Anröchte () ist eine Gemeinde im Kreis Soest in Nordrhein-Westfalen (Deutschland).

Geographie Geographische Lage Anröchte liegt am Nordrand des Haarstrangs und im Südosten des Kreises Soest. Lippstadt ist etwa 15 Kilometer nördlich entfernt. Der höchste Punkt befindet sich im südlich des Ortsteils Effeln auf und der niedrigste nördlich des Ortsteils Altengeseke auf .

Geologie Anröchte liegt auf einem Naturwerksteinvorkommen, dem Anröchter Stein, das vor allem wirtschaftliche Bedeutung hat.

Nachbargemeinden Im Westen von Anröchte liegt die Gemeinde Bad Sassendorf, im Norden die Stadt Erwitte. Östlich von Anröchte grenzt die Stadt Rüthen und im Süden die Stadt Warstein an das Gemeindegebiet.

Gemeindegliederung mini|Ortsteile von Anröchte mini|Berge aus der Luft von Südosten aus gesehen Die Gemeinde Anröchte teilt sich in die folgenden zehn Ortsteile (Einwohnerzahlen: Stand 31. Dezember 2024) auf:

Anröchte: 6915 Einwohner Altengeseke: 835 Einwohner Altenmellrich: 325 Einwohner Berge: 649 Einwohner Effeln: 696 Einwohner Klieve: 372 Einwohner Mellrich: 731 Einwohner Robringhausen: 162 Einwohner Uelde: 289 Einwohner Waltringhausen: 78 Einwohner Gesamt: 11.052 Einwohner

Geschichte Zu Beginn des 11. Jahrhunderts wurde eine marcha Ananroth in einem lateinischen Dokument erwähnt, die Zuordnung zu Anröchte bleibt umstritten. Die erste sichere Erwähnung des Ortsnamens findet sich in einer Korrespondenz des 11. Juni 1153, als Friedrich I. dem Bischof Arnold II. von Köln das Recht auf Unveräußerlichkeit der erzbischöflichen Tafelgüter verbrieft. Dabei wird auch ein Hof zu Anerůst genannt. In einem Dokument von 1181 ist der Ortsname Anrufte geschrieben. Es ist möglich, dass der Name auf altsächsisch Anhroftja zurückgeht und etwa „bei der Überdachung“ oder „beim Unterschlupf“ bedeutet.

Hexenprozesse In der Zeit der Hexenverfolgungen um 1630 leitete Hexenkommissar Heinrich Schultheiß die Hexenprozesse in Anröchte.

Jüdische Gemeinde 1667 ließen sich die ersten Juden in Anröchte nieder, um 1700 folgten mehrere Familien nach, die ihren Lebensunterhalt durch Handel mit Agrarprodukten sowie Vieh und Fleisch bestritten. An der Teichstraße in einem Fachwerkhaus befand sich der Synagogenraum, der bereits vor 1800 als solcher genutzt und um 1855/1860 durch einen Anbau erweitert wurde, in dem sich auch der Schulraum der jüdischen Schule befand. Zu Beginn der 1930er Jahre bestand die jüdische Bevölkerung aus etwa 50 Personen.

Im Frühjahr 1938 plünderten und demolierten Angehörige der SA die Synagoge mehrfach. Beim Novemberpogrom 1938 verwüsteten SA- und SS-Angehörige aus Lippstadt den Innenraum und setzten sie in Brand. Die in Sicherheit gebrachten Thorarollen wurden von jüdischen Emigranten nach Argentinien mitgenommen, eine weitere gelangte in eine Synagoge im Londoner Vorort Harrow. Die verbliebenen jüdischen Einwohner wurden zwangsweise im „Judenhaus Fritzler“ in der Hauptstraße untergebracht; einige Männer mussten im Straßen- bzw. Kanalbau und im Betrieb von Eduard Cremer arbeiten. Im Frühjahr 1942 wurden 34 jüdische Bürger in den Bezirk Lublin deportiert und ihr Eigentum zu Beginn des Jahres 1943 öffentlich versteigert.

Nach dem Krieg wurde das Synagogengrundstück von der Kommune gekauft und das Gebäude abgerissen. Seit 1985 erinnert ein Gedenkstein mit bronzener Inschriftenplatte an die Synagoge. 2019 wurde am ehemaligen Synagogenstandort in der Teichstraße ein „Garten der Erinnerung“ eingeweiht. 2015 wurden in der Marktstraße in Effeln von dem Künstler Gunter Demnig zwei Stolpersteine verlegt.

Konfessionsstatistik Stand 31. Dezember 2015.Internetseite der Gemeinde Anröchte

Katholisch: 7091 Einwohner (62,5 % der Gesamtbevölkerung) Evangelisch: 1937 Einwohner (17,0 %) Sonstige Konfessionen und konfessionslose: 2318 Einwohner (20,5 %)

Stand 31. Dezember 2020 Jahresstatistik 2020 Gemeinde Anröchte, abgerufen am 22. Januar 2021

Katholisch: 6543 Einwohner (58,8 %) Evangelisch: 1809 Einwohner (16,5 %) Sonstige Konfessionen und konfessionslose: 2624 Einwohner (24,7 %)

Stand 31. Dezember 2025

Katholisch: 5568 Einwohner (50,6 %) Evangelisch: 1651 Einwohner (15,0 %) Sonstige Konfessionen und konfessionslose: 3781 Einwohner (34,4 %)

Eingemeindungen

Am 1. Januar 1975 wurden die bisher selbständigen Gemeinden Altengeseke, Altenmellrich, Berge, Effeln, Klieve, Mellrich, Robringhausen, Uelde und Waltringhausen aufgelöst und nach Anröchte eingemeindet.

Politik

Gemeinderat Nach den Kommunalwahlen ab 2014 ergab sich jeweils folgende Sitzverteilung:

ParteiSitze 2025Sitze 2020 Sitze 2014https://www.wahlergebnisse.nrw/kommunalwahlen/2014/aktuell/c974004kw1400.html CDU10 14 14 SPD7 6 7 FDP2 2 2 GRÜNE3 4 3 AfD4 – – mini|hochkant=1.75|Rathaus

Bürgermeister Seit dem 21. Oktober 2015 ist Alfred Schmidt (parteilos) hauptamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Anröchte. Er wurde 2020 und 2025 jeweils ohne Gegenkandidaten wiedergewählt.

Wappen, Siegel und Banner Der Regierungspräsident in Arnsberg hat der Gemeinde Anröchte mit Urkunde vom 15. März 1976 die Genehmigung erteilt, ein Wappen, ein Siegel und ein Banner, wie nachstehend beschrieben, zu führen:

Blasonierung: „In Gold auf grün-silber geschachter Mauerpyramide ein auffliegender schwarzer Adler.“

Bedeutung: Die grün-silberne Mauerpyramide weist auf den grünen Dolomitstein hin, der bei Anröchte abgebaut wird. Der Adler soll auf die Familie von Anröchte weisen, eine Seitenlinie der Grafen von Arnsberg.

Siegelbeschreibung: Das Siegel zeigt den Wappenschild der Gemeinde und führt im Siegelrund in Großbuchstaben oben die Umschrift GEMEINDE, unten ANRÖCHTE.

Bannerbeschreibung: Von Grün und Gelb im Verhältnis 1 : 1 längsgestreift, in der Mitte, etwas nach oben geschoben, der Wappenschild der Gemeinde.

Städtepartnerschaft Seit 1954 besteht die Patenschaft der Gemeinde Anröchte zur Gemeinde Radków (Wünschelburg) in Polen. Diese wurde am 12. Dezember 1952 vom Rat der Gemeinde Anröchte beschlossen und am 6. Juni 1954 offiziell beurkundet. Gleichzeitig wurde auch eine Straße in Anröchte entsprechend benannt. Grund dieser Patenschaft war, dass rund 40 Wünschelburger nach dem Ende des Krieges ein neues Zuhause in der Gemeinde Anröchte gefunden hatten sowie regelmäßige Heimattreffen und -feste organisierten. Im Laufe der Jahre hat sich aus der Patenschaft eine Partnerschaft entwickelt. Der Rat der Gemeinde Anröchte beschloss daher am 5. November 1991 einstimmig, einen Partnerschaftsvertrag mit Radkow/Wünschelburg abzuschließen. Die Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde fand am 29. November 1991 im Rahmen einer Sondersitzung des Rates in Radkow/Wünschelburg statt. Inhalt dieser Vereinbarung ist der Auf- und Ausbau gegenseitiger freundschaftlicher Beziehungen auf den Gebieten Kultur, Kunst, Bildung, Wissenschaft, Gesundheit, Technik und Sport. Die Zusammenarbeit beider Kommunen steht im Dienst der Völkerverständigung und soll dem Fortschritt auf den vorgenannten Gebieten und der wirtschaftlichen Entwicklung der Partnergemeinden dienen. Gegenseitig finden in regelmäßigen Abständen Besuche unter Einbeziehung von Vereinen und Verbänden statt. Besonders intensiv vollzog sich zwischen den Schulen fast alljährlich ein Schüleraustausch. Durch viele persönliche Kontakte hatte sich im Jahre 1994 auch ein Verein „Förderkreis der Partnerschaft Anröchte-Radkow“ gebildet. Dieser förderte den Auf- und Ausbau gegenseitiger freundschaftlicher Beziehungen zwischen den Gemeinden. Er wurde jedoch im Jahre 2015 aufgelöst.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke

mini|hochkant|St.-Pankratius-Kirche in Anröchte mini|Bürgerhaus in Anröchte

Der Ort wird dominiert vom mächtigen Turm der katholischen St.-Pankratius-Kirche. Ein weiteres denkmalgeschütztes Gebäude ist die St.-Anna-Kapelle Ebenfalls denkmalgeschützt ist die Alexanderkirche in Mellrich Das zentral gelegene Bürgerhaus ist ein beliebter Veranstaltungsort für verschiedene Veranstaltungen. Neben den Schützenfesten und anderen regelmäßigen Veranstaltungen wie dem „Big Day Out“-Festival treten hier auch namhafte Künstler auf. Schloss Eggeringhausen in Mellrich Das kurkölnische Amtshaus (Hof Schulte) Das denkmalgeschützte Haus Gerling ist ein ehemaliger kurkölnischer Amtshof. Der Herrensitz war ursprünglich umgräftet. Der zweigeschossige, langgestreckte Steinbau mit zwei Ecktürmen wurde zwischen 1550 und 1600 errichtet. Das Fachwerkobergeschoss stammt aus jüngerer Zeit. In den Nebengebäuden finden sich tonnengewölbte Keller. Die Wappentafeln an der zweibogigen Brücke mit Torbogen sind mit 1551 bezeichnet und Philipp Soldan zugeschrieben. Sie zeigen die Wappen des Erzstiftes Köln.Dehio, Georg, unter wissenschaftlicher Leitung von Ursula Quednau: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Nordrhein-Westfalen II Westfalen. Deutscher Kunstverlag, Berlin/München 2011, ISBN 978-3-422-03114-2, S. 16. Das denkmalgeschützte Haus Mues in der Goethestr. 11 ist ein herrschaftlicher Bau mit einem hohen Mansardwalmdach und wurde 1769 errichtet. Das Chronogramm über dem Portal im Mittelrisalit ist mit 1769 bezeichnet. Zum Portal führt eine Freitreppe. Das Pfarrhaus an der unteren Kirchstraße 12 ist ein denkmalgeschützter, traufenständiger, quer erschlossener Fachwerkbau unter einem Knüppelwalmdach. Es wurde 1717 errichtet. Der Risalit an der Nordseite ist jünger. Das historische Dachhaus über dem Eingang stammt von 1901. Eine Bruchsteinscheune steht separat. Liste der Stolpersteine in Anröchte

Friedhöfe Der jüdische Friedhof an der Pohlgartenstraße lag vor 1800 außerhalb des Ortes. Er ist von einer Bruchsteinmauer umfasst und enthält etwa 80 Gräber von Mitbürgern jüdischen Glaubens, die sich erstmals um 1667 angesiedelt haben. Der Friedhof wurde in der NS-Zeit zum Teil zerstört. 1988 wurde ein Mahnmal zum Gedenken an die Opfer des NS-Regimes errichtet.

Sport In Anröchte gibt es mehrere Sportstätten, welche von den ortsansässigen Vereinen geführt werden.

Nördlich des Bürgerhauses ist die Dreifachsporthalle, welche für Vereinssportarten und den Schulsport genutzt wird.

Im Süden der Gemeinde liegt das eigentliche Sport- und Freizeitzentrum Anröchtes. Am "Südring" gibt es weitere Fußballplätze, Tennisplätze, einen Wohnmobilstellplatz, einen Bikepark und das beheizte Waldfreibad, in dem von Mai bis September geschwommen werden kann.

Die erste Damenmannschaft des Tischtennisvereins TTK Anröchte stieg 2003 in die 2. Bundesliga und zwei Jahre später in die 1. Bundesliga auf und spielte seitdem ununterbrochen in der 1. oder 2. Liga, zuletzt in der Saison 2017/18 in der 1. Bundesliga.

Musik Im Gebiet der Gemeinde Anröchte gibt es mehrere Tambourcorps, einen Musikverein und diverse Gesangsvereine.

Alle zwei Jahre fand in Anröchte der „Big Day Out“ statt, bei dem sowohl national als auch international bekannte Bands auftraten. Der "Big Day Out" wurde ersetzt durch die "Big Day Out Concerts". Das Format zeichnet sich mehr durch die Eintages-Veranstaltungen und weniger durch den Festivalcharakter aus.

Wirtschaft und Infrastruktur mini|250px|Anröchter Steinbruch Steinbrüche: In und um Anröchte wird in vielen Steinbrüchen der Anröchter Stein, ein Grünstein, abgebaut. Die früher verwendete Handelsbezeichnung „Anröchter Dolomit“ ist sachlich nicht zutreffend, da der Anröchter Stein keinen Dolomit enthält. Die Stärke der Gesteinsschicht beträgt ungefähr zwei Meter, wobei eine untere Schicht mit grünlicher Färbung (durch Glaukonit) und eine obere Schicht mit bläulicher Färbung abgebaut werden (Lit.: Braun). Das Gestein wird für verschiedene Zwecke am Bau verwendet, u. a. Fassadenverblendungen, Mauern oder auch als Ausgangsmaterial für Kunstwerke. Gewerbegebiet: Es bestehen drei großflächige Gewerbegebiete, teilweise mit direktem Autobahnanschluss. Einer der größten Arbeitgeber der Stadt ist die Brand KG (brandgroup) mit etwa 400 Mitarbeitern am Standort Anröchte.