Bad Berleburg (bis 1971 offiziell und heute umgangssprachlich Berleburg; mundartlich Baealeborg) ist eine Kleinstadt im Südosten Westfalens im Kreis Siegen-Wittgenstein. Die ehemalige Kreisstadt des aufgelösten Kreis Wittgenstein, der 1974 mit dem ehemaligen Kreis Siegen zusammengelegt wurde, ist die größte der drei Gemeinden im Wittgensteiner Land.
Die Stadt in ihrer heutigen Form als Großgemeinde entstand im Jahr 1975 im Zuge der Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen (siehe dazu Abschnitt „Eingemeindungen“).
Geographie Geographische Lage
Bad Berleburg liegt als flächenmäßig größte Stadt im Nordosten des Kreises Siegen-Wittgenstein mitten im Rothaargebirge. Nahe der Kernstadt befindet sich die Mündung der Odeborn in die Eder. Die Grenze im Westen ist gleichzeitig Kreisgrenze zum Kreis Olpe. Im Norden schließt sich der Hochsauerlandkreis (HSK) an, die Ostgrenze bildet die Landesgrenze zum Land Hessen. Die Stadt Bad Laasphe grenzt im Süden und die Gemeinde Erndtebrück im Südwesten an.
Etwa 23 Kilometer entfernt liegt die aus dem Wintersport bekannte Stadt Winterberg. Ehemals gehörten die Höhendörfer Langewiese, Neuastenberg, Mollseifen und Hoheleye mit zum Amt Berleburg, dessen Orte ansonsten mit dem Sauerland/Paderborn-Gesetz vom November 1974 größtenteils an die Stadt Bad Berleburg gingen. Sie gehören seither zu Winterberg und liegen im Hochsauerlandkreis.
Niedrigster Punkt des Stadtgebiets ist der Ausfluss der Eder bei Beddelhausen auf etwa im Südosten, während der höchste Punkt mit am Westhang von Ziegenhelle und Wallershöhe im äußersten Nordosten liegt. Höchster Gipfel ist der des hohen Albrechtsbergs am Rothaarkamm im Norden, der jedoch nur halbseitig in Stadt und Landkreis liegt.
Stadtgliederung Die Kernstadt liegt in die Länge gezogen rechts und links an den Hängen des Tals der Odeborn, einem Nebenfluss der Eder. Im Tal liegen der Bahnhof, die Einkaufsstraße Poststraße und der Marktplatz. Die Oberstadt ist geprägt von größtenteils gut erhaltenen schiefergedeckten Fachwerkhäusern und wird überragt vom Schloss mit Schlosshof und Orangerie. Ebenfalls in der Oberstadt befindet sich die evangelische Stadtkirche und der Goetheplatz, um den sich einige gastronomische Betriebe versammeln. Die Kernstadt hat ca. 7000 Einwohner.
Die 22 nominellen Außenstadtteile sind in Größe und Struktur sehr verschiedenartig. Die beiden einwohnerschwächsten Stadtteile, die Weiler Stünzel und Christianseck, bestehen neben den namensgebenden Wohnplätzen noch aus jeweils zwei anderen. Auch Rinthe und Hemschlar haben jeweils keine eigene Kirche und gehören zum Kirchspiel Raumland. Schüllar verfügt ebenfalls über keine eigene Kirche, jedoch steht unmittelbar angrenzend in Wemlighausen eine gemeinsame.
Die größeren Dörfer Aue und Wingeshausen im Westen teilen sich in vielerlei Hinsicht ihre Infrastruktur und verfügen auch über einen gemeinsamen Dorfverein. Die Zuordnung einiger Straßenzeilen zu Wingeshausen (Hauptstraße: gerade Hausnummern über 50; In der Müsse: Hausnummern bis 38 (gerade) und bis 31 (ungerade), Im Feld) entspricht auch nicht der von Laien erwarteten, sondern den historischen Gemarkungen. An anderer Stelle folgen die nominellen Stadtteile wiederum nicht der Gemarkung; so liegt der Wohnplatz Garsbach auf Elsoffer Gemarkung, zählt jedoch zu Christianseck.
Es gibt 23 Stadtteile:Die Zugehörigkeiten einzelner Wohnplätze und Straßen zu den nominellen Stadtteilen kann über den Kartendienst des Geodatenzentrums überprüft werden. Eingabe von <Straße>, 57319 Bad Berleburg führt zur Ausweisung des Stadtteils. Ortsteil Höheü. NHN FlussOrt Nr.Die Stadtteile sind je flussabwärts durchnummeriert Fläche[km²]Auszug aus dem Liegenschaftskataster, Stand 2006 Ein-wohnerHauptwohnsitze nach Stadtteilen (Summe 19.703), Stand 31.12.2017 (PDF; 16 kB) EW/km² Teilorte Lageim Stadtgebiet Alertshausen 437 Elsoff3 4,61 259 56 äußerster Osten Arfeld 384 Eder5 (, Leisebach2) 12,57 811 65 Teilorte Im Ahlen und Stedenhof südöstlich der Kernstadt Aue 431 Eder1 (, Kappel2) 10,86 851 78 Teilort Müsse (tw.) Westen Bad Berleburg 420 Odeborn4 43,30 6950 161 Weiler Meckhausen(ohne Straße Zum Ederblick) Zentrum und Nordnordwesten Beddelhausen 359 Eder7 8,38 431 51 Weiler Vorm Tiefenbach äußerster Südosten Berghausen 423 Eder2 17,81 1356 76 Weiler Trüfte und Sauseifen südwestlich der Kernstadt Christianseck 600 Mennerbach1 6,01 93 15 Wohnplätze Garsbach, Hainhof Osten Diedenshausen 503 Elsoff2 6,16 305 50 Teilort Seibelsbach äußerster Ostnordosten Dotzlar 437 Eder4 6,34 773 122 Teilort Laubroth, Weiler Meckhausen(nur Straße Zum Ederblick) südsüdöstlich der Kernstadt Elsoff 383 Elsoff4 (, Mennerbach2) 16,39 606 37 äußerster Ostsüdosten Girkhausen 484 Odeborn1 24,03 799 33 Weiler/Vorort Repprighausen äußerster Nordnordosten Hemschlar 470 Rinther Bach 3,78 300 79 Weiler Renfte Südsüdwesten Raumland 416 Eder3 (, Odeborn5) 5,56 1316 237 Teilort Markhausen südsüdwestlich der Kernstadt Richstein 438 Leisebach1 14,61 364 25 diverse Wohnplätze äußerster Südosten Rinthe 484 nah Altmühlbach 4,02 127 31 äußerster Südsüdwesten Sassenhausen 550 5,97 232 39 Süden Schüllar 473 Odeborn2 11,01 194 18 Höhenweiler Kühhude nordnordöstlich der Kernstadt Schwarzenau 372 Eder6 5,45 731 134 Teilort (Obere/Untere) Hüttenthal Ostsüdosten Stünzel 600 5,26 52 10 Wohnplätze Drehbach und Sohl äußerster Süden Weidenhausen 523 4,95 421 85 Süden Wemlighausen 447 Odeborn3 (, Schwarzenau) 11,21 718 64 nordöstlich der Kernstadt Wingeshausen 456 Kappel1 32,67 1595 49 Teilorte Bracht, Teilort Müsse (tw.), Weiler Homberg äußerster Westnordwesten Wunderthausen 532 Elsoff1 14,37 519 36 Weiler Landebach äußerster Nordosten
Geschichte mini|Quarzitkugeln mini|Abbildung in Topographia Hassiæ von Matthäus Merian, 1655 mini|hochkant|Kaiser-Wilhelm-Denkmal
Frühgeschichte und Mittelalter Grabungsfunde bestätigen die Besiedelung des heutigen Stadtgebietes bereits im 7. Jahrhundert vor Chr. Auf den Burgbergen bei Aue, Dotzlar und Wemlighausen sind Spuren von Ringwallanlagen aus dieser Zeit zu finden. Für die Zeit bis zum 8. Jahrhundert fehlen allerdings Hinweise auf eine Besiedelung des Landes.
Die Stadtteile Arfeld und Raumland sind in den Jahren 800/802 nach Chr. erstmals urkundlich erwähnt. Aus dem Jahr 1059 liegen Urkunden vor, die die Siedlungen Alertshausen, Beddelhausen, Elsoff und Schwarzenau bestätigt. Im Jahre 1174 wurde erstmals der Name Widechinstein erwähnt. Die Ortschaft Berleburg wird in den Urkunden des Klosters Grafschaft erstmals 1258 als Berneborg erwähnt (in der Bedeutung ‚Bärenburg‘ oder ‚Burg des Bero‘).Günther Wrede: Territorialgeschichte der Grafschaft Wittgenstein. N. G. Elwert’sche Verlagsbuchhandlung, Marburg 1927, S. 131. Die Burg ging am 30. März 1258 an den Grafen Siegfried I. und den Klostervogt Adolf I. von Grafschaft über. 1322 wurde die Doppelherrschaft in Berleburg durch Widekind von Grafschaft beendet, als er zu Gunsten Siegfrieds II. von Wittgenstein auf seine Rechte an der Stadt verzichtete. Als dieser als letzter in dem Geschlecht der Wittgensteiner Grafen starb, trat sein Schwiegersohn Salentin von Sayn das Erbe an und begründete das Haus Sayn-Wittgenstein. Wüstungen sind Madeshausen sowie das 1395 erwähnte Hadebirshausen.
Baureste zeugen von einem mittelalterlichen Kloster Bubenkirche.
Frühe Neuzeit 1488 und 1522 wüteten Großfeuer in der Stadt, die diese weitgehend vernichteten.
1506 wurde die Grafschaft Wittgenstein geteilt und Graf Johann bezog das alte Jagdschloss Berleburg und erhob die kleine damit verbundene Stadt zu seiner Residenz. Damit begann die spezielle Entwicklung der Stadt, die sie in den nächsten Jahrhunderten prägen sollte.Hans Wied: Berleburg und seine Bürger in den ältesten Renteirechnungen aus der ersten Hälfte des 16. Jh. In: Wittgenstein Bd. 62 (1998), H. 3, S. 91–104. Zwar starb die neue Linie des Hauses Sayn-Wittgenstein mit Graf Johann aus, aber sein Neffe Graf Ludwig d. Ä. aus der Südgrafschaft verlegte nach Übernahme der Gesamtregierung und Heirat 1559 ebenfalls seinen Wohnsitz auf die Berleburg und baute das Schloss aus.
Nach dem Tode Graf Ludwigs des Älteren im Jahre 1605 entwickelte sich Berleburg nach einer abermaligen Landesteilung zur Haupt- und Residenzstadt der Nordgrafschaft Sayn-Wittgenstein-Berleburg, die im 18. Jahrhundert ein Zentrum der radikal-pietistischen Inspirationsbewegung in Deutschland war. Hier lebten unter dem Schutz des Grafen Casimir zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg religiöse Nonkonformisten wie Wilhelm Abresch, Johann Konrad Dippel, Johann Christian Edelmann und Ludwig Christoph Scheffer. Zwischen 1726 und 1742 wurde dort die bekannte Berleburger Bibel (umfasst acht Foliobände) gedruckt.
Der religiösen Toleranz in den beiden Wittgensteiner Grafschaften entsprach eine Duldungshaltung gegenüber mehreren Familien von in der zeitgenössischen Diktion als „Heiden“ bezeichneten Sinti. Sie waren im militärischen und polizeilichen Dienst sowie als Bauarbeiter für die Wittgensteiner Landesherren tätig und hatten sich um die Mitte des 18. Jahrhunderts auf dem gräflichen Hofgut bei Saßmannshausen niederlassen können. Gegen Ende des Jahrhunderts wechselten einzelne von ihnen in die Berleburger Vorstadt. Dort siedelten sich im 19. Jahrhundert und verstärkt seit der Reformierung des preußischen Niederlassungsrechts Familien von Sinti und von Jenischen in dem traditionellen Armenviertel am Bach Lause sowie am Altengraben und im benachbarten Hemschlar an. Von der Mehrheitsbevölkerung und den Behörden wurden sie unterschiedslos mit dem stigmatisierenden Etikett „Zigeuner“ belegt und die Siedlung insgesamt als „Zigeunerkolonie“ bezeichnet.Ulrich Friedrich Opfermann, „Daß sie den Zigeuner-Habit ablegen“. Die Geschichte der „Zigeuner-Kolonien“ zwischen Wittgenstein und Westerwald, Frankfurt/M. u. a. 1997, 2., ergänzte Aufl.; ders., „Seye kein Ziegeuner, sondern kayserlicher Cornet“. Sinti im 17. und 18. Jahrhundert. Eine Untersuchung anhand archivalischer Quellen, Berlin 2007
Neuzeit Im Gebiet um Raumland und Dotzlar wurde im 16. Jahrhundert Schiefer abgebaut. Insgesamt gab es im Gebiet ca. 40 Gruben, wovon die Gruben Hörre, Limburg und Delle die bekanntesten sein dürften. Erzbergbau war um Bad Berleburg im Vergleich zu anderen benachbarten Gebieten nur sehr vereinzelt vorzufinden. So gab es einige kleinere Gruben um Wingeshausen, Aue und bei Diedenshausen. Die meisten Mutungen wurden im 19. Jahrhundert eingelegt. Abbau existiere aber bereits zum Teil seit dem Mittelalter. Heute deuten lediglich ein paar verbliebene Halden und Stollenmundlöcher auf die einstige Bergbautätigkeit hin.
Wittgenstein wurde 1806 dem Großherzogtum Hessen-Darmstadt unterstellt. Durch die Neuordnung des Deutschen Bundes fiel Wittgenstein durch einen Vertrag zwischen Österreich, Preußen und Hessen-Darmstadt vom 30. Juni 1816 an Preußen und wurde infolge der königlichen Kabinettsorder vom 23. Februar 1817 dem Regierungsbezirk Arnsberg in der preußischen Provinz Westfalen zugeteilt. Berleburg war Kreisstadt des neu gegründeten Kreises Wittgenstein.
1825 kam es zu einem verheerenden Stadtbrand, der einen Schaden von einer Viertelmillion Mark verursachte. In Berleburg gab Heinrich Matthey 1852 mit dem Wittgensteiner Kreisblatt die erste im Kreis Wittgenstein hergestellte Wochenzeitung heraus.
Mit dem Bau der Bahnstrecke Erndtebrück–Berleburg nach Berleburg 1911 setzte die Industrialisierung ein, zunächst allerdings nur auf die Holzwirtschaft beschränkt. Weitere Industriezweige kamen erst nach dem Zweiten Weltkrieg hinzu.
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