Finnentrop [] liegt im Sauerland und ist eine Gemeinde im Kreis Olpe in Nordrhein-Westfalen. Sie wird als Größere Kleinstadt klassifiziert.

Geographie Geografische Lage mini|Niederschlagsdiagramm Finnentrop-Bamenohl Finnentrop liegt an der Nordspitze des Kreises Olpe zwischen den Gebirgszügen des Ebbegebirges im Südwesten und der Homert im Nordosten. Markantester Fluss ist die Lenne, die das Gemeindegebiet von Süd nach Nord auf einer Länge von etwa 11 km durchfließt. Sie gelangt südlich von Bamenohl auf das Gemeindegebiet und verlässt es bei Rönkhausen wieder. Zuvor fließen der Lenne bei Finnentrop die von Südwesten kommende Bigge, bei Lenhausen der von Osten kommende Fretterbach und bei Rönkhausen der von Osten kommende Glingebach zu. Hier liegt der tiefste Punkt im Gemeindegebiet mit .

Die höchsten Erhebungen Finnentrops finden sich im waldreichen nördlichen Gemeindegebiet, der Übergangszone zwischen Lennegebirge und Homert. Der höchste Punkt liegt mit einer Höhe von auf dem Sellenstücke nördlich von Weuspert. Die südliche Gemeindegrenze verläuft weitgehend entlang der Wasserscheide zwischen Fretterbach und Elspebach mit Erhebungen bis zu (Primenekes Kopf).

Ausdehnung des Gemeindegebiets Das Gemeindegebiet hat nach Angaben der Gemeindeverwaltung eine Nord-Süd-Ausdehnung von 11,97 km und eine West-Ost-Ausdehnung von 12,42 km. Die größte Ausdehnung misst sich von Hollenbock im Südwesten bis Fretterspring im Nordosten mit rund 17 Kilometern.Topografische Karte 1:25.000

Von den 104,42 km² Gemeindefläche entfallen 65,07 km² (62 %) auf Waldflächen und 22,32 km² auf Landwirtschaftsflächen (21 %). Auf Siedlungs- und Verkehrsflächen entfallen 15,38 km² (15 %). In den Jahren 2001 und 2002 gingen die Verkehrs- und Siedlungsflächen leicht zurück und nehmen seitdem wie im Landesdurchschnitt zu (Stand: 2015).

Nachbargemeinden Finnentrop grenzt im Norden an Sundern, im Nordosten und Osten an Eslohe (beide Hochsauerlandkreis), im Süden an Lennestadt und Attendorn (beide Kreis Olpe) sowie im Westen an Plettenberg im Märkischen Kreis.

Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet ist politisch nicht weiter gegliedert. Jedoch wurden für die Bezeichnung in Personenstandsbüchern und -urkunden in der Hauptsatzung folgende Gemeindeteilbezeichnungen festgelegt, denen teilweise weitere Flurbezeichnungen zugeordnet sind:Hauptsatzung der Gemeinde Finnentrop vom 4. September 1997 in der Fassung des 7. Nachtrages vom 21. Februar 2017.

GemeindeteilDörfer und WohnplätzeAhausenAhausen, Ahauser Mühle, DahmAltfinnentropAltfinnentropBamenohlBamenohlBausenrodeBausenrodeDeutmeckeDeutmeckeElsmeckeElsmeckeFaulebutterFaulebutterFehrenbrachtFehrenbracht, FretterspringFinnentropFinnentropFretterFretter, Delf, GiebelscheidFrettermühleFrettermühle, MißmeckeFrielentropFrielentropGemeindeteilDörfer und WohnplätzeGierschlade Gierschlade, SchwartmeckeGlinge GlingeHeggen HeggenHollenbock HollenbockHülschotten Hülschotten, TiefenauIlleschlade IlleschladeLenhausen LenhausenMüllen MüllenOstentrop OstentropPermecke PermeckeRamscheidRamscheidRönkhausenRönkhausenGemeindeteilDörfer und WohnplätzeSangeSangeSchliprüthenSchliprüthen, Schliprüthener Mühle, Becksiepen, Kuckuck, SteinsiepenSchöndeltSchöndeltSchönholthausenSchönholthausenSerkenrodeSerkenrodeWeringhausenWeringhausenWeuspertWeuspert, KlingelbornWiebelhausenWiebelhausenWördenWörden

Geschichte mini|Haus Bamenohl mini|hochkant|Fachwerkhaus in Lenhausen Die Geschichte einzelner Ortschaften der Gemeinde geht bis ins Mittelalter zurück. In den Quellen werden um 1162 erstmals die Ortsteile Lenhausen und Rönkhausen erwähnt. Auf Grund archäologischer Untersuchungen ist aber gesichert, dass an Stelle der heutigen Pfarrkirche in Schönholthausen ein Vorgängerbau aus dem 11. Jahrhundert bestand. Die Kirche war eine Eigenkirche des Stifts Herford. Daneben waren die Grafen von Arnsberg, die Edelherren zu Bilstein, die Abtei Deutz sowie das Kölner Mariengnadenstift im Gebiet der heutigen Gemeinde begütert. Hinzu kommen Besitzungen des niederen Adels, die als Bauwerke teilweise heute noch erhalten sind. Seit dem 13. Jahrhundert bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts gehörte das Gebiet zum Herzogtum Westfalen. Danach gehörte es zu Hessen-Darmstadt und seit 1816 zu Preußen.

Der Name geht auf den alten Ort Finnentrop zurück, der heute Altfinnentrop heißt und einige hundert Meter biggeaufwärts liegt. Die Endung „trop“ leitet sich aus „trop“ oder „torp“ für „Dorf“ ab und kommt in Nordrhein-Westfalen nicht selten vor (wie etwa bei Bottrop, Castrop, Frintrop oder Waltrop).

Durch die Industrialisierung im 19. Jahrhundert kam es in Teilen des bislang überwiegend agrarisch geprägten heutigen Gemeindegebiets zur Ansiedlung von Fabriken und einem damit zusammenhängenden sozialen Wandel. Erste Veränderungen brachte der Straßenbau in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit sich. Der entscheidende Faktor hin zur industriellen Entwicklung war die Eröffnung der Ruhr-Sieg-Bahn im Jahr 1861. Der Bahnhof des Gebiets wurde am Zusammenfluss von Bigge und Lenne ganz in der Nähe einer Brücke und dem erst seit 1828 bestehenden Wohnplatz Neubrücke errichtet. Dort siedelten sich seither die ersten Unternehmen an. In diesem Teil des Gemeindegebiets entwickelte sich das heutige Zentrum der Gemeinde.Peter Kracht: Sauerland, Siegerland und Wittgensteiner Land. Münster. 2005, S. 82f.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs erreichten amerikanische Kampfverbände am 11. April 1945 den Ort und nahmen ihn ein. Während des Krieges starben 68 Männer als Angehörige der Wehrmacht.Albert Hyskens: Der Kreis Meschede unter der Feuerwalze des Zweiten Weltkrieges, Bielefeld 1949, S. 118f und 178-180.

Im Jahr 2002 stellte die Deutsche Bahn AG den Fahrkartenverkauf im Finnentroper Bahnhofsgebäude Finnentrop ein. Zwei Jahre später übernahm die Gemeinde das Gebäude. Ende 2007 wurde der alte Bahnhof, trotz Protesten aus der Bevölkerung, abgerissen.

Eingemeindungen Die Gemeinde Finnentrop entstand am 1. Juli 1969 durch das Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Olpe. Darin wurde das Amt Serkenrode (das dem Kreis Meschede angehörte) mit den Gemeinden Oedingen, Schliprüthen und Schönholthausen aufgelöst und als Rechtsnachfolgerin die Gemeinde Finnentrop gebildet. Gebietsteile der Gemeinden Attendorn-Land, Helden und Oedingen kamen hinzu. Die neue Gemeinde wurde durch die Gebietsreform dem Kreis Olpe zugeordnet.Eduard Belke, Alfred Bruns, Helmut Müller: Kommunale Wappen des Herzogtums Westfalen. Arnsberg 1986, S. 88 f.

Bei der Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen durch das Sauerland/Paderborn-Gesetz vom 1. Januar 1975 gab es zwei Änderungen am Gemeindegebiet: Röhrenspring wurde an die Gemeinde Sundern und Dormecke an die Gemeinde Eslohe abgegeben.

Einwohnerstatistik

1999 wurde der Höchststand erreicht (18.572 Einwohner) ging bis 2011 zurück und schwankt seitdem um 17.000. Der Anteil der Einwohner nichtdeutscher Staatsbürgerschaft lag 1992 bei 9,5 % und stieg bis 2024 auf 14,2 %. Die Bevölkerungsdichte lag 2021 bei 161 Einwohnern pro km². Dies ist etwas weniger als Durchschnitt des Kreises Olpe (187 Einwohner pro km²) und deutlich niedriger als im Landesdurchschnitt (526 Einwohner pro km²).

Konfessionsstatistik Der größte Teil der Einwohner (73 %) war katholisch (Stand 2011, Zensus-Ergebnis). Etwa 12 % waren evangelisch und 15 % gehörten anderen Glaubensgemeinschaften an oder waren konfessionslos.

Politik

Gemeinderat Das Ergebnis und die sich daraus ergebende Sitzverteilung im Gemeinderat von Finnentrop nach der Kommunalwahl am 14. September 2025 zeigen die nebenstehenden Diagramme.

Bürgermeister Bürgermeister ist der Diplom-Verwaltungswirt und Erste Polizeihauptkommissar Achim Henkel (CDU). Bei der Kommunalwahl 2025 wurde er mit 81,0 Prozent der gültigen Stimmen gewählt.https://wahlen.kdvz.nrw/production/kw2025/05966012/praesentation/ergebnis.html?wahl_id=247&stimmentyp=0&id=ebene_3_id_62 Gemeinde Finnentrop, Wahl des/der Bürgermeisters/in am 14. September 2025, Amtliches Endergebnis Zuvor war er bei der Wahl 2020 mit 63,9 Prozent der gültigen Stimmen das erste Mal gewählt worden. Er war zuvor zwölf Jahre CDU-Vorsitzender und stellvertretender Fraktionsvorsitzender in der Gemeinde. Bei der Wahl trat er gegen seinen Amtsvorgänger Dietmar Heß (CDU) an, der von seiner eigenen Partei nach 23 Jahren nicht mehr als Kandidat aufgestellt worden war.

Frühere Bürgermeister waren: Bürgermeister Amtszeit Walter Grauheer (CDU) 1969–1975 Erwin Oberkalkofen (CDU) 1975–1997 Dietmar Heß (CDU) 1997–2020

Gemeindedirektoren bis zur Abschaffung der Doppelspitze in NRW waren: Gemeindedirektor Amtszeit Ernst Vollmer (CDU) 1969–1989 Dietmar Heß (CDU) 1989–1997

Weitere Wahlen Bei der letzten Landtags- und Bundestagswahl erhielten die Parteien in Finnentrop folgende Stimmenanteile (Zweitstimmen): Partei Landtagswahl 2017Kommunale Datenverarbeitungszentrale: Landtagswahlergebnis Gemeinde FinnentropBundestagswahl 2017 Bundestagswahl 2021Landtagswahl 2022 Bundestagswahl 2025 CDU 53,3 % 49,5 % 39,9 %57,06 % 48,91 % SPD 22,2 % 19,9 % 25,2 %19,32 % 13,04 % FDP 11,0 % 12,7 % 12,8 %5,12 % 3,12 % AfD 5,2 % 7,6 % 7,5 % 5,44 % 18,80 % Linke 1,7 % 4,1 % 6,9 % – 4,49 % Grüne 2,7 % 3,3 % 2,4 %7,89 % 5,29 % Sonstige 3,1 % 3,0 % 5,2 %5,14 % 6,36

Wappen

Gemeindepartnerschaften Finnentrop unterhält partnerschaftliche Beziehungen mit der belgischen Stadt Diksmuide (seit 1979) und der sachsen-anhaltischen Gemeinde Helbra (seit 1990).

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Theater Kulturelle Veranstaltungen verschiedener Art organisiert der Verein Kulturgemeinde Finnentrop. Ein Veranstaltungsort ist die Festhalle Finnentrop. Auch die „Schützenhof Lichtspiele“, ein 2006 komplett renoviertes Kino von 1954 mit 170 Sitzplätzen, wird seit 2007 für Veranstaltungen genutzt. In verschiedenen Gemeindeteilen bestehen Laientheatergruppen, wie die Laienspielgruppe „Ostentroper Scala“ oder die Laienspielgruppe Serkenrode. Zahlreiche Vereine betreiben Chorgesang oder andere Formen von Musik.

Museen Land- und Forstwirtschaft, dörfliches Handwerk und heimisches Brauchtum werden im Museum Heimatstube in Finnentrop-Schönholthausen gezeigt. Zu diesem Zweck wurden im Museum unter anderem eine Schusterwerkstatt, eine Schreinerei, eine Schmiede mit Blasebalg, eine Schulstube, eine Arztpraxis und ein Schlafzimmer aus der Zeit um 1900 eingerichtet. Neben Exponaten zur Milchverarbeitung und aus der Hausschlachtung sind eine Vielzahl von Küchengerätschaften ausgestellt. Zudem gibt es eine Ausstellung zum Thema Auswanderung aus dem Kirchspiel Schönholthausen.

Bauwerke mini|hochkant|St. Georg in Schliprüthen Zu den bedeutenden sakralen Bauwerken gehört die Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt in Schönholthausen. Der heutige Bau wurde etwa von 1733 bis 1736 im gotisierenden Stil des Barock errichtet, wobei der Westturm über romanische Elemente verfügt und noch von einem Vorgängerbau stammt. Die Pfarrkirche St. Georg in Schliprüthen ist eine romanische Hallenkirche. Die Innenausstattung stammt teilweise aus dem 17. Jahrhundert. Aus dem Jahr 1383 stammt die Matthiaskapelle in Altfinnentrop. Sakrale Bauwerke im Ort Finnentrop sind die Katholische Pfarrkirche St. Johannes Nepomuk und die Evangelische Christuskirche.

Von Bedeutung sind drei aus ehemaligen Wasserburgen hervorgegangene Adelssitze. Das Schloss Ahausen bei Heggen stammt in der heutigen Form aus dem 18. Jahrhundert. Das Schloss Lenhausen entstand im heutigen Zustand im Wesentlichen im 16. Jahrhundert. Das Haus Bamenohl stammt in der jetzigen Form aus dem Barock.

In den Bereich der technischen Kulturdenkmale gehören verschiedene Wassermühlen. Die „Alte Mühle“ in Frettermühle hat eine 600 Jahre zurückreichende Tradition aufzuweisen. Die sogenannte „Knochenmühle“ stammt aus der Zeit um 1900. Beide Mühlen lassen sich besichtigen. Aus den 1920er/1930er Jahren stammen einige Wasserkraftanlagen. Dazu gehören das Laufwasserkraftwerk Lenhausen und das Laufwasserkraftwerk Bamenohl.