Drolshagen [] (plattdeutsch: DraulzenChristine Koch Mundartarchiv (sauerlandmundart.de): Draulzen vertällt, abgerufen am 23. August 2024. []) ist eine kreisangehörige Stadt des Kreises Olpe im Regierungsbezirk Arnsberg in Nordrhein-Westfalen.
1214 wurde der Ort Drolshagen erstmals urkundlich erwähnt. Im 15. und 16. Jahrhundert profitierte Drolshagen vom Aufschwung des Bergbaus in der Gegend. Produkte aus Drolshagen wurden bis nach Köln und in den Ostseeraum exportiert.
1838 zerstörte ein Feuer den Ort nahezu vollständig. Nach dem Wiederaufbau wurde Drolshagen im Jahr 1841 Sitz der Verwaltung für die Gemeinde Drolshagen-Land und die Gemeinde Drolshagen-Stadt. Die Stadt Drolshagen wurde erst 1969 im Zuge der kommunalen Neuordnung aus den Gemeinden Drolshagen-Stadt und Drolshagen-Land gebildet.
Geografie Geografische Lage Drolshagen liegt in einer von Wäldern bestimmten Mittelgebirgslandschaft im südlichen Sauerland am Rande des Naturparks Sauerland-Rothaargebirge. Das im Süderbergland liegende Stadtgebiet befindet sich im südlichen Zipfel des Mittelbigge-Berglandes. Südöstlich grenzt die Oberbigge-Hochfläche an.
Im Kreisgebiet liegt die Stadt südwestlich und grenzt im Norden an den Märkischen und im Südwesten an den Oberbergischen Kreis.
Die Ortschaften Kalberschnacke und Herpel begrenzen in etwa die Stadt nach Norden und liegen an der Listertalsperre. Durch das Stadtgebiet von West nach Ost in südöstlicher Richtung fließt die Rose, die bei Wegeringhausen entspringt und bei Berlinghausen in die Brachtpe mündet.
Zu hohen Gipfeln im Süden der Stadt gehört der Steupingen nahe Dirkingen mit 481 Metern, der Rummelsberg westlich von Berlinghausen mit etwa 430 Metern und der Papenberg mit etwa 420 Metern. Der Herrnscheid, südöstlich von Hützemert, hat eine Höhe von etwa 460 Metern. Im Norden der Stadt erhebt sich der Ostert nahe Bühren mit 469 Metern und der Euleneick mit etwa 440 Metern nahe der Ortschaft Frenkhauserhöh. Der höchste Punkt ist die Mark nahe der Ortschaft Schlade mit 513 Metern.
Ausdehnung und Flächennutzung mini|hochkant=1.3|Flächennutzung (Stand: 31. Dezember 2009) Das 6712 Hektar (ha) große Stadtgebiet hat eine Nord-Süd-Ausdehnung von etwa 11,6 Kilometern und eine West-Ost-Ausdehnung von rund 8,9 Kilometern. 40,2 % (2700 ha) dienen der Landwirtschaft, 41,8 % (2805 ha) sind Wald. Gebäude-, Frei- und Betriebsflächen beanspruchen 6,9 % (462 ha), Verkehrsflächen 8,6 % (578 ha). Als Erholungs- bzw. Friedhofsfläche sind 0,8 % (53 ha) ausgewiesen. Die verbleibenden 1,7 % (114 ha) sind Wasserfläche, Abbauland und anderes.
Nachbargemeinden Drolshagen grenzt im Norden an die Stadt Meinerzhagen im Märkischen Kreis. Zum Kreis Olpe gehören die Nachbarstädte Attendorn im Nordosten, Olpe im Osten und die Gemeinde Wenden im Südosten. Im Süden und Südwesten grenzt Drolshagen an die Gemeinde Reichshof, im Westen an die Stadt Bergneustadt sowie im Nordwesten an die Stadt Gummersbach, die gemeinsam zum Oberbergischen Kreis gehören.
Stadtgliederung Das heutige Stadtgebiet umfasst 58 Ortschaften unterschiedlichster Größe in den nach der Hauptsatzung festgelegten 31 Bezirken. Für jeden dieser Bezirke wählt die Stadtverordnetenversammlung einen Ortsvorsteher, der in dem entsprechenden Bezirk wohnen muss. Der Ortsvorsteher vertritt dem Stadtrat gegenüber die Belange des Bezirks.
Bezirk Name des Bezirkes Ortschaft/en im Bezirk Einwohner 1 Benolpe Benolpe Wormberg 342 18 2 Gelslingen Gelslingen 43 3 Gipperich Feldmannshof Gipperich Stupperhof 65 36 14 4 Iseringhausen Iseringhausen Eltge Heiderhof 615 3 15 5 Halbhusten Halbhusten 201 6 Husten Husten 211 7 Brachtpe Brachtpe Potzenhof Fohrt 115 7 110 8 Dirkingen Dirkingen Buchhagen 35 23 9 Berlinghausen Berlinghausen 326 10 Eichen Eichen Eichenermühle 179 20 11 Öhringhausen Öhringhausen 100 12 Frenkhausen Frenkhausen Frenkhauserhöh Alperscheid 454 21 33 13 Wintersohl Wintersohl Fahrenschotten 31 4 14 Siebringhausen Siebringhausen Wenkhausen 41 53 15 Dumicke Dumicke Bühren 269 46 Bezirk Name des Bezirkes Ortschaft/en im Bezirk Einwohner 16 Schreibershof Schreibershof Brink Bruch 523 16 27 17 Herpel Herpel Kalberschnacke 243 13 18 Schürholz Schürholz Kram 99 8 19 Heimicke Heimicke 99 20 Schützenbruch Schützenbruch 23 21 Junkernhöh Junkernhöh Köbbinghausen 91 11 22 Germinghausen Germinghausen 284 23 Sendschotten Sendschotten 95 24 Essinghausen Essinghausen 116 25 Bleche Bleche 421 26 Scheda Scheda Schlenke 196 31 27 Neuenhaus Neuenhaus Hammerteich Beul 18 28 37 28 Lüdespert Lüdespert Hespecke 75 24 29 Schlade Schlade 68 30 Wegeringhausen Wegeringhausen Breitehardt Grünenthal 346 12 1 31 Hützemert Hützemert Hustert 1064 26 Gliederung in Bezirke und Zuordnung der Ortschaften: Hauptsatzung der Stadt Drolshagen vom 10. Mai 2021 Stand der Einwohnerzahlen: 31. Dezember 2014
Geschichte Mittelalter mini|hochkant|Ruine Waldenburg, Blick nach Süd-West Die Anfänge der Besiedelung könnten im frühen 9. Jahrhundert liegen. Die Kirchengemeinde gilt als Tochtergründung von Olpe. Der erste Kirchenbau soll auf Erzbischof Anno II. im 11. Jahrhundert zurückgehen.Hubertus Halbfas: Wozu Geschichte verpflichtet. Das Beispiel Drolshagen. In: SAUERLAND 2002 / 2 Der Ort wurde 1214 erstmals urkundlich erwähnt. Eng verbunden mit der Waldenburg war er im 13. Jahrhundert im Besitz der Grafen von Sayn, zuvor hatten die Ravensberger dort Besitz. Die von Sayn stifteten 1235 ein Zisterzienserinnenkloster. Nach dem Tode des Grafen Heinrich von Sayn verkaufte seine WitweHSO 9/598Seibertz, Urkunden II, Nr. 248 am 13. Januar 1248 das „castrum“ Waldenburg mit den zugehörigen Gütern Drolshagen an den Erzbischof Konrad von Hochstaden.Cornelia Kneppe: Burgen und Städte als Kristallationspunkte. In: Harm Klueting (Hrsg.): Das Herzogtum Westfalen. Bd. 1: Das kölnische Herzogtum Westfalen von den Anfängen der kölnischen Herrschaft im südlichen Westfalen bis zur Säkularisation 1803. Münster, 2009, ISBN 978-3-402-12827-5, S. 213 Seither gehörte Drolshagen zum kölnischen Besitz im südlichen Sauerland, aus dem das Herzogtum Westfalen hervorging. Drolshagen war Sitz des Gerichts Drolshagen und das Drolshagener Land ohne die Stadt Drolshagen gehörte zum Amt Waldenburg. Der Ort galt am Ende des 14. Jahrhunderts noch als Dorf, wurde 1445 als Stadt, aber 1462 nur noch als Freiheit (Minderstadt) bezeichnet. Überreste von Befestigungsanlagen wurden teilweise als Hinweis einer früheren Stadtqualität gedeutet. Die Freiheit geht möglicherweise auf Erzbischof Dietrich II. von Moers in den Jahren 1437 bis 1445 zurück.
Das Ministerialengeschlecht derer von Drolshagen wird im 13. Jahrhundert erstmals erwähnt. Dieses ehemals ansehnliche Geschlecht hatte im 15. Jahrhundert Grundbesitz im Kirchspiel Drolshagen. Schon vorher erschienen die Herren von Drolshagen als Zeugen und Siegler in Urkunden, die Rechtsgeschäfte aus dem Kirchspiel Drolshagen betrafen. Zeitweise waren die von Drolshagen auch Burgherren der Waldenburg.
Das Stadtrecht erhielt Drolshagen vom Kölner Erzbischof Ruprecht am 2. März 1477. Dies wurde 1485 nicht nur bestätigt, sondern auch verstärkt. Mit dem Stadtrecht verbunden war das Privileg, Stadtmauern zu errichten und einen Markt abzuhalten. Für die Stadterhebung gab es mehrere Gründe, die teilweise in der Stadtrechtsurkunde genannt wurden. Der Ort lag im Grenzbereich zu den Grafschaften Berg und Mark. Insofern erfüllte ein befestigter Ort eine Festungsfunktion. Zum anderen hatten die Bürger den Erzbischof in seinem Machtkampf mit dem Kölner Domkapitel unterstützt. Die Stadterhebung war somit auch eine Geste des Dankes.Josef Hesse: Drolshagen. 500 Jahre Stadt. In: Sauerland 2/1977 S. 38
Frühe Neuzeit Während des 15. und 16. Jahrhunderts profitierte Drolshagen vom Aufschwung des Bergbaus in der Gegend. Die Hauptzeit des Erzabbaus im Dorf Iseringhausen war um 1850. Dadurch nahm das metallverarbeitende Gewerbe in der Stadt einen großen Aufschwung. Vor allem die Breitschmiede und die Herstellung von Harnischen spielten eine große Rolle. Die Produkte wurden bis nach Köln und in den Ostseeraum exportiert. Das Bergrecht der Grube „Henriette“ erlosch erst im Jahr 1990.Geschichte von Iseringhausen, abgerufen am 25. Februar 2011. Von Bedeutung war offenbar auch das Textilgewerbe. So existierte bei Drolshagen im 15. und 16. Jahrhundert eine Walkmühle. Ebenso war die Lederverarbeitung von großer Bedeutung. In Drolshagen organisierten sich die Lohgerber, Schuster und Sattler nach Vorbild von Olpe in einer eigenen Zunft. Die Breitschmiede gehörte dem 1669 gegründeten Breitschmiedeamt für die Gerichte Olpe, Drolshagen und Wenden an. Wohl auch deshalb war Drolshagen 1604 Mitglied der Hanse. Allerdings war zu diesem Zeitraum der Höhepunkt der gewerblichen Entwicklung bereits überschritten. Seit dem späten 16. Jahrhundert stagnierte der Ort und fiel wirtschaftlich hinter das nahe Olpe zurück.Jens Foken: Erstarrtes Mittelalter. Die Städte und Freiheiten des Herzogtums Westfalen in der frühen Neuzeit. In: Harm Klueting (Hrsg.): Das Herzogtum Westfalen. Bd. 1: Das Herzogtum Westfalen: Das kurkölnische Westfalen von den Anfängen kölnischer Herrschaft im südlichen Westfalen bis zu Säkularisation 1803. Münster, 2009, ISBN 978-3-402-12827-5, S. 385Wilfried Reininghaus: Salinen, Berg- und Hüttenwerke, Gewerbe und Handel im Herzogtum Westfalen. In: Harm Klueting (Hrsg.): Das Herzogtum Westfalen. Bd. 1: Das Herzogtum Westfalen: Das kurkölnische Westfalen von den Anfängen kölnischer Herrschaft im südlichen Westfalen bis zu Säkularisation 1803. Münster, 2009, ISBN 978-3-402-12827-5, S. 731, S. 735 In Drolshagen gab es 1795 nur 78 Häuser, wohingegen im Vergleich in Olpe 253 und in Attendorn 200 Häuser standen.Bernward Selter: Landwirtschaft, Waldnutzung und Forstwesen im Herzogtum Westfalen. In: Harm Klueting (Hrsg.): Das Herzogtum Westfalen: Das kurkölnische Westfalen von den Anfängen kölnischer Herrschaft im südlichen Westfalen bis zu Säkularisation 1803. Münster 2009, ISBN 978-3-402-12827-5, S. 779 Auch zu Beginn der preußischen Zeit zählte man nur 79 Häuser mit 464 Einwohnern.Beiträge zur Statistik des preußischen Staates. Berlin, 1821 S. 114 mini|Kloster und Kirche Das Kloster und die Stadt stritten ab 1550 jahrelang um das Anrecht an der St.-Clemens-Kirche, was selbst zu einem Prozess in Rom führte. Wie andere Orte auch wurde Drolshagen von Truppen des zum Protestantismus übergetretenen Erzbischof Gebhard I. von Waldburg während des Truchsessischen Krieges gebrandschatzt.H. Kampschulte: Die Geschichte der Einführung des Protestantismus im Bereiche der jetzigen Provinz Westfalen: pragmatisch dargestellt. Paderborn, 1866 S. 327 Im 16. Jahrhundert lag der Ort im unmittelbaren Machtbereich des Landdrosten Kaspar von Fürstenberg, der zu seiner Zeit einer der Hauptinitiatoren der Hexenverfolgung im Herzogtum Westfalen war. Auch in Drolshagen kam es 1575 zu mehreren Todesurteilen in Hexenprozessen.Tanja Gawlich: Der Hexenkommissar Heinrich von Schultheiß und die Hexenverfolgungen im Herzogtum Westfalen. In: Harm Klueting (Hrsg.): Das Herzogtum Westfalen. Bd. 1: Das Herzogtum Westfalen: Das kurkölnische Westfalen von den Anfängen kölnischer Herrschaft im südlichen Westfalen bis zu Säkularisation 1803. Münster, 2009, ISBN 978-3-402-12827-5, S. 306