Steven Kenneth Bonnell II (* 12. Dezember 1988), online bekannt als Destiny, ist ein US-amerikanischer Livestreamer und politischer Kommentator. Er gehörte zu den Ersten, die Videospiele hauptberuflich online streamten. Seit 2016 streamt er politische Gespräche mit anderen Online-Persönlichkeiten, in denen er sich für liberale und sozialdemokratische politische Ansätze einsetzt.
Herkunft und Kindheit Steven Kenneth Bonnell II wurde in Omaha, Nebraska geboren. Er wuchs in einem konservativen katholischen Elternhaus auf, und ging zur Creighton Preparatory School, eine private Jesuitenschule für Jungen. Mütterlicherseits ist er kubanischer Abstammung. In seiner Kindheit scheiterte das Unternehmen seiner Mutter, woraufhin das Haus seiner Familie zwangsversteigert wurde. Einige Jahre später zogen seine Eltern um, um sich um einen älteren Verwandten zu kümmern. Er selbst lebte daraufhin bis zu seinem 18. Lebensjahr bei seiner Großmutter.
Im Jahr 2007 schrieb sich Bonnell an der University of Nebraska Omaha ein, wo er Musik studierte, während er Nachts als Restaurantleiter in einem Casino arbeitete. Da es ihm schwerfiel, Studium und Vollzeitjob unter einen Hut zu bringen, brach er das Studium in 2010 ab. Innerhalb eines Jahres verlor er seinen Arbeitsplatz. Den Verlust des Arbeitsplatzes führte er auf zwischenmenschliche Schwierigkeiten zurück.
Später fand Bonnell Arbeit als Teppichreiniger. Seinen Angaben zufolge lag sein durchschnittlicher Verdienst bei 3 bis 4 Dollar pro Stunde.
Karriere
Videospiel-Livestreaming (2011–2016)
Im Jahr 2011 gab Bonell seinen Beruf als Teppichreiniger auf, um sich Vollzeit dem Streamen von Videospielen zu widmen. Mit der Übertragung seiner StarCraft II-Runden auf Plattformen wie livestream.com und ustream.tv, und später Justin.tv (heute Twitch) war er finanziell erfolgreich. Im Oktober desselben Jahres schloss sich Bonell dem Profiteam "Quantic Gaming" an und belegte beim Turnier "MLG Global North American Invitational" 2011 den vierten Platz. Während seiner Zeit als Starcraft II-Streamer war Bonnell für seinen konfrontativen Stil bekannt, der oft "beleidigende" Kommentare gegenüber anderen Spielern umfasste, die auf einen Schockhumor-Effekt abzielten.
Twitch Debatten (2016–2022)
Ab 2016 führte Bonell politische Debatten mit anderen Internetpersönlichkeiten in seinen Livestreams. Im März 2017 debattierte er mit dem Youtuber Jon Jafari, auch bekannt als JonTron, über Einwanderung und Assimilation, nachdem Jafari sich auf Twitter hinter einwanderungsfeindliche Äußerungen des republikanischen Kongressabgeordnete Steve King gestellt hatte. Jafaris Aussagen zu den Themen Herkunft, Kriminalität und Einwanderung während der Debatte mit Bonnell wurden von den Zuschauern als kontrovers wahrgenommen, und die darauffolgende Kritik stieß auf mediales Interesse.
Im Sommer 2018 wurde Bonnell von Twitch für 30 Tage gesperrt, weil er das Wort "faggot" (eine abfällige Bezeichnung für Homosexuelle) verwendet hatte. Im November 2018 starteten Bonnell und sein Streamer Kollege Trihex gemeinsam einen politischen Podcast, den "DT Podcast". Die letzte Folge des Podcasts wurde im Oktober 2019 ausgestrahlt. In dieser konfrontierte Trihex Bonell mit dessen Aussagen, in denen er die Verwendung beleidigender Witze, einschließlich die Verwendung rassistischer Schimpfwörter, im privaten Rahmen, verteidigt hatte. Der Twitch-Streamer Hasan Piker, der zuvor Kontakt zu Bonnell aufgenommen hatte, um "ein Bündnis zu schließen" distanzierte sich unter anderem aufgrund dieser Kontroverse von Bonnell.
Bonnell wurde im März 2022 aufgrund von "hasserfülltem Verhalten" auf unbestimmte Zeit von Twitch gesperrt. Der Esports-Medien und Unterhaltungsverlag Dot Esports vermutete, dass dies auf einen gemeinsamen Stream mit dem weiß-nationalistischen Aktivisten Nick Fuentes zurückzuführen sein könnte, der zuvor bereits von der Plattform verbannt worden war. Während Bonnell selbst spekulierte, der Grund sei seine geäußerte Ansicht, dass "Transfrauen im Frauensport nicht gegen Cis-Frauen antreten sollten".
Karriere nach Twitch (seit 2022)
Im September 2023 führte Bonnell, gemeinsam mit anderen politischen Streamern wie Vaush, Emma Vigeland, und Keffals, Gespräche mit dem US-Abgeordneten Ro-Khanna über verschiedene Themen, darunter die Bedeutung politischer Teilhabe junger Menschen und Möglichkeiten zur Förderung progressiver politischer Strömungen. Ab Anfang 2024 übernahm Bonnell die Co-Moderation der Podcasts "Bridges" und "Anything Else?".
Ende 2024 begannen Mitglieder von Bonnells Reddit- und Discord-Communitys, sich an einer Online-Kampagne gegen Twitch zu beteiligen. Dabei übten sie Druck auf Werbepartner der Plattform aus, indem sie behaupteten, Twitch fördere antisemitische Inhalte. Zu den Aktivisten der Kampagne gehörte Dan Saltman, ein Online Kommentator und Co-Moderator von Bonnells Podcast, der bereits mehrere Websites ins Leben gerufen hatte, die sich gegen Twitch-CEO Dan Clancy und Amazon-Music Vizepräsident Steve Boom richteten. Saltman erklärte: "Das Ziel unserer Kampagne ist simpel: Der Rücktritt des CEO Dan Clancy."
Bonnell hat erklärt, dass sein persönliches Engagement in der Kampagne nur geringfügig gewesen sei. Laut der Bloomberg-Autorin Cecilia D'Anastasio belästigten sowohl die Fans von Bonnell als auch die von Saltman mehrere Twitch-Mitarbeiter, darunter auch Angehörige der Abteilung für Sicherheit und Vertrauen. Kritiker der Kampagne warfen Bonnell und Saltem zudem vor, Journalistinnen belästigt zu haben. Saltman wurde schließlich von Twitch gesperrt. Als Grund wurde "extreme Belästigung" angegeben. Saltman äußerte sich dazu mit der Aussage, "Belästigungsvorwürfe" würden häufig von Personen erhoben , "die wegen ihrer Intoleranz, ihres Sexismus und ihres Hasses bloßgestellt wurden".
Bonnell führte während der Wahl zum Vorsitzenden des Democratic National Committee im Jahr 2025 Live-Gespräche mit mehreren Kandidaten. Zu den Interviewten gehörten Ben Wikler, der ehemalige Gouverneur von Maryland Martin O'Malley, der New York Senator James Skoufis sowie Präsidentschaftskandidatin von 2020, Marianne Williamson. Später im selben Monat interviewte Bonnell die Politikerin Jessica Anderson aus Virginia. Anderson kandidierte für den 71. Wahlbezirk bei der Wahl zum Repräsentantenhaus von Virginia. Im darauffolgenden November gewann sie dieses Mandat.
Im Jahr 2025 schloss sich Bonnell der "Unfuck America Tour" an. Die "Unfuck America Tour" ist eine Reihe progressiver Veranstaltungen an Hochschulen in den Vereinigten Staaten von Amerika, die von "National Ground Game" organisiert wurde. Ziel der Tour ist es, Turning Point USA etwas entgegenzusetzen und junge Wähler für die Demokratische Partei zu mobilisieren.
Politische Positionen Bis 2012 bezeichnet sich Bonnell als Libertär und Gegner von "Social Justice Warriors" mit "gesellschaftspolitischen Ansichten rechts der Mitte". Danach begann sich seine politische Haltung in Richtung Liberalismus zu verschieben, ausgelöst durch einen Vorfall, bei dem er mitanhörte wie ein anderer Streamer eine homophobe Beleidigung verwendete. Bonnell hat sich gegen bestimmte Aspekte sowohl rechtsextremer als auch linksextremer Politik ausgesprochen. Zudem hat er die Idee vertreten, dass an Hochschulen Studierende mit vielfältigen Ansichten vertreten sein sollten, um die politische Polarisierung zu verringern.
Bonnell sagte, es sei nicht seine Absicht, seine Gegner zu überzeugen, sondern das Publikum. Er schätzt "Hunderte E-Mails" von ehemaligen Mitgliedern der Alt-Right-Bewegung erhalten zu haben, die ihm ihren Wechseln zu linken politischen Ansichten zuschreiben. In der späteren journalistischen und wissenschaftlicheren Berichterstattung über die Rechte-YouTube-Szene wird Bonnell als frühe und wirksame Gegenstimme gewürdigt, insbesondere aufgrund seines provokanten, kämpferischen Debattenstils, der bei einem rechten Gaming-Publikum Anklang findet. Bonnell hat die Armut, die er während seiner Jugend und Studienzeit erlebte, als prägend für seine Ansichten bezeichnet und betont, dass er seine Argumentation, lieber auf empirische Daten stützt als auf moralische Appelle.
Politische Gewalt Bonnell wurde im September 2020 mitgeteilt, dass seine Twitch-Partnerschaftsvereinbarung im folgenden Monat wegen "Anstiftung zur Gewalt" gekündigt würde. Die Kündigung erfolgte aufgrund von Äußerungen, die er während eines Streams, nach den Schüssen im Zuges der Unruhe in Kenosha, getätigt hatte. Dabei sagte Bonnell:
Nach dem ersten Attentat auf Donald Trump im Jahr 2024, bei dem ein Zuschauer der Trump-Wahlkampfveranstaltung ums Leben kam und zwei weitere verletzt wurden, sagte Bonnell Trump und seine Anhänger würden "ernten, was sie säen, und ich bin hier, um bei der Ernte zuzusehen". Die internationale Wochenzeitung The Economist führte Bonnell als Beispiel für einen "wütenden Progressiven" an, der "beklagte", dass das Attentat gescheitert war.
Israelisch-palästinensischer Konflikt Nach dem Angriff der Hamas auf Israel im Jahr 2023 bekundete Bonnell seine Unterstützung für Israel. Er äußerte sich wie folgt: "Die Palästinenser werden von sämtlichen arabischen Staaten unterdrückt, und kein einziges dieser Länder, die doch eigentlich auf "ihrer" Seite stehen sollten, hat sich die Mühe gemacht, ihnen eine echte Lösung anzubieten. Dennoch richtet sich ihr Zorn voll und ganz gegen Israel, meiner Meinung nach zu Unrecht." Er fügte hinzu, die Unterstützung für die Hamas im Gazastreifen sei zwar verständlich, beruhe jedoch "nicht auf einer informierten Entscheidung, sondern auf einer Notlage". In einer Debatte mit Nathan J. Robinson sprach sich Bonnell gegen das Rückkehrrecht der Palästinenser aus, da er der Ansicht war, dieses würde Frieden und eine Zwei-Staaten-Lösung unmöglich machen.
Im März 2024 diskutierte Bonnell im Lex Fridman Podcast über den israelischen-palästinensischen Konflikt und den Gazakrieg. Dabei vertrat er, gemeinsam mit dem Historiker Benny Morris, die pro-israelische Position, währen der Politikwissenschaftler Norman Finkelstein und der Politikanalyst Mouin Rabbani die Gegenseite repräsentierten. Er hat außerdem die Israel-Kritik des Streamers Hasan Piker kritisiert.
Wirtschaft Im Jahr 2019 begann Bonnell, öffentlich Debatten zugunsten des Kapitalismus und gegen Sozialisten sowie Kommunisten zu führen. Im Jahr 2021 debattierte er mit dem marxistischen Ökonomen Richard D. Wolff, wobei Bonnell den Kapitalismus verteidigte. Bonnell bezeichnete den Begriff "Sozialismus" als unzureichend definiert und verwies auf die Geschichte von Hungersnöten und Missständen in Ländern wie der Sowjetunion und China. Wolff hingegen widersprach während der gesamten Debatte Bonnells Darstellung seiner Ansichten zum Sozialismus.
Wahlkampf Im Jahr 2020 unterstütze Bonnell den Wahlkampf von Joe Biden für die Präsidentschaftswahl. Nach Bidens Sieg leitete Bonnell eine Mobilisierungskampagne zur Unterstützung des demokratischen Kandidaten Jon Ossoff und Raphael Warnock bei den Stichwahlen für den US-Senat in Gerogia. Mit Hilfe von 140 Freiwilligen, die aus Bonnells Online Community rekrutiert wurden, suchte die Kampagne schätzungsweise 17.500 bis 20.000 Haushalte in Columbus, Georgia auf. Bonnell leitete eine weitere Mobilisierungsaktion zur Unterstützung von Mark Gudgel bei der Bürgermeisterwahl in Omaha im Jahr 2021. Am 3. März 2021 beendete Gudgel die Zusammenarbeit mit Bonnell offiziell aufgrund dessen Äußerungen zu den Ausschreitungen im Zuge der Proteste nach dem Tod von George Floyd.
Im Jahr 2024 lieferte sich Bonnell, der während der US-Präsidentschaftswahl 2024 Kamala Harris unterstütze, eine Debatte mit dem rechten Youtuber John Doyle, der Donald Trump unterstützte. Im Februar 2024 leitete Bonnell in Ohio, Cincinnati eine Mobilisierungskampagne der politischen Aktivistengruppe "Progressive Victory", um Sherrod Brown bei der Wahl zum US-Senat in Ohio zu unterstützen.
Privatleben