Star Trek VI: Das unentdeckte Land (Originaltitel: Star Trek VI: The Undiscovered Country) ist ein US-amerikanischer Science-Fiction-Film aus dem Jahr 1991. Es ist der sechste Star-Trek-Kinofilm und der letzte, in dem die komplette Originalcrew mitspielt und der ausschließlich auf der Fernsehserie Raumschiff Enterprise basiert. Der Film wurde am 13. Februar 1992 auf der Berlinale in Deutschland erstaufgeführt.
Der Titel ist eine Anspielung auf Shakespeares Hamlet, III. Akt, Szene 1; anders als im Theaterstück ist hier jedoch nicht der Tod, sondern die Zukunft gemeint.
Handlung Nach der durch übertriebenen Bergbau herbeigeführten Explosion des klingonischen Mondes Praxis, der die Hauptenergiequelle der klingonischen Heimatwelt Qo’noS (gesprochen: Kronos) darstellte, ist das Klingonische Reich plötzlich zu Friedensverhandlungen mit der Föderation bereit. Captain James T. Kirk erhält den Auftrag, mit der USS Enterprise dem klingonischen Kanzler Gorkon ein sicheres Geleit zu den Verhandlungen auf der Erde zu bieten. Captain Spock hat seit dem Unglück auf dem Mond Praxis als Sonderbotschafter der Föderation Friedensverhandlungen mit den Klingonen geführt und persönlich für den Einsatz von Kirk und seiner Crew gebürgt. Jedoch hasst Kirk das klingonische Volk, da es die Klingonen waren, die seinerzeit seinen Sohn getötet haben. Außerdem stehen er und die Crew der Enterprise vor ihrem Ruhestand. Dementsprechend widerwillig nimmt er seine letzte Mission an. Bei dieser Mission ist erstmals auch die Vulkanierin Lieutenant Valeris, Spocks vulkanischer Protegé und potenzielle Nachfolgerin an Bord der Enterprise.
Im Weltraum fängt die Enterprise die Kronos 1, das Schiff des klingonischen Kanzlers ab, um es zur Erde zu eskortieren. Im Zuge eines Dinners, bei dem das erste Zusammentreffen der Besatzung mit den Klingonen an Bord der Enterprise stattfindet, und sie auf „das unentdeckte Land“ – die Zukunft – anstoßen, verläuft trotz des guten Willens von Seiten Spocks und des Kanzlers Gorkon, der ebenfalls entschlossen ist, den Frieden mit der Föderation herbeizuführen, eher kühl. Nachdem das gemeinsame Essen beendet ist und die Klingonen auf ihr Schiff zurückgekehrt sind, schießen plötzlich zwei anscheinend von der Enterprise abgefeuerte Photonentorpedos den Schlachtkreuzer manövrierunfähig und die Schwerkraft an Bord des Schiffes wird dabei aufgehoben. Zudem beamen zwei maskierte Männer in Raumanzügen der Föderation mit magnetischen Stiefeln auf die Kronos 1 und eröffnen das Feuer auf die wehrlosen Klingonen. Dabei wird Gorkon schwer verletzt.
Die Klingonen wollen nun die Enterprise angreifen. Jedoch will Kirk nicht, dass die Situation eskaliert und es zu einem Krieg zwischen der Föderation und dem Klingonischen Reich kommt. Daher kapituliert die Enterprise und Kirk und Schiffsarzt McCoy beamen auf den Kreuzer, um zu helfen. Dort versucht McCoy vergeblich, Gorkons Leben zu retten. Nach dessen Tod werden die beiden verhaftet und des Mordes angeklagt. Da die Friedensverhandlungen nicht gefährdet werden sollen, stimmt die Föderation einer Gerichtsverhandlung zu und verzichtet auf eine militärische Befreiungsaktion. In einem Schauprozess auf Qo’noS, in dem Gorkons Berater General Chang die Anklage vertritt, werden Kirk und McCoy zu lebenslanger Haft verurteilt. Anschließend sperrt man sie in die Minen auf dem vereisten Strafasteroiden Rura Penthe, wo die Gefangenen teils barbarischen Zuständen ausgesetzt sind.
Inzwischen lässt Spock seine Crew auf der Enterprise nach einer Erklärung für den Angriff auf das klingonische Schiff suchen. Spock kommt zum Schluss: Ein klingonisches Kriegsschiff mit neuester Tarn-Technologie hat unbemerkt die Torpedos abgefeuert. Außerdem muss es Komplizen auf der Enterprise geben. Spock ist es gelungen, Kirk und McCoy zu lokalisieren.
Dank der Hilfe der Gestaltwandlerin Martia, einer Mitgefangenen, gelingt den beiden die Flucht aus den Minen. Wenngleich ihr Entkommen nur in einen Hinterhalt führt, um ihre dezente Exekutierung zu ermöglichen. Spock und die Crew der Enterprise fliegen in das Territorium der Klingonen und können beide in letzter Minute an Bord der Enterprise beamen, bevor sie getötet werden. In der Zwischenzeit erfährt man, dass Lieutenant Valeris am Attentat auf den Kanzler beteiligt war.
Hier können nicht nur die beiden, inzwischen getöteten, Attentäter entlarvt werden, sondern auch deren Auftraggeber: Mit Hilfe einer Gedankenverschmelzung Spocks mit Valeris kommt die Crew einer zwischen Angehörigen der Föderation, Klingonen und Romulanern bestehenden Verschwörung auf die Spur, deren Ziel es ist, den Frieden zu boykottieren und den kriegerischen Status quo im Weltall aufrechtzuerhalten. Zu diesem Zweck haben die Klingonen einen von Chang befehligten Spezial-Tarnkreuzer, der nun bei einem Attentat während der Friedenskonferenz auf dem neutralen Außenposten Camp Khitomer Rückendeckung geben soll, in Verwendung. Dieser war bereits beim Angriff auf die Kronos 1 im Einsatz.
Mit Schützenhilfe der von Captain Sulu befehligten USS Excelsior kann die Crew der Enterprise das getarnte Kriegsschiff schließlich besiegen und das Attentat im letzten Augenblick vereiteln.
Kirk und seine Crew haben ihre Aufgabe erfolgreich erfüllt, und ihnen bleibt nur noch die Rückkehr zur Erde. Dort soll die Mannschaft abgemustert werden. Kirk jedoch lässt die Enterprise noch zu einer letzten Reise aufbrechen.
Entstehung Drehbuch Frank Mancuso, Präsident von Paramount, traf sich mit Leonard Nimoy, um die Möglichkeiten eines weiteren Star-Trek-Films zu besprechen. Das Franchise enttäuschte kommerziell mit dem letzten Film Star Trek V: Am Rande des Universums, doch sollte zum bevorstehenden 25-jährigen Jubiläum der Kultserie eine letzte Kinoproduktion mit der Originalbesatzung realisiert werden.
Leonard Nimoy brachte unter Eindruck des Zusammenbruchs der Sowjetunion und dem Ende des Kalten Krieges die Idee auf, auch die „Berliner Mauer im Weltraum“ fallen zu lassen: Die Story sollte sich um Friedensverhandlungen mit den Klingonen drehen, die als klassisches Feindbild in der Serie dienten. Selbst wollte er allerdings weder das Drehbuch schreiben noch die Mühen der Regie auf sich nehmen. Stattdessen kontaktierte er Nicholas Meyer, der als Regisseur und Autor hinter dem Erfolg von Star Trek II: Der Zorn des Khan stand und auch bei Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart maßgeblich am Drehbuch beteiligt war. In einem langen Gespräch zwischen Nimoy und dem interessierten Meyer formten sich die Grundlagen des späteren Films, etwa den metaphorischen Einbau der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl, Kirks Treffen mit dem klingonischen Kanzler, das Attentat auf denselbigen, Kirks Verurteilung bei einem Schauprozess und die Jagd nach den wahren Attentätern.Nicholas Meyer: The View From The Bridge: Memories of Star Trek and a Life in Hollywood. Plume, 2009, S. 200.
Das Studio akzeptierte die Storyidee, übergab den Auftrag für die Ausarbeitung allerdings zwei Autoren, die davon unabhängig bereits bei Paramount unter Vertrag für ein Drehbuch standen und auf einen passenden Film warteten. Der nur als Regisseur vorgesehene Meyer wurde dennoch kontaktiert, als das Autorenduo in kreative Schwierigkeiten geriet: In nach Meyers Angaben tagelangen Besprechungen gab dieser den Autoren seine und Nimoys Storyideen weiter. Deren fertiges Drehbuch wurde vom Studio dennoch verworfen und schließlich Meyer offiziell als Autor engagiert. Das Studio war Meyers Anfragen gegenüber nun sehr offen, akzeptierte Meyers Produzenten Steven-Charles Jaffe und Denny Martin Flinn als Co-Autor. Letzterer war Meyer ein besonderes Anliegen, da er seit Monaten mit einer Krebserkrankung kämpfte.Meyer: The View From The Bridge, S. 200–202.
Das Skript entstand unter Zeitdruck und per E-Mail-Verkehr zwischen Meyer und Flinn. Das fertige Drehbuch stieß sowohl beim Studio als auch bei Nimoy, der als Executive Producer fungierte, auf generelle Zustimmung. Nimoy drängte weiter auf Verbesserungen und schlug etwa eine Szene vor, in der Spocks Protegé Valeris, die sich als Verräterin entpuppt, vor der Entscheidung steht, Spock zu erschießen. Zwar lobten sich Meyer und Nimoy später oft gegenseitig für die Beiträge des jeweils anderen, doch überschatteten Meinungsverschiedenheiten zwischen beiden die ganze Produktion.Meyer: The View From The Bridge, S. 202f.
Entschieden größerer Widerstand gegen Meyers Ideen und Interpretation des Star-Trek-Universums kam von Gene Roddenberry. Der gesundheitlich schwer angeschlagene Schöpfer der Serie hatte seit dem ersten Star-Trek-Film, bei dem er als Produzent tätig war, keine Entscheidungsmacht mehr. Er bemühte sich in seiner Beraterfunktion dennoch um Einfluss, bekämpfte etwa die Darstellung offener Rassismen bei einigen Föderationsoffizieren. Insbesondere wollte er verhindern, dass die als positive Figur in Star Trek II eingeführte Vulkanierin Saavik eine Verräterin sein sollte. Nur weil schließlich Kirstie Alley für eine Wiederaufnahme ihrer Rolle nicht zur Verfügung stand, wurde auf Saavik verzichtet und stattdessen die Vulkanierin Valeris etabliert.Meyer: The View From The Bridge, S. 212f.
Budget Ende des Jahres 1990 kam es zwischen Meyer und den Verantwortlichen von Paramount zu Streitigkeiten über das Filmbudget: Statt der zuvor von Mancuso genannten 30 Millionen Dollar sollten nun 25 Millionen zur Verfügung stehen. Meyers Protest gegen ein Budget unter 30 Millionen (und damit unter den Kosten des Vorgängerfilms Star Trek V) führte zu Mancusos Entscheidung, das Projekt abzusagen. Davon unabhängig musste Mancuso kurz danach seinen Posten räumen. Seine Nachfolger Stanley Jaffe (nicht verwandt mit Meyers Produzenten Steven-Charles Jaffe) und Sherry Lansing sicherten Meyer das gewünschte Mindestbudget ohne Umschweife zu.Meyer: The View From The Bridge, S. 206ff.
Set Design Da die Serie Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert zum Drehzeitpunkt noch in der Produktion war, wurden Teile der Requisiten für den Kinofilm mitverwendet. Während des Angriffs des Tarnkreuzers sieht man Besatzungsmitglieder durch aus Das nächste Jahrhundert bekannte Korridore und Teile des Maschinenraums rennen. Für die Kulisse des Pariser Büros des Föderationspräsidenten verwendete man das Interieur der Bar Zehn Vorne (Ten Forward) von der Enterprise-D. Der Speiseraum beim Empfang der Klingonen am Anfang sowie der Raum, in dem Scotty die Stiefel im Lüftungsschacht findet, ist die Beobachtungslounge der Enterprise-D. Es werden ebenfalls Teile des Maschinenraums der Enterprise-D verwendet.
Besetzung Star Trek VI: Das unentdeckte Land ist der letzte Film der Reihe, in dem die gesamte Originalbesetzung aus Raumschiff Enterprise zu sehen ist. Für DeForest Kelley sollte es der letzte Auftritt in einem Kinofilm sein, er starb im Jahr 1999.
Neben der Stammbesetzung sind unter anderem Christopher Plummer, Rosanna DeSoto, David Warner, Kim Cattrall und das Model Iman zu sehen.
Brock Peters nahm seine Rolle als Admiral Cartwright aus Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart wieder auf und Mark Lenard ist hier letztmals als Botschafter Sarek zu sehen, eine Rolle, die er schon in der Originalserie, mehreren der Kinofilme und zwei Episoden von Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert verkörpert hatte.
Kirk und McCoy werden während des Schauprozesses vom klingonischen Colonel Worf verteidigt. Dieser wurde von Michael Dorn verkörpert, der bereits in Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert die Rolle als klingonischer Sicherheitschef Lieutenant Worf hatte. In einem Interview erklärte Dorn, dass Colonel Worf der Großvater von Lieutenant Worf sein soll.