Wetter (Ruhr) ist eine mittlere kreisangehörige Stadt mit Einwohnern (Stand ) im südöstlichen Ruhrgebiet in Nordrhein-Westfalen. Wetter gehört zum Ennepe-Ruhr-Kreis und wird als kreisangehörige Stadt durch den Kreis beim Regionalverband Ruhr (RVR) und beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) vertreten. Die Stadt besteht aus verschiedenen Stadtteilen: Alt-Wetter, Volmarstein, Wengern, Esborn und Grundschöttel.

Geographie Geografische Lage Die geographische Lage Wetters (Innenstadt) ist 7° 23' östliche Länge und 51° 23' nördliche Breite. Das Stadtgebiet umfasst eine Fläche von 31,47 km². Die größte Nord-Süd-Ausdehnung beträgt rund 4,8 km und die größte West-Ost-Ausdehnung 7,7 km.

Die Höhendifferenz innerhalb des Stadtgebiets beträgt etwa 186 Meter. Den tiefsten Punkt des Stadtgebiets bildet mit rund Höhe (mittlerer Wasserstand) die Ruhr in Wengern an der Stadtgrenze zu Witten. Der mit höchste Punkt befindet sich Am Südhang in Grundschöttel an der Stadtgrenze zu Gevelsberg (Silschede).Die u. a. von der verbreitete Angabe, der Bereich am Wasserturm Loh mit Höhe sei der höchste Punkt des Stadtgebiets, ist falsch.

Kulturlandschaftlich zählt die Stadt zum Niederbergisch-Märkischen Land, einem Wirtschaftsraum zwischen Ruhrgebiet, Rheinschiene, Bergischem Land und Sauerland, der u. a. durch den früheren oberflächennahen Abbau von Steinkohle und die proto- und frühindustrielle Metallverarbeitung gekennzeichnet ist.

Naturraum mini|Blick von der Burgruine Volmarstein über das Ruhrtal auf den Stadtteil Alt-Wetter Wetter liegt an der Ruhr, die im Osten des Stadtgebiets zum Harkortsee aufgestaut ist. Naturräumlich gehört das Stadtgebiet zum Süderbergland innerhalb des Rechtsrheinischen Schiefergebirges. Dabei zählt fast das gesamte Gebiet zum Niederbergisch-Märkischen Hügelland, das hier wiederum in mehrere Untereinheiten gegliedert wird. Wetter hat Anteile am, Ardeygebirge mit den Südardeywänden, an der Ardeypforte und am Bergisch-Märkischen Hügelland mit dem Märkischen Schichtrippenland dem Haßlinghauser Rücken. Ein geringer Teil des Stadtgebiets (Teile von Alt-Wetter, Harkortsee) gehört hingegen zum, Bergisch-Sauerländischen Unterland Untereinheiten Märkisch-Sauerländisches Unterland, Hagener Tälerkessel, Hagener Ruhrtal.

Stadtgliederung In ihrem heutigen Umfang besteht die Stadt erst seit 1970. Damals wurden die bis dahin selbstständigen und südlich der Ruhr liegenden Gemeinden Esborn, Volmarstein und Wengern in die fast vollständig nördlich der Ruhr liegende Stadt Wetter eingemeindet. Dadurch wurde das Stadtgebiet von unter 4 km² auf über 31 km² vergrößert.

Die Katasterfläche der Stadt umfasst fünf Gemarkungen mit insgesamt 46 Fluren (Stand 2012). Die heutigen Gemarkungsgrenzen entsprechen weitgehend – abgesehen von einigen kleinräumigen Anpassungen – den bis 1969 gültigen Gebietsgrenzen der ehemaligen Stadt Wetter und der drei alten Gemeinden. Grundschöttel wurde bereits 1939 nach Volmarstein eingemeindet.

Verwaltungstechnisch ist die Stadt Wetter (Ruhr) seit 1970 in vier Stadtteile gegliedert, zu denen jeweils mehrere Ortslagen gehören, d. h. unterschiedliche Siedlungsbereiche wie Stadtviertel, Weiler oder Einzellagen.

+ Übersicht der Gemarkungen und Stadtteile von Wetter (Ruhr), Stand 2012 150px|Gemarkungen in Wetter (Ruhr) Gem.-Nr. Gemarkung Fläche Historie Stadtteil zugehörige Ortslagen 1334 Wetter 3,56 km² bis 1969 Stadt Wetter (bzw. Wetter a. d. Ruhr) Alt-Wetter u. a. Dorf Wetter, Freiheit Wetter, Schöntal 1346 Esborn 9,97 km² bis 1969 Gemeinde Esborn Esborn u. a. Albringhausen, Sackern, Voßhöfen 1347 Grundschöttel 7,99 km² bis 1939 Gemeinde Grundschöttel Volmarstein u. a. Loh, Schmandbruch, z. T. Tinsberg 1349 Volmarstein 3,07 km² bis 1969 Gemeinde Volmarstein u. a. Am Vorberg, In der Bach, z. T. Tinsberg und Oberwengern 1350 Wengern 6,89 km² bis 1969 Gemeinde Wengern Wengern u. a. Osterfeld, Trienendorf, Sandberg, z. T. Oberwengern

Klima Das Klima in Wetter ist klassifiziert als Cfb (Ozeanklima).

Nachbarstädte Direkt angrenzende Kommunen sind im Osten die kreisfreie Stadt Hagen sowie – weiter im Uhrzeigersinn – Gevelsberg, Sprockhövel, Witten und Herdecke als Nachbarstädte im Ennepe-Ruhr-Kreis. Die umliegenden Großstädte – Bochum, Dortmund, Hagen und Wuppertal – sind innerhalb von 20 bis 30 Minuten mit der Bahn oder dem Auto zu erreichen.

Geschichte Mittelalter mini|Fachwerkhäuser in Freiheit Auf dem Stadtgebiet von Wetter liegen die heutigen Stadtteile Wengern und Volmarstein. Diese werden bereits im 11. Jahrhundert erstmals erwähnt. Die Kirche von Wengern wurde um 1080 vom Kölner Erzbischof Sigewin von Are zur Pfarrkirche erhoben. In einem Schatzbuch der Grafschaft Mark von 1486 sind 22 Einzelhöfe in Wengern aufgeführt.

Wetter war, neben Altena, Hamm und Hörde, eine der vier Kreisstädte der Grafschaft Mark. Zwischen 1250 und 1274 wurde dann von den Grafen von der Mark die Burg Wetter wohl hauptsächlich als märkischer Vorposten gegen die kurkölnische Burg Volmarstein errichtet. Mit der Einführung der märkischen Amtsverfassung kam auch zum Beginn des 14. Jahrhunderts ein Amtmann der Grafen von der Mark, der in der Regel dem regionalen Adel angehörte, nach Wetter. Freiheit und Dorf (ursprünglich Kerckwetter genannt), die eine Verwaltungseinheit bildeten, erhielten 1355 das Freiheitsprivileg. Wetter war ein Mitglied der Hanse, als ein Zugewandter Ort konnte man von den Handelsprivilegien profitieren, hatte aber kein Mitspracherecht.

Neuzeit mini|Wetter an der Ruhr, Stahlstich nach einer um 1840 entstandenen Zeichnung von Carl Schlickum Wegen ihrer engen Verbindung zum Leben und Wirken von Friedrich Harkort (1793–1880) und weiteren Mitgliedern der Familie Harkort wird Wetter auch als Harkortstadt bezeichnet. Dies manifestiert sich in der Benennung u. a. des Harkortsees, des Harkortbergs und des Harkortturms.

Während der Ruhrbesetzung 1923 war das heutige Stadtgebiet von Wetter geteilt: Nördlich der Ruhr (heute Alt-Wetter) waren britische und französische Besatzer anwesend, wohingegen der südliche Teil (Volmarstein und Wengern) frei war. So war zum Beispiel die Overwegbrücke, die Oberwengern und Alt-Wetter verbindet, ein Grenz- und Kontrollpunkt, und zur jeweils anderen Ruhrseite mussten auf dem Weg zur Arbeit oder zur Schule lange Pendelzeiten eingeplant werden.

Im Jahr 1943 wurde der Sitz der Gauleitung des NSDAP-Gaues Westfalen-Süd von Bochum, das damals durch Bombenangriffe bereits stark zerstört war, nach Wetter auf den Harkortberg verlegt. Hier residierte der Gauleiter Albert Hoffmann. Er war unter anderem dafür verantwortlich, dass noch in den letzten Kriegstagen die Brücken über der Ruhr gesprengt wurden. Noch heute zeigen Bunker auf dem Berg Überreste der Befehlsstelle, jedoch sind sie nicht begehbar. Während des Zweiten Weltkriegs kamen in der kleinen Industriestadt zahlreiche Kriegsgefangene, unter ihnen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, zu Tode. Nach Jahren der Verzögerung erinnert seit Juli 2025 ein auf Initiative von Thea Struchtemeier zurückgehendes und durch gemeinsamen Ratsbeschluss entstandenes neues Denkmal (Dezember 2019) an zehn im April 1945 umgekommene Zwangsarbeitende und Kriegsgefangene.Zehn Vergessene im Park, auf porta-polonica.de Diese verstarben in Wetter (Ruhr) aufgrund der unmenschlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen in den Lagern, wurden ermordet oder kamen bei Schusswechseln in den letzten Kriegstagen ums Leben und sind in einem Sammelgrab auf dem alten Friedhof an der Bornstraße, jetzt Park, bestattet.Neue Tafel für alte Gedenkstätte, auf wp.de Die Diplom-Sozialwissenschaftlerin und Journalistin deckte auch die Tötung von Wetteraner Bürgern und Euthanasieopfern während der Nazizeit auf und erinnerte an das grausame Schicksal von Elisabeth Kappestein.Das schockierende Schicksal der Elisabeth Kappestein, auf wp.de

Mit der kommunalen Gebietsreform (Gesetz zur Neugliederung des Ennepe-Ruhr-Kreises) wurde der Ennepe-Ruhr-Kreis am 1. Januar 1970 neu gegliedert, und die südlich der Ruhr gelegenen, ehemals selbständigen Gemeinden Esborn, Volmarstein und Wengern bilden seitdem mit der ehemaligen Stadt Wetter (Wetter/Ruhr bzw. Wetter a. d. Ruhr) die neue Stadt Wetter (Ruhr). Seitdem gehören auch kleine Teile der ehemaligen Gemeinden Berge und Silschede zu Wetter.

Seit 2009 kämpfen Bürgerinitiativen um den Erhalt des Grünzugs Stork.

Bevölkerungsentwicklung mini|Bevölkerungsentwicklung seit 1970 (noch ohne Korrektur entsprechend dem Zensus 2011) Daten zur stadtweiten Bevölkerungsentwicklung sind nur für die Zeit von der letzten Gebietsreform 1970 (Eingemeindung von Esborn, Volmarstein und Wengern) bis heute direkt vergleichbar. Zahlen bis 1969 beziehen sich auf die früheren Gemeinden, deren ehemalige Zuschnitte zwar größtenteils, aber nicht exakt mit den heutigen Stadtteilen übereinstimmen.

In Wetter lebten 2013 rund 27.700 Menschen. Im Jahr 1973 war mit rund 31.300 Personen die höchste Bevölkerungszahl zu verzeichnen. Seit 1999 nimmt die Einwohnerzahl v. a. auf Grund des demografischen Wandels kontinuierlich ab. Durch den Zensus 2011 wurde die Bevölkerungszahl außerdem etwas nach unten korrigiert.

Mit Abstand einwohnerreichster Stadtteil ist Volmarstein mit 12.694 Personen, gefolgt von Alt-Wetter mit 8229, Wengern mit 6534 und Esborn mit 1740 Menschen (Stand 2. Januar 2009).Stadt Wetter (Ruhr): Demografiebericht 2009. S. 6 (Datenbasis: Einwohnermeldedaten zum 2. Januar 2009)

Verwaltung und Politik

Stadtverwaltung Hauptsitz der Stadtverwaltung ist das Rathaus Wetter im Stadtteil Alt-Wetter. Das Gebäude wurde Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet und steht seit 1984 unter Denkmalschutz. In ihm befinden sich u. a. das Bürgermeisterbüro und der historische Ratssaal, der bis heute für manche Sitzungen genutzt wird. Weitere Gebäude mit Nebenstellen der Stadtverwaltung befinden sich ebenfalls in Alt-Wetter: Fachbereich Jugend, Soziales und öffentliche Ordnung – Kaiserstr. 70 Fachbereich Bauwesen – Kaiserstr. 70 Bürgerbüro – Bahnhofstr. 10 Stadtbücherei – Bahnhofst. 19 (im ehem. Bahnhofsgebäude)

Als kommunales Unternehmen besteht außerdem der Stadtbetrieb Wetter (Ruhr), der u. a. für Abfall, Abwasser, Grünflächenpflege, Straßenreinigung und Winterdienst zuständig ist. Er war zuerst eine eigenbetriebsähnliche Einrichtung und ist seit 2001 eine Anstalt des öffentlichen Rechts der Stadt Wetter (Ruhr).

Rat der Stadt Im Rat der Stadt Wetter hatte die SPD bis zur Kommunalwahl 1999 eine absolute Mehrheit. Seit 1999 werden Entscheidungen im Rat von wechselnden Mehrheiten getroffen. Bei der Kommunalwahl im Mai 2014 sank die Wahlbeteiligung in Wetter erstmals unter 50 Prozent. Kommunalwahlergebnisse und Sitzverteilungen im Rat der Stadt ab 1970 Parteien undWählergruppen gewählte Vertreter (Sitze) 1970Horst Wientzek: Wetter – Stadt an der Ruhr. Rath-Druck, Wetter (Ruhr), 1982. S. 254 1975 1979 1984 1989 1994 1999 2004 2009 2014Vorläufige Ergebnisse der Wahlen am 25. Mai 2014. S. 2122020 SPD 21 ? ? ? 22 21 17 19 15 1715 CDU 13 ? ? ? 11 12 13 13 10 89 FDP 3 ? ? ? 2 2 2 4 4 24 GRÜNE — — — ? 4 4 3 5 6 511 BfW1 — — — — — — 5 5 2 12 CSR2——————————1 UWW3 — — — — — — — — 2 1— NPD — — — — — — — — 1 —— AfD — — — — — — — — — 2— Mandatsträger insges. 37 ? ? ? 39 39 40 46 40 3642 1BfW: Freie Wählergemeinschaft Bürger für Wetter 2CSR: Christlich-Soziale Reformer 3UWW: Unabhängige Wählergemeinschaft Wetter

Bürgermeister mini|hochkant|Rathaus Wetter Wie in ganz Nordrhein-Westfalen gab es auch in Wetter bis Mitte/Ende der 1990er Jahre eine „kommunale Doppelspitze“ aus Stadtdirektor und Bürgermeister. Dabei war der Stadtdirektor als Hauptverwaltungsbeamter für behördliche Entscheidungen und alle Verwaltungsgeschäfte zuständig. Der Bürgermeister war hingegen ehrenamtlich tätig und hatte vor allem politisch-repräsentative Aufgaben. Er wurde aus der Mitte des Rats bestimmt (von den Ratsmitgliedern gewählt) und übernahm dessen Vorsitz, er wurde also nicht direkt von der Bevölkerung gewählt.