Werl, genannt auch Wallfahrtsstadt Werl, ist eine Stadt in Nordrhein-Westfalen, Deutschland, und gehört zum Kreis Soest im Regierungsbezirk Arnsberg. Sie liegt in der landwirtschaftlich ertragreichen Werl-Unnaer Börde, die wiederum zu den Hellwegbörden gehört. Seit dem 14. Januar 2015 darf sie den offiziellen Namenszusatz Wallfahrtsstadt führen. Werl ist einer der großen und bedeutenden Wallfahrtsorte in Deutschland.

Geografie Geografische Lage

Werl liegt zwischen Sauerland, Münsterland, Ruhrgebiet und Hellweg in der fruchtbaren Bördelandschaft der Werl-Unnaer Börde. Ende 2018 hatte Werl 32.994 Einwohner auf einer Fläche von 76,35 Quadratkilometern; das entspricht einer Einwohnerdichte von 432 Personen/km2.Wallfahrtsstadt Werl: Verwaltungsbericht 2018. S. 1. (Digital) Die höchste Erhebung im Stadtgebiet befindet sich mit im südlich gelegenen Stadtwald. Die tiefste Stelle befindet sich mit im nördlichen Stadtgebiet auf dem Hof Flerke. Die Stadt Werl liegt am südlichen Rand der Westfälischen Bucht. Daher ist das Geländeprofil im Stadtgebiet überwiegend flach. Im südlichen Bereich steigt das Gelände zum Haarstrang stark an. Er trennt die Tiefebene vom bergigen Sauerland ab. Im Süden erstreckt sich über den Haarstrang der Werler Stadtwald. Dieser ist die einzige dicht mit Bäumen bewachsene Fläche der Stadt. Der Werler Anteil an der Tiefebene ist landschaftlich und wirtschaftlich eher von Ackerbau bestimmt.

Der Umfang des Stadtgebietes beträgt 47,5 Kilometer, die Nord-Süd-Ausdehnung 9,5 Kilometer und die West-Ost-Ausdehnung zwölf Kilometer.

Werl als Mittelzentrum Während die Umgebung eher ländlich geprägt ist, gibt es in Werl vor allem Industrie-, Handels- und Dienstleistungsgewerbe. Als Mittelzentrum der Region stellt Werl einerseits Arbeitsplätze zur Verfügung, andererseits bietet es auch ein umfangreiches schulisches Angebot, Weiterbildungsmöglichkeiten in der Volkshochschule, ein Freizeitbad, eine Stadtbücherei, eine Malschule, eine Musikschule, ein stadtgeschichtliches Museum, ein überregional bedeutendes völkerkundliches Museum und eine historische Altstadt.

Stadtgliederung Ortsteile mini|Ortsteile von WerlZu Werl gehören die Ortsteile

Insgesamt leben 32.994 Menschen in Werl, davon 16.177 Frauen (Stand Ende 2018).

Wüstungen Rithem

Nachbargemeinden Die Stadt Werl liegt im Westen des Kreises Soest und bildet mit ihrem Ortsteil Holtum die westliche Kreisgrenze zum Kreis Unna mit seiner Kreisstadt Unna (Stadtteil Hemmerde). Im Norden grenzt die Stadt mit den Ortsteilen Hilbeck und Sönnern an die kreisfreie Stadt Hamm und deren Stadtbezirk Hamm-Rhynern. Sönnern und Niederbergstraße haben eine gemeinsame Grenze mit den Ortsteilen Scheidingen, Illingen und Flerke der Gemeinde Welver. Im Osten bildet Mawicke die Stadtgrenze zur Kreisstadt Soest mit deren Ortsteil Ostönnen. Der südwestliche Nachbar Werls ist die Gemeinde Wickede (Ruhr) (Ortsteil Schlückingen), getrennt durch den Werler Stadtwald, und im Südosten ist die Gemeinde Ense (Ortsteil Vierhausen) der Nachbar. Die südliche Stadtgrenze entspricht etwa dem Verlauf des Haarstrangs.

Geschichte mini|302px|Stadtansicht von Merian Mesolithikum bis Antike Nacheiszeitliche Jäger und Sammler (10. Jahrtausend v. Chr.) Die ältesten menschlichen Spuren, nämlich von Angehörigen der letzten Jägerkultur, traten im Werler Umkreis im Jahr 2011 zu Tage, als die Kreisstraße 18n gebaut werden sollte, und sich bei Werl-Büderich mesolithische Artefakte fanden. Die dortige, 65 bis 70 cm unter dem heutigen Niveau befindliche Freilandfundstelle mit einer Fläche von 34 m² barg zudem zahlreiche Knochen, eine Fundsituation, die am Hellweg einmalig ist. Als Beutetiere ließen sich auf dieser Grundlage Rothirsch, Reh, Wildschwein und Fuchs nachweisen. 156 der 188 Steinartefakte bestehen aus Baltischem Geschiebefeuerstein, der durch die Gletscher der Saale-Kaltzeit südwärts transportiert worden war; hinzu kommen Stücke aus schwarzem Kieselschiefer und ein aus südlicheren Gegenden stammendes Quarzitwerkzeug. Zwei Aktivitätszonen sind erhalten, nämlich ein Bereich, in dem Werkzeuge repariert und hergestellt wurden, dazu eine Feuerstelle, über der auch Birkenpech zum Zusammenkleben von Werkzeugteilen erweicht wurde, vor allem von steinernen Spitzen (Mikrolithen) und Pfeilschäften. An der anderen Stelle wurden die Beutetiere zerlegt und Abfälle deponiert. Der wohl erheblich größere, nicht erhaltene Teil des Lagerplatzes ist der Erosion und der Bodenbearbeitung zum Opfer gefallen, so dass nur der Rand des Lagerplatzes erhalten blieb. Zunächst in die Zeit zwischen 8600 und 7100 v. Chr. datiert,Michael Baales, Martin Heinen: Frühe Hirschjäger am Hellweg bei Werl-Büderich. In: Archäologie in Westfalen-Lippe (2011) 28–31 (academia.edu) konnte dies mit Hilfe der Radiokohlenstoffmethode anhand eines Holzkohlestückes auf 9369 ± 45 v. Chr. korrigiert werden. Damit zählt der Platz zu den ältesten mesolithischen Fundplätzen.Martin Heinen: Auf der K18n in die Steinzeit … Die archäologischen Ergebnisse des Kreisstraßenneubaus der K18n bei Werl-Büderich im Kreis Soest. Münster 2013, S. 33 (academia.edu).

Bauern und Hirten (ab Mitte 6. Jahrtausend v. Chr.) mini|hochkant|Axt aus Schiefer, Fundort: Werl; mit dem Grat auf der Oberseite sollte eine Gussnaht vorgetäuscht werden, ca. 2800–1800 v. Chr. Als erste Angehörige bäuerlicher Kulturen, die letztlich mitsamt ihrem Vieh aus dem Nahen Osten zugewandert waren, sind Bandkeramiker nachweisbar. Sie siedelten am Salzbach, am heutigen Salinenring und auf dem Gebiet der heutigen Unnaer Straße. Die ausgedehnte Siedlung ist durch etliche Scherbenfunde, einige Werkzeuge aus Feuerstein und Brandspuren sowie Pfostenlöcher belegt. Die Menschen lebten in einfachen Fachwerkhäusern und bauten verschiedene Getreidesorten an. Haustiere waren Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen und später auch Pferde. Auch südlich von Werl, hinter Wulfs Appelhof, wurde eine bandkeramische Siedlung durch verschiedene Grabungsfunde belegt.

Vier Siedlungsplätze aus der Rössener Kultur, die im Raum Werl zwischen 4800 und 4300 v. Chr. nachgewiesen ist,Melanie Röring, Andreas Knäpper: Werl »Auf dem Klei« und die Fundstellen der Rössener Kultur im Kreis Soest, in: Ausgrabungen und Funde in Westfalen-Lippe 14 (2018/2019), S. 195–211. (academia.edu). wurden im Stadtgebiet gefunden, davon zwei im Stadtwald und auf dem Höhenzug des Melsterberges in Richtung Scheidingen und zwei im städtischen Umland der Hellwegebene. 2002 wurde „Auf dem Klei“ eine neolithische Siedlung aufgedeckt. Die Siedlungen der Rössener Kultur orientierten sich ganz überwiegend „an der hohen Bodengüte der Hellwegzone sowie an den weiteren Lössinseln der Region“; es wird aber auch eine Expansion auf Sandböden und in die Mittelgebirge erkennbar.

Metallzeitalter (ab 2. Jahrtausend v. Chr.), Salzgewinnung Grabhügel aus der Bronzezeit, in dieser Region als „Hügelgräberbronzezeit“ bezeichnet, die um 1600–1300 v. Chr. bestand, finden sich im Gebiet des Werler Stadtwaldes. Beim Bau von Militäranlagen hat man bei Notgrabungen einige dieser Hügel abgetragen, die Fundstücke inventarisiert und einen der Hügel beispielhaft schichtweise kartiert.

Bei Grabungen an der Bäckerstraße wurden Briquetagen vom Ende der vorrömischen Eisenzeit gefunden. Die aus Lehm gebrannten Stützfüße wurden in ein Feuer gestellt und dienten als Untersatz für Tontöpfe, in denen Salzwasser verdampft wurde. Sie sind das älteste Zeugnis der Salzgewinnung im Stadtgebiet,Wendelin Leidinger und Paul Leidinger: Die Vor- und Frühgeschichte des Raumes Werl. Rocholldruck W. Jahn Verlag Soest, Sonderdruck aus Soester Zeitschrift Nr. 81, Dezember 1969. und stammen aus der Zeit um 800 v. Chr.

Mittelalter Grafen von Werl (ab etwa 900)

Um 850 wurde erstmals urkundlich Salzgewinnung in Rithem erwähnt. Die Stadt lag auf einem Vorsprung des Haarstranges nach Norden, was sie zu einem idealen Standort für eine Burg machte. Die im gesamten norddeutschen Raum einflussreichen Grafen von Werl zogen um 900 von Meschede nach Werl und erbauten die Werler Grafenburg, die nicht an der Stelle der erst 1519 erbauten Kurkölner Landesburg lag. Ihre genaue Lage ist bisher nicht erforscht. Die „curtis dicta Aldehof“ wird teilweise in der Nähe des Werler Marktes verortet, teilweise vor der Stadt, jedoch fehlen eindeutige schriftliche Belege oder architektonische Überreste (siehe Abschnitt Zerstörung (1288)). Um 950 entstand eine in Kreuzform angelegte Eigenkirche, deren Fundamente ergraben werden konnten. Erbauer war Graf Hermann I.; die Kirche wurde 1197 an das Prämonstratenserstift Wedinghausen bei Arnsberg verschenkt. Graf Hermann war mit Gerberga, einer Tochter des burgundischen Königshauses, verheiratet. Diese heiratete nach dem Tod Hermanns den Schwabenkönig Hermann II. und wurde Mutter der späteren Kaiserin Gisela von Schwaben (990–1043).

mini|hochkant|Gisela von Schwaben auf einem Tafelbild aus dem 15. Jahrhundert mini|Ansicht von 1622 mini|Stadtansicht von 1661 mini|Werl um 1740 Graf Hermann und seine Mutter Gerberga von Burgund wurden 1000 urkundlich genannt. Die Versammlung der sächsischen Großen fand 1002 in Werl statt. Nach dem Tod Ottos III. wurde eine Wahl notwendig. Heinrich II., Herzog von Bayern, der ebenfalls dem Haus der Ottonen angehörte, erhielt die feierliche und unbedingte Zusage, dass nur er gewählt werden solle. Die anderen Thronbewerber, Herzog Otto von Kärnten, Hermann von Schwaben und Ekkehard von Meißen, mussten verzichten. Auch die anderen deutschen Stämme pflichteten der in Werl getroffenen Wahl bei. So wurde Heinrich am 6. Juni 1002 von Erzbischof Willigis in Mainz feierlich gesalbt und gekrönt. Der spätere Kaiser Heinrich wohnte 1008 einer in Werl abgehaltenen Synode bei. In der Fastenzeit des Jahres 1013 war der König in Werl und stellte dort mehrere Urkunden aus. Auch wurde eine Diözesanstreitigkeit zwischen den Bischöfen von Hildesheim und Mainz geklärt. Als einer der Zeugen war der Werler Graf Bernhard I. anwesend. Der König erkrankte bei diesem Besuch und musste fünf Wochen hier verbringen.

Im Jahre 1024 wurde Werl erstmals mit dem Ortsnamen Werla erwähnt. Der zweite Teil des Namens Werla (la= Loh= Eichwald) deutet an, dass die Ursprünge der Stadt in einem Eichwald lagen. In diesem Jahr starb auch Kaiser Heinrich. Er hatte Konrad den Salier als seinen Nachfolger ausersehen. In Heinrichs Auftrag hatte sich Bischof Meinwerk von Paderborn an den Grafen Hermann von Werl gewandt, der ein Geschwisterkind Kaiser Heinrichs war. Hermann von Werl sollte die sächsischen Fürsten im Werler Schloss versammeln und eine Vorwahl abhalten. Es erschienen zu dieser Wahl: Bischof Meinwerk von Paderborn, Thiemar, der Bruder des Herzogs von Sachsen, Graf Siegfried von Stade, Graf Benno, Graf Amelung und andere. Die Vorwahl Konrads, des späteren Kaisers Konrad II., kam zustande. Er war der Urenkel von Luitgarde, der Tochter Kaiser Ottos I. Konrads Ehefrau, die Kaiserin Gisela, war die Tochter des Werler Grafen Hermann I. und dessen Gemahlin Gerberga von Burgund. Somit war Graf Hermann II. von Werl ein Vetter Kaiser Heinrichs II. und Schwager Kaiser Konrads.

Im Investiturstreit zwischen Kaiser und Papst schlug sich 1085 das Grafenhaus auf die Seite des Kaisers – Graf Heinrich II. von Werl wurde zum Bischof von Paderborn ernannt. Die Brüder des Grafen Heinrich, die Grafen Liupold und Konrad, teilten die Grafschaft in gleich große Bezirke auf: Liupold wurde Graf von Werl, Konrad Graf von Arnsberg. Die älteste in Werl geprägte Münze, etwa 1092 geprägt, zeigt den Grafen Konrad von Werl-Arnsberg. Graf Liupold schenkte 1100 der Kölner Kirche seinen Besitz. Neben der gräflichen Pfarrkirche baute der Erzbischof von Köln eine Nikolauskapelle. Pfarrer Albertus wurde erwähnt (früheste Erwähnung eines Pfarrers). Die Werler Pfarrkirche wurde 1197 vom Grafen von Arnsberg an das Stift Wedinghausen verschenkt. Bis 1803 stellten die Stiftsherren den Pfarrer von Werl.