Bern (Kürzel BE; berndeutsch Bärn [], , , ) ist ein Kanton im Westen der Schweiz. Der Hauptort und zugleich einwohnerstärkste Ort ist die Bundesstadt Bern.

Durch den Kanton Bern verläuft die umgangssprachlich «Röstigraben» genannte Grenze zwischen der Deutschschweiz und der französischen Schweiz (Romandie). Die bernischen Landes- und Amtssprachen sind Deutsch (Bevölkerungsanteil: 86 Prozent) und Französisch (11 Prozent). Französisch wird primär im Berner Jura und in der Agglomeration Biel gesprochen, wobei die Agglomeration Biel einen zweisprachigen Status besitzt.

Der Kanton Bern ist sowohl flächenmässig (nach Graubünden) und bevölkerungsmässig (nach Zürich) der zweitgrösste Kanton der Schweiz.

mini|ohne|Logo des Kantons Bern

Geographie Der Kanton Bern hat die grösste Nord-Süd-Ausdehnung aller Kantone. Er erstreckt sich vom Jura über das Mittelland bis in die Alpen und hat damit als einziger Kanton neben der Waadt Anteil an allen drei Grossregionen der Schweiz. Im Norden grenzt er an die Kantone Jura, Solothurn und Aargau, im Westen an die Kantone Neuenburg, Waadt und Freiburg, im Osten an die Kantone Luzern, Nidwalden, Obwalden und Uri und im Süden an den Kanton Wallis.

Grenzen Bern ist seit dem Verlust des Laufentals 1994 ein Binnenkanton. Nachdem die Exklave Clavaleyres am 1. Januar 2022 an den Kanton Freiburg abgetreten wurde, besteht noch die Exklave Münchenwiler. Die Gemeinde Schelten ist mit dem Kanton nur über einen Punkt verbunden. Steinhof ist eine Enklave des Kantons Solothurn, Wallenbuch eine Enklave des Kantons Freiburg.

Auf Karten kleineren Massstabs kann der Eindruck entstehen, dass der Kanton Bern bei La Ferrière an Frankreich grenzt; die Landesgrenze ist dort jedoch rund 250 Meter von der Kantonsgrenze entfernt.

Regionen Im Westen erstreckt sich zwischen dem Bielersee, Murtensee und der Stadt Bern im Aaretal das Berner Seeland, das dank seiner fruchtbaren Böden auch als Gemüsekammer der Schweiz bezeichnet wird. Im Nordwesten liegt der französischsprachige Berner Jura. Im Nordosten des Kantons liegt die Region Oberaargau, die entgegen ihrem Namen nicht zum Kanton Aargau gehört. Östlich der Stadt Bern liegt das zu den Voralpen gehörende Emmental, aus dem der berühmte Emmentaler Käse kommt und das im Osten vom Bergland des Napf abgeschlossen wird. Im Süden des Kantons liegt das Berner Oberland, im Osten mit dem Jungfraugebiet und dem Haslital, im Westen mit den Regionen Saanenland, Simmental und Frutigland.

Erhebungen Die höchste Erhebung im Kanton Bern ist das Finsteraarhorn (). Der tiefste Punkt ist die Aare bei Wynau (). Im Kanton Bern erheben sich die Berner Alpen mit den Berner Voralpen und der Berner Jura, der zum Faltenjura gehört.

Berge Bedeutende Berge im Kanton Bern sind das Finsteraarhorn (), mit dem höchsten Gipfel im Berner Oberland, die Jungfrau (), mit der höchsten Bahnstation Europas, der Mönch (), als Teil der Eiger Mönch und Jungfrau Gruppe, der Eiger (), mit der Eigernordwand, das Schilthorn () (auch Piz Gloria), mit dem Drehrestaurant aus dem James-Bond-Film Im Geheimdienst Ihrer Majestät, und das Mittelhorn ().

Gewässer Die Gesamtfläche aller Wasser und Feuchtflächen beträgt 418,21 Quadratkilometer. Davon sind 210,77 Quadratkilometer Gletscher oder Firn, 162,56 Quadratkilometer Wasser, 41,69 Quadratkilometer Nassstandorte und 3,19 Quadratkilometer Schilfbestände.

Seen Bedeutende Seen sind der Thunersee (47,85 km²), der Bielersee (39,2 km²) und der Brienzersee (29,8 km²). Bern hat zudem Anteil am Neuenburgersee.

Flüsse Der grösste Fluss im Kanton Bern ist die Aare. Sie entspringt in am Unteraargletscher (Grimselgebiet) und entwässert 17'709 Quadratkilometer. Die Aare ist 291,5 km lang. Ihr Wasser führt sie dem Rhein zu, welcher in die Nordsee abfliesst. Dabei durchfliesst sie unter anderem den Grimselstausee (2,72 Quadratkilometer), den Brienzersee, den Thunersee, den Wohlensee und seit der Juragewässerkorrektion auch den Bielersee.

Weitere bedeutende Flüsse sind Emme, Simme, Kander, Saane, Broye und Suze.

Im Jahr 1997 stimmte das Berner Stimmvolk einem Renaturierungsfonds zu. Seither werden Flüsse vermehrt naturnah umgestaltet.

Klima Klimaschutz Der Grosse Rat verabschiedete im März 2021 in zweiter Lesung mit 98 zu 44 Stimmen bei 10 Enthaltungen eine Änderung der Kantonsverfassung, durch die ein neuer Artikel betreffend den Klimaschutz eingefügt wurde. Die Stimmberechtigten stimmten ihr an der Volksabstimmung vom 26. September 2021 zu. Im Mai 2022 beantragte der Bundesrat dem Parlament, die Verfassungsänderung zu gewährleisten.

Bevölkerung

Die Einwohner des Kantons werden Berner bzw. auf Französisch Bernois genannt.

Demografie Per betrug die Einwohnerzahl des Kantons Bern . Die Bevölkerungsdichte liegt mit  Einwohnern pro Quadratkilometer unter dem Schweizer Durchschnitt ( Einwohner pro Quadratkilometer). Der Ausländeranteil (gemeldete Einwohner ohne Schweizer Bürgerrecht) bezifferte sich am auf  Prozent, während landesweit  Prozent Ausländer registriert waren. Per betrug die Arbeitslosenquote  Prozent gegenüber  Prozent auf eidgenössischer Ebene.

Sprachen Die Hauptsprache der Bevölkerung ist zu 86 Prozent Deutsch, zu 11 Prozent Französisch, zu 3 Prozent Italienisch und zu 3 Prozent Englisch sowie zu je rund ein bis zwei Prozent Portugiesisch, Serbisch und Kroatisch, Albanisch, Spanisch und Türkisch.Bundesamt für Statistik: (XLS-Datei) Die deutschsprachige Bevölkerung spricht in der Regel Berndeutsch, die regionale Varietät des Schweizerdeutschen.

Die Landes- und Amtssprachen des Kantons sind Deutsch und Französisch. Für die Amtssprachen gilt das Territorialitätsprinzip, d. h., sie richten sich nach dem Gebiet. Im Verkehr mit den kantonalen Behörden dient im Berner Jura Französisch, in der Verwaltungsregion Seeland und dem Verwaltungskreis Biel/Bienne Deutsch und Französisch und im übrigen Kanton Deutsch als Amtssprache. Als Amtssprache auf Gemeindeebene gilt im Berner Jura fast überall das Französische (auch in den mehrheitlich deutschsprachigen Gemeinden Mont-Tramelan und Rebévelier, nicht jedoch in Schelten und Seehof), beide Sprachen sind die Amtssprachen der Gemeinden Biel/Bienne und Leubringen/Evilard, und das Deutsche ist die Amtssprache aller anderen Gemeinden. An die für den ganzen Kanton zuständigen Behörden können sich alle Bürger in beiden Sprachen wenden; amtliche Texte, die den ganzen Kanton betreffen, müssen in beiden Sprachen zugänglich gemacht werden.Nuspliger/Mäder, S. 81 f.

Für den Berner Jura wurde im Jahr 2006 der geschaffen, ein Regionalparlament, das die kulturelle Eigenständigkeit der französischsprachigen Minderheit sichern soll. Eine entsprechende Funktion hat der für Biel/Bienne und Evilard.

Religionen – Konfessionen

Am 31. Dezember 2018 waren von den 1'034'977 Einwohnern des Kanton Bern 541'148 Personen (52,3 Prozent) Mitglied der evangelisch-reformierten und 164'866 Personen (15,9 Prozent) waren Mitglied der römisch-katholischen Kirche.

Der Kanton Bern ist ein traditionell evangelisch-reformiert geprägter Kanton. Die evangelisch-reformierten Kirchgemeinden des Kantons Bern gehören zu den Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn.

Die katholischen Pfarreien des Kantons Bern gehören zum Bistum Basel und sind zusammen mit den Pfarreien der Kantone Jura und Solothurn Teil der Bistumsregion St. Verena (Sitz des Bischofsvikariats in Biel).

Seit der letzten Volkszählung im Jahr 2000 liegen keine Mitgliederzahlen zu weiteren Religionsgemeinschaften (neben den beiden Landeskirchen) für die Gesamtbevölkerung des Kantons mehr vor. Jedoch führte das Bundesamt für Statistik im Jahr 2012 eine Stichprobenerhebung durch, bei welcher Personen ab 15 Jahren nach ihrer Religionszugehörigkeit befragt wurden. Die Erhebung lieferte folgende Ergebnisse: + Bevölkerung im Kanton Bern (ab 15 Jahren) nach Religion im Jahr 2012Daten zur Religionszugehörigkeit der Gesamtbevölkerung (jeden Alters) des Kanton Bern liegen seit der letzten Volkszählung im Jahr 2000 ausschliesslich für die evangelisch-reformierte und die römisch-katholische Kirche vor, deren Mitglieder aufgrund der Kirchensteuern amtlich erfasst werden. Die Daten des BFS zu den Religionsgemeinschaften im Kanton basieren seit 2010 auf einer Stichprobenerhebung, für welche Personen ab 15 Jahren befragt werden. Bei den Ergebnissen handelt es sich um Hochrechnungen, die mit einem statistischen Vertrauensintervall angegeben werden. Siehe hierzu Volkszählung in der Schweiz#Strukturerhebung. / 2024 Religion Anteil in % 2012Anteil in % 2024 protestantisch 55,540,8 konfessionslos 16,231,5 römisch-katholisch 15,613,9 andere christliche Glaubensgemeinschaften 6,46,8 islamisch 3,54,7 andere Religionsgemeinschaften 1,61,4 Religion/Konfession unbekannt 1,00,7 jüdisch 0,10,0 Es gibt im Kanton Bern vergleichsweise viele Mitglieder protestantischer Freikirchen, besonders im Berner Jura, im Emmental und im Berner Oberland, wo sich trotz zeitweilig intensiver staatlicher Verfolgung noch mennonitische Gemeinden halten konnten. Nach der Reformation im Jahr 1528 fasste ab 1799 auch die katholische Kirche wieder Fuss im Kanton.

Verfassung und Politik

Die geltende Kantonsverfassung von 1993 (KV) umschreibt den Kanton Bern in Art. 1 als freiheitlichen, demokratischen und sozialen Rechtsstaat. Sie baute gegenüber der früheren Verfassung von 1893 insbesondere die Grundrechte, die Volksrechte und die Gemeindeautonomie aus.Nuspliger/Mäder, S. 68. Nach Art. 2 KV versteht sich der Kanton auch als Mittler zwischen der deutsch- und der französischsprachigen Schweiz (Romandie). Der zweisprachige Kanton hat mit allen Kantonen der Romandie, ausser Genf, gemeinsame Grenzen und ist Mitglied vieler Organisationen der Zusammenarbeit der französischsprachigen Kantone.Nuspliger/Mäder, S. 70 f.

Legislative

Der 160-köpfige Grosse Rat (frz. Grand Conseil) ist das Parlament des Kantons. Zwölf Sitze sind für den (französischsprachigen) Berner Jura garantiert und drei Sitze für die französischsprachige Minderheit des zweisprachigen Amtsbezirks Biel/Bienne. Der grosse Rat wird vom Volk im Proporz­verfahren für eine Amtsdauer von jeweils vier Jahren gewählt.

Das Volk hat über Volksabstimmungen auch direkten Anteil an der Gesetzgebung. Das obligatorische Referendum gilt bei Verfassungsänderungen, das fakultative Referendum, das von mindestens 10'000 Stimmberechtigten unterstützt werden muss, bei Gesetzesänderungen, wobei das Referendum mit einem Volksvorschlag verbunden werden kann. Sodann kommt dem Stimmvolk das Recht der Volksinitiative zu, die von mindestens 15'000 Stimmberechtigten unterstützt werden muss. Ausserdem können mindestens 30'000 Stimmberechtigte eine Abstimmung über die Abberufung des Grossen Rates vor Ablauf der ordentlichen Amtsdauer verlangen.