Balthasar Klammer (* um 1504; † 8. Februar 1578 in Celle) war ein Jurist, 1530–1532 Professor in Marburg und von 1540 bis 1569/70 Kanzler des Herzogtums Braunschweig-Lüneburg in Celle.

Familie Balthasar Klammer wurde um 1504 geboren, wahrscheinlich in Kaufbeuren. Sein Vater Matthias († 1527), Gegner der Reformation, war seit 1496 Tiroler „Diener von Haus aus“, ab 1503 Pfleger auf der Burg Hohenfreyberg bei Pfronten und ab 1510 achtmal Bürgermeister von Kaufbeuren; er war ein Sohn des Hans Klammer, der 1459–1461 Pfleger zu Imst und ab 1462 Pfleger zu Kronburg war, 1474 in den Tiroler Ritterstand erhoben wurde und ab 1479 in Kaufbeuren lebte. Balthasars Mutter war wahrscheinlich Veronika, eine Tochter des Patriziers Anton (I.) Honold vom Luchs († 1496) in Kaufbeuren.

Balthasar heiratete im September 1531 Kunigunde († 1558/62), bis 1527 Kanonissin im Chorfrauenstift Ahnaberg in Kassel, Tochter des Lüneburger Kanzlers Johann Furster († 1547) und Enkelin des Heinrich Furster († 1515), Schultheiß und Burgmann in Kassel, und dessen Ehefrau Margarethe (* ca. 1460; † 1524), eine uneheliche Tochter des Landgrafen Ludwig II. von Hessen (1438–1471) und dessen langjähriger Mätresse Margarethe von Holzheim (* um 1443; † nach 1515).

Der Ehe entstammten zwei Söhne und drei Töchter: Ernst († 1596/97), wurde 1556 Drost zu Bardowick; Otto († 1596/97), war 1544–1556 Inhaber der Propstei-Präbende in Bardowick, 1565–1571 Hauptmann zu Medingen, zuletzt bischöflich-verdischer Hauptmann zu Rotenburg; Anna (* 1533; † nach 1587), ⚭ 2. Februar 1549 den Braunschweig-Lüneburger Rat und von 1570 bis 1573 lüneburgischen Kanzler Joachim Moller d. J. (1521–1588); Catharina († nach 1596), ⚭ Moritz von Zahrenhausen, ab 1562 Hauptmann zu Bleckede († 1583); NN, ⚭ Dietrich von Ahlden († 1560), Hauptmann zu Rethem.

Mit Balthasars Enkelsohn Hermann Balthasar Klammer (1579–1634), Sohn Ottos, Geheimer Rat, Kammerrat, Großvogt in Celle, erlosch das Geschlecht in der männlichen Linie.

Laufbahn Klammer studierte von 1519 bis 1523 Theologie und dann Rechtswissenschaft in Ingolstadt, erwarb dort das Baccalaureat und wechselte dann zu weiterem Studium 1523/24 an die Universität Leipzig.Auch 1527 wird gelegentlich als Beginn seines Studiums in Leipzig genannt. Nach Abschluss seines Studiums trat er in landgräflich-hessischen Dienst und war als Notar Mitglied einer landgräflichen Gesandtschaft im Frühjahr 1529 an den Hof Kaiser Karls V. in Barcelona. Im Jahre 1530 wurde er zum Anwalt am hessischen Hofgericht in Marburg und als erster „Professor der Institutionen“ an der in Marburg neugegründeten Philipps-Universität ernannt. 1531 trat er zum Protestantismus über; dabei verzichtete er auf seine kirchliche Pfründe, die Vikarie an der Kapelle Unserer Lieben Frau in Kaufbeuren, die er 1519 von seinem Onkel, dem Pfarrer Christoph Klammer († 1529), geerbt hatte.

Anfang 1532 erwarb er in Marburg den akademischen Grad eines Lizenziats beider Rechte („Licentiatus iuris utriusque“) und ging dann nach Celle, wo der Vater seiner Frau, Johann Furster, herzoglicher Kanzler war. Dort wurde er Ostern 1532 zum Hof- und Kanzleirat und Stellvertreter seines Schwiegervaters ernannt. Er war in der Folge vielfacher fürstlicher Gesandter und fürstlicher Anwalt in wichtigen Prozessen. Als Johann Furster im Jahre 1540 vom Amt des Kanzlers zurücktrat, wurde Klammer zum Geheimen Rat und Kanzler des Herzogs Ernst I. von Braunschweig-Lüneburg ernannt. Daneben war er, wie damals nicht unüblich, auch anderen Landesherren zu Diensten. So vertrat er den Landgrafen Philipp I. von Hessen auf dem Reichstag in Speyer 1544 im Erbstreit über die Grafschaft Katzenelnbogen, lehnte dann aber das ihm angebotene Amt des hessischen Kanzlers ab. Von 1546 bis etwa 1563 war er auch Rat und Gesandter des dänischen Königs Christian III.; in dieser Funktion nahm er an den Hansetagen 1552 und 1553 in Kopenhagen und 1560 in Odense teil und war Vertragsunterhändler beim Torgauer Vergleich am 11. September 1553 zur Beendigung der Feindseligkeiten zwischen Kurfürst August von Sachsen und Markgraf Albrecht II. Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach und danach beim Naumburger Vertrag am 24. Februar 1554 zwischen den sächsischen Herzögen August auf albertinischer Seite und Johann Friedrich II., Johann Wilhelm und Johann Friedrich III. auf ernestinischer Seite.

Im Fürstentum Lüneburg war Klammer als herzoglicher Anwalt maßgeblich an wichtigen Prozessen gegen die Städte Hamburg und Lüneburg beteiligt und hatte erheblichen Einfluss auf die landesherrliche Rechtsprechung, Verwaltungsorganisation und Religionspolitik.

Balthasar Klammer trat 1569 vom Amt des Kanzlers zurück, blieb jedoch bis an sein Lebensende „Rat von Haus aus“. Sein Schwiegersohn Joachim Moller folgte ihm als Kanzler.

Fußnoten

Literatur

Weblinks Clammer, Balthasar, in: Hessische Biografie (LAGIS) Clammer, Balthasar, in: Professorenkatalog der Philipps-Universität Marburg

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