mini|Das Logo für Öffentlichkeitsarbeit des Kantons Jura
Der Jura, [] (Kürzel JU, , ), amtlich französisch (Republik und Kanton Jura), ist der 26. Kanton der Schweiz. Er liegt in der gleichnamigen Gebirgskette. Bis 1979 gehörte das Gebiet des Kantons Jura zum Kanton Bern. Haupt- und bevölkerungsreichster Ort ist Delsberg (französisch Delémont). Amts- und Umgangssprache ist Französisch. Die Einwohner des Kantons werden Jurassier (französisch Jurassiens) genannt.
Geographie Der Kanton Jura liegt im Nordwesten der Schweiz. Er bildet im Westen und Norden einen Teil der schweizerischen Staatsgrenze zu Frankreich, wobei er in seinem äussersten Westen bei Les Bois auch an den Kanton Neuenburg grenzt. Im Süden grenzt der Kanton Bern an den Kanton Jura, im Osten die Kantone Solothurn und Basel-Landschaft.
Der Fläche nach belegt der Kanton Platz 14 von 26, aufgrund der geringen Einwohnerdichte liegt er nach der Einwohnerzahl auf Platz 20.
Der Kanton Jura umfasst die geografischen Regionen Delsberger Becken, Ajoie (, nicht mehr gebräuchlich), Clos du Doubs, Freiberge und das Bergland von Movelier.
Bevölkerung Per betrug die Einwohnerzahl des Kantons Jura . Die Bevölkerungsdichte liegt mit Einwohnern pro Quadratkilometer deutlich unter dem Schweizer Durchschnitt ( Einwohner pro Quadratkilometer). Der Ausländeranteil (gemeldete Einwohner ohne Schweizer Bürgerrecht) bezifferte sich am auf Prozent, während landesweit Prozent Ausländer registriert waren. Per betrug die Arbeitslosenquote Prozent gegenüber Prozent auf eidgenössischer Ebene.
Sprachen Die Amtssprache des Kantons ist Französisch. Die einzige deutschsprachige Gemeinde ist Ederswiler. 2012 wurde Französisch von 91,8 Prozent der Bevölkerung als Hauptsprache verwendet, Deutsch von 7,2 Prozent und Italienisch von 2,9 Prozent.
Viele Orte sind aufgrund ihrer Nähe zur deutsch-französischen Sprachgrenze und früher wechselnden Zugehörigkeit (erst zum Fürstbistum Basel und dann zum Kanton Bern) nicht nur unter ihren französischen, sondern auch unter deutschen Namen bekannt, etwa Delémont/Delsberg oder Porrentruy/Pruntrut.
Religionen – Konfessionen Im Kanton Jura ist eine deutliche Mehrheit der Bewohner römisch-katholisch (69,6 Prozent). Zur evangelisch-reformierten Kirche bekennen sich 10,1 Prozent, während 12,1 Prozent konfessionslos sind.
Die katholischen Pfarreien des Kantons Jura gehören zum Bistum Basel und sind zusammen mit den Pfarreien der Kantone Bern und Solothurn Teil der Bistumsregion St. Verena (Sitz des Bischofsvikariats in Biel). Parallel zur kirchlichen Organisation bestehen im Kanton Jura – wie in den meisten anderen Schweizer Kantonen – mit der Collectivité ecclésiastique cantonale catholique-romaine de la République et Canton du Jura (auf kantonaler Ebene) und den Kirchgemeinden (auf Ebene der Pfarreien) staatskirchenrechtliche Organe (Körperschaften des öffentlichen Rechts), welche die Kirchensteuern erheben und die finanziellen Mittel zur Wahrnehmung der kirchlichen Aufgaben zur Verfügung stellen.
Die evangelisch-reformierten Kirchgemeinden des Kantons Jura gehören zu den Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn. Sowohl die Landeskirche als auch die einzelnen Kirchgemeinden sind Körperschaften des öffentlichen Rechts.
Verfassung Die gegenwärtige Verfassung der Republik und des Kantons Jura datiert von 1977.
Legislative – Parlament
Gesetzgebendes Organ (Legislative) des Kantons Jura ist das Parlament (französisch ), das aus 60 Volksvertretern besteht. Es wurde am 19. Oktober 2025 zum letzten Mal gewählt.
Zudem ist das Volk direkt an der Gesetzgebung beteiligt, da Verfassungsänderungen obligatorisch und Gesetzesänderungen auf Antrag von mindestens 2000 Stimmberechtigten oder acht Gemeinden der Volksabstimmung (Referendum) unterworfen sind. Mindestens 2000 Stimmberechtigte oder acht Gemeinden können überdies eine Gesetzes- oder Verfassungsänderung beantragen. Ausländer sind seit der Kantonsgründung 1979 stimm- und wahlberechtigt; ausgeschlossen davon ist die Wahlbefähigung zu kantonalen Ämtern.
Partei Sitze Sitzverteilung Wähleranteil in Prozent Die Mitte (Mitte) 17 Sozialdemokratische Partei der Schweiz (SP) 16 Schweizerische Volkspartei (SVP) 11 FDP.Die Liberalen (FDP) 6 Christlich-soziale Partei (CSP) 5 Grüne Partei der Schweiz (GRÜNE) 4 Partei der Arbeit der Schweiz (PdA) 1
Exekutive – Regierung
Ausführendes Organ (Exekutive) ist die Regierung (französisch ). Diese besteht aus fünf Ministern (Ministre).
+ Mitglieder der jurassischen Regierung (Amtszeit 2026–2030) Minister Funktion Partei Departement Rosalie Beuret Siess Présidente du Gouvernement 2026Regierungspräsidentin 2026 SP Département des finances (DFI)Departement für Finanzen Stéphane Theurillat Vice-président du Gouvernement en 2026Regierungsvizepräsident 2026 Mitte Département de l’économie et de la santé (DES)Departement für Wirtschaft und Gesundheit Raphaël Ciocchi MinistreMinister SP Département de la formation, du numérique et des sports (DFNS)Departement für Bildung, Digitales und Sport Valentin Zuber MinistreMinister SP Département de la cohésion sociale, de la justice et de la police (DSJP)Departement für sozialen Zusammenhalt, Justiz und Polizei Jean-Paul Lachat MinistreMinister Mitte Département de l'environnement et de la culture (DEC)Departement für Umwelt und Kultur Staatsschreiber (chancelier de l’Etat) ist Jean-Baptiste Maître.
Da bei den Wahlen für die kommende Amtszeit (2026–2030) vom 19. Oktober 2025 keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erreicht hat, fand am 9. November 2025 eine zweite Wahlrunde statt.
Judikative – Rechtsprechung Rechtsprechendes Organ (Judikative) sind die richterlichen Behörden. Hierzu zählen insbesondere die drei Bezirksgerichte () sowie das Kantons- () und das Verfassungsgericht ().
Vertretung auf eidgenössischer Ebene Auf Bundesebene entsendet der Kanton Jura je zwei Vertreter in den Ständerat (Liste der Ständeräte des Kantons Jura) und in den Nationalrat (Liste der Nationalräte des Kantons Jura).
Ab Januar 2023 ist Elisabeth Baume-Schneider das erste Mitglied des Bundesrats aus dem Kanton Jura.
Wirtschaft Wirtschaftlich ist der Kanton Jura einer der schwächsten Kantone der Schweiz. Die Finanzkraft liegt nur bei 30 Prozent des gesamtschweizerischen Wertes. So lag 2011 das Bruttoinlandprodukt (BIP) pro Einwohner bei 62'316 Schweizer Franken. Sichtbar wird dieser Umstand auch an vielen leerstehenden (und verfallenden) teilweise historisch wertvollen Häusern. Die Arbeitslosenquote liegt mit Prozent über dem Schweizer Durchschnitt von Prozent ().
Landwirtschaft Im Jahr 2020 wurden 20,6 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche des Kantons durch 189 Betriebe biologisch bewirtschaftet.
Pferdezucht Die heute als Freiberger bezeichnete Pferderasse war früher auch als «Jura-Pferd» bekannt. Insgesamt bildet der Jura einen Schwerpunkt der Pferdezucht innerhalb der Schweiz.
Verkehr Die Jurabahnen (Chemins de fer du Jura, kurz CJ) betreiben mehrere Eisenbahn- und Autobuslinien. Auch der Schweizerische Postautodienst ist Konzessionär für mehrere Buslinien. Die Schweizerischen Bundesbahnen betreiben eine Hauptachse, auf der die Schnellzüge in Delsberg eine Spitzkehre machen. Eine weitere Eisenbahnlinie führt von Delsberg nach Boncourt mit einer Fortsetzung über Delle nach Belfort. Diese Route tangiert das Tal des Doubs mit dem Clos du Doubs.
Seit Dezember 2025 hat der Kanton Jura ein eigenes S-Bahn-System (RER Jura).
Bedeutendste Autoverbindung ist die A16, die den Kanton von Südost nach Nordwest durchquert. Insgesamt sind manche Strassen eng und kurvenreich, bedingt durch die teilweise spektakulär gebirgige Landschaft. Manche in den Fels gehauene Durchfahrten sind nicht mehr als 3,1 bis 3,5 Meter hoch. Dies erklärt auch die zögerliche wirtschaftliche Entwicklung des Gebietes.
Im Jahr 2000 wurde die letzte Verkehrsampel abgebaut, womit im gesamten Kantonsgebiet keine Verkehrsampeln mehr existieren, abgesehen von denjenigen an Baustellen oder Bahnübergängen.Ansprache aus Anlass des Ausflugs mit dem Diplomatischen Corps in den Kanton Jura. Bundesrat, 28. Juni 2012 (Medienmitteilung).
Im Jahr 2025 lag der Motorisierungsgrad (Personenwagen pro 1'000 Einwohner) bei 616,5.
Geschichte mini|Das Fürstbistum Basel im 18. Jahrhundert
Der Kanton Jura ist der jüngste Kanton in der Schweiz. Er entstand aufgrund von kulturell-politischen Spannungen. Nach mehreren lokalen Plebisziten und der eidgenössischen Volksabstimmung vom 24. September 1978 wurde am 1. Januar 1979 der nördliche Teil des Juras durch Abspaltung vom Kanton Bern getrennt – nach rund 165-jähriger Zugehörigkeit.
Mittelalter Im Mittelalter gehörte das Gebiet des heutigen Kantons Jura zum Fürstbistum Basel, einem bischöflich regierten Territorialstaat. Während die Gebiete des heutigen bernischen Juras durch den Einfluss der Stadt Bern im 16. Jahrhundert zur Reformation übertraten, blieb der nördliche Teil katholisch oder wurde in der Gegenreformation rekatholisiert. Seit der Reformation residierten die Fürstbischöfe nicht mehr in Basel, sondern im nordjurassischen Pruntrut in der Ajoie. Das Fürstbistum war zwischen 1579 und 1717 mit den katholischen Orten der Eidgenossenschaft verbündet. Der Südjura galt aber als Teil der Eidgenossenschaft, weil die Städte Neuenstadt und Biel/Bienne sowie die Propstei Moutier-Grandval mit Bern im Burgrecht standen. Der Bischof von Basel galt damals weltlich als ein Fürst des Deutschen Reiches; deshalb durfte der deutsche Heerführer Bernhard von Sachsen-Weimar während des Dreissigjährigen Krieges 1639 seine Truppen ins Fürstbistum legen, ohne dass die Eidgenossenschaft dies als Grenzverletzung in ihrem Zugewandten Ort ahnden konnte.Louis Jäggi: Solothurner Land. 1972.
Republik
1792 wurde im nördlichen Teil des Hochstifts als Folge der Besetzung durch französische Revolutionstruppen kurzzeitig die Raurakische Republik ausgerufen. Der südliche Teil des Jura, der zeitgenössisch als Teil der Eidgenossenschaft angesehen wurde, blieb wie auch das Gebiet von Montsevelier noch theoretisch unter der Herrschaft des Fürstbischofs. Schon im folgenden Jahr wurde der gesamte Jura allerdings Teil der Französischen Republik.
Wiener Kongress Am Wiener Kongress 1815 wurden die Gebiete des ehemaligen Hochstifts Basel den Kantonen Bern und Basel zugesprochen. Mit der Unterzeichnung der Vereinigungsurkunden ging das Birseck an Basel, und die Gebiete des heutigen Juras und das Laufental gingen an Bern. Eine Kompensation für den Verlust des Aargaus und der Waadt 1803 war zweitrangig.Arlesheim und der Untergang des Fürstbistums Basel. Vortrag von Marco Jorio, 19. April 1989.
In den katholischen Teilen des Juras kam es bereits im 19. Jahrhundert während des Kulturkampfes zu massiven Spannungen zwischen den Behörden des Kantons Bern und der Bevölkerung. Diese Spannungen dauerten auch nach dem Kulturkampf bis ins 20. Jahrhundert hinein an, etwas abgemildert und später wieder intensiver.
20. Jahrhundert
Ein Höhepunkt der Jurafrage war die sogenannte Moeckli-Affäre. 1947 verweigerten deutschsprachige Berner Politiker einem bern-jurassischen Politiker die Führung des Baudepartements, weil es «zu wichtig» sei, um dieses an einen welschen Politiker zu übergeben.
Der Kanton Bern ist grösstenteils reformiert und deutschsprachig. Die Bewohner des 1815 erworbenen Gebietes dagegen sind heute mehrheitlich französischsprachig und – im Nordteil – katholisch. Dass der Konflikt, der letzten Endes zur Abtrennung des Juras von Bern führte, ursprünglich weniger sprachlicher, sondern konfessioneller Art war, zeigt sich daran, dass bei den Volksabstimmungen über die Kantonsgründung der zwar ebenfalls französischsprachige, aber protestantische Südteil des Juras, die Amtsbezirke La Neuveville, Moutier und Courtelary, stets für den Verbleib bei Bern stimmte.