Hilchenbach (mundartlich Helchemich) ist eine Stadt in Nordrhein-Westfalen, Deutschland. Sie gehört zum Kreis Siegen-Wittgenstein.

Geografie Geografische Lage mini|alternativtext=|Hilchenbacher Ortsteile mini|Abriss des Fleckens Hilchenbach im Jahre 1772 (Ausschnitt) mini|Fachwerkhäuser in Hilchenbach Hilchenbach liegt innerhalb des Siegerlands im Südwestteil des Rothaargebirges. Sein Stadtgebiet grenzt im Süden an Netphen, im Westen an Kreuztal, im Norden an Kirchhundem und im Osten an Erndtebrück.

Das größte Fließgewässer der Stadt ist die Ferndorf, ein Nebenfluss und hydrologisches Quellgewässer der Sieg. Die durchschnittliche Höhe des Stadtgebiets beträgt , mit bildet der Berg Riemen die höchste Erhebung im Stadtgebiet und im Siegerland.

Stadtgliederung Hilchenbach besteht aus diesen Stadtteilen:

Geschichte Die erste urkundliche Erwähnung von Hilchenbach geht auf den 17. Juni 1292 zurück, als der Ort „Heylichinbach“ in einer Schenkungsurkunde der Gräfin Agnes von Nassau und ihrem ältesten Sohn Heinrich an das Kloster Keppel genannt wird.Siegener Urkundenbuch Band I, Siegen, 1887, S. 39, Nr. 63. Es gibt allerdings Hinweise, dass eine Kirche in diesem Gebiet schon zwischen den Jahren 950 und 1000 vom Kloster Corvey aus gegründet worden ist, was auf eine Siedlung schließen lässt.

In einer Urkunde vom 20. Juli 1365 wird ein Festes Haus (Wilhelmsburg) im Hilchenbach erwähnt, mit dem von 1489 bis 1622 die Adeligen Wischel von Langenau belehnt waren.

Im Jahre 1466 verfügte Hilchenbach über 47 Häuser und etwa 300 Einwohner. Von 1467 datiert die erste schriftlich überlieferte Erwähnung von Amt und Gericht Hilchenbach. Umfasst waren davon folgende Siedlungen: Hilchenbach, Lützel, Oberndorf, Hadem, Helberhausen, Grund, Vor dem Wald, Watzenseifen, Alte Bruch, Siebelnhof, Hickebruch, Schreiberg, Sterzenbach, Haarhausen, Stöcken, Allenbach, Schloß Ginsburg, Hof Wehbach, Müsen, Dahlbruch, Schweisfurth und Winterbach.

In den Jahren 1490 und 1547 wütete die Pest in Hilchenbach. Die erste Nennung einer Zollstelle in Hilchenbach erfolgte 1533. 1611 ist die erste urkundliche Erwähnung einer Schule in Hilchenbach zu verzeichnen.

1625 wurde das Dorf Hilchenbach infolge einer Erbteilung zur Residenz von Graf Wilhelm von Nassau-Siegen-Hilchenbach erhoben. Sein Vater hatte 1622 zu diesem Zweck die Hilchenbacher Wasserburg von den Wischel von Langenau erworben, da sich die Ginsburg als baufällig erwiesen hatte.Menn, Walter: Hilchenbach, ein geschichtlicher Überblick. Festschrift zur 250-Jahrfeier der Stadt. Hilchenbach 1937, hier S. 24ff. Sie wurde nun nach ihrem neuen Besitzer in Wilhelmsburg umbenannt und bis 1627 baulich erweitert. Diese Entwicklung hob Hilchenbach in der Folge deutlich über die anderen Dörfer seiner Umgebung heraus und prägte auch die Zusammensetzung seiner Bewohnerschaft.

Hilchenbach war 1520–1653 von Hexenverfolgungen betroffen: 21 Frauen und Männer gerieten in Hexenprozesse. Der letzte Hexenprozess fand 1653 statt. Dabei wurden unter dem Vorsitz des Schultheißen Theobald Stalp 18 Personen (14 Frauen und vier Männer) wegen Abgötterei und Zauberei zum Tode verurteilt. Anschließend wurden zehn verbrannt, die restlichen dagegen lediglich enthauptet und zur Erde bestattet, weil sie gütlich ihre Schuld bekannt haben. Opfer der letzten Verbrennung am 28. Juni 1653 wurde Engen, Jacob Steinseifers zu Blittershagen, Wittwe, vulgo die Steinseifersche oder die Klöncksche genannt. Der Rat der Stadt Hilchenbach beschloss am 25. Mai 2011, die Opfer der Hilchenbacher Hexenverfolgungen moralisch-sozialethisch zu rehabilitieren.Rat der Stadt Hilchenbach Vorlage Nr. 252.

Nach dem Tode Graf Wilhelms 1642 fiel das Amt an seinen Bruder, den berühmten Graf Johann Moritz, den „Brasilianer“, der es an seinen Neffen Graf Wilhelm Moritz von Nassau-Siegen vererbte. Dieser begann 1682, in Hilchenbach eine Sommerresidenz einzurichten, und in diesem Zusammenhang wurde das Dorf am 1. Mai 1687 zu einem Flecken erhoben. Mit dem großen Brand am 1. Mai 1689, der die Wilhelmsburg und fast die gesamte Siedlung einäscherte, und dem Tod des Grafen 1691 brach die enge Verbindung Hilchenbachs mit der höfischen Welt weitgehend ab. Das nach dem Brand nur unvollständig wiedererrichtete Schloss wurde in der Folge zu einem Amtssitz.

Am 24. Mai 1824 erhielt der Flecken das Stadtrecht.Siegerländer Heimatkalender 1990, S. 14, 65. Ausgabe, Hrsg. Siegerländer Heimat- und Geschichtsverein e. V., Verlag für Heimatliteratur.

Bei einem Großbrand wurden am 26. April 1844 in Hilchenbach 42 Gebäude durch Feuer vernichtet.

Bundesweite Bekanntheit erreichte Hilchenbach 2010 durch den Prozess und die anschließende Verurteilung von vier Mitarbeitern des städtischen Bauhofs, die einen Kollegen jahrelang gequält, gemobbt und verletzt hatten. Auch die auf dem Bauhof herrschenden Zustände standen in der Kritik.

Im Dezember 2016 brach ein Brand im Deutschen Hof aus und zerstörte den Fachwerkkomplex stark. Die Fachwerkfront wurde eingelagert und kann bei einem Wiederaufbau genutzt werden.

Seit 2018 ist Hilchenbach wieder ein Luftkurort, nachdem es seit 1972 zunächst die Kriterien nach dem Kurortegesetz nicht mehr erfüllen konnte. Hauptgrund hierfür waren die bis 1989 im Stadtzentrum produzierenden Lederwerke.

Ortsname Es liegt der althochdeutsche Frauenname Heilicha mit dem Grundwort -bach zugrunde. Der Ortsname war ursprünglich ein Gewässername. Der Hilchenbach findet sich im Westen der Ortschaft Hilchenbach.

Eingemeindungen Am 1. Januar 1969 wurden das Amt Keppel (bis 1917 Amt Hilchenbach) aufgelöst und die dazugehörenden Gemeinden Allenbach, Dahlbruch, Grund, Hadem, Helberhausen, Lützel, Müsen, Oberndorf, Öchelhausen, Ruckersfeld und Vormwald im Zuge der Gebietsreform zur neuen Stadt Hilchenbach zusammengeschlossen.

Einwohnerentwicklung

(Stand jeweils am 31. Dezember, Einwohner mit Hauptwohnsitz.)

Quelle: Landesdatenbank NRW, abgerufen am 2. April 2017Landesdatenbank NRW, abgerufen am 2. April 2017.

Politik Rat der Stadt Die Sitze des Rates der Stadt Hilchenbach verteilen sich nach den Kommunalwahlen seit 2004 folgt:

SPD UWG CDU GRÜNE FDP LINKE Der III. Weg Freie Wähler Einzelbewerber Gesamt202510492221203220201258321––132 2014https://wahlen.kdvz-frechen.de/kdz/kwew2014/05970020/index.htm. 15 8 8 5 3––– 1 40 2009 11 10 8 5 4––– 0 38 2004 10 11 8 5 4––– 0 38

Die SPD-Fraktion verlor im Laufe der Wahlperiode ab 2014 zwei Sitze durch Fraktionsaustritte. Die zwei ehemaligen SPD-Stadtverordneten schlossen sich zunächst zu einer neuen Fraktion mit dem Namen Fraktion 2.0 zusammen, ab 1. Januar 2018 dann der Partei Die Linke an.

Seit der Kommunalwahl 2020 besteht der Rat aus 32 Mitgliedern. Die Wahlbezirke wurden im Vorfeld von 19 auf 16 reduziert.

Bürgermeister Zum Bürgermeister gewählt wurde 2020 in der Stichwahl Kyrillos Kaioglidis (parteilos) mit 64,49 Prozent der Stimmen. Bei der Kommunalwahl 2025 wurde er ohne Mitbewerber mit 86,47 Prozent der gültigen Stimmen im Amt bestätigt.

Sein Vorgänger war Holger Menzel (parteilos). Er folgte dem zuvor seit 2004 amtierenden Hans-Peter Hasenstab (ebenfalls parteilos) nach, der am 30. August 2009 mit 78,82 % gegen Herausforderer Hans-Georg Ballbach (CDU) im Amt bestätigt wurde.

Ehemalige Bürgermeister Sechs Jahre zwischen 1952 und 1964: Moritz Weiss († 16. September 1992)Den Toten ein ehrendes Gedenken, Siegerländer Heimatkalender 1993, S. 39, 68. Ausgabe, Hrsg. Siegerländer Heimat- und Geschichtsverein e. V., Verlag für Heimatliteratur. 1980er Jahre (Wiederwahl zu dritten Amtszeit am 17. Oktober 1989): Paul Roth (SPD)Siegerländer Chronik vom 1. September 1989 bis 31. August 1990, Siegerländer Heimatkalender 1991, S. 174, 66. Ausgabe, Hrsg. Siegerländer Heimat- und Geschichtsverein e. V., Verlag für Heimatliteratur.

+ Bürgermeister bzw. Stellv. Bürgermeister der Stadt Hilchenbach – ehrenamtlich Amt Amtszeit Dauer Name, Vorname Bürgermeister 1979–1999 20 Jahre Roth, Paul Bürgermeister, 1. Stellv. 10/1989–09/1999 10 Jahre Klaus, Wilhelm-Friedrich Bürgermeister, 1. Stellv. 09/1999–09/2004 5 Jahre Klein, Manfred Bürgermeister, 1. Stellv. 10/2004–06/2009 5 Jahre Hoffmann, Rudolf Bürgermeister, 1. Stellv. 10/2009–10/2020 11 Jahre Stötzel, Klaus Bürgermeister, 1. Stellv. 11/2020–10/2025 5 Jahre Kemper, Olaf Bürgermeister, 1. Stellv. seit 11/2025 Klotz, Torsten Bürgermeister, 2. Stellv. 10/1989–10/1994 5 Jahre Haberkamm, Uwe Bürgermeister, 2. Stellv. 10/1994–09/1999 5 Jahre Klein, Manfred Bürgermeister, 2. Stellv. 10/1999–05/2004 4,5 Jahre Weber, Wolfgang Bürgermeister, 2. Stellv. 06/2004–09/2004 1/4 Jahre Siemann, Gerda Bürgermeister, 2. Stellv. 10/2004–09/2009 5 Jahre Stötzel, Klaus Bürgermeister, 2. Stellv. 10/2009–06/2014 5 Jahre Six, Birgit Bürgermeister, 2. Stellv. 07/2014–10/2020 6 Jahre Kemper, Olaf Bürgermeister, 2. Stellv. seit 11/2020 Thomas, Jan Oliver

+ Stadtdirektoren bzw. Bürgermeister der Stadt Hilchenbach – hauptamtlich Amt Amtszeit Dauer Name, Vorname Stadtdirektor 1968–1986 18 Jahre Mahrenholz, Hans Christhard Stadtdirektor 03/1986–03/1999 13 Jahre Bell, Wolfgang Bürgermeister 09/1999–09/2004 5 Jahre Schlabach, Günter Bürgermeister 10/2004–10/2015 11 Jahre Hasenstab, Hans-Peter Bürgermeister 10/2015–10/2020 5 Jahre Menzel, Holger Bürgermeister seit 11/2020 Kaioglidis, Kyrillos

Hilchenbacher Vertreter im Kreistag Seit der Kommunalwahl 2025 vertreten die beiden direkt gewählten Kreistagsmitglieder André Jung (CDU) und Anke Blecher (SPD) die Hilchenbacher Interessen im Kreistag Siegen-Wittgenstein.

Wappen und Banner mini|321x321px|Banner der Stadt Hilchenbach

Städtepartnerschaften Seiffen/Erzgeb. Bellegra in der italienischen Region Latium, Kulturabkommen. Ruinen (Niederlande), Partnerschaftsvertrag vom 21. Mai 1965Zurückgeblättert..., Siegener Zeitung vom 28. Mai 2011.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Musik Alt-Hilchenbach ist Sitz des Sinfonieorchesters Philharmonie Südwestfalen, das 1957 als „Siegerland-Orchester“ (und deutsches Nachwuchsorchester) ins Leben gerufen wurde. Es trägt im Untertitel den Namen Landesorchester Nordrhein-Westfalen. Chefdirigent seit 2019 ist Nabil Shehata. Des Weiteren gibt es diverse Musikvereine, Spielmannszüge sowie Chöre.

In seinem Dust-Music-Studio produzierte Željko Topalović insbesondere in den 1990er Jahren etliche Musikalben für seine Plattenfirma 1MF Recordz, beispielsweise Sacrosancts Recesses for the Depraved und Tragic Intense, sowie zahlreiche weitere Werke überregional bekannter Metal-Bands wie unter anderem Assorted Heap, Torchure, Megace, Blood oder Infinite Horizon. Zum Repertoire zählen aber auch nicht zum Verlag gehörende Gruppen wie etwa Die Quietschboys aus Frankfurt am Main.https://www.discogs.com/de/label/321585-Dust-Music-Studio.

Theater Im Stadtteil Dahlbruch befindet sich das „Gebrüder Busch Theater“, das auch von einem privaten Anbieter als „Viktoriakino“ genutzt wird. Hier findet auch das 6010 Film- und Videofestival statt. Das Wirken der Siegerland-Wittgensteiner Künstlerfamilie Busch erfährt durch den „Gebrüder Busch Kreis“ eine besondere Würdigung.

Museen Im Stadtmuseum in der Wilhelmsburg kann man sich über Heimatgeschichte und in wechselnden Ausstellungen zu geschichtlichen, kulturellen oder künstlerischen Themen im Zusammenhang mit Hilchenbach informieren. Im Bergbaumuseum in Müsen werden die Funde aus dem Ausgrabungsgebiet Altenberg und der mehrhundertjährigen Bergbautradition im Müsener Revier ausgestellt.Stahlbergmuseum Müsen. Zudem ist ein Besucherstollen vorhanden.Besucherbergwerk. Im Landwirtschaftsmuseum in Hadem hat der Besucher Einblick in alte Siegerländer Landwirtschaftsvorgänge sowie in das harte Leben in Uromas Zeiten (18. Jh.). Zu sehen sind hier eine Bauernküche und diverse Milchverarbeitungsgeräte. Jedes Jahr gibt es das „große Dreschfest“.Landwirtschaftsmuseum Hadem.