Welver ist eine Gemeinde in Nordrhein-Westfalen, Deutschland, und gehört zum Kreis Soest.

Geografie

Nachbargemeinden Im Uhrzeigersinn von Norden grenzt Welver an Lippetal, Soest, Werl (Kreis Soest) und die kreisfreie Stadt Hamm.

Gemeindebezirke Die heutige Gemeinde wurde 1969 im Rahmen der kommunalen Neuordnung in Nordrhein-Westfalen durch Zusammenschluss von 21 Gemeinden gebildet. Sie umfasst 12 Bezirke:Hauptsatzung der Gemeinde Welver, Fassung vom 1. März 2021, § 3 Einteilung des Gemeindegebietes in Bezirke

Geschichte Vor- und Frühgeschichte Durch frühgeschichtliche Funde, die von interessierten Heimatfreunden und Landwirten in und um Welver in den vergangenen Jahrzehnten gemacht wurden, ist doch viel Licht in unsere Vorzeit gebracht worden. Ein Teil dieser Oberflächenfunde, die durch eine immer tiefere Bodenbearbeitung zutage treten, ist im Burghofmuseum in Soest und im Heimathaus Welver zu sehen. Diese Funde, die alle registriert und in Karten eingezeichnet werden, auch solche, die in Privatbesitz bleiben, ergeben zusammengefasst Einblick in die Besiedlung unserer Heimat, bevor die ersten Urkunden über die Menschen und deren Tun berichten. Die Bodenurkunden und deren Erhalt und Auswertung sind für die heutige und spätere Erforschung von großer Bedeutung. Die Eisenzeit hat wie die Bronzezeit ihre Spuren hinterlassen, allerdings sind Funde aus diesem Zeitraum (Bronzezeit, 2000 v. Chr. bis 750 v. Chr.) selten, da Eisen- wie Bronzegegenstände im Boden sich oft nicht bis auf unsere Tage erhalten haben. Auch konnte Eisen wie Bronze neu verwertet werden. Besonders häufig sind Funde aus der Jungsteinzeit (5000 bis 2000 v. Chr.), auch ältere Funde sind registriert worden. Eine besondere Bodenurkunde, die auf eine größere Siedlung hinweist, ist eine frühgeschichtliche Erdbefestigungsanlage im Kuhholz bei Kirchwelver. Sie wird von der Recklingser Straße an nördlicher Seite von West nach Ost durchschnitten. Im Volksmund trägt der Teich, der heute noch innerhalb der Anlage erhalten ist, den interessanten Namen „Walhalla“. Diedrichs schreibt in seinen Aufsätzen über Vor- und Frühgeschichte in der Soester Zeitschrift, dass die Wallburg in Welver zu den Fundstellen gehört, die eine einwandfreie Zeitsetzung noch nicht gestattet. Dies bleibt wohl einer späteren Forschung vorbehalten.

Herrensitz Der Name „Welver“ taucht erstmals in einer Urkunde des Kölner Erzbischofs Philipp I. von Heinsberg auf, die mit Datum vom 12. April 1179 in Soest ausgestellt wurde. Der Inhalt der Urkunde bestätigt den Tausch zweier Bauernhöfe zwischen den Klöstern Oelinghausen und Oedingen, hat also mit Welver eigentlich nichts zu tun. Unter den Zeugen jedoch erschienen hier nach den Geistlichen die Edelherren Konrad von Rüdenberg, Eberhard von Ardey und Wikbold von Welver. Da diese Edelherren sich nach dem Ort ihrer Herkunft bezeichneten, konnte Welver somit im Jahr 1979 auf ein urkundlich nachweisbares 800-jähriges Bestehen zurückblicken.

Die Edelherren von Welver wohnten auf der „Welvereburg“, wie sie in verschiedenen Urkunden genannt wird. Sie lag im Bereich des heutigen „Klosterhofs“ und „Klostergartens“ und wurde vermutlich schon damals von einem der hier heute noch vorhandenen Gräften und Teiche schützend umgeben. Wikbold war offenbar der letzte männliche Vertreter des Edelherrengeschlechts von Welver, wie aus einer Urkunde des Klosters Cappenberg (undatiert, zwischen 1185 und 1203) zu schließen ist. Darin wurde Wikbold mit seiner Frau und seiner Tochter und weiteren Zeugen aufgeführt. Ein Sohn wäre sicherlich auch erwähnt worden. Wikbolds Tochter war vermutlich mit dem Soester Vogt Eberhard (1178–1210) verheiratet. So gelangte ihr Erbe mit der Welverburg und dem Patronat über die Kirche zu Welver an die Soester Vögte, deren letzter, Vogt Walther, 1240 den Grundstein zur Errichtung eines Zisterzienserinnen-Klosters legte, indem er und seine Gemahlin Sophia ihre Güter in Welver, Klotingen und Scheidingen an das Kloster Ramsdorf verkauften.

Pfarrei Wann und von wem die Kirche in Welver erbaut wurde, ist aus den Urkunden nicht zu ersehen. Doch setzen die ältesten Klosterurkunden aus den Jahren 1240 bis 1245 diese – wie auch die Pfarrei Welver – als bestehend voraus. Der Bauweise nach und dem Brauch damaliger Zeit folgend ist anzunehmen, dass die Herren von Welver sie im 12. Jahrhundert zunächst als Eigenkirche errichteten. Einen Hinweis darauf gibt das Patronatsrecht über die Kirche, das die Soester Vögte als Nachfolger der Herren von Welver innehatten. Zur Zeit des Klosters wurde die Kirche dann nach Bedarf umgebaut und vergrößert.

Der alte Pfarrverband Welver umfasste von jeher die fünf Ortschaften Recklingsen, Klotingen, Flerke, Meyerich und Welver. Historiker nehmen an, dass dieses Gebiet ursprünglich zur Stammpfarrei Dinker gehörte. Sie verweisen dabei u. a. auf den Umstand, dass bei der „Ulrichsprozession“ in Soest, zu der alljährlich auch die Vertreter der Börde-Kirchspiele eingeladen wurden, die Abgesandten Dinkers an der Spitze der „Butenlüde“, der Landgemeinden, mitgingen. Hinter Dinker folgte das Nachbarkirchspiel Welver, das sich so als eine Filiale von Dinker zu erkennen gab.

Weitere Hinweise auf das mögliche Alter der Kirche in Welver könnte ihr Doppel-Patrozinium geben. Die alte Kirche ist den Märtyrern „Albanus“ und „Cyriakus“ geweiht. Die Cyriakus-Verehrung verbreitete sich, nachdem Markgraf Gero im Jahre 950 Reliquien dieses Heiligen von Rom nach dem Kloster Frose bei Aschersleben übertragen hatte. Noch weiter zurück verweist der Hauptpatron der Kirche zu Welver, der Hl. Albanus. Er wurde zu der Zeit, als angelsächsische Missionare den christlichen Glauben nach Deutschland brachten, in England besonders verehrt.

Die „große Prozession am Pfingstmontag“, die über Jahrhunderte hinweg in Welver gehalten wurde, war ursprünglich eine „Albanustracht“, an der Wallfahrer aus der nahen und weiteren Umgebung in großer Zahl teilnahmen, so aus Soest, Scheidingen, Werl, besonders aber Dinker, Hultrop, Lippborg und den Lippedörfern bis Hovestadt, Liesborn und Wadersloh. Noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts betrug die Zahl der „Waller“, wie Lehrer Honkamp berichtete, 2000 bis 3000.

Der seit uralter Zeit in Meyerich gelegene Pfarrhof gibt zu der Vermutung Anlass, dass schon vor der Errichtung einer Kirche in Welver eine solche hier gestanden haben könnte. Der Kölner Erzbischof Heinrich von Virneburg bestimmte mit einer Verfügung von 1326, dass die Welverer Pfarrer in „Mederike“ – Meyerich – wohnen sollten, wo sie von „uralter“ Zeit her ihre Wohnung gehabt hätten. Bei Betrachtung der hier aufgezählten Fakten könnte die kirchliche Entwicklung im Welverer Raum wie folgt vor sich gegangen sein: Errichtung einer Holzkirche in Meyerich, die dem Schutz des Hl. Albanus anvertraut wird (8. Jahrhundert -?- / Vernichtung durch Zerstörung o. Brand o. Verfall -?-) Die Herren von Welver errichteten eine Eigenkirche in der Nähe ihres Hofes, übernahmen das altehrwürdige Albanus-Patrozinium und unterstellten sie, der „Mode“ folgend, zusätzlich dem Schutz des Hl. Cyriakus. (10., 11. Jahrhundert ?) Aus der Eigenkirche wurde eine Pfarrkirche, die weiterhin unter der Schutzherrschaft (Patronat) der Herren von Welver stand. (12. und 13. Jahrhundert) Die Pfarrkirche wurde zur Klosterkirche umfunktioniert und entsprechend erweitert (1245–1254), die Pfarrei dem Kloster inkorporiert (1326).

Kloster Welver mini|Barocke Klosterkirche (Zustand 1905)

Eine tiefgreifende und entscheidende Wende in der religiösen, kulturellen und wirtschaftlich-sozialen Entwicklung Welvers und seiner Umgebung brachte die Gründung eines Zisterzienserinnen-Klosters um das Jahr 1240 mit sich. Mit einer Urkunde aus dem Jahre 1242 bestätigte der Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden die Klostergründung und stellte die neue Ordensniederlassung unter den besonderen Schutz der Kirche.

Die Leitung und Verwaltung des Klosters lag in Händen der Äbtissin, die von den Nonnen auf Lebenszeit gewählt wurde. Sie führte die Aufsicht über das innere, religiöse Leben im Kloster, besorgte die zeitlichen und wirtschaftlichen Angelegenheiten und die Vertretung des Klosters nach außen. Ihr zur Seite standen die „Priorissa“, welche die Finanzen verwaltete, die „Kellnersche“, der Küche, Keller und Dienstpersonal anvertraut war, und die „Kemnersche“, die für das Inventar, die Haus- und Kirchenordnung sorgte.

Als erste Äbtissin in Welver wurde Helika, eine Schwester des Vogts Walther, genannt. Ihr folgten Acela und Aleydis, welche die Klostergebäude 1261–1267 erstmals in Stein errichten ließ. Bis heute sind aus Urkunden und Akten 29 Äbtissinnen namentlich bekannt geworden. Die baufreudigste unter ihnen war wohl Maria Elisabeth von Aldebruck, die um 1685 einen Teil der Klostergebäude neu bauen und 1697–1700 eine neue Klosterkirche, die heutige Pfarrkirche „St. Bernhard“, errichten ließ. Das schöne Klosterportal, später Eingang zum Pflegeheim „St. Georg“, erinnert mit Wappen, Inschrift und Jahreszahl (1687) an sie. Das Brauhaus des Klosters, in welchem später zunächst die katholische Schule untergebracht wurde, danach das Jungkolping-Heim eingerichtet war und welches heute das Heimathaus beherbergt, erbaute Catharina Gertrudis von Bischopinck. Wappen und Inschrift an diesem Gebäude sind heute stark verwittert: „CatarIna GertrVDIs a BbischopinCk, Abba regnante, FrIDerICo rege haeC teCta feCit“. Die Inschrift birgt in römischen Ziffern die Jahreszahl 1712. Auch eine kostbare Monstranz trägt den Namenszug der Äbtissin und die Jahreszahl 1722.

Seit Bestehen unterstand das Kloster der Oberaufsicht des Abtes von Altenkampen am Niederrhein. Ihm oblag die letzte Entscheidung in der Wahrung der geistlichen und weltlichen Interessen des Klosters. Seine Entscheidung musste bei Kauf und Verkauf, Stiftungen und Bauten, sowie Wahlen der Äbtissin und des Pfarrers eingeholt werden.

In den ersten zwei Jahrhunderten erwarb das Kloster durch Übereignung (Mitgift der Töchter der in der Umgebung wohnenden Adels, die im Kloster im Sinne der damaligen Zeit Aufnahme fanden), Stiftungen und Käufe großen Grundbesitz. Im Bördekataster von 1685 wurden insgesamt 51 Höfe aus der näheren Umgebung als Klostereigentum aufgeführt.

Etliche Urkunden, die teils im Staatsarchiv Münster und teils auch im Stadtarchiv Soest aufbewahrt werden, zeugen von dem fast sechs Jahrhunderte währenden Wirken der Zisterzienserinnen im Raum Welver.

Reformation in Welver Die große religiöse Reformbewegung des 16. Jahrhunderts nahm auch in der Börde ihren Lauf, nachdem die Stadt Soest sich 1531 zur Lehre Luthers bekannte. Durch Ankauf der benachbarten Freigrafschaften hatte Soest sich im 13./14. Jahrhundert die Börde untertan gemacht. So versuchte es nun auch in den Bördekirchspielen der neuen Lehre Tür und Tor zu öffnen.

In Welver blieben die Verhältnisse für lange Zeit recht verworren. Das Kloster blieb katholisch. Die Äbtissin Gertrud van Hoyte und ihre Nachfolgerin Margaretha von Fürstenberg suchten gemeinsam mit dem Klosterkonvent die ihnen anvertraute Kirchengemeinde vor den „Einflüssen der neuen Lehre“ zu bewahren. Es kam zu langwierigen und ermüdenden Korrespondenzen und Auseinandersetzungen zwischen dem Soester Magistrat und den Äbtissinnen. Nach vielem Hin und Her, das gegenseitige Aussperrungen, ja Vertreibungen nicht ausschloss, blieb das Verhältnis in Welver zunächst so, dass der Pfarrer katholisch und der jeweilige Vicekurat evangelisch war. Natürlich fehlte es bei dieser Lösung nicht an Reibereien und weiterem Streit. Im Dreißigjährigen Krieg griffen mal kaiserliche Truppen zugunsten des Klosters, mal auch Soldaten des Soester Rates ein.