mini|Luftaufnahme (2014)

Wickede (Ruhr) ist eine nordrhein-westfälische Gemeinde im Kreis Soest im Regierungsbezirk Arnsberg.

Geografie Lage Wickede liegt im Ruhrtal am Rande des Sauerlands am südlichen Hang des Haarstrangs. Das Gemeindegebiet setzt sich zusammen aus der Ortsmitte, die sich im Tal der Ruhr erstreckt, und Erweiterungen, die sich an den Erhebungen des Haarstrangs von der Mitte aus entwickelt haben. Die Ruhr durchschneidet die Gemeinde und prägt das Ortsbild.

Höchste Erhebung auf dem Gemeindegebiet ist der Bellingser Berg mit einer Höhe von 238 m über NN. Der tiefste Punkt mit 128 m über NN befindet sich an der Ruhr, an der Grenze zwischen Menden (Sauerland) und Fröndenberg/Ruhr.

Gemeindegliederung alternativtext=|mini|Ortsteile von Wickede

Nach der Hauptsatzung in der Fassung vom 10. Oktober 2014 sind auf dem 25,2 km² großen Gemeindegebiet die vier Ortschaften Echthausen, Schlückingen, Wiehagen und Wimbern gebildet worden, die den Gebieten der früheren Gemeinden entsprechen. Das Gebiet der früheren Gemeinde Wickede gehört zu keiner dieser Ortschaften. Für jede Ortschaft wird vom Rat ein Ortsvorsteher gewählt, in Personenstandsbüchern und -urkunden werden die Ortschaftsnamen zur Bezeichnung des Gemeindeteils verwendet.§§ 1, 3 und 3a der Hauptsatzung der Gemeinde Wickede (Ruhr) (PDF; 44 kB). Abgerufen am 21. Mai 2018.

Die nachfolgende Übersicht zeigt die Besiedlungsstärke der einzelnen Ortsteile zum 31. Dezember 2016.

Ortsteil Flächein km² Einwohner Einwohnerje km² Echthausen 6,89 1600 219 Schlückingen 4,89 171 38 Wickede (Hauptort) 4,54 7828 1746 Wiehagen 3,38 1255 397 Wimbern 5,55 1328 177

Nachbargemeinden Wickede (Ruhr) grenzt an sechs Städte und Gemeinden aus vier Kreisen in Nordrhein-Westfalen. Beginnend im Norden und im Uhrzeigersinn folgend sind dies Werl und Ense im Kreis Soest, Arnsberg im Hochsauerlandkreis, Menden im Märkischen Kreis sowie Fröndenberg und Unna im Kreis Unna.

Geschichte Ortsgeschichte Die frühen urkundlichen Erwähnungen von Wickede lassen sich über einen Hinweis auf die Lage an der Ruhr oder die Nachbarschaft zum Kloster Scheda identifizieren und dadurch von Wickede bei Dortmund unterscheiden. Die ersten Erwähnungen von Wickede an der Ruhr beziehen sich auf das 11. Jahrhundert, sind jedoch Fälschungen aus späterer Zeit. Eine Fälschung aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts nennt das Jahr 1036. Frühe Namensformen sind Wikki/Wicke, das Suffix -de erscheint erst ab dem 14. Jahrhundert.

Um 1100 gab es eine aus fünf Höfen bestehende Streusiedlung. Diese gehörte zur Grafschaft Arnsberg. Mit dem Verkauf der Grafschaft Arnsberg fiel Wickede 1368 an Kurköln. Das gesamte kurkölnische Herzogtum Westfalen und damit das Gebiet von Wickede (außer Scheda) mit damals 443 Einwohnern kam 1803 zu Hessen-Darmstadt und ab 1816 zu Preußen.

Die begonnene Industrialisierung brachte auch für Wickede (Ruhr) die Nutzung der Wasserkraft der Ruhr. Es entstand ein Puddel- und Walzwerk als indirekter Vorgänger der heutigen Wickeder Westfalenstahl GmbH. Die Bevölkerung wuchs bis 1870 auf rund 1000 Einwohner an. Die Ruhrtalbahn der Bergisch-Märkischen Eisenbahn-Gesellschaft wurde 1870 eröffnet. Wickede bekam einen eigenen Bahnhof. Im Jahre 1889 wurde eine Glashütte errichtet und sorgte für einen großen Bevölkerungsanstieg. Diese Glashütte wurde allerdings 1915 wieder geschlossen. Die erste Glaskuppel des Eiffelturms in Paris stammte aus Wickede. Mit der weiteren Industrialisierung stieg die Bevölkerung auf 1547 Einwohner, da viele Facharbeiter im Ort wohnten. Im Jahr 1939 lebten in Wickede 3334 Einwohner.

Durch einen britischen Luftangriff auf die Sperrmauer des Möhnesees am 17. Mai 1943 im Zweiten Weltkrieg wurde das Ruhrtal und mit ihm Teile Wickedes in Flussnähe von einer Flutwelle getroffen. Die Flut forderte in Wickede 118 Todesopfer.Helmuth Euler: Als Deutschlands Dämme brachen. Die Wahrheit über die Bombardierung der Möhne-Eder-Sorpe-Staudämme 1943. Motorbuchverlag, Stuttgart 1975, ISBN 3-87943-367-4.

mini|Skulptur am Dorfplatz in Echthausen

Das Gemeindegebiet von Wickede war ab dem 1. April 1945 Teil des von Alliierten Truppen eingeschlossenen Ruhrkessels.Willi Mues: Der große Kessel – Eine Dokumentation über das Ende des Zweiten Weltkrieges zwischen Lippe und Ruhr/Sieg und Lenne. Erwitte 1984. Truppen der US-Army besetzten zwischen dem 9. und 14. April das Stadtgebiet. Die Besetzung verlief im heutigen Stadtgebiet ohne größere Kämpfe. Am schwersten waren die Auswirkungen in Echthausen. Echthausen wurde vor dem US-Einmarsch am 14. April für drei Tage durch US-Artillerie beschossen. Dabei wurden zwei Frauen und mehrere ausländische Kriegsgefangene, die im dortigen Lazarett lagen, getötet, ferner mehrere Gebäude getroffen.Willi Mues: Der große Kessel. Eine Dokumentation über das Ende des Zweiten Weltkrieges zwischen Lippe und Ruhr/Sieg und Lenne. Erwitte 1984. S. 486.

Ende 1967 hatte Wickede 7585 Einwohner. Die Arbeiter in der Industrie verdienten ihr Geld in erster Linie in der Stahlverarbeitung und in zwei großen Betrieben, die sich auf Klinikbedarf spezialisiert hatten.

Eingemeindungen Die heutige Gemeinde Wickede (Ruhr) entstand am 1. Juli 1969 durch das Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Soest und von Teilen des Landkreises Beckum. Die vorherigen Gemeinden Echthausen (Amt Hüsten im Landkreis Arnsberg), Schlückingen, Wickede und Wiehagen (alle Amt Werl im Landkreis Soest) und Wimbern (Amt Menden im Landkreis Iserlohn) wurden zur neuen amtsfreien Gemeinde zusammengeschlossen. Gleichzeitig wurden Teile von Bentrop (Landkreis Unna) und Büderich (Amt Werl im Landkreis Soest) eingegliedert.Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Soest und von Teilen des Landkreises Beckum vom 24. Juni 1969 (online)

Religion Die evangelische Kirchengemeinde Wickede ist die flächenmäßig kleinste Gemeinde im Kirchenkreis Soest-Arnsberg der Evangelischen Kirche von Westfalen und hat 2.200 Gemeindeglieder.

Politik Gemeinderat

Nach den Kommunalwahlen von 2025, 2020 und 2014 setzte sich der Rat der Gemeinde jeweils folgendermaßen zusammen: Partei / Liste Sitze 2025Sitze 2020 Sitze 2014KDVZ, Kommunalwahl 2014, abgerufen am 17. September 2014. CDU 17 16 15 SPD 8 7 10 GRÜNE 2 3 2 FDP 3 3 2 BG 3 3 3 AfD 3 – –

Ergebnisse der Kommunalwahlen ab 1975 In der ListeVerzeichnisse der Kommunalwahlergebnisse des Landes Nordrhein-Westfalen (LDS NRW) von 1975 bis 2009. (PDF; 5,9 MB) werden nur Parteien und Wählergemeinschaften aufgeführt, die mindestens 1,95 Prozent der Stimmen bei der jeweiligen Wahl erhalten haben.

Jahr CDU SPD BG FDP Grüne1 AfD FORUM 1975 52,6 % 43,9 % 3,5 % 1979 54,9 % 45,1 % 1984 50,8 % 47,5 % 1989 41,2 % 45,5 % 12,8 % 1994 40,4 % 43,1 % 4,6 % 11,8 % 1999 49,0 % 35,8 % 5,7 % 9,5 % 2004 54,3 % 30,2 % 8,7 % 6,8 % 2009 49,8 % 27,1 % 4,9 % 9,7 % 8,5 % 2014 47,3 % 31,8 % 8,0 % 6,44 % 6,38 %2020 49,5 %22,6 %9,1 %7,8 %10,7 %202545,34 %21,76 %8,26 %9,23 %6,71 %7,98 %

Fußnote: 1 Grüne: 1984 und 1989: Grüne, ab 1994: B’90/Grüne

Bürgermeister nach 1945 1945–1946 Richard Merse (Schlossermeister) 1946–1948 Alfons Brumberg (Organist, Chorleiter) 1948–1950 Wilhelm Heide (Expedient) 1950–1952 Wilhelm Schulte 1952–1952 Philipp Luft (Malermeister) 1952–1964 Franz Schweins (Lehrer) 1964–1969 Alfons Brumberg (Organist, Chorleiter) 1969 kommunale Neuordnung 1969–1984 Alfons Brumberg (Organist, Chorleiter) 1984–1989 Alfons Henke (Kaufm. Angestellter) 1989–1999 Werner Koenig (Bahnbeamter) 1999 hauptamtliche Bürgermeister 1999–2004 Jakob Martens (parteilos) 2004–2014 Hermann Arndt (CDU) 2014–2025 Martin Michalzik (CDU) ab 11/2025 Alexander Heine (CDU)

Wappen 80px|links|Wappenabbildung

Blasonierung

In dem von Silber (Weiß) über Blau im Wellenschnitt geteilten Schild oben ein durchgehendes schwarzes Kreuz, unten ein silbernes (weißes) aus dem Schildfuß herauswachsendes Zahnrad.

Beschreibung

In der oberen Hälfte des Wickeder Wappens taucht das schwarze Kreuz des Kurfürstentums Köln auf, zu dem das Gebiet der Ruhrgemeinde in früheren Jahren gehörte. Die untere Hälfte symbolisiert ein schweres Zahn- bzw. Schwungrad. Es steht als deutlich sichtbares Zeichen für die besondere Stellung der Gemeinde Wickede (Ruhr), die sie für die Schwerindustrie einnimmt. Die wellenförmige Trennlinie erinnert in diesem Zusammenhang an die Ruhr, die sich durch den Ort schlängelt und in Wickede ihren nördlichsten Punkt erreicht. Das Wappen wurde am 3. April 1970 vom Regierungspräsidenten in Arnsberg genehmigt.

Weiterhin führt die Gemeinde eine Flagge. Sie ist in Längsrichtung blau-weiß-blau gestreift und trägt in der oberen Hälfte des weißen Feldes das Gemeindewappen. Das Dienstsiegel enthält das Wappen mit der umlaufenden Schrift Gemeinde Wickede (Ruhr).

Städtepartnerschaften mini|hochkant|Hinweis- und Entfernungsstein, Partnerstadt Jemielnica

Am 14. November 2000 beschloss der Gemeinderat, eine Städtepartnerschaft einzugehen, weshalb Kontakte zur polnischen Landgemeinde Jemielnica/Himmelwitz aufgenommen wurden. Der offizielle Partnerschaftsvertrag wurde am 12. Mai 2006 im Wickeder Bürgerhaus unterschrieben.Martin Hüttenbrink: Partnerschaft mit Himmelwitz auf soester-anzeiger.de, abgerufen am 16. Dezember 2023. Bereits vor seiner Besiegelung entstand ein Freundeskreis, der gegenseitige Besuche der Partner organisiert.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke mini|links|Schloss Echthausen

Auf dem Gemeindegebiet befinden sich einige geschichtlich wichtige Bauwerke und Anlagen, die alle in privater Nutzung stehen und nur von außen besichtigt werden können. Zu den denkmalgeschützten Bauwerken gehört Schloss Echthausen. Das ehemalige Rittergut mit großzügigem Park war lange im Besitz der Familie von Boeselager. In dieser Zeit ist es stark verfallen. Die jetzige Besitzerfamilie restaurierte das gesamte Anwesen aufwendig und nutzt es für Wohnzwecke selbst.

Das Kloster Scheda ist ein ehemaliges Prämonstratenserkloster, um das sich viele Legenden ranken. Unter anderem soll dort immer noch der „Weiße Abt“ durch den Park spuken. Die Anlage war lange im Besitz der Grafen von Kanitz, die dort Landwirtschaft betrieben haben. Der Gebäudebestand wechselte im Mai 2011 an den Unternehmer Walter P.J. Droege von der Droege International Group.

Die ersten Besitzer des Gutes Schafhausen waren die Herren von Schaephuisen, Vasallen der Dynastien von Bilstein. Das Gut bildete um 1863 eine zusammenhängende Fläche von ungefähr 800 Morgen, davon etwa 460 Morgen Ackerland; der Rest war hauptsächlich Eichen- und Lärchenwald. Heute ist das Gut im Besitz der Familie Aurich. Gut Beringhof ist ein ehemaliger Gutshof unmittelbar an der Alten Ruhr gelegen. Er war früher im Besitz der Familie Bering, später von Boeselager. Nach zwischenzeitlicher Nutzung durch eine spirituelle Gemeinschaft drohte der Verfall. Das Anwesen wurde dann von der Familie Müller erworben und nach dem Besitzerwechsel komplett renoviert und erweitert; es entstanden eine Pferdezucht und ein Springstall.

Sehenswert ist auch die denkmalgeschützte Fabrikantenvilla, im Volksmund die Weiße Villa. Früher wurde sie von den Direktoren der ehemaligen Wickeder Eisen- und Stahlwerke, eines der größten Arbeitgeber der Region, bewohnt.

Landschafts- und Naturschutzgebiete, Parks mini|Ruhr im Naturschutzgebiet Ruhraue