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Kreuztal [] ist eine Stadt im Siegerland und gehört zum nordrhein-westfälischen Kreis Siegen-Wittgenstein.
Geografie Geografische Lage Kreuztal ist eine Stadt in Westfalen im Mittelgebirge des nördlichen Siegerlandes und liegt am westlichen Rand des Rothaargebirges.
Das Stadtgebiet wird von Osten kommend von der Ferndorf durchflossen. In der Stadtmitte (dem jüngsten Ort der 1969 am Reißbrett und zum größten Teil aus dem früheren „Amt Ferndorf“ neu gegründeten Stadt) schwenkt er dann nach Süden und verlässt das Stadtgebiet im Stadtteil Buschhütten.
Auf dem Stadtgebiet entspringt im Norden die Littfe. Sie durchfließt die Stadtteile Burgholdinghausen, Littfeld, Krombach, Eichen und Fellinghausen, bevor sie in der Stadtmitte in die Ferndorf mündet. Weitere Nebenbäche der Littfe sind der Langebach, der Heimkäuser Bach (Heimkause), die Breitenbach, der Krombach, der Stendenbach und der Bockenbach.
Im Westen der Stadt entspringt der Heesbach. Er durchfließt die Ortsteile Oberhees, Mittelhees, Junkernhees und Fellinghausen und mündet bei/unter der Fußgängerbrücke über B 54n (Hüttentalstraße) und Bahnlinie Siegen–Hagen (Ruhr-Sieg-Strecke) in die Littfe. Ein Nebenbach der Hees ist der Ostheldener Bach, welcher den Robertsweiher speist. Der Berghäuser Bach, der durch den Berghäuser Weiher fließt, mündet unterhalb des Robertsweihers in den Ostheldener Bach.
Die Täler der von Ost(nordost)en kommenden oberen Ferndorf, der von Nord(nordwest)en kommenden Littfe, des von West(südwest)en kommenden Heesbachs und der nach Süd(südost)en abfließenden Ferndorf bilden das namensgebende „Kreuztal“.
Geologie Das Stadtgebiet ist Bestandteil des Rheinischen Schiefergebirges. Der südlichste Stadtteil Buschhütten geht dabei in das sich südlich anschließende Durchbruchstal der Sieg über. Während der Untergrund von zahlreichen eisenhaltigen Gesteinsschichten durchzogen ist, wird die Oberfläche von lehmig-sandigen Verwitterungsböden geprägt.
Ausdehnung des Stadtgebiets Das Stadtgebiet erstreckt sich über eine Fläche von 70,96 km². Dieses gliedert sich wie folgt: 60,02 % Waldfläche 14,9 % landwirtschaftliche Nutzfläche 14,8 % Gebäude und Hofflächen 7,2 % Verkehrsflächen 3,1 % sonstige Flächen
Der höchste Punkt der Stadt ist der „Hohe Wald“ in Burgholdinghausen mit , der niedrigste Punkt befindet sich in Buschhütten. Dort verlässt die Ferndorf auf einer Höhe von das Stadtgebiet. Die Nord-Süd-Ausdehnung beträgt zwölf Kilometer, die Ost-West-Ausdehnung elf Kilometer.
Nachbarstädte und -gemeinden Die Stadt liegt im Nordwesten des Kreisgebietes und grenzt im Süden an die Kreisstadt Siegen, im Westen an Freudenberg (Siegerland), und Wenden (Sauerland), im Norden an Kirchhundem und Olpe und im Osten an Hilchenbach und Netphen. Geprägt wird die Stadt durch die Täler der Flüsse Ferndorf, Littfe und Hees, die zusammen ein kreuzförmiges Tal bilden.
Die höchste Erhebung der Stadt ist der Berg Hoher Wald mit . Der Berggipfel ist allerdings nicht zugänglich, da er der Bundeswehr gehört. Weitere Berge sind: der Kindelsberg (Wahrzeichen der Stadt), die Martinshardt , der Birkhahn , der Ziegenberg , der Wilder Stein , die Rodenull , das Köpfchen , der Pfaffenberg , der Buberg, der Pühlsberg, der Krähenberg, der Altenhahn, der Löherhauberg, der Höhberg, der Rohberg, der Wolfshagen, der Mühlberg, der Mühlenkopf, der Kilgeshahn, der Siegerberg, der Kohlenberg, der Hohle Stein, der Dudeltätsch und der Heidlofsberg.
Stadtgliederung mini|alternativtext=|Kreuztaler Ortsteile Die Stadt wird in die Stadtteile Burgholdinghausen, Littfeld, Krombach, Bockenbach, Eichen und Stendenbach im Norden, Kreuztal in der Mitte, Osthelden, Oberhees, Mittelhees, Junkernhees und Fellinghausen im Westen, Ferndorf und Kredenbach im Osten sowie Buschhütten im Süden unterteilt.
Bockenbach, Eichen und Stendenbach liegen auf der Gemarkung Eichen, Ober-, Mittel- und Junkernhees bilden die Gemarkung Hees; alle anderen Ortsteile bestehen genau aus ihrer Gemarkung.
Geschichte Die Stadt Kreuztal ist in der heutigen Form ein Ergebnis der kommunalen Neugliederung vom 1. Januar 1969. Sie entstand durch den Zusammenschluss der Gemeinden Burgholdinghausen, Buschhütten, Eichen (mit den heutigen Stadtteilen Stendenbach und Bockenbach), Fellinghausen, Ferndorf, Kredenbach (jedoch ohne den Ortsteil Neulohe), Kreuztal (der Stadtteil Kreuztal mit dem Ortsteil Ernsdorf), Krombach, Littfeld und Osthelden (mit dem zugehörigen Junkernhees) sowie der früher zum Amt Freudenberg gehörenden Gemeinden Oberhees und Mittelhees und auch eines kleinen Teilstücks der Gemeinde Dahlbruch. Dieser Zusammenschluss ging seinerzeit jedoch nicht ohne Proteste vonstatten, da sich manche Bürger die Frage stellten, wie sich wohl die Entwicklung des neuen Gemeinwesens vollziehen werde.
Die früher zum Amt Ferndorf gehörende Gemeinde Buchen wurde später der Kreisstadt Siegen, die Kredenbacher Flur Lohe z. T. Hilchenbach zugeschlagen.
Erste urkundliche Erwähnungen gehen auf das Jahr 1067 zurück. Dort findet man die Ortschaft „Berentraph“, den späteren Stadtteil Ferndorf. Er ist einer der ältesten im Siegerland genannten Orte. Ferndorf war bis zur Stadtgründung Namensgeber der Amtsverwaltung Ferndorf.
Der Ortsteil Ernsdorf findet als „Erinstorff“ erstmals 1417/19 urkundliche Erwähnung. Ernsdorf war zu Zeiten des Rheinbundes auch Sitz des Bürgermeisters.
Der heutige Name der Stadt taucht im Jahre 1826 als „Creuzthal“ im Taufbuch der Gemeinde Ferndorf auf.
Im 17./18. Jahrhundert zählt der heutige Stadtteil Littfeld mit 60 Häusern zu den neben Siegen bevölkerungsreichsten Orten im Siegerland.
Aus einer Schenkwirtschaft mit Hausbrauerei um 1800 entstand im heutigen Ortsteil Krombach eine Brauerei, die bis 1896 im Besitz der Familie Haas blieb. 1922 übernimmt Bernhard Schadeberg die Hasbrauerei, später wird diese umbenannt zur Krombacher Brauerei; seit dieser Zeit ist die Familie Schadeberg Miteigentümer der Brauerei.
In der genossenschaftlichen Tradition der Hütten- und Hammergewerke entstand in Krombach 1831 ein Rohstahllager, dem die erste Sparkasse im Siegerland angeschlossen war.Stadt Kreuztal – Wanderung durch Raum und Zeit; Verlag Vorländer 2001; ISBN 3-00-008764-8
Der Bau der Eisenbahn war eine Initialzündung für den Ort. Im Jahre 1861 wurde die Ruhr-Sieg-Strecke eröffnet. 1865 entschied die Amtsvertretung, dass das Amtshaus gegen den Protest der Vertreter aus Ferndorf, Kredenbach und Buchen nicht in Ferndorf, sondern in der Nähe des Bahnhofs Kreuztal zu errichten sei. Im Jahr 1867 nahm der Cöln-Müsener Bergwerks-Actien-Verein in Langenau die Kreuztaler Hütte in Betrieb, die 1917 eine Jahresproduktion von 130.000 Tonnen Roheisen erreicht. Zu einem Eisenbahnknoten wurde Kreuztal ab dem Jahre 1880. Bis zum Jahre 1888 wurde stufenweise die Nebenstrecke in Richtung Erndtebrück–Bad Laasphe–Marburg (Bahnstrecke Kreuztal–Cölbe) gebaut. Die erste Teilstrecke Kreuztal-Hilchenbach wurde am 1. März 1884 eröffnet. Geplant war auch der Bau einer Strecke Kreuztal–Olpe–Meinerzhagen, die jedoch nur in Ansätzen bis zum Ort Krummenerl verwirklicht wurde.
1888 wurde die Eichener Brauerei im Familienbetrieb gegründet und war in der Vergangenheit stets eng mit dem Eichener Walzwerk verknüpft.
Am 17. März 1928 wurde die Gemeinde Ernsdorf in Kreuztal umbenannt.
1951 begann die Siebau, eine damalige SAG-Tochter, mit der Fertigung von Hallenbauten, 1959 begann die Firma mit der Herstellung von Garagentoren.
Bauentwicklung im Stadtgebiet 1960: Einweihung der Otto-Flick-Halle, einer Mehrzweckhalle für Sport und Veranstaltungen 1963: Einweihung der evangelischen Kreuzkirche 1963: Bau des evangelischen Krankenhauses in Kredenbach 1968: Beginn der Bauarbeiten für das Wohngebiet Fritz-Erler-Siedlung 1973: Einweihung eines Seniorenzentrums in der Innenstadt 1977: Kreuztal hat ein modernes Kaufcenter 1991: Tiefgarage im Zentrum mit 87 Einstellplätzen (Kostenvolumen 1,4 Mio. Euro) 1992: Rathauserweiterung und -aufstockung (1,6 Mio. Euro) 2007: Umbau Bahnhofsgebäude zu Kulturbahnhof (2,1 Mio. Euro) 2015: Fertigstellung des Umbaus und Umzug der Bibliothek
Einwohnerentwicklung Datum Einwohner 31. Dez. 1962 25.791 31. Dez. 1965 27.031 31. Dez. 1970 28.952 31. Dez. 1975 30.473 31. Dez. 1980 30.219 31. Dez. 1985 29.012 31. Dez. 1990 30.885 31. Dez. 1995 32.243 31. Dez. 2000 32.099 Datum Einwohner 31. Dez. 2001 32.127 31. Dez. 2002 31.970 31. Dez. 2003 31.864 31. Dez. 2004 32 042 31. Dez. 2005 31.939 31. Dez. 2006 31.771 31. Dez. 2007 31.661 31. Dez. 2008 31.300 31. Dez. 2009 31.081 Datum Einwohner 31. Dez. 2010 30.995 31. Dez. 2011 30.792 31. Dez. 2012 30.827 31. Dez. 2013 30.899 31. Dez. 2014 31.067 31. Dez. 2015 31.500 31. Dez. 2016 31.082 31. Dez. 2017 31.017 31. Dez. 2019 31.122 Die Daten vor 1977 wurden auf den Gebietsstand vom 1. Juli 1976 umgerechnet. Quelle: Landesdatenbank NRWLandesdatenbank NRW: Bevölkerungsstand Kreuztal, Stadt
Ehrenbürger Friedrich Flick Aufsehen erregte in den 1980er Jahren ein Artikel des Nachrichtenmagazins Der Spiegel, der von Kreuztal als der „gekauften Stadt“ sprach. Der Großindustrielle Friedrich Flick hatte seit 1932 die NSDAP mit Spenden unterstützt, war ihr dann beigetreten und seit 1934/35 Mitglied im Freundeskreis Reichsführer SS. Er wurde zu einem der größten Rüstungsproduzenten und -profiteure. Er erwarb in großem Maßstab durch Arisierung jüdische Unternehmen und setzte „in gigantischem Umfang“ Zwangsarbeiter ein.Anklageschrift der Nürnberger Prozesse vom 15. März 1947, zit. nach: Frei, Ahrens, Osterloh, Schanetzky: Flick. München 2009, S. 414 Im Nürnberger Fall V, dem nach ihm benannten „Flick-Prozeß“ (mit u. a. einem weiteren Kreuztaler und einem Dahlbrucher Unternehmer auf der Anklagebank), wurde er 1947 wegen Sklavenarbeit, Verschleppung zur Sklavenarbeit, Ausplünderung der besetzten Gebiete und Teilnahme an Verbrechen der SS zu sieben Jahren Haft verurteilt. 1950 wurde er vom US-Hochkommissar McCloy im Rahmen einer allgemeinen Haftverkürzung für besonders belastete NS-Verbrecher entlassen. Ein Eingeständnis einer moralischen oder politischen Schuld oder auch nur einer „Verstrickung“ in die nationalsozialistischen Verbrechen hat er stets verweigert.
1954 wurde er mit den Stimmen von CDU, SPD und des Bundes der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE) Ehrenbürger der Stadt Kreuztal. Zudem war bis 2008 das in den 1970er Jahren begründete städtische Gymnasium nach ihm benannt („Friedrich-Flick-Gymnasium“, kurz FFGLetzte im Internet Archive verfügbare Webseite des „Friedrich-Flick-Gymnasiums“, , 9. Oktober 2007.), für das er steuerbegünstigt drei Millionen DM über eine Stiftung spendete, die durch Käufe in seinen Firmen verausgabt werden mussten.