnlich hohen Niederschlägen, die Todesopfer forderten und Ernten bedrohten.Zambia declares floods ‘disaster’. BBC News, 18. Januar 2008. 2015/2016 kam es zu einer schweren Dürrekatastrophe.

Flüsse 250px|mini|Die wichtigsten Flüsse Simbabwes mit ihren Einzugsgebieten Simbabwe wird hydrologisch durch die von Südwest nach Nordost verlaufende Ovambo-Kalahari-Simbabwe-Verwerfung (OKZ Axis)Andy Moore, Tom Blenkinsop, Fenton (Woody) Cotterill: Southern African topography and erosion history: plumes or platetectonics? In: Terra Nova. Band 21, 2009, Nr. 4, 310–315 (englisch, orca.cf.ac.uk, PDF).René A. Pelletier: Mineral Resources of South-Central Africa. Oxford University Press, Cape Town, London, New York, Toronto 1964, S. 137. als zentrale Wasserscheide (Central Zimbabwe WatershedA. E. Moore, F. P. D (Woody) Cotterill, T. Broderick & D. Plowes: Landscape evolution in Zimbabwefrom the Permian to present,with implications for kimberlite prospecting. In: South African Journal of Geology. Band 112, 2009, S. 65–88 (englisch, www.mantleplumes.org, PDF).) grob in zwei Hälften geteilt. Das Einzugsgebiet des Sambesi im Norden ist mit gut 50 Prozent das wichtigste. Der Süden entwässert teils in den Limpopo und teils in den Save. Im äußersten Osten sind kleine Gebiete, die in den Búzi und den Pungwe entwässern und ein kleiner Teil im Westen, der über den Nata in die Makgadikgadi-Salzpfannen abfließt.

Die Eastern Highlands bilden mit dem Inyangani das „Wasserschloss“ des Landes. Mehrere Flüsse haben in diesem Gebiet ihre Quellen.

Umwelt Bekannte Nationalparks in Simbabwe sind der Hwange National Park, der Mana-Pools-Nationalpark und der Victoria Falls National Park.

Flora und Fauna Das Land ist fast durchweg von Trockensavanne bedeckt, dominierend sind Miombo- und Mopane-Wälder. Häufig anzutreffen sind außerdem Affenbrot- und Leberwurstbaum sowie Schirmakazien. Das Gras der Savanne ist in der Trockenzeit braun und verdorrt, erreicht zum Ende der Regenzeit eine Höhe von bis zu zwei Metern und ist Nahrungsgrundlage für zahlreiche Tierarten.

Humangeografie

Provinzen

mini|hochkant=1.5|Provinzen in Simbabwe mini|hochkant=1.5|Distrikte von Simbabwe (2018) Simbabwe gliedert sich in acht Provinzen und zwei Metropolregionen mit Provinzstatus (Greater Harare – zur Provinz gehören auch zwei angrenzende Städte – und Bulawayo). Die Provinzen teilen sich in 91 Distrikte und 1965 Wards. Letztere bestehen wiederum meist aus mehreren Ortschaften. Die Einwohnerzahlen in der folgenden Tabelle beziehen sich auf die Volkszählung 2022.

Nr. Verwaltungseinheit Flächein km² Einwohnerinsgesamt Einwohnerje km² 1 Bulawayo Province 479 665.952 1.390 2 Harare Province 872 2.427.231 2.783 3 Manicaland 36.459 2.037.703 56 4 Mashonaland Central 28.437 1.384.891 49 5 Mashonaland East 32.230 1.731.173 54 6 Mashonaland West 57.441 1.893.584 33 7 Masvingo 56.566 1.638.528 29 8 Matabeleland North 75.025 827.645 11 9 Matabeleland South 54.172 760.345 14 10 Midlands 49.166 1.811.905 37 Simbabwe gesamt 390.757 15.178.957 39Quelle: Zimbabwe National Statistics Agency

Distrikte Insgesamt gibt es 91 Distrikte (61 ländliche und 30 städtische),Zimbabwe 2022 Population and Housing Census Report, Volume 2 Population Distribution by Ward. Zimbabwe National Statistics Agency. (englisch, PDF). die wiederum in Wards (etwa: „Gemeinden“) aufgeteilt sind (Stand 2022).

Städte Im Jahr 2023 lebten 33 Prozent der Einwohner Simbabwes in Städten. Die größten Städte (Einwohnerzahlen gemäß Volkszählung 2012) sind Harare (1.485.231), Bulawayo (653.337), Chitungwiza (356.840), Mutare (187.621), Epworth (167.462) und Gweru (157.865).

Bevölkerung Demografie

Simbabwe hatte 2023 16,3 Millionen Einwohner. Das jährliche Bevölkerungswachstum betrug + 1,7 %. Zum Bevölkerungswachstum trug ein Geburtenüberschuss (Geburtenziffer: 30,1 pro 1000 Einwohner vs. Sterbeziffer: 8,9 pro 1000 Einwohner) bei. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2022 statistisch bei 3,4, die der Region Ost- und Süd-Afrika betrug 4,3. Die Lebenserwartung der Einwohner Simbabwes ab der Geburt lag 2022 bei 59,4 Jahren. Der Median des Alters der Bevölkerung lag im Jahr 2021 bei 18,1 Jahren. Im Jahr 2023 waren 41,3 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre, während der Anteil der über 64-Jährigen 3,6 Prozent der Bevölkerung betrug.

Bevölkerungsstruktur Mehr als 75 % der simbabwischen Bevölkerung gehören dem Volk der Shona an, die hauptsächlich im nordöstlichen Teil des Landes leben. Die zweitgrößte Gruppe der Ndebele (18 %) leben größtenteils im südwestlichen Matabeleland. Außerdem gibt es die Chewa (6 %) und mehrere kleinere Ethnien mit lokal begrenztem Siedlungsraum wie die Tonga am Sambesi sowie die Tsonga und die Venda im Grenzgebiet zu Südafrika.

Mit Beginn der britischen Kolonialherrschaft im 19. Jahrhundert wanderten vermehrt weiße Händler und Farmer aus Großbritannien und Südafrika ein, die Mitte des 20. Jahrhunderts mit einer Viertelmillion knapp 5 % der Gesamtbevölkerung stellten. Im Zuge der Unabhängigkeit und der Umsetzung der Landreform ging deren Zahl jedoch wieder zurück. Darüber hinaus gibt es eine Bevölkerungsgruppe, Coloureds genannt, die aus Verbindungen von Weißen mit der einheimischen schwarzen Bevölkerung hervorging oder Nachfahren von Einwanderern aus Südafrika sind. Ferner gehört eine kleine Minderheit mit familiären Wurzeln im indischen Subkontinent zu Simbabwes Bevölkerung. Insgesamt trugen um 2002 die Einwohner nichtafrikanischer Herkunft bzw. Abstammung mit etwas über 2 Prozent zur Gesamtbevölkerung bei, von denen die meisten im Land geboren worden sind.Institute for Security Studies: Country File: Zimbabwe Society. auf www.issafrica.org (englisch).

Im Jahre 2017 waren 2,4 % der Bevölkerung im Ausland geboren. Die meisten Einwanderer kamen aus Malawi (110.000), Mosambik (90.000) und Sambia (30.000).

Religion 90 bis 95 % der Bevölkerung sind ChristenAuswärtiges Amt – Simbabwe – Übersicht, zuletzt gesehen am 13. November 2017. und 62 % besuchen regelmäßig den Gottesdienst. Die größten christlichen Gemeinden sind die anglikanische, römisch-katholische und methodistische Kirche. Wie in den meisten anderen ehemaligen europäischen Kolonien mischen sich Reste lokaler Religionen aus der Zeit vor der Christianisierung in den christlichen Glauben. Daneben und teilweise mit christlichen Glaubensinhalten vermischt gibt es traditionelle afrikanische Vorstellungen wie Ahnenkult, Besessenheits­kulte wie Mashawe und Heilserwartungen.

Etwa 50.000 Simbabwer und 20.000 Menschen in den Nachbarländern verehren den Himmelsgott Mwari. Über den Monotheismus hinaus hatten diese Lemba seit jeher noch weitere Vorstellungen und Riten mit dem Judentum gemeinsam.

Weniger als 1 % der Bevölkerung sind Muslime.

Sprachen Mit Änderung der Verfassung 2013 hat Simbabwe 16 gleichberechtigte Amtssprachen: Chewa, Chibarwe, Englisch, Kalanga, Khoisan, Nambya, Ndau, Nord-Ndebele, Shangani, Shona, Sotho, Tonga, Tswana, Venda, Xhosa und die Gebärdensprache.Constitution Zimbabwe Constitution Project, 2013, S. 17.

Gesundheit Die Gesundheitsausgaben des Landes betrugen im Jahr 2021 2,8 % des Bruttoinlandsprodukts. Im Jahr 2018 praktizierten in Simbabwe 2 Ärzte je 10.000 Einwohner. Die Sterblichkeit bei unter 5-jährigen betrug 2022 47,7 pro 1000 Lebendgeburten. Die Lebenserwartung der Einwohner Simbabwes ab der Geburt lag 2022 bei 59,4 Jahren (Frauen: 62,1, Männer: 56,4). Die Lebenserwartung stieg von 44,7 Jahren im Jahr 2000 bis 2022 um 33 %.

Weltweit gehört Simbabwe zu den von HIV und AIDS am stärksten betroffenen Ländern. Rund ein Siebtel der erwachsenen Bevölkerung ist nach offiziellen Angaben von der Krankheit betroffen. Die Rate der HIV-Infizierten konnte jedoch von Mitte der 1990er Jahre bis 2017 halbiert werden. Fast 80 % aller mit HIV infizierten Jugendlichen sind Frauen. Eine spezifische soziale Randgruppe sind die sogenannten AIDS-Waisen.

Geschichte

Vorkoloniale Geschichte mini|Luftaufnahme von Groß-Simbabwe Vor etwa 2000 Jahren (Eisenzeit) begannen Völker der Bantu in dieses Gebiet zu migrieren. Dies schließt auch die Vorfahren der Shona mit ein, die heute mit circa 76 % den größten Teil der Bevölkerung stellen. Zur Zeit des europäischen Mittelalters schufen hier Bantu, Vorfahren der heutigen Shona, eine Zivilisation, deren bedeutendstes Zeugnis die Ruinen von Groß-Simbabwe sind. Wichtige Quelle des Reichtums war der Handel mit der ostafrikanischen Küste, wo seit dem frühen 10. Jahrhundert regelmäßig muslimische Handelsleute verkehrten, alsbald auch Niederlassungen gründeten. Von deren Swahili-Kultur unterschied sich die Simbabwe-Kultur dabei deutlich. Mitte des 15. Jahrhunderts verlagerten sich die Zentren der Simbabwe-Kultur, und an der Küste wurden die Swahili-Händler immer mehr von Portugiesen verdrängt, die auch schon einen – vergeblichen – Versuch unternahmen, einen Teil des Landes zu erobern. 1837 wurden die Shona-Staaten von den Ndebele unterworfen, die im Zuge der Mfecane aus dem heutigen Südafrika nach Norden gewandert waren.

Koloniale Herrschaft mini|Koloniale Siedler,1922