ohne|130px|Flagge Tristan da Cunhasohne|100px|Wappen Tristan da Cunhas Flagge Wappen Währung Pfund Sterling Zeitzone UTC±0 ISO 3166-2 SH-TA Internet-TLD .sh Telefonvorwahl +290 8+27 (Gough-Insel) Tristan da Cunha (englisch [], portugiesisch []) ist eine Inselgruppe im südlichen Atlantischen Ozean, zu der neben der gleichnamigen 98 Quadratkilometer großen Hauptinsel Tristan da Cunha noch weitere, kleinere Inseln gehören. Auf der Hauptinsel, die als die abgelegenste bewohnte Insel der Welt gilt, leben 222 Einwohner (Stand August 2026) im einzigen Ort Edinburgh of the Seven Seas. Die Inselgruppe bildet mit der Insel St. Helena und der Insel Ascension das Britische Überseegebiet St. Helena, Ascension und Tristan da Cunha und ist dort eine gleichberechtigte Einheit.

Geographie Tristan da Cunha liegt im Südatlantik etwa 3200 km vom Cabo Frio in Brasilien sowie 2800 km vom Kap der Guten Hoffnung in Südafrika entfernt und ist Teil des Mittelatlantischen Rückens. Zum Archipel Tristan da Cunha gehören auch die 399 km in südsüdöstlicher Richtung gelegene Gough-Insel mit einer bemannten Wetterstation sowie die 33 km südwestlich gelegenen, unbewohnten Inseln Inaccessible Island, Nightingale Island, Middle Island und Stoltenhoff Island. Nightingale, Middle und Stoltenhoff werden häufig als Nightingale Islands zusammengefasst.

hochkant=1.4|mini|Lage und Inseln

InselFläche[km²]EinwohnerTristan da Cunha98270Gough Island65<6Inaccessible Island14unbewohntNightingale Island2,6Middle Island0,2Stoltenhoff Island0,2

Klima In Tristan da Cunha herrscht ein gemäßigtes, ozeanisch ausgeglichenes Klima mit regelmäßigen Niederschlägen, die über das ganze Jahr verteilt sind. Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt durchschnittlich etwa 1680 Millimeter. Das Klima in Edinburgh ist durch die hohe Luftfeuchtigkeit geprägt. Zudem erreichen regelmäßig Stürme das Land, die der feuchten Luft Auftrieb geben, so dass sich beständige Wolken bilden. Es wird selten wärmer als 25 °C; Frost gibt es nur in den Hochlagen.

Geologie Die Hauptinsel Tristan da Cunha ist die kegelförmige Spitze eines mächtigen untermeerischen Vulkans, der im 2060 Meter hohen Queen Mary’s Peak und im 1967 Meter hohen Mount Olav, den beiden höchsten Erhebungen des Kraterrandes, gipfelt. Geologisch interessant ist die Entwicklung der Vulkanketten im Südatlantik: In der Vergangenheit lag der Hotspot genau auf der Spreizungsachse des Mittelatlantischen Rückens. Dabei wurden auf südamerikanischer Seite die Paraná- und auf afrikanischer Seite die Etendeka-Flutbasalte gebildet. Verfolgt man die Vulkanketten des Walfischrückens und des Rio-Grande-Rückens in der Geschichte zurück, ergeben sich im Verlauf der Öffnung des Atlantiks zwei annähernde Geraden, welche sich in einem Winkel von etwa 120° bei Tristan da Cunha treffen. Somit kann man an diesem Beispiel gut sehen, dass es einen großen Unterschied zwischen der relativen und der absoluten Plattenbewegung gibt.

Die relative Plattenbewegung erfolgt rechtwinklig zum Mittelozeanischen Rücken, das heißt, die Afrikanische Platte bewegt sich nach Osten und die Südamerikanische Platte nach Westen. Absolut bewegt sich die Afrikanische Platte jedoch nach Nordosten und die Südamerikanische Platte nach Nordwesten, wodurch der Winkel, den die Vulkankette beschreibt, erklärt werden kann.

Geschichte Gründung Nach der Entdeckung durch den portugiesischen Seefahrer Tristão da Cunha im Jahr 1506 blieb die Insel zunächst lange Zeit unbewohnt. Nach mehreren niederländischen Landungen und Expeditionen auf der Insel Mitte des 17. Jahrhunderts wurde Tristan da Cunha erstmals im Sommer 1790/91 für längere Zeit bewohnt. US-amerikanische Walfänger, die hier sieben Monate lang Robben und Pinguine erbeuteten, bauten in dieser Zeit eine Basis aus Zelten auf der Insel auf, die sich etwa auf der Position der heutigen Siedlung befand.tristandc.com: History : Discovery & Early History 1506–1817.

mini|Jonathan Lambert Der erste Siedler, der die Insel dauerhaft bewohnte, war der aus Salem, Massachusetts, stammende Jonathan Lambert, der gemeinsam mit zwei Begleitern plante, auf Tristan da Cunha einen wichtigen Handelsstützpunkt für Walfänger im Südatlantik zu errichten. Die Gruppe landete im Jahr 1810 auf der Insel. Kurz darauf erklärte sich Lambert zum „King of Tristan da Cunha“ („König von Tristan da Cunha“) und veröffentlichte am 18. Juli 1811 in der Tageszeitung Boston Gazette eine Mitteilung, in der er seine Besitznahme der Inseln erklärte und diese dabei in Islands of Refreshment (deutsch Inseln der Erfrischung oder Erfrischungsinseln) umbenannte.Erfrischungsinseln, in: Pierer’s Universal-Lexikon, Band 5, Altenburg 1858, S. 842–843. Lambert starb nach Überlieferungen allerdings bereits am 17. Mai 1812.Arnaldo Faustini: The Annals of Tristan da Cunha, S. 17 (). Da der einzige Überlebende von Lamberts Begleitern, Tommaso Curri, den nachfolgenden Siedlern keine klare Schilderung lieferte, ist Lamberts Tod bis heute nicht komplett überliefert und aufgeklärt. Es haben sich daher auf der Insel zahlreiche Legenden gebildet. Alle verbreiteten Darstellungen sprechen von einem Tod auf See, allerdings sind die genauen Umstände nicht geklärt.

Am 14. August 1816 nahm eine britische Garnison, die mit der HMS Falmouth auf der Insel gelandet war, Tristan da Cunha in Besitz und errichtete die militärische Basis Fort Malcolm. Hauptziel der britischen Garnison war, die Befreiung des auf St. Helena internierten Napoleon Bonaparte durch die Franzosen zu verhindern, die die Insel dazu ebenfalls als Basis hätten nutzen können. Zudem sollten US-amerikanische Schiffe die Insel nicht mehr wie im Britisch-Amerikanischen Krieg 1812–1814 als Basis nutzen können.

Die Admiralität, das britische Marineministerium, sah bereits 1817 eine deutlich geringere strategische Bedeutung der Insel, so dass die Garnison bereits im selben Jahr abzog. Zudem sank einige Monate vor dem Abzug das Schiff HMS Julia vor Tristan da Cunha, wobei 55 Menschen ums Leben kamen.

Nach dem Abzug blieben nur der schottische Korporal William Glass mit seiner Familie sowie zwei Engländer aus Plymouth, die als Steinmetze bei der Erbauung der Infrastruktur mitgearbeitet hatten, auf der Insel zurück. Sie unterzeichneten ein Abkommen, das allen Einwohnern der Gemeinde gleiche Rechte zukommen ließ. Unter anderem sollten alle Einnahmen und Ausgaben zu gleichen Teilen aufgeteilt werden und komplette Gleichberechtigung herrschen.tristandc.com: History: A Growing Community – 1817–1853.

Wachstum und Entwicklung mini|Bevölkerungsentwicklung von 1821 bis 1923

Am 22. Juli 1821 lief das Schiff Blenden Hall vor Inaccessible Island auf Grund. Bis auf zwei Personen überlebten alle der 84 Passagiere und der Crew. Nachdem die Überlebenden mehrere Monate auf Inaccessible verbracht hatten, gelang ihnen im zweiten Versuch die Überfahrt mit einem Segelboot Richtung Tristan da Cunha. Die Bewohner der Siedlung waren auf den Unfall aufmerksam geworden und brachten die Überlebenden an Land. Allerdings blieben nur sieben der Überlebenden auf der Insel, der Rest wurde kurze Zeit später mit der Brigg Nerinae nach Kapstadt gebracht.The South Atlantic and Subantarctic Islands:

Die Bevölkerung des Ortes wuchs aufgrund seiner Abgeschiedenheit nur langsam. Nur wenige der auf der Insel gestrandeten Personen oder Walfänger blieben dort dauerhaft, die meisten verließen die Insel nach einiger Zeit wieder Richtung Kapstadt. Auch Inselbewohner verließen gelegentlich Tristan da Cunha nach Südafrika, meist reisten sie dabei in größeren Gruppen. So siedelten etwa im Oktober 1857 mit der HMS Geyser 47 Einheimische in die Nähe von Kapstadt über, wobei die Bevölkerung in Edinburgh auf 23 sank.Arnaldo Faustini: The Annals of Tristan da Cunha, S. 32 ().

Als Folge des Rückgangs der Walfangindustrie und der Eröffnung des Suezkanals 1869, der eine deutlich schnellere Verbindung nach Fernost ermöglichte als der Weg über den Südatlantik und um das Kap der guten Hoffnung, stieg die Isolation Tristan da Cunhas in den 1860er Jahren deutlich an. Immer weniger Schiffe machten auf der Insel Station.tristandc.com: History: Isolation and hardship – 1853–1942.

Am 5. August 1867 landete die HMS Galatea während einer Weltreise vor Tristan da Cunha, deren Kommandant Prince Alfred von den Inselbewohnern zunächst auf dem Schiff empfangen und dann zu einem Besuch der Siedlung an Land gebracht wurde. Er ließ zudem eine große Menge an Waren vom Schiff auf die Insel liefern. Nach seiner Abreise schlug der Ortsvorsteher Peter Green vor, die Siedlung zu Ehren Prince Alfreds, der den Titel eines Duke of Edinburgh führte, Edinburgh zu nennen. Mit 105 Einwohnern wurde 1881 die bis dahin höchste Bevölkerung des Ortes aufgezeichnet.

Im Jahr 1885 wurden durch das Lifeboat Disaster genannte Unglück 15 von 19 männlichen erwachsenen Bewohnern der Insel getötet: Da in diesem Jahr die Kartoffelernte ausgefallen war, brachen trotz schlechten Wetters am 8. November 1885 jene 15 Männer in einem Langboot auf, um mit dem zu diesem Zeitpunkt an der Insel vorbei segelnden Schiff West Riding im Tauschhandel Nahrungsmittel zu erhalten. Nachdem das Boot die Landspitze Big Point umrundet hatte, wurde es nicht mehr gesehen. Höchstwahrscheinlich kenterte das Boot in der rauen See und alle Insassen ertranken.

Im Ersten Weltkrieg strich die Admiralität das jährliche Versorgungsschiff, so dass die Insel während dieser Zeit vom Rest der Welt isoliert war. Über zehn Jahre hinweg soll die Insel abgeschnitten gewesen sein, bis durch die HMS Yarmouth die Nachricht über das Waffenstillstandsabkommen im Juli 1919 übermittelt wurde.

Im Zweiten Weltkrieg Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges kam am 29. August 1940 zunächst die HMS Queen of Bermuda aus Durban auf Tristan da Cunha an, die einige Anlieferungen auf die Insel brachte. Die Royal Navy erstellte dabei einen umfangreichen Report über die derzeitige Situation auf der Insel. – The South Atlantic and Subantarctic Islands.

Im Jahr 1942 errichtete die britische Marine eine geheime Station mit dem Codenamen Job 9 (später in HMS Atlantic Isle umbenannt) auf Tristan da Cunha. Diese sollte gegnerische U-Boote erkennen, die zu dieser Zeit auftauchen mussten, um Funkkontakt zu halten. Zudem wurde dort eine Radio- und Wetterstation betrieben, die aktuelle Daten zweimal täglich nach Kapstadt sendete. Das Stationspersonal bestand aus 16 ausgebildeten Freiwilligen (Tristan Defence Volunteers). Die Bewohner der Insel, die beim Bau der Station halfen, wurden zunächst mit Naturalien bezahlt, bevor im Dezember 1942 auf Tristan da Cunha mit dem britischen Pfund Sterling erstmals eine Währung eingeführt wurde.tristandc.com: History : Joining the Modern World.

Mit der Anwesenheit der Briten wurde die Infrastruktur von Edinburgh of the Seven Seas grundlegend modernisiert. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Schule, das Krankenhaus und das erste Geschäft der Insel errichtet. Im Jahr 1943 erschien zudem die erste Ausgabe der regionalen Zeitung The Tristan Times.The South Atlantic and Subantarctic Islands: Außerdem erhielten alle Häuser des Ortes Anschluss an fließendes Wasser, des Weiteren wurde ein neues Abwassersystem eingerichtet.

Nach dem Krieg blieb die aufgebaute Infrastruktur größtenteils erhalten, da die britische Regierung auswärtiges Personal in die wichtigsten Ämter der Insel einsetzte, etwa in das des Administrators (ab 1950), des Betreibers der Radiostation, des Arztes im Krankenhaus oder der Lehrer.

Vulkanausbruch im Oktober 1961 mini|Satellitenbild der Hauptinsel Tristan da Cunha, der Ort der Eruption liegt im Norden östlich der Siedlung