mini|Der ehemalige Herrensitz Oedenberg Der Herrensitz Oedenberg, auch Schloss Oedenberg genannt, ist ein ehemaliger Herrensitz im Gemeindeteil Oedenberg der Stadt Lauf an der Pegnitz im mittelfränkischen Landkreis Nürnberger Land. Das heutige, 1731 errichtete Herrenhaus geht auf einen mittelalterlichen Adelssitz zurück. Es befindet sich am Schlossweg 1 und wird heute als Gasthaus genutzt.
Geschichte Mittelalter Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege datiert die Anfänge des Herrensitzes in die Mitte des 13. Jahrhunderts. Möglicherweise reicht seine Geschichte noch weiter zurück. In einer 1166 von Bischof Konrad von Eichstätt besiegelten Urkunde erscheint unter den Zeugen ein Ministerialer namens „Chonrad de Ödenburc“. Ob dieser tatsächlich mit Oedenberg bei Lauf in Verbindung gebracht werden kann, ist jedoch nicht gesichert. Ab 1312 ist ein Geschlecht der Oedenberger nachweisbar, das den namensgebenden Besitz zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr innehatte.
1304 ließ Konrad Pfinzing bisherige Lehen in Unterdeutenbach vom Hochstift Eichstätt in Eigenbesitz umwandeln und trug dafür seine bis dahin freieigenen Güter in Oedenberg dem Eichstätter Bischof zu Lehen auf. Das Hochstift blieb bis zum Ende des Alten Reiches Lehnsherr des Gutes.
Als Besitzer folgten den Pfinzing um 1384 die Vorchtel, die bis 1446 nachweisbar sind, und anschließend die Nürnberger Patrizierfamilie Paumgartner. Diese veräußerte Oedenberg um 1489/90 für 600 Gulden an die Groland. Bereits 1489 sind Baumaßnahmen an der dortigen „Behausung“ überliefert. 1518 stellten die Groland ihren Oedenberger Sitz der Reichsstadt Nürnberg für den Kriegsfall zur Verfügung.
Zerstörung und Wiederaufbau Im Zweiten Markgrafenkrieg wurde der Herrensitz 1553 zerstört. Vom älteren Schloss blieben Teile des steinernen Unterbaus beziehungsweise der Fundamente erhalten. Auf der ebenfalls erhaltenen steinernen Umfassung ließ die Familie Groland später einen kleinen zweigeschossigen Fachwerkbau errichten, der vermutlich dem Verwalter diente.
Die Groland besaßen Oedenberg bis zum Erlöschen der Familie im Jahr 1720. Der Herrensitz war für die Familie so bedeutend, dass sie nach ihm den Namen Groland von Oedenberg führte. Nach ihrem Aussterben fiel das Lehen an das Hochstift Eichstätt zurück. Bischof Johann Anton I. Knebel von Katzenelnbogen übertrug es zunächst Angehörigen seiner Familie.
1730 erhielt der Nürnberger Patrizier Jobst Wilhelm Ebner von Eschenbach das Gut. Er ersuchte den Nürnberger Rat um die Wiederherstellung des seit den Kriegszerstörungen ruinösen Herrenhauses. Bereits 1731 entstand der im Wesentlichen bis heute erhaltene Bau, wahrscheinlich unter Einbeziehung beziehungsweise Nutzung älterer Fundamente.
Beschreibung Das Herrenhaus ist ein nahezu quadratischer, dreigeschossiger Sandsteinquaderbau mit einer Grundfläche von etwa 9,90 × 11,10 Metern. Das Gebäude besitzt auf jeder Seite drei Fensterachsen und wird von einem Walmdach abgeschlossen. An Vorder- und Rückseite befinden sich Zwerchhäuser mit Dreiecksgiebeln.
Die beiden Obergeschosse werden über ein großzügiges Treppenhaus erschlossen. Im ersten Obergeschoss befanden sich ursprünglich unter anderem Stube, Küche und Kammern, während im zweiten Obergeschoss ein kleiner repräsentativer Saal eingerichtet war.
Über dem Portal an der Südseite befindet sich ein reliefierter Wappenstein mit der Jahreszahl 1731. Er zeigt die Wappen des Bauherrn Jobst Wilhelm Ebner von Eschenbach und seiner Ehefrau Maria Sophia Nützel.
Zum Schlossgut gehörten gegen Ende des 18. Jahrhunderts neben dem Herrenhaus ein Voitenhaus, fünf Güter, ein Wirtshaus, zwei Tropfhäuser und ein Hirtenhaus.
Neuere Geschichte 1853 verkaufte Regina Ebner von Eschenbach, die Witwe Paul Sigmund Wilhelm Ebners, das Schlossgut an den Rückersdorfer Spezereihändler Sigmund Häffner. Nach mehreren weiteren Besitzerwechseln erwarb 1865 die aus Kalchreuth stammende Familie Fensel das Anwesen.
Die Familie richtete zunächst im Erdgeschoss eine Schmiede ein. 1892 entstand im ersten Obergeschoss eine Wirtsstube; seit diesem Zeitpunkt wird das Herrenhaus auch als Gasthaus genutzt. Nach dem Tod des Schmiedemeisters Georg Fensel im Jahr 1945 wurde die Schmiede aufgegeben und die Gastwirtschaft in das Erdgeschoss verlegt. 1968 kam ein Erweiterungsbau hinzu.
Der ehemalige Herrensitz befindet sich weiterhin im Besitz der Familie Fensel und wird als Restaurant mit angeschlossener Metzgerei genutzt.
Denkmalschutz Der ehemalige Herrensitz ist unter der Aktennummer D-5-74-138-258 als Baudenkmal in die Bayerische Denkmalliste eingetragen. Das Landesamt beschreibt ihn als dreigeschossigen Sandsteinquaderbau mit Walmdach, Zwerchhäusern und reliefiertem Wappenstein. Zum Baudenkmal gehört außerdem eine Fachwerkscheune mit Steildach aus dem zweiten Viertel des 19. Jahrhunderts.
Das Umfeld des Herrenhauses ist zugleich als Bodendenkmal D-5-6433-0222 mit der Bezeichnung „Herrensitz des Mittelalters und der frühen Neuzeit“ geschützt.
Literatur Volker Alberti, Lorenz Baumann, Horst Holz: Burgen und Schlösser in Lauf und Umgebung. Unteres Pegnitztal (= Fränkische Adelssitze. Band 2). Simmelsdorf-Hüttenbach 1999, S. 54–57. Ewald Glückert: Burgen, Schlösser, Herrensitze. Wehr- und Herrschaftsbauten im Stadtgebiet von Lauf a. d. Pegnitz (= ZeitenLauf. Publikationen zur Stadtgeschichte. Band 5). Ziethen, Oschersleben 2005, ISBN 3-938380-27-6, S. 63–68. Werner Meyer, Wilhelm Schwemmer: Landkreis Lauf an der Pegnitz (= Die Kunstdenkmäler von Bayern. Regierungsbezirk Mittelfranken. Band 11). R. Oldenbourg, München 1966, S. 339–342. Wilhelm Schwemmer, Gustav Voit: Lauf-Hersbruck (= Historischer Atlas von Bayern. Teil Franken. Reihe I, Heft 14). Kommission für Bayerische Landesgeschichte, München 1967, S. 42, 87.
Weblinks
Oedenberg bei Burgen und Herrensitze in der Nürnberger Landschaft Chronik des Schlosses Oedenberg Bayerischer Denkmal-Atlas
Einzelnachweise
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