Bad Laasphe [] (bis 1984 offiziell und heute umgangssprachlich Laasphe, mundartlich Loase) ist eine Kleinstadt im Wittgensteiner Land in Westfalen. Sie liegt im nordrhein-westfälischen Kreis Siegen-Wittgenstein, nahe der Grenze zu Hessen, an der noch jungen Lahn. Erstmals erwähnt im Jahr 780, war sie im Mittelalter Residenzstadt der Grafen von Wittgenstein, deren Schloss Wittgenstein bis heute über der Stadt liegt. Seit 1984 ist Laasphe Kneipp-Heilbad.
Die Stadt in ihrer heutigen Form als Großgemeinde entstand im Jahr 1975 im Zuge der Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen (siehe dazu Abschnitt „Eingemeindungen“).
Geografie
mini|Luftaufnahme der Kernstadt von Bad Laasphe mini|Stadtgliederung der einzelnen Ortsteile von Bad Laasphe Geografische Lage Die Stadt Bad Laasphe liegt im Oberen Lahntal im ehemaligen Kreis Wittgenstein. Das Stadtgebiet befindet sich südöstlich des Hauptkamms des Rothaargebirges, eines Teiles des Rheinischen Schiefergebirges, und grenzt im Norden an die Stadt Bad Berleburg und die Gemeinde Erndtebrück, im Osten an die Stadt Biedenkopf in Hessen, im Südosten an Breidenbach, im Süden an Dietzhölztal und im Westen an die Stadt Netphen.
Höchster Berg im Stadtgebiet ist mit der nahe dem Stadtteil Heiligenborn gelegene Kompass, der den höchsten der südlichen Berge des Rothaargebirges darstellt. An seinen Flanken entspringen die durch das Stadtgebiet fließenden Bäche Bernshäuser Bach, Sohler Bach-Fischelbach, Gonderbach und Ilse. Bei Lahnhof, einem kleinen östlichen Stadtteil von Netphen, bzw. unweit südsüdwestlich des Lahnkopfs, entspringt die die Kernstadt durchfließende Lahn.
Es gibt mehrere Naturschutzgebiete im Stadtgebiet wie bspw. das Wahbachtal.
Stadtgliederung Die Stadt gliedert sich in insgesamt 24 Stadtteile: Amtshausen Bad Laasphe (Kernstadt) Banfe Bermershausen Bernshausen Feudingen Fischelbach Großenbach Heiligenborn (zu Banfe) Herbertshausen Hesselbach Holzhausen Kunst Wittgenstein Laaspherhütte Niederlaasphe Oberndorf Puderbach Rückershausen Rüppershausen Saßmannshausen Sohl Steinbach Volkholz (inkl. Glashütte und Welschengeheu) Weide
Geschichte mini|Stadtansicht von Matthäus Merian in seiner Topographia Hassiae aus dem Jahre 1655 mini|Zeichnung der Stadt aus dem Jahre 1834
Überblick Der Name der Stadt leitet sich von Lassaffa ab, das Lachswasser oder Lachsgewässer bedeutet und vermutlich aus dem Keltischen stammt. Ein Bach namens Laasphe fließt, als linker Zufluss der Lahn, noch heute im Stadtgebiet.
Siehe für die Zeit vor 1806 auch die Ältere Geschichte von Bad Laasphe.
Der bereits 780 erstmals erwähnte Ort wurde im frühen 13. Jahrhundert als Residenzstadt der Grafschaft Wittgenstein ausgebaut und erhielt vor 1277 Stadtrechte. Über der Stadt lag Schloss Wittgenstein als Wohnsitz der gleichnamigen Grafenfamilie. In der Folge erhielt die Stadt eine Stadtmauer mit zwei Toren und sechs Türmen, die im frühen 19. Jahrhundert bis auf geringe Reste abgetragen wurde. Bei der 1605 erfolgten Teilung der Grafschaft Wittgenstein in die Linien Sayn-Wittgenstein-Berleburg und Sayn-Wittgenstein-Wittgenstein wurde Laasphe die Residenz der südlichen Grafschaft. In der Stadt wohnten neben Handwerkern und Ackerbürgern deshalb auch Beamte des gräflichen Hofes. Es gab wohl etwa 100 Haushaltungen. Mit dem Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation 1806 erlosch der Status als Residenzstadt.
Um die Mitte des 16. Jahrhunderts wurde in der Grafschaft Wittgenstein und damit in Laasphe die Reformation eingeführt. Der in Marburg ausgebildete Nikolaus Zell (Cellius) war ab 1555 der erste lutherische Prediger in Laasphe. Ab den 1560er Jahren hatte das kirchliche Leben in der Stadt und dem Umland dann deutliche Züge, die sich an dem 1563 veröffentlichten Heidelberger Katechismus orientierten, und gehörte bis in das 19. Jahrhundert zur reformierten Kirche.Andreas Kroh: Die Wiederentdeckung des Heidelberger Katechismus nach Sturm und Drang des radikalen Pietismus. Ein Beitrag zur Geschichte der reformierten Kirche in Wittgenstein. Rödingen 2011, hier S. 17–76.
Bei den Hexenverfolgungen wurden von 1609 bis 1630 in Laasphe 16 Hexenprozesse durchgeführt, darunter fünf Hinrichtungen und eine Verbannung.Namen der Opfer der Hexenprozesse/Hexenverfolgung Laasphe. (PDF; 80 kB) abgerufen am 9. Mai 2016. Das erste Opfer, Merge Dillmansche, wurde 1609 gefoltert, verurteilt und hingerichtet. Graf Ludwig II. stellte später fest, dass es kein ordentliches Verfahren war: sie sei wider Recht zum Tode verurteilt worden.Jürgen Schmidt: Glaube und Skepsis, Die Kurpfalz und die abendländische Hexenverfolgung 1446–1685, Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2000.Gustav Bauer: Hexenverfolgung und Hexenwahn in Wittgenstein. Zeitschrift Wittgenstein, Band 20/1956, H. 1, H. 2, S. 54–61. H. 3, S. 107–117. Heft 4, S. 154–157.Heinrich Dellori: Der Berghäuser Hexenprozess 1612–1615. in: Wittg. Band 43/1979, H. 4, S. 137–146. H. Müller: Das Hexenwesen. In: Das schöne Wittgenstein, Heimatbeilage der Wittgensteiner Zeitung, 24. Dezember 1938, Nr. 12, S. 90 f.G. Hinsberg, Pfarrer zu Berleburg. Hette Claus und andere Opfer des Hexenwesens. Ein Heimatbuch. 1919, Selbstverlag. S. 89–105. Lucia Reichmann hielt alle drei Grade der Folter aus, ohne zu gestehen. Sie beging 1630 im Gefängnis Selbstmord. Der Rat der Stadt fasste am 26. Juni 2015 einen Beschluss zur Rehabilitierung der Opfer der Hexenprozesse.Lars Peter Dickel: Kontroverse zu Hexen-Urteilen. In: Westfalenpost, Wittgensteiner Zeitung Heimatteil, 30. Juni 2015
Laasphe wurde 1806 als Teil des ehemaligen Fürstentums Sayn-Wittgenstein-Wittgenstein zunächst dem Großherzogtum Hessen-Darmstadt angeschlossen, dann aber auf Beschluss des Wiener Kongresses 1815 an Preußen abgegeben. Seit 1817 gehörte die Stadt dem Kreis Wittgenstein im südöstlichen Teil der preußischen Provinz Westfalen an. In Laasphe gab der Druckereibesitzer Ernst Schmidt 1876 das Wittgensteiner Wochenblatt heraus, das später unter dem Namen Wittgensteiner Zeitung als erste Tageszeitung im Kreis Wittgenstein erschien.
Im Jahr 1888 lag die Stadt Laasphe im preußischen Regierungsbezirk Arnsberg im Kreis Wittgenstein und hatte einen Anschluss an die Eisenbahnstrecke Kreuztal–Marburg der Preußischen Staatsbahn. 1888 hatte Laasphe eine Präparandenanstalt, ein Amtsgericht (gegründet 1878, geschlossen 1970) und Trikotagen- und Strumpfwarenfabriken. 1885 waren in Laasphe 2225 meist evangelische Einwohner ansässig. Zum Schloss Wittgenstein gehörten zwei Eisenhütten.
Im Jahre 1904 wurde Laasphe in die Liste der Luftkurorte aufgenommen. 1960 wurde die Stadt Kneipp-Kurort und seit dem 1. Januar 1984 führt sie als Kneipp-Heilbad das Prädikat „Bad“. Aufgrund der innovativen Angebotsentwicklung und des Ambientes wurde Bad Laasphe 2006 vom Verband deutscher Kneippheilbäder und Kneippkurorte in die Gruppe der Kneipp-Premium Class aufgenommen.
Seit September 2015 befindet sich in der ehemaligen Schlossbergklinik eine Unterkunft für Flüchtlinge der Bezirksregierung Arnsberg. In der sogenannten zentralen Unterbringungseinrichtung sollen bis zu 500 Asylbewerber untergebracht werden.
2020 hatte die Kirchengemeinde Bad Laasphe noch 3779 Gemeindeglieder, heute sind es 3488. Die evangelische Kirchengemeinde verliert jedes Jahr 100 Gemeindeglieder.
Eingemeindungen Am 1. Januar 1975 wurden anlässlich der kommunalen Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen die Gemeinden Amtshausen, Banfe, Bermershausen, Bernshausen, Feudingen, Fischelbach, Großenbach, Heiligenborn, Herbertshausen, Hesselbach, Holzhausen, Kunst-Wittgenstein, Niederlaasphe, Oberndorf, Puderbach, Rückershausen, Rüppershausen, Saßmannshausen, Steinbach, Volkholz und Weide aufgelöst und in die Stadt Laasphe eingegliedert. Eine 61 ha große Fläche von Amtshausen wurde nach Erndtebrück umgegliedert.
Bevölkerungsentwicklung Die ehemaligen Gemeinden, aus denen die Stadt Laasphe besteht, hatten am 6. Juni 1961 (Volkszählung) insgesamt 14.858 Einwohner, am 27. Mai 1970 (Volkszählung) 15.710 Einwohner und am 30. Juni 1974 (Ermittlung der Einwohnerzahl durch das Statistische Landesamt anlässlich der bevorstehenden Gebietsreform) 15.356 Einwohner. In der Kernstadt leben 5585 Bewohner (2019).
Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1682 603 1817 1.350 1900 2.330 1939 9.822 1950 14.838 1961 14.858 1970 15.710 1974 15.356 1986 14.332 1996 15.574 2006 14.981 2012 14.039 2015 14.276 2016 13.802 2017 13.639
Politik Rat der Stadt Der Rat der Stadt Bad Laasphe besteht seit 2025 aus 24 Sitzen. Die Kommunalwahl am 14. September 2025 erbrachte folgendes Ergebnis: mini|Rathaus in Bad Laasphe
Bürgermeister Bei der Wahl am 14. September 2025 erreichte der amtierende Bürgermeister Dirk Terlinden (parteilos) mit 35,8 Prozent die meisten Stimmen. In einer Stichwahl zwei Wochen später setzte er sich mit 56,9 Prozent gegen Samir Schneider (SPD, 33,2 Prozent im ersten Wahlgang) durch. Der Kandidat der CDU, Jan-Pascal Schmidt, erreichte 25,6 Prozent und die Kandidatin der Partei „Die PARTEI“, Stephanie Bosch, 5,4 Prozent.
Wappen
Flagge und Banner Die Stadtflagge und das Stadtbanner wurden am 16. Januar 1976 genehmigt und werden wie folgt beschrieben: „Die Flagge ist in zwei gleich breiten Bahnen von Silber (Weiß) und Schwarz längsgestreift und zeigt in der Mitte das Wappen der Stadt.“, „Das Banner ist von Silber (Weiß) und Schwarz im Verhältnis 1:1 längsgestreift und zeigt in der Mitte des oberen Drittels das Wappen der Stadt.“
Städtepartnerschaften mini|Rue de Bad Laasphe in Châteauneuf-sur-Loire Tamworth (England), seit 10. Oktober 1980 Châteauneuf-sur-Loire (Frankreich), seit 28. September 1991
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr mini|Bahnhof Bad Laasphe Das Stadtgebiet wird von der Bundesstraße 62 von täglich etwa 11.000 Fahrzeugen durchquert. Aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens gibt es seit längerem Planungen für eine Ortsumfahrung. Die Umsetzung wurde von der Landesregierung ausgesetzt. Für 2016 ist eine neue, exaktere Verkehrszählung geplant, um den Fernverkehr sowie den Ziel- und Quellverkehr besser zu analysieren. Diese könnte neue Impulse für die Ortsumgebung bringen. Die Ortsumgehung soll das enge Tal südlich mit drei Tunneln und einigen Brückenbauwerken umgehen.
Weitere Landes- und Kreisstraßen führen von der Bundesstraße in die einzelnen Ortsteile und die benachbarten Gemeinden. Aus der Kernstadt sind dies beispielsweise die L 718 (nach Sassenhausen bzw. nach Hessen), die L 903 nach Richstein, die L 719 nach Walpersdorf, die K 33 nach Erndtebrück oder die K 36 (genannt „Armer Mann“) nach Hesselbach.
Einzige Schienenverkehrsstrecke im Stadtgebiet ist die Obere Lahntalbahn. Es gibt werktags einen Stundentakt nach Marburg und Erndtebrück. Der Bahnhof Bad Laasphe ist zentraler Verkehrsknotenpunkt. Neben den Gleisen halten alle Buslinien der Verkehrsgemeinschaft Westfalen-Süd an den Bussteigen und erschließen die umgebenden Orte. Dabei handelt es sich um die Linien SB 5 nach Siegen, R 30 nach Erndtebrück, R 31 nach Bad Berleburg, R 32 nach Mandeln, R 35 nach Wallau, L 182 zum Schloss Wittgenstein, A 380 nach Puderbach und zum Schloss Wittgenstein, A 381 nach Rittershausen sowie der Bürgerbus zum Wilhelmsplatz und nach Puderbach.
Des Weiteren gibt es Bahnhaltepunkte in Feudingen, Niederlaasphe und Oberndorf. Die Stationen Amtshausen und Bermershausen wurden bereits 1962, Amalienhütte 1978 aufgelassen. Bis 1996 wurden außerdem Saßmannshausen und Friedrichshütte bedient.
Im Mai 2016 kündigte der Zweckverband Personennahverkehr Westfalen-Süd an, ein Nachtbusangebot zunächst bis zum 31. Dezember 2016 als Markttest einzurichten. Die Busse des Versuchsangebotes verkehrten jeweils in den Nächten von Freitag auf Samstag und Samstag auf Sonntag zwischen Siegen, Erndtebrück und Bad Berleburg. In Bad Berleburg bestand direkter Anschluss an die Nachtbuslinie 8 nach Bad Laasphe. Das Angebot wurde wegen mangelnder Nachfrage eingestellt.
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