Geseke (; früher auch Gesecke) ist eine Mittelstadt im Kreis Soest in Nordrhein-Westfalen. Die Stadt weist kontinuierliche Besiedlungsspuren seit dem Neolithikum auf. Im Mittelalter war sie über Jahrhunderte die wichtigste Grenzstadt des Herzogtums Westfalen, d. h. des Kölner Erzbischofs und Kurfürsten, gegenüber dem Erzbistum Paderborn. Geseke gehörte als sogenannte Beistadt von Soest der Hanse an und ist heute Mitglied im Hansebund der Neuzeit. Die Stadt war bis in das 19. Jahrhundert hinein landwirtschaftlich geprägt und erlebte durch die Eisenbahnanbindung, den Aufschwung der Zementindustrie und den Betrieb einer Eisengießerei die Zeit der Industrialisierung.
Geografie Geografische Lage Geseke ist eine Stadt im Kreis Soest und liegt am Hellweg, der heutigen Bundesstraße 1. Weiter südlich bei Steinhausen liegt eine Autobahnanschlussstelle der A44 (Dortmund-Kassel). Im Süden grenzt die Stadt an das Sauerland und im Osten an das Paderborner Land.
Landschaftlich liegt Geseke in der Geseker Börde, die Teil der Hellwegbörde in der Westfälischen Bucht ist. Kleinräumig kann zwischen der nach Süden ansteigenden Abdachung der Haar sowie der flacheren Hellwegtalung nördlich des Hellweges unterschieden werden. Letztere geht nach Norden zu in die Obere Lippetalung über, die bereits zum Ostmünsterland zu rechnen ist. Im Südosten des Stadtgebietes reichen Ausläufer der Paderborner Hochfläche heran.
Stadtgliederung alternativtext=|mini|Ortsteile von Geseke Die namensgebende Kernstadt hat 15.308 Einwohner inkl. Zweitwohnsitze (Stand: 30. Juni 2025, auch für alle anderen Angaben in diesem Abschnitt) und ist umschlossen vom Kreis Paderborn, nur im Westen hat die Stadt durch das eingemeindete ehemalige Amt Störmede eine Verbindung zum Kreis Soest. Störmede ist mit 2478 Einwohnern nach der Kernstadt der größte Stadtteil von Geseke und auch nur noch einen Kilometer von der Kernstadt getrennt, da in den letzten Jahren ein großes Neubaugebiet zwischen der Kernstadt und Störmede entstand. Ehringhausen liegt etwas weiter nördlich als Störmede und ist mit 1709 Einwohnern zweitgrößter Stadtteil, Langeneicke, westlich von Störmede, folgt mit 1159 Einwohnern an dritter Stelle und Mönninghausen mit 817 Einwohnern an vierter Stelle. Eringerfeld mit dem Barockschloss Eringerfeld hat heute 560 Einwohner. Bönninghausen und Ermsinghausen sind die kleinsten Stadtteile Gesekes mit 94 beziehungsweise 84 Einwohnern. Beide Stadtteile besitzen keine Straßennamen, stattdessen sind lediglich die Häuser nummeriert.
Nachbargemeinden Lippstadt Salzkotten Salzkotten Erwitte Windrose Salzkotten Rüthen Büren Büren
Innerhalb des Kreises Soest liegen westlich die Städte Erwitte und Lippstadt. Im Süden grenzt Geseke an Rüthen. Im Kreis Paderborn grenzt Geseke im Nordosten an die Stadt Salzkotten und im Süden an die Stadt Büren. Insgesamt ragt die Stadt so in den Kreis Paderborn, dass sie von 3 Seiten (Norden, Osten und Süden) von diesem umrahmt wird.
Geologie mini|Steinbruch im Osten von Geseke Die Entwicklung der Stadt Geseke wurde wesentlich durch die Kalksteinvorkommen und die Karstquellen am Hellweg beeinflusst.
Die längs der südöstlichen Umrandung des Münsterländer Kreide-Beckens im Bereich des Hellweges ausstreichenden Plänerkalksteine der Oberkreide bilden die Grundlage für eine ausgedehnte Zementindustrie im Raum Geseke. Seit ihrer Gründung gegen Ende des 19. Jahrhunderts hat sie sich unter wechselnden Besitzverhältnissen fortentwickelt und bis heute ihre große Bedeutung in diesem Raum behalten. Durch den Abbau der Kalksteine sind im Süden der Stadt zahlreiche Steinbrüche entstanden, die das Landschaftsbild prägen.
Die Gewässer im Stadtgebiet (Geseker Bach und die Zuflüsse Völmeder und Störmeder Bach) werden sämtlich aus den für den Hellweg typischen Karstquellen gespeist und empfangen damit das austretende Karstgrundwasser des Haarstranges und der Paderborner Hochfläche. Eine Besonderheit sind die zahlreichen Trockentäler oder Schledden im Verbreitungsgebiet der Kreide-Kalksteine südlich des Hellweges. Diese Täler führen nur zeitweise Wasser. Sie nehmen in der Hauptsache das Oberflächenwasser auf, das während der Schneeschmelze, bei Dauerregen oder starken Gewittern anfällt.Geologisches Landesamt Nordrhein-Westfalen: Geologische Karte von NRW 1:25 000 Erläuterungen 4317 Geseke. Krefeld 1985.
Geschichte Vorschriftliche Geschichte Mesolithikum, Neolithikum Die Hellwegregion ist bereits seit der Altsteinzeit bewohnt. Jedoch gibt es nur einen einzigen Kratzer, der als frühester Beleg für eine Besiedlung im Raum Geseke während des Mesolithikums, also der Zeit nach der letzten Kaltzeit, dienen kann.
Von jungsteinzeitlicher, also bereits bäuerlicher Besiedlung hingegen zeugen vielfältige Funde, insbesondere an der Elsinger Warte, sowie die Hügelgräber rund um Eringerfeld. Unter den Fundstücken befindet sich eine Reihe von Beil- oder Axtklingen. Aber auch einige Steingeräte aus langschmalen Klingen und eher breiten Abschlägen wurden aus Feuerstein angefertigt. Zu den ältesten Funden in Geseke selbst zählt ein Breitkeil, ein breitdreieckiges, im oberen Drittel durchbohrtes, gut 16 cm langes Stück aus Grauwacke, wie es typisch für die Rössener Kultur ist. Es wurde in Ehringhausen entdeckt und auf die Zeit um 4600 v. Chr. datiert.
In das jüngere Neolithikum wurde eine 12 cm lange, spitznackige Geröllbeilklinge mit rundovalem Querschnitt datiert (südwestlich von Langeneicke), dann ein weiteres Geröllovalbeil aus Quarzit mit breitem Nacken (nordwestlich der Elsinger Warte), schließlich eine spitznackige Beilklinge (westlich des Stadtkerns). Letzteres misst eine Länge von 13,2 cm, ist 5,2 cm breit und 2,7 cm dick. Sein Material stammt aus den Westalpen, genauer dem Abbaugebiet am Monviso. Diese Klingen gehörten bereits der Michelsberger Kultur an. Weitere Bezugsgebiete für Rohmaterialien waren das heutige Belgien und die südlichen Niederlande, aber auch Nordbayern. Aus dem Spät- und Endneolithikum stammen weitere Beilfunde. Geseke lag im Übergang zwischen der nördlichen Trichterbecherkultur und der hessischen Wartbergkultur.
Metallzeitalter Bei den Bronzefunden in der Region handelt es sich, wie fast überall in Westfalen, um importierte Stücke. Allerdings wurden Artefakte häufig wiederverwertet. Die im Raum Geseke entdeckten Stücke stammen aus der späten Bronzezeit. Es handelt sich um zwei Tüllenbeilklingen, die Anfang des 20. Jahrhunderts in einer Tongrube im Südosten der Geseker Gemarkung (an der Elsinger Warte oder südlicher) gefunden wurden; bei einem der beiden Klingen dürfte es sich um einen Import aus England handeln. Bei einem weiteren Stück, dessen Fundort sich nicht mehr ermitteln ließ, handelt es sich um eine Lappenbeilklinge. Aus dem Bereich der Flur „Engelpöten“ westlich der Osterschledde im Süden der Geseker Gemarkung stammt der bis dahin älteste Beleg auf Geseker Gebiet, ein noch 15,7 cm langes Fragment einer langschmalen Lanzenspitze, dessen Tülle abgebrochen ist.
Im Jahr 2014 wurde der noch fehlende Teil eines Bestattungsareals aus der Bronze- und Eisenzeit am Tudorfer Weg ausgegraben. Schon seit den Ausgrabungen im Jahr 1997 ist bekannt, dass es sich um den am längsten genutzten Friedhof der Stadt handelt. 73 Bestattungen auf einem Areal von etwa zwei Hektar sowie zahlreiche Beigabengefäße zeugen von rund einem Jahrtausend Bestattungen zwischen der Spätbronzezeit und der römischen Kaiserzeit unweit der Quellen des Völmeder und des Geseker Baches.
Anders als zur Bronzezeit, als Kupfer und Zinn, die Ausgangsmaterialien zur Herstellung von Bronze, von weit her importiert werden mussten, ließ sich Eisen im verhältnismäßig nahegelegenen Siegerland gewinnen. Ebenfalls bedeutend wurde die Salzgewinnung in Werl. Das nördliche Südwestfalen, zu dem auch Geseke gehört, sowie der Nordrand der Mittelgebirgsschwelle stellen zur Eisenzeit in Südwestfalen eine eigene kulturelle Einheit dar, dies mit Kulturbezügen zum Niederrhein, jedoch eher schwach ausgeprägten Bezügen zum keltisch beeinflussten Kulturkreis im Süden. Als wichtiger Beleg für die Beziehungen zum Niederrhein gilt eine kleine Silbermünze, ein Quinar, die 1937 in der Bachstraße unweit des Marktplatzes gefunden wurde. Dargestellt ist ein „tanzendes Männlein“, das diesem Münztyp den Namen gab. Die Geseker Münze gehört zum Typ des inzwischen eher hockenden Männchens, der Serie III (III A1-2). Damit datiert sie in die letzten Jahrzehnte vor der Zeitenwende. Kurz zuvor war die Münzprägung auf der hessischen Ringwallanlage Dünsberg eingestellt worden, die Geseker Münze war bereits am Niederrhein geprägt worden (Cichy et al., S. 59). Dieser Vorgang kann mit dem historisch belegten Umsiedlungsprozess der Ubier von der rechten auf die linke Rheinseite verbunden werden. Die Geseker Münzen entstanden überwiegend vor diesem Prozess. Möglicherweise fand auch hier ein analoger Abwanderungsprozess statt. Münzfunde deuten darauf hin, dass schon in römischer Zeit der spätere Hellweg als Handelsroute eine Rolle spielte. Die in Geseke hergestellte Keramik wurde entlang dieser Route gehandelt, wie Funde aus Welver-Scheidingen, Soest, Erwitte-Aspen oder Erwitte-Osthem belegen, doch fanden sich auch Artefakte in Beckum und sogar entlang des ca. 50 km entfernten Diemellaufs (Marsberg-Flessinghausen, Warburg-Ossendorf und -Daseburg). Daneben ist jedoch auch merowingische Drehscheibenware aus den Ortswüstungen Sapen, Glashem, Hocelhem, Osthem, Stalpe und Velmede bekannt. Diese Funde verweisen auf eine vorkarolingische Besiedlung des Umlandes.
Franken, Ersterwähnung (833), Haolde, Übergang an Köln (1180) Im sechsten und siebten Jahrhundert befand sich auf dem Gebiet des heutigen Gesekes eine frühmittelalterliche Siedlung. Bei Ausgrabungsarbeiten wurde 1973 ein fränkischer Töpferofen auf dem Stiftsgelände in der Innenstadt entdeckt, welche zu dieser Zeit von (Land-)Adeligen betrieben wurden. Der Ofen gilt daher als Zeichen dafür, dass die fränkische Siedlung im sächsischen Gebiet bereits lange vor der aus Quellen belegbaren karolingischen Eroberung existierte, deren weitgehender Abschluss im Jahr 799 (Treffen von Karl dem Großen und Papst Leo III. in Paderborn) gesehen wird.
Die erste schriftliche Erwähnung des Ortes Geseke findet sich in einer Schenkungsurkunde Ludwigs des Frommen aus dem Jahre 833. Graf Ricdag erhält darin 5 Hufen in „Geiske“. Damit wird zugleich ein karolingisches Königsgut in Geseke nachgewiesen. Weiterhin wurden auch Ampen als Anadopa und Schmerlecke als Ismerleke erwähnt. Aufgrund der räumlichen Nähe zu Schmerlecke (6 km) wird die Urkunde auch von und für Altengeseke beansprucht. Für Geseke als Urkundengegenstand spricht zum einen die Lage am Hellweg, wie sie für Ampen und Schmerlecke auch gegeben ist, zum anderen die Distanzen zwischen den Ortschaften Ampen und Schmerlecke (15 km) sowie zwischen Schmerlecke und Geseke (19 km). Ebenso ist die Schreibweise „Geiske“, die sich nicht mit späteren Schreibweisen von Altengeseke im 11./12. Jahrhundert in Einklang bringen lässt, ein weiteres Indiz für die Stadt Geseke. Des Weiteren sind nur in Geseke archäologische Beweise für eine Besiedlung im 9. Jahrhundert gegeben, in Altengeseke setzen die archäologischen Siedlungsnachweise erst im 11. Jahrhundert ein. Zudem wurde Ricdag 822 bereits in Bönninghausen aktiv, das nur wenige Kilometer vom Stadtkern Gesekes entfernt liegt.
Im Jahre 946 gründete die Familie der Haolde zu Ehren der heiligen Jungfrau und des heiligen Cyriakus ein Damenstift in Geseke. Sechs Jahre später bestätigte König Otto I. die Gründung und nahm das Damenstift unter seinen Schutz.http://geschichte.digitale-sammlungen.de/kaiserurkunden/seite/bsb00009144_00084 Erste Äbtissin wurde Wichburg aus dem Geschlecht der Haolde. Die Bezeichnung Gesekes als „civitas“ und die Erwähnung einer Befestigung sind Anzeichen für die Bedeutung des Ortes.