Das Moor- und Bauernmuseum Benthullen ist ein heimatkundliches Museum in Benthullen, einem Ortsteil der Gemeinde Wardenburg im Landkreis Oldenburg in Niedersachsen.
Das Museum befindet sich auf dem Gelände eines ehemaligen Siedlerhofes und beschäftigt sich mit der Entwicklung Benthullens im Oldenburger Land, der Geschichte der Moorkultivierung sowie der Landwirtschaft und dem ländlichen Leben im 20. Jahrhundert. Einen Schwerpunkt bildet die Darstellung des Alltagslebens der 1950er bis 1970er Jahre.
Lage und Umgebung Das Museum befindet sich in Benthullen und liegt etwas abseits der durch den Ort führenden Hauptverkehrsstraße. Vom Kernort Wardenburg ist das Museum etwa 7 Kilometer entfernt. Die Stadt Oldenburg liegt etwa 15 Kilometer nordöstlich.
Die Umgebung des Museums ist durch die Moorlandschaft des Vehnemoors geprägt. Das Naturschutzgebiet Benthullener Moorbefindet sich in unmittelbarer Umgebung nördlich des Museums. In dem rund 270 Hektar großen Gebiet finden sich ehemalige Handtorfstiche, feuchte Heideflächen, Gehölzbereiche und landwirtschaftlich genutztes Grünland. Außerdem befindet sich in der Nähe noch das Naturschutzgebiet Harberner Heide, welches nur wenige hundert Meter nördlich des Benthullener Moors liegt.
Geschichte
Vorgeschichte Das Museum steht in engem Zusammenhang mit der Entstehungsgeschichte Benthullens als Moorsiedlung im Oldenburger Land. Benthullen wurde ab den 1930er Jahren auf zuvor überwiegend von Moor und Heide geprägten Flächen angelegt. Die Entwässerung und Kultivierung des Moores machten die landwirtschaftliche Nutzung und die Ansiedlung von Bauernfamilien möglich.
Die Anfänge des Museums reichen bis in das Jahr 1984 zurück. Anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Ortschaft wurden historische Gegenstände aus dem Dorf zusammengetragen. Die Sammlung umfasste zunächst unterschiedliche Zeugnisse des früheren Alltags von beispielsweise Postkarten bis hin zu landwirtschaftlichen Großgeräten. Sie entstand zunächst als Provisorium mit lediglich regionalen Exponaten.
Gründung und Aufbau des Museums Am 2. März 1997 trafen sich 13 Menschen in Benthullen, um die Einrichtung eines dauerhaften Museums voranzutreiben. Als geeigneter Standort wurde der ehemalige Hof der Familie Berg gefunden. Zahlreiche Menschen aus dem ganzen Oldenburger Land stellten weitere Exponate zur Verfügung. Dadurch wurde die Sammlung kontinuierlich erweitert und um Stücke ergänzt, die über Benthullen hinausgehen. Zugleich gewann die Ausstellung allmählich an thematischer Breite und dokumentarischer Aussagekraft.
Das Museumsgebäude geht auf einen Siedlerhof zurück, der 1956 einer sechsköpfigen Familie Berg durch das zuständige Siedlungsamt zugewiesen worden war. Nachdem das Wirtschaftsgebäude später nicht mehr landwirtschaftlich genutzt wurde und leer stand, begann 1991 seine Restaurierung. Die vorhandenen landwirtschaftlichen Geräte, Maschinen und Wagen wurden instand gesetzt und für die museale Nutzung aufbereitet. Auch der ehemalige Heuboden, die Stallungen und weitere Nebengebäude wurden entsprechend hergerichtet.
Am 28. Juli 1998 wurde das Moor- und Bauernmuseum unter der Trägerschaft des Bürger- und Heimatvereins Benthullen-Harbern eröffnet. Bis 2024 wurde das Museum ehrenamtlich durch diesen Verein betrieben.
Im Jahr 2017 fanden auf dem Museumsgelände Dreharbeiten des NDR für einen Beitrag über die norddeutsche Museenlandschaft statt.
Am 3. Juli 2024 wurde ein eigenständiger Museumsverein gegründet, um die ehrenamtliche Arbeit koordinierter aufzuteilen und den gewachsenen Anforderungen des Museumsbetriebs gerecht zu werden. Die steigenden Besucherzahlen, ein erweitertes Veranstaltungsangebot und das zunehmende Interesse an der Sammlung führten zu einem wachsenden organisatorischen Aufwand. Auf der Gründungsversammlung wurde Jürgen Bureck zum ersten Vorsitzenden gewählt. Damit wurde das Museum organisatorisch aus dem Bürger- und Heimatverein Benthullen-Harbern herausgelöst.
Gebäude und Museumsgelände Das Museum befindet sich in einer ehemaligen Landwirtschaft in der Straße Zu den Birken. Das historische Wirtschaftsgebäude bildet den Mittelpunkt der Ausstellung. Neben dem ursprünglichen Wirtschaftsbereich wurden auch der frühere Heuboden, Stallungen und weitere Nebengebäude in die museale Nutzung einbezogen. Das Museum beinhaltet unter anderem eine Stellmacherwerkstatt, eine Schmiede, eine Backstube, eine Schusterei und eine Zahnarztpraxis. mini|Stamm der über 5000 Jahre alten Eiche im Außenbereich des Museums Zum Außengelände gehört der Stamm einer etwa 5000 Jahre alten Eiche. Der Baum wurde im Moor bei Charlottendorf-West entdeckt und wird seit 2013 auf dem Museumsgelände gezeigt. Eine dendrochronologische Untersuchung aus dem Jahr 2013 bestätigte das hohe Alter des Holzes.
Sammlung und Nutzung
Ausstellung Die Sammlung des Museums umfasst landwirtschaftliche und handwerkliche Geräte, Maschinen, Wagen, Kleidungsstücke sowie Gegenstände aus Haushalt, Freizeit und Alltagsleben. Die Exponate stammen überwiegend aus dem 20. Jahrhundert und vermitteln einen Einblick in die Lebens- und Arbeitswelt der Bevölkerung im Oldenburger Land und den umliegenden Moorregionen.
Für die Aufarbeitung von moorspezifischen Ausstellungsstücken, beispielsweise der Vogel- und Niederwildausstellung, findet eine enge Zusammenarbeit mit dem Landesmuseum Natur und Mensch in Oldenburg statt.
Ein Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung der Landwirtschaft. Die Ausstellung zeigt unter anderem Geräte und Maschinen aus der Zeit, in der die traditionelle Arbeit mit Pferden zunehmend durch motorisierte Maschinen ersetzt wurde. Damit wird auch der landwirtschaftliche Strukturwandel dargestellt, der insbesondere in den 1950er Jahren einsetzte. Als eines der außergewöhnlicheren Ausstellungsstücke gilt beispielsweise eine Viktoriakutsche aus dem 19. Jahrhundert.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Entwicklung des Alltagslebens in den 1950er Jahren. Gezeigt werden unter anderem Einrichtungsgegenstände, Haushaltsgeräte, Kleidung und technische Geräte. Dazu gehören beispielsweise Waschmaschinen, Radios, Plattenspieler, Musikboxen, Telefone und weitere Gegenstände, die den Wandel von Wohnen und Freizeit veranschaulichen.
Darüber hinaus werden verschiedene traditionelle Berufe und Handwerke dargestellt. Zu den ausgestellten Bereichen gehört unter anderem eine historische Schuhmacherwerkstatt. Auch ein Kaufmannsladen und ein historisches Klassenzimmer gehören zu den Einrichtungen des Museums.
Schreibmaschinenmuseum Seit 2021 befindet sich auch das zuvor eigenständige Schreibmaschinenmuseum in den Räumlichkeiten des Moor- und Bauernmuseums. Die Sammlung ergänzt die übrige Ausstellung um einen weiteren Bereich der Technik- und Alltagsgeschichte und umfasst über 400 Schreibmaschinen. Für den Ausbau erhielt das Museum Fördermittel aus dem LEADER-Programm der Europäischen Union.
Veranstaltungen Neben der Dauerausstellung dient das Museum als Veranstaltungsort für kulturelle Veranstaltungen. Dazu gehören eigene Aktionstage als auch externe Veranstaltungen. Eine regelmäßig stattfindende Veranstaltung ist der „Pfingstspaß im Moor“, der auf dem Museumsgelände ausgerichtet wird. Ebenfalls finden beispielsweise seit dem Jahr 2000 jährliche Oldtimertreffen auf dem Gelände statt. Die Räumlichkeiten des Museums können außerdem für standesamtliche Trauungen genutzt werden. Besichtigungen sind nach vorheriger Vereinbarung möglich.
Trägerschaft und Verein Das Museum wurde von seiner Eröffnung 1998 bis zum Jahr 2024 vom Bürger- und Heimatverein Benthullen-Harbern ehrenamtlich betrieben. Im Juli 2024 erfolgte die Gründung eines Vereins „Moor- und Bauernmuseum Benthullen e.V.“, welcher seitdem eigenständig agiert. Mit der Vereinsgründung wurde die Verantwortung für den Museumsbetrieb auf eine eigene Trägerschaft übertragen. Zum ersten Vorsitzenden wurde Jürgen Bureck gewählt.
Bedeutung als ländliches Museum Das Moor- und Bauernmuseum Benthullen besitzt über die Gemeindegrenzen hinaus ein Alleinstellungsmerkmal, indem es als eines der wenigen Moormuseen im nordwestdeutschen Raum die Natur- und Kulturlandschaft der hiesigen Hochmoore dokumentiert und mit den alltäglichen Lebens- und Arbeitsbedingungen der damaligen Zeit verbindet. Während reine Bauernmuseen in Niedersachsen häufiger vertreten sind, setzt die Einrichtung einen Schwerpunkt auf die entbehrungsreiche Geschichte der Moorkolonisierung und des Torfabbaus. Durch diese thematische Schwerpunktsetzung schließt das Museum eine Lücke in der niedersächsischen Museumslandschaft und macht die historische Erschließung des Vehnemoor-Raums für die Öffentlichkeit zugänglich.
Weblinks
Website des Moor- und Bauernmuseums Benthullen Museumsseite beim Museumsverband Niedersachsen und Bremen Digitaler Rundgang durch das Moor- und Bauernmuseum
Einzelnachweise
Kategorie:Wardenburg Kategorie:Museumsgründung 1998 Kategorie:Museum im Landkreis Oldenburg Kategorie:Heimatmuseum in Niedersachsen