Der Herrensitz Günthersbühl war ein frühneuzeitlicher Herrensitz der Nürnberger Patrizierfamilie Pfinzing in Günthersbühl, einem heutigen Gemeindeteil der Stadt Lauf an der Pegnitz im mittelfränkischen Landkreis Nürnberger Land. Das erstmals 1611 ausdrücklich als Herrenhaus erwähnte Anwesen entstand aus einem seit 1398 im Besitz der Pfinzing befindlichen Hof. Das Herrenhaus wurde 1723 abgebrochen und durch ein Bauernhaus ersetzt. An seiner Stelle befindet sich heute der Bauernhof Günthersbühler Hauptstraße 16.

Geschichte

Günthersbühl gehörte ursprünglich zum Reichsgut um Nürnberg. 1279 verpfändete König Rudolf I. die in der Urkunde als in villa Guntershubel bezeichneten Reichsgüter zusammen mit Neunhof, Ober- und Unterschöllenbach, Tauchersreuth und der Gabermühle an Ulrich von Schlüsselberg. Nach dem Aussterben der Schlüsselberger im Jahr 1347 gelangten diese Güter an die Burggrafen von Nürnberg. 1405 veräußerte Burggraf Friedrich VI. die Lehen und Vogteigüter in Günthersbühl an verschiedene Nürnberger Bürger.

Unabhängig von diesem Besitzkomplex hatten die Pfinzing bereits 1398 von den Herren von Breitenstein einen reichslehenbaren Hof in Günthersbühl erworben. Der Hof wurde zunächst von der Familie Vogelhofer, seit der Mitte des 16. Jahrhunderts von der Familie Wieland bewirtschaftet. Spätestens seit 1604 verfügten die Pfinzing daneben über die Erbforsthut in Günthersbühl. Vermutlich ließ Seyfried Pfinzing den bisherigen Wirtschaftshof anschließend zu einem Herrensitz ausbauen.

1611 erscheint das Anwesen erstmals ausdrücklich als „Junker Syfried Pfinzings Herrenhaus“ neben einem Vogthaus. Eine Beschreibung von 1618 nennt innerhalb der Hofreite neben dem „Sitzlein“ einen Stadel und ein weiteres Haus sowie Brunnen, Keller, Backofen und einen Brennofen zur Herstellung von Ziegeln. Zum Gut gehörten 22 Morgen Ackerland, fünfeinhalb Tagwerk Wiesen, Wald und ein Vogelherd.

Nach Seyfried Pfinzings Tod 1617 gelangte das Anwesen an die von ihm gegründete Stiftung. Der Nürnberger Geschichtsschreiber Johannes Müllner bezeichnete sie 1623 als Besitzerin von „Burgersitz und Forsthub“. Nach mehreren Wechseln der Lehensträger erwarb Carl Pfinzing von Henfenfeld den Besitz 1664 für 325 Gulden wieder für die Familie. 1687 erhielt dessen Enkel Christoph Carl Pfinzing einen Reichslehenbrief über das Gut und das „Sitzlein Güntherspiehl“. Nach dem Tod Kaiser Leopolds I. wurde 1706 die Erneuerung des Lehens beantragt.

Abbruch des Herrenhauses

Der Pfinzingsche Untertan Hans Hößler erwarb schließlich das Schlösschen und beantragte 1723 beim Nürnberger Waldamt Sebaldi den Neubau eines eingeschossigen Fachwerkhauses an dessen Stelle. Der zu diesem Vorgang erhaltene Bauplan zeigt zugleich das ältere Herrenhaus. Es handelte sich um einen zweigeschossigen Fachwerkbau mit einer Grundfläche von etwa 113 m².

Im Erdgeschoss lagen eine beheizbare Stube, eine Kammer sowie zwei gesondert zugängliche Wirtschafts- beziehungsweise Stallräume. Das Obergeschoss enthielt weitere Wohn- und Wirtschaftsräume. Mit dem Neubau von 1723 wurde der Herrensitz wieder zu einem gewöhnlichen Bauernhof. Das Reichslehen selbst gelangte um 1760 an den Juristen Georg Abraham Jakob Örtel.

Im 19. Jahrhundert wurde auch das Bauernhaus von 1723 beseitigt. An seiner Stelle entstand der noch bestehende zweigeschossige Sandsteinquaderbau Günthersbühler Hauptstraße 16.

Heutiger Zustand und Denkmalschutz

Von dem Herrenhaus des 17. Jahrhunderts sind oberirdisch keine Bauteile erhalten. Der Standort ist als frühneuzeitlicher Herrensitz unter der Aktennummer D-5-6433-0213 als Bodendenkmal in die Bayerische Denkmalliste eingetragen.

Der auf dem Areal stehende Bauernhof Günthersbühler Hauptstraße 16 ist darüber hinaus selbst als Baudenkmal D-5-74-138-207 geschützt. Das Bauernhaus ist ein zweigeschossiger Sandsteinquaderbau mit Satteldach und Hopfengauben aus dem dritten Viertel des 19. Jahrhunderts. Die zum Hof gehörende Fachwerkscheune auf Sandsteinsockel stammt wahrscheinlich noch aus dem späten 18. Jahrhundert und wurde im 19. Jahrhundert um eine Remise erweitert.

Literatur Robert Giersch, Andreas Schlunk, Bertold von Haller: Burgen und Herrensitze in der Nürnberger Landschaft. Ein historisches Handbuch. Altnürnberger Landschaft, Lauf an der Pegnitz 2006, ISBN 978-3-00-020677-1. Ewald Glückert: Burgen, Schlösser, Herrensitze. Wehr- und Herrschaftsbauten im Stadtgebiet von Lauf a. d. Pegnitz (= ZeitenLauf. Publikationen zur Stadtgeschichte. Band 5). Lauf an der Pegnitz 2005, S. 78–80. Werner Meyer, Wilhelm Schwemmer: Landkreis Lauf an der Pegnitz (= Die Kunstdenkmäler von Bayern. Regierungsbezirk Mittelfranken. Band 11). R. Oldenbourg, München 1966, S. 110–112. Wilhelm Schwemmer, Gustav Voit: Lauf–Hersbruck (= Historischer Atlas von Bayern. Teil Franken. Reihe I, Heft 14). Kommission für Bayerische Landesgeschichte, München 1967, S. 67.

Weblinks Günthersbühl bei Burgen und Herrensitze in der Nürnberger Landschaft Bayerischer Denkmal-Atlas

Einzelnachweise

Gunthersbuhl Kategorie:Bauwerk in Lauf an der Pegnitz Kategorie:Abgegangenes Bauwerk im Landkreis Nürnberger Land Kategorie:Bodendenkmal in Lauf an der Pegnitz Kategorie:Ersterwähnung 1611