Ådalen ist ein Eisenmeteorit, dessen Fall am 7. November 2020 über Mittelschweden beobachtet werden konnte. Eine 13,8 kg schwere Hauptmasse wurde knapp einen Monat später nahe dem Dorf Ådalen in der Gemeinde Enköping gefunden.
Ådalen ist einer von weltweit nur 51 Eisenmeteoriten, bei denen der Fall beobachtet werden konnte und der erste Eisenmeteorit, für den anhand instrumenteller Beobachtungen eine Flugbahn vor dem Eintritt in die Erdatmosphäre und eine heliozentrische Umlaufbahn vor der Kollision mit der Erde berechnet werden konnten.
Um den Meteoriten herrschte ein jahrelanger Eigentumsstreit zwischen dem Grundeigentümer und den beiden Findern, der schließlich vom schwedischen Höchstgericht im August 2025 zu Gunsten der Finder entschieden worden ist. Dieser Rechtsstreit hat verhindert, dass der Meteorit aufgeschnitten und formell klassifiziert werden konnte. Deshalb ist der Meteorit bisher nicht offiziell in der Meteoritical Bulletin Database gelistet.
Fall Am 7. November 2020 um 21:27:04 UTC (22:27 Uhr Ortszeit) wurde über Mittelschweden ein außergewöhnlich heller Bolide beobachtet. Die Leuchterscheinung dauerte rund vier Sekunden und wurde von Augenzeugen in weiten Teilen Skandinaviens aus einer Entfernung von bis zu 665 km beobachtet. Bei der International Meteor Organization gingen 22 Berichte zu dem Ereignis aus Schwedens, Dänemark und Norwegen ein. In der Nähe der Flugbahn war der Himmel großteils bewölkt, Zeugen berichteten aber von explosionsartigen Knall-Geräuschen und länger anhaltendem Donnern.
Während Meteor-Kameras in Schweden wegen der Bewölkung keine brauchbaren Daten lieferten, konnte der Bolide von Kamerastationen in Finnland, Norwegen und Dänemark aufgezeichnet werden. Zusätzlich registrierten Infraschall- und seismische Messstationen das Ereignis. Aus den Aufzeichnungen konnte eine sehr steile Flugbahn rekonstruiert werden, die von Südwesten nach Nordosten verlief.
Der Meteoroid trat mit einer Geschwindigkeit von etwa 17,5 km/s in die Atmosphäre ein. Die leuchtende Flugbahn begann in 81,5 km Höhe und konnte bis auf 11,3 km Höhe verfolgt werden, bevor die Leuchterscheinung erlosch und die Dunkelflugphase begann. Damit drang der Körper – verglichen mit anderen instrumentell erfassten Meteoroiden – ungewöhnlich tief in die Atmosphäre ein. Die ungewöhnlich tiefe Endhöhe deuteten bereits früh darauf hin, dass es sich um einen besonders dichten Körper handeln könnte. Messungen des Ereignisses durch US-Regierungssensoren ergaben eine freigesetzte Energie von etwa 0,33 Kilotonnen TNT. Anhand der Beobachtungsdaten wurde ein wahrscheinliches Fallgebiet in der Umgebung von Ådalen nördlich von Fjärdhundra berechnet.
Suche und Fund In der zweiten Novemberhälfte 2020 konnten in dem berechneten Fallgebiet mehrere nur millimetergroße, schwarze und metallische Fragmente entdeckt werden. Sie wurden in der Nähe eines Felsblocks gefunden, der eine frische Beschädigung aufwies. Die Fragmente wurden am Naturhistoriska riksmuseet in Stockholm untersucht. Anhand der Zusammensetzung aus Eisen, Nickel und Kobalt konnte festgestellt werden, dass es tatsächlich zu einem Meteoritenfall gekommen war.
Am 5. Dezember 2020 fanden die Geologen und Meteoritensucher Andreas Forsberg und Anders Zetterqvist eine wesentlich größere Masse mit 13,8 kg. Der Meteorit lag teilweise in Moos eingebettet und befand sich etwa 70 m von dem zuvor entdeckten beschädigten Felsblock entfernt.
Umlaufbahn und Herkunft Durch die instrumentellen Beobachtungen war es erstmals bei einem Eisenmeteoriten möglich, seine Umlaufbahn vor dem Eintritt in die Erdatmosphäre zu rekonstruieren. Ådalen bewegte sich vor der Kollision mit der der Erde auf einer erdnahen Bahn vom Apollo-Typ mit einer großen Halbachse von etwa 1,90 AE, einer Exzentrizität von etwa 0,53 und einer Bahnneigung von rund 15,2°. Modell-Rechnungen zeigen, dass der Körper wahrscheinlich aus dem inneren Asteroidengürtel in eine erdnahe Umlaufbahn geraten war.
Klassifikation und Name Eine vollständige chemische und isotopische Untersuchung der Hauptmasse konnte wegen des langwieriger Rechtsstreits um das Eigentum an dem Meteoriten über mehrere Jahre nicht vorgenommen werden. Deshalb wurde Ådalen bisher keiner chemischen Gruppe der Eisenmeteoriten zugeordnet und konnte auch nicht unter einem offiziellen Namen in der Meteoritical Bulletin Database verzeichnet werden. Ådalen ist ein vorläufiger Name nach dem nächstgelegenen Ort, der sowohl in Medienberichten als auch in wissenschaftlichen Veröffentlichungen verwendet wird.
Eigentumsstreit Die beiden Finder haben die Hauptmasse dem Naturhistoriska riksmuseet in Stockholm zur Untersuchung und Aufbewahrung überlassen. Der Eigentümer des Grundstücks, auf dem der Meteorit gefunden worden ist, erhob jedoch Anspruch auf den Meteoriten. Daraus entwickelte sich ein mehrjähriger Rechtsstreit.
Das Bezirksgericht von Uppsala entschied zunächst zugunsten der Finder. Das schwedische Oberlandesgericht Svea hovrätt sprach den Meteoriten hingegen dem Grundeigentümer zu. Der schwedische Oberste Gerichtshof hob diese Entscheidung am 19. August 2025 auf und stellte fest, dass der Meteorit den Findern gehört.
Das Gericht begründete seine Entscheidung damit, dass es in Schweden keine besonderen gesetzlichen Bestimmungen über das Eigentum an Meteoriten gibt. Ein kürzlich gefallener Meteorit ist demnach grundsätzlich als bewegliche Sache anzusehen, sofern er nicht derart in den Boden eingegangen sei, dass er als Bestandteil des Grundstücks betrachtet werden müsse. Dies sei beim Ådalen-Meteoriten nicht der Fall gewesen.
Einzelnachweise
Kategorie:Eisenmeteorit Kategorie:Gemeinde Enköping Kategorie:Schwedische Geschichte (21. Jahrhundert)