Kirchhundem ist eine Gemeinde, die in ihrer heutigen Form zum 1. Juli 1969 als Ergebnis einer kommunalen Neugliederung entstanden ist. Sie liegt im Sauerland, im Südosten Nordrhein-Westfalens und umfasst 37 Ortsteile. Mit 148,63 Quadratkilometern ist sie die flächengrößte Gemeinde des Kreises Olpe.
Es ist anzunehmen, dass das Gebiet der heutigen Gemeinde Kirchhundem ab dem 8./9. Jahrhundert besiedelt wurde. Der Raum wurde durch Rodungsbauern erschlossen, und zwar zunächst im Gebiet um das Alte Feld bei Kirchhundem und im Olpetal. Sichere schriftliche Erwähnungen der Orte gibt es seit der Mitte des 13. Jahrhunderts.Becker/Vormberg, Kirchhundem. Geschichte des Amtes und der Gemeinde, Kirchhundem 1994, S. 23–27. Wirtschaftlich geprägt war das Gebiet lange durch den Erzbergbau, Hütten- und Hammerwerke, die hier betrieben wurden. Die Infrastruktur wurde 1861 durch den Bau der Ruhr-Sieg-Eisenbahn erheblich aufgewertet.
Geografie Lage Die Gemeinde Kirchhundem liegt im Südosten des Kreises Olpe im Südsauerland und gehört zum Bilsteiner Bergland. Zum Kirchhundemer Land gehören im Osten die jenseits der Rhein-Weser-Wasserscheide fließende Röspe, im Süden die Brachthäuser Hohen Waldberge, im Westen die Rahrbacher Mulde und im Norden der Hundemgrund. Über den Rothaarkamm, dem Hauptkamm des Rothaargebirges, verläuft an der Hohen Hessel (), der höchsten Erhebung der Gemeinde, die Rhein-Weser-Wasserscheide und über die Berge im Süden des Gemeindegebiets die Wasserscheide zwischen Rhein und Sieg. Entwässert wird das Kirchhundemer Land durch die bei Oberhundem entspringende Hundem, und zwar nach Nordwesten zur Lenne hin. Zu den im Gemeindegebiet verlaufenden Zuflüssen der Hundem gehören von Süden her die Marmecke, der durch den Heinsberger Bach (Krenkelsbach) gespeiste Albaumer Bach, die bei Würdinghausen münden, die bachabwärts betrachtet auch Brachthauser Bach, Wirmebach und Emlinghauser Bach genannte Flape (Flaperbach) und die Olpe, die in Kirchhundem einfließen. Die Olpe nimmt bei Heidschott den Silberbach (Silberger Bach) auf. Das Wasser dieser Gewässer erreicht durch die Hundem, Lenne und Ruhr den Rhein. Das östlich vom Rothaarkamm befindliche Gebiet der Röspe wird durch die Eder und Fulda zur Weser hin entwässert.
Ausdehnung des Gemeindegebietes Kirchhundem ist mit einer Fläche von 147,9 km² die flächengrößte Gemeinde des Kreises Olpe. Die flächenhafte Ausdehnung beträgt zwölf Kilometer in Nord-Süd-Richtung und 22 Kilometer von Ost nach West.
Nachbargemeinden Die Gemeinde Kirchhundem liegt im Osten des Kreises Olpe. Sie grenzt im Westen und Norden an die Stadt Olpe und im Westen und Norden an die Stadt Lennestadt. Östlich und südlich schließen sich die Städte Bad Berleburg, Erndtebrück, Hilchenbach und Kreuztal an, die alle im Kreis Siegen-Wittgenstein liegen.Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik Nordrhein-Westfalen. Statistische Rundschau für die Kreise Nordrhein-Westfalens. Kreis Olpe. Düsseldorf 1982. Darin: Übersichtskarte über den Kreis Olpe.
Grenze zu Siegerland und Wittgenstein Die Südgrenze der Gemeinde Kirchhundem zum benachbarten Kreis Siegen-Wittgenstein stellt sich mehrfach dar: Sie ist Wasserscheide zwischen Rhein und Weser im Osten sowie zwischen Sieg und Ruhr im Westen.Günther Becker: Das Hundemgebiet bis zum Beginn der preußischen Zeit. In: Günther Becker und Martin Vormberg: Kirchhundem. Geschichte des Amtes und der Gemeinde. Kirchhundem 1994. S. 13. Sie beschreibt hier zugleich den Verlauf der Uerdinger wie auch der Benrather Linie, die die Trennlinie des volksgeschichtlich sächsischen und damit niederdeutschen Sauerlandes zum moselfränkischen Siegerland und zum kulturell hessischen Wittgenstein bilden, ferner Konfessionsgrenze (südlich evangelisch geprägt und nördlich katholische Ausprägung). Historisch trennte sie das kurkölnische Herzogtum Westfalen im Norden vom Fürstentum Nassau-Siegen und der Grafschaft Wittgenstein-Berleburg im Süden.Günther Becker: Das Hundemgebiet bis zum Beginn der preußischen Zeit. In: Günther Becker und Martin Vormberg: Kirchhundem. Geschichte des Amtes und der Gemeinde. Kirchhundem 1994. S. 56 ff. Heute erinnern zahlreiche historische Grenzsteine und Wallanlagen (Landwehren) an die als „Kölsches Heck“ bezeichnete Grenze.Gustav Siebel: Die Nassau-Siegener Landhecken. Eine Untersuchung der Kölnischen Hecke und gleichartiger Wehranlagen bei Siegen. Heft 12 der Siegerländer Beiträge zur Geschichte und Landeskunde. Siegen 1963
Gemeindegliederung Nach der Hauptsatzung der Gemeinde Kirchhundem ist das Gemeindegebiet in zwölf Bezirke eingeteilt, für die der Rat jeweils einen Ortsvorsteher oder eine Ortsvorsteherin wählt.Hauptsatzung der Gemeinde Kirchhundem vom 28. Dezember 2009, § 3 Einteilung des Gemeindegebietes in Bezirke. Die Bezirke umfassen jeweils eine oder mehrere Ortschaften. Die abgelegenen Weiler Rhein-Weser-Turm und Rüspe sind keinem Bezirk zugeordnet. Bezirk Ortschaft Einwohner1Heinsberg8942Albaum718Böminghausen53Böminghauser Werk -3Würdinghausen10334Kirchhundem2040Berghof10Bettinghof12Flape245Herrntrop1185Hofolpe747Heidschott216Benolpe 4577Welschen Ennest1609Bezirk Ort Einwohner8Rahrbach666Kruberg108Arnoldihof59Silberg429Varste149Kuhlenberg20Breitenbruch3Mark510Brachthausen513Wirme171Emlinghausen31Ahe2Kohlhagen6Bezirk Ort Einwohner11Oberhundem862Alpenhaus1Haus Bruch4Schwartmecke92Selbecke166Erlhof45Stelborn3012Marmecke354Rinsecke233Rhein-Weser-Turm 14 Rüspe 27
Klima Das Gebiet der Stadt Kirchhundem liegt in der gemäßigten Klimazone. Die durchschnittlichen Höchsttemperaturen erreichen im Juli/August etwa 23 °C; die niedrigsten Temperaturen belaufen sich in den Monaten Januar und Februar auf durchschnittlich etwa 0 °C. Weitere Monats- und Jahresdurchschnittswerte können der Tabelle entnommen werden:
An einzelnen Tagen werden im Hochsommer Temperaturen von knapp über 30 °C gemessen, während sie im Winter gelegentlich bis auf etwa −20 °C sinken können.
Fossildokumentation Auf dem Gebiet von Kirchhundem wurden zahlreiche Organismen aus dem Erdzeitalter des Devon gefunden, darunter Trilobiten (Dreilapper), Brachiopoden (Armfüßer), Bivalvia (Muscheln) und Crinoiden (Seelilien).
Die gefundenen Trilobiten gehören der Ordnung Phacopida an.
Geschichte mini|Blick vom Krähenberg auf Kirchhundem (um 1900) mini|Blick von der Hard auf Kirchhundem (um 1905) Noch bis ungefähr zum 8. Jahrhundert bedeckte dichter Laubwald das Gebiet der Gemeinde Kirchhundem. Buchen beherrschten Berge und Hänge, Eichen, Ulmen, Ahorn und andere Baumarten die Täler. Die ersten Ansiedlungen werden im Bereich des Alten Feldes bei Kirchhundem und im Olpetal vermutet. Etwa im 9. Jahrhundert setzte dann eine verstärkte Rodungs- und Besiedlungstätigkeit ein, die bis ins 13. Jahrhundert anhielt.
Die erste urkundliche Erwähnung des Hundemgebietes – „curia nomine homede“ – könnte in einer Urkunde des Kaisers Friedrich I. Barbarossa aus dem Jahr 1153 zu finden sein. Diese Zuordnung ist jedoch ebenso umstritten wie die weiterer Dokumente. Der älteste als sicher geltende Beleg ist eine Urkunde aus dem Pfarrarchiv Kirchhundem aus dem Jahr 1249, in der die Bedingungen festgesetzt werden, zu denen es Vogt Widekind von Hundem seinen und anderen Leuten gestattete, sich dem Margaretenaltar zu Hundem (mittelalterliche Bezeichnung Kirchhundems) zu eigen zu geben. Den Namen bekam das Flurstück vom Fluss Hundem (zu urgermanisch *Hundama ‚schwellender Fluss‘).
Als zweiter Ort wurde 1270 Würdinghausen erwähnt, nur wenige Jahre später, im Jahr 1279, Bettinghusen (Bettinghof), Böminghausen, Emlinghausen und Flape. In den beiden anschließenden Jahrhunderten folgten Nennungen nahezu aller Orte der heutigen Gemeinde. Es werden jedoch auch zahlreiche andere Ansiedlungen aufgeführt, die später wieder aufgegeben wurden (wüst fielen).
Das Gemeindegebiet gehörte in den Anfängen zum Herrschaftsraum der Edelherren von Gevore-Bilstein. Johann II. von Bilstein trat bereits um 1350 seinen Herrschaftsanspruch an Graf Gottfried IV. von Arnsberg ab. Nach dem Tode Johanns im Jahr 1363 konnte Gottfried seinen Anspruch auf das Land Bilstein jedoch nicht durchsetzen und das Gebiet fiel an Graf Engelbert III. von der Mark. Im Rahmen der Soester Fehde gelangte das Bilsteiner Land und damit auch das Gebiet der Gemeinde Kirchhundem 1445 in den Besitz des Erzbischofs von Köln. Die kurkölnische Herrschaft endete erst 1802/03 im Rahmen der Säkularisation. Das ehemalige Herzogtum Westfalen fiel an den Landgraf zu Hessen-Darmstadt. Dieser leitete mit zahlreichen Reformen nach gut 350-jähriger Kirchenherrschaft das Ende des Mittelalters im südlichen Sauerland ein. Nach der Abdankung Napoléons I. musste im Jahr 1816 auch Großherzog Ludwig I. seine erst wenige Jahre zuvor erworbenen Besitzungen an Preußen abtreten. Das Gebiet wurde in die neu entstandene preußische Provinz Westfalen eingegliedert. Unter preußischer Regierung wurden weitere Reformen durchgeführt, so wird unter anderem 1843 im Rahmen der Einführung der Landgemeindeordnung das Amt Kirchhundem, der Vorläufer der heutigen Gemeinde Kirchhundem, ins Leben gerufen.G. Becker, M. Vormberg: Kirchhundem, Geschichte des Amtes und der Gemeinde.
Nachdem während der Wirtschaftskrise der ausgehenden 1920er Jahre durch sogenannte Notstandsarbeiten des Freiwilligen Arbeitsdienstes zahlreiche arbeitslose Männer beschäftigt worden waren, kam es nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten zur Bildung des Reichsarbeitsdienstes (RAD). In Kirchhundem wurde 1934 ein Lager für den Arbeitsdienstbezirk Westfalen-Süd mit der Bezeichnung „Abteilung 7/209 Kirchhundem“ errichtet, in dem hauptsächlich auswärtige Arbeitskräfte untergebracht waren. In der Folge kam es zu Spannungen des Reichsarbeitsdienstes insbesondere mit der ortsansässigen katholischen Geistlichkeit. Als am 1. Mai 1935 ein Kirchhundemer Bürger einen auf Streife befindlichen Arbeitsdienstmann möglicherweise in vermeintlicher Notwehr erschoss, war dies für Partei und Behörden ein willkommener Anlass, auch gegen den Kirchhundemer Vikar Heinrich Rupieper vorzugehen. Der Todesschütze wurde wegen Mordes angeklagt, schließlich aber nur wegen Totschlags verurteilt. Vikar Rupieper wurde in diesem Zusammenhang ebenfalls inhaftiert. Ihm wurde vorgeworfen, den Schützen gegen den Reichsarbeitsdienst aufgehetzt und „als intellektueller Urheber“ den „Meuchelmord“ mitverantwortet zu haben. Im Prozess vor dem Sondergericht Dortmund vom 11. bis 13. Dezember 1935 wurde Vikar Rupieper wegen Vergehens gegen das Heimtückegesetz zu einer Gefängnisstrafe von vier Jahren verurteilt. In Zusammenhang mit einem ebenfalls politisch motivierten Strafverfahren wegen Betrugs verhängte das Landgericht Paderborn eine weitere Gefängnisstrafe gegen den Vikar in Höhe von 3 Jahren und 7 Monaten, die mit der des Sondergerichts Dortmund zu einer Zuchthausstrafe von 7 Jahren und 5 Jahren Ehrverlust zusammengezogen wurde. Nach Verbüßung der Haft kam Vikar Rupieper ins KZ Dachau, wo er bis zur Befreiung durch die Amerikaner verblieb.Günther Becker, Martin Vormberg: Kirchhundem. Geschichte des Amtes und der Gemeinde. Kirchhundem 1994, S. 322–328 und 359–365.
Durch den Einmarsch amerikanischer Truppen am 8./9. April 1945 endeten für das Gebiet der heutigen Gemeinde Kirchhundem die Kampfhandlungen des Zweiten Weltkriegs. Die Bilanz des Krieges waren 125 zivile Todesopfer, 466 gefallene Soldaten, 36 vermisste Zivilisten und 353 vermisste Wehrmachtsangehörige.Günther Becker, Martin Vormberg: Kirchhundem. Geschichte des Amtes und der Gemeinde. Kirchhundem 1994, S. 400. Die Zahlen enthalten auch die der Ortschaften Altenhundem, Kickenbach und Langenei in der ehemaligen amtsangehörigen Gemeinde Kirchhundem.