Schwelm ist eine über 500 Jahre alte Stadt in Westfalen, gelegen unmittelbar an der Grenze zum Rheinland. Als heutige Kreisstadt des Ennepe-Ruhr-Kreises (Nordrhein-Westfalen) wird Schwelm mit dem Kreis zusammen dem südlichen Ruhrgebiet zugeordnet. Südwärts geht die Stadt in die landschaftlich geprägten Hochflächen des Bergisch-Sauerländischen Gebirges über. Schwelms Geschichte, Kultur, Stadtbild und lokale Wirtschaft wurden über Jahrhunderte durch die Grenzlage zwischen Westfalen und Rheinland (Bergischem Land) geprägt. Schwelm ist die nach Fläche kleinste politische Gemeinde in Nordrhein-Westfalen.

Geografie mini|Karte von Schwelm mini|Schwelm vom Lindenberg im Norden aus gesehen

Schwelm liegt im südöstlichen Ruhrgebiet in Westfalen an der Grenze zum Bergischen Land. Da die Stadtgrenze im Westen und Süden gleich der Grenze zwischen Rheinland und Westfalen ist, wird Schwelm auch als Pforte Westfalens bezeichnet und insbesondere bei älteren Namensnennungen findet sich der Zusatz i. W. (in Westfalen). Die Kreisstadt Schwelm ist von drei weiteren Städten des Ennepe-Ruhr-Kreises umgeben: Sprockhövel im Norden, Gevelsberg im Nordosten und Ennepetal im (Süd-)Osten. An die südliche und westliche Stadtgrenze schließt sich die kreisfreie Stadt Wuppertal an.

Das Stadtgebiet gehört zur Großlandschaft Süderbergland und wird von zwei naturräumlichen Haupteinheiten dominiert: dem Niederbergisch-Märkischen Hügelland im Norden und den Bergischen Hochflächen im Süden.

Relief Schwelm liegt am nordwestlichen Rand des rechtsrheinischen Schiefergebirges. Auf dem Stadtgebiet schwankt die Höhe zwischen 181 und 352 m ü. NN.

Geologisch ist das nördliche Stadtgebiet geprägt von einem Massenkalkvorkommen, aus dem zwei Talmulden hervorgegangen sind, die den Norden Schwelms von Südwesten nach Nordosten durchziehen und durch den Linderhauser Hochrücken bzw. Hasper Sattel voneinander getrennt werden. Die südliche Mulde ist die etwa 1,5 km breite Schwelmer Talmulde, die in der Umgebung des Stadtviertels Brunnen im nordöstlichen Stadtgebiet endet. Die nördliche Mulde ist als Linderhauser Kalkstreifen bekannt; sie endet westlich von Gevelsberg und setzt sich dann im Hagener Raum fort. Ungefähr am Südhang der Schwelmer Talmulde verläuft mitten durch die Stadt die Grenze zwischen dem Bergisch-Sauerländischen Unterland im Norden und den Bergischen Hochflächen im Süden.

Die Bergischen Hochflächen im südlichen Schwelmer Raum sind auch als Schwelmer Höhen bekannt und prägen mit vier Hochflächen den südlichen Teil der Stadt: Sie haben eine fast einheitliche Höhe von 350 bis (außerhalb der Schwelmer Stadtgrenzen) 380 m und steigen nur allmählich nach Südosten hin an. Zwischen diesen Hochflächen schneiden sich tiefe Bachtäler mit Böschungswinkeln von bis zu 25° in das Gelände. Außerdem haben sich hier Mulden gebildet, die etwa 100 m tiefer liegen als die Hochflächen und zusammen als Voerder Hochmulde bezeichnet werden.

Boden Im Schwelmer Stadtgebiet gibt es vielfältige Bodenverhältnisse; es dominieren jedoch unterschiedliche Arten der Braun- und Parabraunerde. Die Schwelmer Talmulde etwa ist geprägt von Pseudogley-Parabraunerden aus meist umgelagertem Löß. Im Westen der Stadt kommen sehr kleinflächig Rendzinen vor, an der südlichen Stadtgrenze gibt es im Tal der Wupper braune Auenböden und allgemein ein hohes Lenneschiefer-Vorkommen.

Der nördliche Teil der Stadt ist von einem Massenkalk aus dem oberen Mitteldevon geprägt, der auch als Schwelmer Kalk bekannt ist. Er gehört zum Rheinisch-Westfälischen Kalkzug, der sich am Nordrand des Sauerlandes und des Bergischen Landes von Düsseldorf über Wuppertal, Hagen und Iserlohn bis nach Brilon erstreckt. Der Kalkstreifen ist reich an Parabraunerden aus pleistozänem Löß, der als hochwertigster Boden des Stadtgebietes gilt. Im äußersten Nordwesten des Stadtgebietes lässt der stark wasserlösliche Kalkstein bei Gut Oberberge Trockentäler mit Dolinen entstehen. Der ebenfalls im Norden gelegene Linderhauser Hochrücken besteht aus Lenneschiefer; dort sind im Gebiet Heide die bedeutendsten Tertiärvorkommen im Schwelmer Raum zu finden.

An der Stadtgrenze im Westen liegt die als Naturdenkmal ausgewiesene Erlenhöhle, deren vielfältige Tierwelt – unter Berücksichtigung der relativ geringen Höhlengröße – bemerkenswert ist. Die Höhle wurde bei einer Fuchsjagd im Jahre 1902 entdeckt und ist nach einem nahegelegenen Gehöft benannt.

Weitere kleinere Höhlen konnten im Linderhauser Rücken beim Bau des Schwelmer Tunnels und des Linderhauser Tunnels nachgewiesen werden. Bislang wurden am und um den stillgelegten Schwelmer Tunnel, der 2017 vom Arbeitskreis Kluterthöhle e. V. gekauft wurde, 8 Höhlen gefunden. An der Bahnstrecke Elberfeld–Dortmund wurde 2014 im Bereich des Hauses Martfeld die Schlosshöhle entdeckt. Fachleute betonen die Bedeutsamkeit der Schlosshöhle für die Geologie in Nordrhein-Westfalen.

Vegetation mini|hochkant|Baumanteile im Schwelmer Stadtwald

Das Stadtgebiet gehört zur collinen und submontanen Höhenstufe und ist daher vielerorts durch Buchenbestand gekennzeichnet. Auf den Bergischen Hochflächen im Süden und dem Linderhauser Rücken im Norden findet sich eine artenarme Ausprägung des Hainsimsen-Buchwaldes mit spärlicher Strauch- und Krautschicht; im Norden ist stellenweise Perlgras-Buchenwald zu finden. In den südlichen Bachauen und im Tal der Wupper ist der Sternmieren-Stieleichen-Hainbuchenwald artenreich vertreten.

Mehr als die Hälfte der forstwirtschaftlich genutzten Fläche auf dem Schwelmer Stadtgebiet ist Laubwald (310 ha), etwa ein Drittel Nadelwald (165 ha) und der Rest Mischwald (38 ha). In den Laubwäldern finden sich neben den zahlreichen Buchen auch Birken und Kastanien sowie Stiel-, Trauben- und Roteichen. Der ungefähr 185 ha große Schwelmer Stadtwald besteht größtenteils aus Mischbestand und solchen Bäumen, von denen fast keiner älter als 80 Jahre ist.Kurt Offermann: Schwelms Stadtwald. Schutzraum, Erholungsbereich, Wirtschaftsfaktor. In: Journal für Schwelm, 2003, Nr. 79, 47 ff. An den Bächen im südlichen Stadtgebiet liegen kleine, struktur- und artenreiche Auwälder.

Gewässer mini|Quelle der Schwelme im Martfelder Wald

Im Norden des Stadtgebietes gibt es aufgrund der Karstphänomene im dortigen Massenkalk nur wenige Gewässer. Die seltenen Quellen sind häufig nur nach Regenfällen oder Tauwetter sichtbar. Ein konstantes Fließgewässer ist dagegen der Döinghauser Spring, in dessen Nähe sich westlich der Hattinger Straße nicht mehr genutzte Fischteiche befinden. Diese auf einem unzugänglichen Grundstück gelegenen Gewässer sind ein Lebensraum für den landesweit gefährdeten Teich-Schachtelhalm und die gefährdete Teichlinse.

Der Süden Schwelms ist gegenüber dem Norden reich an Quellen und Fließgewässern. Die Schwelme als namensgebender Bach der Stadt entspringt im Osten im Martfelder Wald und mündet nach ungefähr 9 km außerhalb der westlichen Stadtgrenze in Wuppertal-Oberbarmen in die Wupper. Durch die Täler im Süden der Stadt verlaufen drei weitere Bäche: die Wolfsbecke, die Fastenbecke und die Brambecke. Alle drei münden im Süden in die Wupper, die dort über mehrere Kilometer auf der Stadtgrenze zwischen Schwelm und Wuppertal-Beyenburg verläuft. Neben den genannten Bächen gibt es im südlichen Stadtgebiet zahlreiche kleine Siepen und Quellbereiche.

Klima Schwelm liegt im ozeanisch beeinflussten nordwestdeutschen Klimabereich. Der Winter im Stadtgebiet ist daher mild und der Sommer gemäßigt mit einem Niederschlagsmaximum im Juli und August. Die jährliche Niederschlagsmenge liegt bei durchschnittlich 1 200 mm, die Durchschnittstemperatur liegt über das Jahr hinweg bei 9 °C.

Flächennutzung Das nur 2050 ha große Stadtgebiet erstreckt sich von Osten nach Westen über 4,6 km und von Norden nach Süden über 7,5 km. Etwa 42 % von Schwelm sind Siedlungs- und Verkehrsflächen, 32 % dienen der Landwirtschaft und etwa 25 % sind Wälder und Gehölze.Kommunalprofil Schwelm, IT.NRW, Stand 29. März 2023 (PDF)

Die städtischen und dörflichen Bereiche sind neben der Innenstadt hauptsächlich die Stadtviertel Möllenkotten, Oehde, Oberloh, Kornborn, Brunnen und Linderhausen. Der pro Einwohner in Anspruch genommene Wohnraum betrug 2002 in Schwelm durchschnittlich 36,7 m² und lag damit gut 3 % unter dem Durchschnitt im Ennepe-Ruhr-Kreis.

In den Bachtälern im Süden der Stadt sind Naturschutzgebiete eingerichtet. Das Weberstal an der Brambecke etwa wurde seit den frühen 1970er Jahren sich selbst überlassen und beherbergt heute einige seltene Tier- und Pflanzenarten. Jedes Jahr veranstaltet die Arbeitsgemeinschaft Umweltschutz Schwelm e. V. (AGU) im Weberstal den Tag der Artenvielfalt, an dem das dortige Naturschutzgebiet unter Anleitung erkundet werden kann. An der östlichen Stadtgrenze hat die AGU am Tannenbaum eine fast 6 ha große ehemalige Ackerfläche zu einem Biotop umgewandelt. Insgesamt werden 80 ha des Schwelmer Stadtgebietes als wertvolles Stadtbiotop eingeordnet.

Geschichte

Siedlungsplätze in der Steinzeit Im Jahr 1989 wurden auf Schwelmer Stadtgebiet, zwischen Windgarten und Kühlchen, über 300 mesolithische Oberflächenfunde entdeckt. Die Fundstellen befinden sich auf der dortigen Rhein/Ruhr-Wasserscheide an der heutigen Bundesstraße B 483. Die aufgefundenen Feuersteinartefakte lassen den Rückschluss zu, dass sich dort zwei steinzeitliche Siedlungsplätze befunden haben. Die Besiedlung des Schwelmer Stadtgebietes kann demnach bis in die Steinzeit belegt werden.

Fronhof und Kirchplatzsiedlung im Mittelalter mini|Denkmalgeschütztes Gebäude im Bereich des früheren Fronhofs in der Altstadt

Die weitere Besiedlung des heutigen Schwelmer Stadtgebietes kann mit einem Fronhof, der vermutlich im 9. Jahrhundert errichtet wurde, als man entlang der alten Fernstraßen den Schwelmer Raum erschloss, belegt werden. Der Südrand der Schwelmer Kalkmulde bot den Menschen einen äußerst nährreichen Boden und genügend Wasser. Zwar lag der Fronhof nicht direkt an der Schwelme, doch wurde der Name dieses Baches, der zunächst auf die gesamte Talmulde übergegangen war, schließlich auch zur Bezeichnung des Fronhofs.Gerd Helbeck: „In oppido Swelme“. Entstehung und Struktur der mittelalterlichen Kleinstadt Schwelm zwischen dem 10. Jahrhundert und 1496. In: Beiträge zur Heimatkunde der Stadt Schwelm und ihrer Umgebung, 1973, Nr. 23, 5–53. Etwa in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts ist Schwelm erstmals als Ort erwähnt, als die Bewohner Salaco und Werinheri der Abtei Werden im Bereich des Schwelmer Fronhofes (in uilla Suelmiu) im Auftrage ihres Herrn einen Hörigen „übergaben“.Gerd Helbeck: Zeittafel zur Geschichte des Schwelmer Raumes bis zur endgültigen Erhebung Schwelms zur Stadt. In: Beiträge zur Heimatkunde der Stadt Schwelm und ihrer Umgebung, 1996, Nr. 45, 13–17. Heute erinnert die Fronhofstraße in der Schwelmer Altstadt an den Schwelmer Siedlungsursprung. 1812 wurde der Fronhof aufgehoben.Günter Voigt: Schwelm. Eine Reise in die Vergangenheit. Schwelm 1990.