Immersive Ausstellungen (lateinisch: immergere = eintauchen, versenken) sind moderne, meist temporär stattfindende Ausstellungsformate, bei denen man möglichst vollständig in eine virtuelle Umgebung eintauchen soll, was durch die Darbietung für mehrere Sinnesorgane gleichzeitig, wie z. B. akustische und optische Reize, unterstützt werden soll.

Begriff Immersive Ausstellungen nutzen moderne Technologien, indem sie immersive Räume mit an die Wände projizierten Kunstwerken präsentieren, die sich zusätzlich verändern oder durch neue Bilder ausgetauscht werden und die zeitgleich mit Audioelementen wie Musik oder gesprochenen Texten oder einer Kombination aus Musik und Texten angeboten werden. Die Besucher tauchen so im besten Fall in die erstellten Kunstwelten ein. Wenn die eingesetzte Technologie gut genug ist, simuliert sie eine intensive, umfassende und lebendige Illusion der Realität. Zusätzlich zu Bildern und Texten oder/und Musik können haptische, olfaktorische oder interaktive Elemente mit verwendet werden. So kann man Stoffe oder Wände berühren, Gerüche durch den dafür vorgesehenen Raum strömen lassen oder Fußböden durch Betreten mit dem Fuß beweglich machen. Gelegentlich werden VR-Brillen eingesetzt, um das Erlebnis zu individualisieren.

Immersive Ausstellungen und interaktive Ausstellungen (auch: Hands-on-Ausstellungen) sind keine synonymen Darbietungsformen. Immersive Ausstellungen können ohne interaktive Elemente auskommen, wie das Tippen und Wischen auf Bildschirmen oder das Drücken von Knöpfen. Besucher müssen bei der immersiven Darbietung nicht notwendigerweise aktiv mitmachen. Interaktive Ausstellungen müssen im Gegenzug auch nicht immersiv sein. In der Realität werden die Elemente der Immersion und des Interaktiven aber auch gemischt dargeboten. Da es keine rechtlich verbindliche Begriffsverwendung gibt, können Ausstellungen und Installationen bisher unpräzise benannt werden.

Immersive Kunstausstellungen boomen mit höheren Besucherzahlen als traditionelle Museen mit ähnlicher Ausstellungsfläche, besonders, da sie als temporäre ein-Raum-Ausstellungen und im nahezu gleichen Format in mehreren Städten gleichzeitig stattfinden können. So fand Monets Garten (über 600.000 Besucher) im Jahr 2022 in Stuttgart und vier weiteren Städten im gleichen Jahr statt. Auch für andere Ausstellungen wird das Prinzip der Gleichzeitigkeit einer Ausstellung an mehreren Orten angewandt. Durch die Darbietungsart (vervielfachbare Projektionen der Bilder) muss das nur einmal existierende Original nicht am Ort der Installation vorhanden sein.

Geschichte Als einzelner Vorläufer der immersiven Darstellung gilt die Ausstellung La Cathédrale d'images (französisch für: die Kathedrale der Bilder, 1975/1976) von Albert Plécy in Frankreich, bei dem der Künstler Musik und Bildabfolgen in einer Kirche in der Provence gleichzeitig darbot und so mit dem Konzept der Immersion experimentierte.

Immersive Ausstellungen als Ausstellungsart nicht nur eines Einzelnen kamen allerdings erst seit den 2010er Jahren häufiger vor und nahmen seither an Zahlen zu. Einige Darbietungen fanden und finden weltweit statt. Beispielsweise bietet das französische Unternehmen Culturespaces Shows in Paris, Amsterdam, New York City oder Seoul an.

Ab 2008 gab es mindestens fünf private Unternehmen, die eine immersive Van-Gogh-Experience anboten.

Ab 2018 wurde in Paris dauerhaft immersive Kunst im Atelier des Lumières gezeigt. Es gibt dort virtuelle Kunstreisen in die Werke und Welten verschiedenster Künstler.

2023 konnte die Vincent Van Gogh Ausstellung – The immersive Experience über zweieinhalb Millionen Besucher insgesamt bewegen, in eine der Installationen der bis dahin sechs Städte zu gehen, in denen die Show zu erleben war.

2024 konnte eine immersive Ausstellung in Tokio im teamLab Planets Tokyo DMM in Toyosu, Tokio, über zweieinhalb Millionen Zuschauer an einem Ort gewinnen und kam damit ins Guinness-Buch der Rekorde.

Ziele Mit immersiven Ausstellungen soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass Museen im Wandel sind. Ein vielfältiges Publikum soll angesprochen werden und neben bildungsaffinen Personen, die bereit sind, Kulturräume mit unveränderlicher Kunst (Bilder, Skulpturen) mit Beschriftungen zu besuchen, soll das emotionale Erleben in den Vordergrund gerückt werden. Das Versprechen ist, dass die Erinnerung durch das multisensorische Erlebnis messbar gesteigert würde. Außerdem erhöht eine derartige Exposition den emotionalen Gehalt der Wahrnehmungen, besonders, wenn Besucher durch eigenes Zutun wie (Hand-)Bewegungen die projizierten Bilder verändern können. So kann sich die Distanz zwischen Werk und Besucher verringern und der Spaßfaktor während des Aufenthalts sowie die Motivation für weitere Besuche von ähnlichen Ausstellungen gesteigert werden, was sich in den wachsenden Besucherzahlen zeigt.

Bewertung

Durch die modernen Möglichkeiten der Darbietung werden neuartige Arten der Kunst geschaffen, neue Themen angegangen, die so noch nicht als Kunst für Besucher wahrgenommen worden waren. Positiv zu bewerten ist, dass durch das neuartige Erlebnis die Besucherzahlen erhöht werden und somit Personenkreise angesprochen werden können, die die traditionelle Form des Museums eher meiden. Durch den überschaubaren zeitlichen Rahmen, die belebten Animationen von meist unter einer Stunde Darbietung, die Möglichkeit, sich auf den Boden zu setzen oder zu legen und die projizierten Bildwände anzufassen, um die Show zu erleben, sind derartige Veranstaltungen auch für Familien mit (kleineren) Kindern geeignet. Im besten Fall kann diese Art der Darbietung ein Erstkontakt und ein Einstieg in weitere Formen der Kunst oder in herkömmliche Museen sein. Da Besucher zwischen immersiver Ausstellung und traditionellem Museum in der Lage sind zu unterscheiden, kann diese Hoffnung unbegründet bleiben.

Falls Künstler live hinzugezogen werden, wie z. B. die Musiker in Nürnberg, können dadurch neue Formen der Kunst entstehen. Räume können eine neue Beachtung finden. Leere Fabrikhallen oder Läden können genutzt werden, Gebäude wie Kirchen können eine neue Bedeutung erhalten. Neue Kunstformen können entstehen, indem Künstler selbst die Möglichkeiten der Immersion als Darbietungsmöglichkeit nutzen, wie z. B. der Brite David Hockney, der eine Lichtshow in London schuf.

Trotz höherer Eintrittspreise im Vergleich zu konventionellen Museen erhöhen sich die Besucherzahlen, sodass Einnahmen erzielt werden können und Berufsmöglichkeiten im Bereich der kunstnahen Freizeitgestaltung entstehen können. Teure und gefährliche Transporte von Originalwerken können vermieden werden, was die Gemälde schützen kann. Kritisch zu betrachten ist, dass das Erlebnis weniger von einem oder mehreren originalen Kunstwerk(en) ausgeht, sondern von einer technischen Simulation und Fachleute uneins sind, ob diese Darbietungen als Kunst gelten dürfen.

Durch die fehlenden Aspekte wie Pinselstrich bei Bildkunstwerken fehlt die direkte Auseinandersetzung mit der Gedankenwelt des Künstlers, die andere Blickwinkel eröffnen kann. Die ursprüngliche Aussage des Bildkünstlers kann durch die andersartige Präsentation verfälscht werden und damit dem Künstler und dem Werk zu wenig Achtung entgegengebracht werden.

Immersive Installationen werden als Shows ohne besondere Erklärungen der Werke oder mit wenig Tiefgang gerügt, was zu raschem Vergessen führen kann, weil es keine echte Auseinandersetzung mit den Werken geben muss. Immersive Ausstellungen ähneln eher Kinoerlebnissen mit belebten Bildern und Musik oder Ton, als dass sie als Museumserleben erfahren werden, was das Publikum anspricht, aber Liebhaber der Museumsbranche bedenklich stimmt. Die höheren Besucherzahlen können kommerzielle Anbieter dazu verführen, um des reinen Profits willen den Aspekt der echten Auseinandersetzung mit Kunst außer Acht zu lassen und nur spezielle, gut darstellbare Werke für die Installationen zu verwenden. Wenn beide Formen der Kunst, traditionelle Darstellungen und moderne Installationen nebeneinander angeboten werden, erhöht es die Auswahlfreiheit der Besucher.

Ausstellungen (aktuelle Auswahl) Die Ausstellungen stellen vielfältige Themen dar, wie z. B. Maler, Musiker, Herrscher, historische Ereignisse oder die Geschichte von Orten und Literatur.

2023: (Einzige Dauerausstellung) 2000 Jahre deutsche Geschichte im Deutschlandmuseum in Berlin 2025 bzw. 2026: Luminescence in Münster bzw. in Nürnberg 2026: Kunstausstellungen: Monets Garten in Köln und Leipzig Frida Kahlo in Stuttgart, Köln und Leipzig Vincent Van Gogh in Wuppertal (Berlin und München) Von Vermeer bis Van Gogh in Hamburg 2006: Historische Ausstellungen: Titanic in Leipzig (auch in Mailand, Italien und Atlanta, USA) Origins – Die Schönheit des Lebens in Wuppertal Origins – Life's Epic Journey in Berlin Tutanchamun in Hannover Dinosaurier in Dortmund

2026: Orte, Ausstellungen: Barockschloss in Mannheim Schloss Augustusburg in Augustusburg

2026: Weitere Ausstellungen: Der kleine Prinz in Dortmund Formula 1 in München Eintauchen ohne Abzutauchen in Potsdam

2026: Ausstellungen im Ausland: Renaissance in Paris Prähistorischer Planet: Dinosaurier in Paris Superflux – the Craftoscene in Wien Horizont des Cheops in Wien Becoming Marilyn Monroe in Zürich

Weblinks

Immersive Ausstellungen – die Zukunft der Kunstmuseen?, YouTube, 3:22 Min Was hinter dem Hype um immersive Kunst steckt, YouTube, 12:37 Min Licht-Spektakel in Nürnberger Lorenzkirche, BR, 2:58 Min

Siehe auch

Ausstellung

Einzelnachweise

Kategorie:Kunstmuseum Kategorie:Ausstellung Kategorie:Moderne Kategorie:Veranstaltungstyp Kategorie:Demonstration