Freudenberg (mundartlich Dr Fläcke) ist eine Stadt im Kreis Siegen-Wittgenstein in Nordrhein-Westfalen. Sie liegt an der deutsch-niederländischen Ferienstraße Oranier-Route.

Geografie Geografie Freudenberg liegt im historischen Siegerland in hügeliger Mittelgebirgslandschaft zwischen 243 und 505 m Höhe über dem Meeresspiegel. Die Landschaft gehört größtenteils zum Freudenberger Bergland, das wiederum Bestandteil des Naturraums Siegerland ist. Das südliche Stadtgebiet gehört zum Höhenzug Giebelwald, in dem sich auch der 527 m hohe Giebelberg befindet. Obwohl dessen Spitze auf Niederfischbacher Gebiet liegt, bildet sein Hang an der Grenze zu Rheinland-Pfalz die höchste Stelle im Stadtgebiet Freudenbergs. Die 17 Stadtteile verteilen sich auf ca. 55 km² Fläche, die zu etwa zwei Dritteln aus Laub- und Fichtenwald bestehen. Das Klima im Stadtgebiet wird als atlantisch geprägt, wolken- und niederschlagsreich beschrieben. Die mittlere Jahrestemperatur beträgt 8 °C.

Die drei längsten Flüsse im Stadtgebiet sind die Asdorf, der Fischbach und die Alche. Der etwa 6,5 km lange Fischbach mündet westlich von Niederndorf in die Asdorf. Diese wiederum mündet nach 8,6 km im Stadtgebiet und einer Gesamtlänge von 20 km bei Kirchen in die Sieg. Die Alche entspringt nördlich von Bühl nahe der Grenze zum Kreis Olpe und fließt etwa 5 km im Stadtgebiet, bevor der Fluss sich über Seelbach nach Siegen und dort in die Sieg ergießt.

Nachbargemeinden Nachbargemeinden bzw. -städte von Freudenberg sind Wenden (Kreis Olpe), Siegen und Kreuztal (beide gehören zum Kreis Siegen-Wittgenstein) auf nordrhein-westfälischer Seite, sowie Friesenhagen, Harbach und Niederfischbach auf rheinland-pfälzischer Seite.

Ausdehnung des Stadtgebiets Der östlichste Stadtteil ist Niederholzklau, er liegt nur etwa einen Kilometer vom Siegener Stadtteil Langenholdinghausen entfernt. Nördlich von Niederholzklau liegt mit Oberholzklau der nördlichste Stadtteil. Im Süden liegt Niederndorf, etwa zwei Kilometer von der Grenze zu Rheinland-Pfalz und Oberschelden entfernt. Im Westen liegt Mausbach, direkt an der Grenze zum Friesenhagener Ortsteil Gerndorf im Landkreis Altenkirchen. Dieser Stadtteil ist der westlichste bebaute Teil Freudenbergs; die dort unbebaute Gemarkung Plittershagens südlich davon reicht etwa einen halben Kilometer weiter.

Stadtgliederung Freudenberg besteht aus 17 Stadtteilen (in Klammern die Einwohnerzahlen): mini|hochkant=1.5|Stadtgliederung Alchen (1857) Bottenberg (251) Bühl (413) Büschergrund (3367) Dirlenbach (340) Freudenberg (5260) Heisberg (183) Hohenhain (454) Lindenberg (868) Mausbach (156) Niederheuslingen (404) Niederholzklau (160) Niederndorf (1720) Oberfischbach (961) Oberheuslingen (913) Oberholzklau (669) Plittershagen (421)

Geschichte mini|Freudenberg, Luftaufnahme (2020) mini|Freudenberg (türkis) an der Uerdinger Linie, der Sprachgrenze zum niederdeutschen Sauerland Die ältesten Stadtteile sind wahrscheinlich die bereits im 11. und 13. Jahrhundert urkundlich erwähnten Oberholzklau (1079) und Niederholzklau (1256). Freudenberg ist als Amts- und Gerichtssitz seit Anfang des 15. Jahrhunderts belegt. Der Ort und die Burg Freudenberg wurden 1389 erstmals urkundlich erwähnt.

Die Burg wurde über dem Weibetal mit einer Siedlung von den Grafen von Nassau als westlicher Eckpfeiler ihres Gebietes gegründet. Johann der IV., Graf von Nassau, Vianden und Diez, gab am 7. November 1456 den Bürgern von Freudenberg ihre Freiheitsrechte. Dieser Freiheitsbrief von 1456 wird heute als Hinweis auf die Verleihung der Stadtrechte angesehen. Urkunden geben Hinweise darauf, dass Freudenberg sehr früh als „Flecken“ gegründet worden ist. Der historische Stadtkern trägt heute noch den Namen „Alter Flecken“.

Im Jahre 1540 wurden die Burg und die Siedlung durch einen Brand erheblich in Mitleidenschaft gezogen. Auf Anordnung Wilhelms des Reichen entstand um die Mitte des 16. Jahrhunderts eine neue städtische Bebauung. Der Flecken bekam eine Umwehrung mit vier Toren. Im Nordwesten entstand das Hohenhainer Tor, im Nordosten das Weihertor, im Südosten das Braastor und im Südwesten das Schultor. Durch einen zweiten Brand, ausgelöst durch einen Blitzschlag am 9. August 1666, wurde die Stadt erneut verwüstet. Nur ein Haus (Kölner Str. 3) blieb unversehrt und ist daher das älteste Haus Freudenbergs. Fürst Johann Moritz von Nassau-Siegen baute den Flecken auf den weitgehend unveränderten Grundrissen von 1540 wieder auf. Die Burg wurde ausgespart, daher sind von ihr heute nur noch Mauerreste zu sehen.

Am 18. März 1588 ereignete sich ein Überfall von über 100 bewaffneten Sauerländern auf zwei Freudenberger Gaststätten. Bereits 1597 wurde der Hof Herlingen erwähnt. Er bestand bis um 1780.

mini|hochkant=0.6|Wappen des Amtes Freudenberg Am 8. September 1796 wurde in Freudenberg die französische Kriegskasse bei einem spektakulären Raub entwendet. Freudenberg war eine der Hochburgen der Leimsiederei im Siegerland.

Eingemeindungen Am 1. Januar 1969 wurden durch das Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Siegen die bis dahin selbständigen Gemeinden Alchen, Bottenberg, Bühl, Büschergrund, Dirlenbach, Heisberg, Hohenhain, Lindenberg, Mausbach, Niederheuslingen, Niederholzklau, Niederndorf, Oberfischbach, Oberheuslingen, Oberholzklau und Plittershagen eingegliedert. Die meisten Orte gehörten schon vorher zum Amt Freudenberg.

Einwohnerentwicklung Amtliche Einwohnerzahlen der Stadt Freudenberg seit ihrer Gründung

Jahr Einwohner 1969 13.979 1970 14.294 1971 14.588 1972 14.898 1973 15.182 1974 15.341 1975 15.346 1976 15.354 1977 15.518 1978 15.579 1979 15.732 Jahr Einwohner 1980 15.844 1981 16.058 1982 15.950 1983 16.010 1984 16.062 1985 16.081 1986 16.146 1987 16.469 1988 16.495 1989 16.731 1990 17.079 Jahr Einwohner 1991 17.529 1992 17.859 1993 17.935 1994 18.011 1995 18.094 1996 18.187 1997 18.227 1998 18.168 1999 18.232 2000 18.328 2001 18.315 Jahr Einwohner 2002 18.352 2003 18.477 2004 18.563 2005 18.562 2006 18.601 2007 18.570 2008 18.556 2009 18.392 2010 18.392 2011 18.349 2021 17.677

Die Einwohnerzahlen der Kernstadt: Jahr Einwohner 1563 237 1740 351 1818 618 1830 667 1843 867 1858 967 Jahr Einwohner 1871 1.086 1885 1.595 1895 1.761 1905 2.137 1910 2.047 1925 2.213 Jahr Einwohner 1933 2.371 1939 2.488 1946 3.409 1950 3.694 1961 4212 1967 4.574 Jahr Einwohner 1994 5.169 2000 4.938 2011 5.022

Politik

Gemeinderat mini|Rathaus von Freudenberg Die 34 Sitze des Stadtrats verteilten sich nach den vergangenen Kommunalwahlen wie folgt: Jahr SPD CDU Grüne FDP AlternativeListe Gesamt 2025 13 13 4 4 – 34 2020 14 11 6 3 – 34 2014 14 12 3 2 3 34 2009 12 14 2 2 2 34

Bürgermeister Der spätere Oberstadtdirektor von Bielefeld und Duisburg, Herbert Krämer, war in den frühen 1960er Jahren Bürgermeister. Von 1969 bis 1989 war Hermann Vomhof (1929–2009, SPD) und von 1989 bis 1991 Heinrich Hubbert (CDU) Inhaber des Amtes. Von 1991 bis zur Installierung eines nunmehr hauptamtlichen Bürgermeisters im Jahr 1998 war dann erneut Vomhof oberster Verwaltungschef.

1999 übernahm Eckhard Günther (CDU) das Rathaus von Freudenberg, seine Amtszeit endete am 20. Oktober 2015. Abgelöst wurde er von Nicole Reschke (SPD), die Ende September 2015 die Stichwahl gegen Heide Batz (CDU) gewann und bei der Wahl 2020 deutlich in ihrem Amt bestätigt wurde. Auch bei der Kommunalwahl 2025 wurde sie mit einem Stimmenanteil von 54,0 % im Amt bestätigt.https://wahlen.kdvz.nrw/production/kw2025/05970016/praesentation/ergebnis.html?wahl_id=247&stimmentyp=0&id=ebene_3_id_152 Wahl des/der Bürgermeisters/in in der Stadt Freudenberg, Amtliches Endergebnis

Finanzen Die Schulden der Stadt Freudenberg lagen zum 31. Dezember 2025 bei 29.808.000 EuroGesamthaushalt Freudenberg 2025, Jahresrechnung. Dies entsprach einer Pro-Kopf-Verschuldung von 1.734 Euro je Einwohner. Als eine der ersten Kommunen in Deutschland führte Freudenberg für den Bereich der städtischen Finanzen aus freien Stücken eine sogenannte Nachhaltigkeitssatzung ein, mit der die Stadt finanzielle Belastungen künftiger Generationen mindern und ihre Schulden abbauen will.

Wappen und Banner mini|hochkant=0.45|Banner Stadt Freudenberg

Städtepartnerschaften Freudenberg unterhält seit 1989 eine aus einem Jugendaustausch entstandene Städtepartnerschaft mit der ungarischen Stadt Mór.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Der „Alte Flecken“, Freudenbergs historischer Stadtkern mini|Mittelstraße in Freudenberg mini|Kleiner Wasserfall unweit des Asdorfer Weihers In der Südwestfälischen Freilichtbühne Freudenberg werden in einer Wald- und Felsenkulisse jedes Jahr zwei neue Inszenierungen für Kinder und Erwachsene aufgeführt. Die Zuschauertribüne ist überdacht. Jährlich besuchen etwa 50.000 Besucher die Freilichtbühne.

Das Stadtmuseum mitten im historischen Stadtkern „Alter Flecken“ stellt Exponate zur Stadt- und Wirtschaftsgeschichte aus, darunter die Uhrensammlung des Freudenberger Uhrmachers Stahlschmidt. Das Technikmuseum an der Olper Straße zeigt Ausstellungsstücke aus der Gewerbe- und Industriegeschichte der Region. Eine funktionierende Dampfmaschine aus dem Jahr 1904 und eine historische, über Transmission angetriebene Maschinenwerkstatt bilden dabei das Herzstück der Sammlung. Gezeigt werden zudem historische Fahrzeuge aller Art.

Bauwerke

Der „Alte Flecken“ ist die ganz in Fachwerkbauweise errichtete Innenstadt Freudenbergs. Sie gibt einen Eindruck von einer Kleinstadt aus dem 17. Jahrhundert. Der Alte Flecken wurde in den Kulturatlas des Landes Nordrhein-Westfalen als „Baudenkmal von internationaler Bedeutung“ aufgenommen; es existiert kein vergleichbarer historischer Stadtkern in Fachwerkbauweise. Die Evangelische Kirche wurde, nachdem 1585 Freudenberg selbständige Pfarrei geworden war, 1602–1606 als Wehr- und Schutzkirche errichtet. Der Glockenturm und ein Mauerrest am Schlossberg sind die einzigen Zeugnisse der früheren Burganlage. Die Kirche in Oberholzklau, Anfang des 13. Jahrhunderts erbaut, ist eine sehenswerte romanische Kirche mit einem deutlich sichtbaren Übergang zur Gotik. Das danebenliegende Pfarrhaus aus Fachwerk stammt aus dem Jahr 1608. Es ist das älteste Pfarrhaus der Ev. Kirche von Westfalen. Sehenswert ist auch die St.-Marien-Kirche mit Glasarbeiten von Georg Meistermann.

Filmkulisse Der Ort diente unter anderem dem Film LiebesLuder von Detlev Buck als Sinnbild der wohlanständigen, spießigen Kleinstadt, in der es hinter den Fassaden „stinkt“. Auch für den Film Lupo und der Muezzin (Diana Film, München) wurde der Ort als Filmkulisse genutzt. Teile des Ortes, u. a. das örtliche Bethesda-Krankenhaus, bildeten den Spielort für den Kinofilm Jakobs Bruder mit Christoph Maria Herbst und Klaus J. Behrendt. Hinzu kommen 2019 entstandene Aufnahmen für Das Lied des toten Mädchens von Torben Liebrecht mit Felix Herzogenrath und Lara Mandoki.

Schutzausweisungen für die Natur Es gibt insgesamt 26 Naturdenkmäler in der Stadt, etwa die über 650 Jahre alte, 30 Meter hohe Bärenwaldeiche. Weiterhin sind im Stadtgebiet 12 Naturschutzgebiete ausgewiesen, von denen die Schutzgebiete Kirrberg, Asdorfer Weiher, Plittersche, Rödersche, Süselberg, das Uebachtal und Wending- und Peimbachtal als Beispiele genannt seien. Ferner wurden mit dem Eulenbruchswald (NSG Seelbachs- und Eulenbruchswald) sowie Heiden und Magerrasen Trupbach (NSG Kirrberg) zwei FFH-Gebiete ausgewiesen.

Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Die Stadt wird von Norden nach Südosten von der A 45 durchquert. Bis 1983 existierte auch eine Anbindung über die Biggetalbahn von Kirchen nach Olpe im Norden und über die Asdorftalbahn nach Betzdorf im Süden. Heute sind weite Teile der ehemaligen Trasse zu Bahnradwegen umgestaltet oder mit Erde verfüllt worden.