Das Bistum Basel () ist eine Diözese der römisch-katholischen Kirche in der Schweiz. Es ist sowohl flächenmässig als auch nach Anzahl Katholiken das grösste Schweizer Bistum.

Heute umfasst das Bistum Basel das Territorium der Schweizer Kantone Aargau, Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Bern, Jura, Luzern, Schaffhausen, Solothurn, Thurgau und Zug. Das Bistum Basel hat seinen Sitz in Solothurn. Bischofskirche ist die Solothurner St. Ursenkathedrale.

Das Bistum Basel grenzt im Norden an die Erzbistümer Strassburg und Freiburg sowie (über den Bodensee) an das Bistum Rottenburg-Stuttgart, im Osten an die Bistümer St. Gallen und Chur, im Süden an das Bistum Sitten und im Westen an das Bistum Lausanne, Genf und Freiburg sowie an das Bistum Belfort-Montbéliard (Beffort-Mömpelgard).

Wie alle Schweizer Bistümer ist das Bistum Basel immediat (auch als exemt bezeichnet) – das heisst, es gehört nicht zu einer Kirchenprovinz (mit einem Metropoliten bzw. Erzbischof an der Spitze), sondern untersteht direkt dem Heiligen Stuhl in Rom.

Geschichte Übersicht Das Bistum Basel ist ein altes Bistum, dessen Anfänge ins 4. Jahrhundert in die Zeit des Römischen Reiches zurückgehen. Der Bischof hatte über die Jahrhunderte verschiedene Residenzstädte in seinem Sprengel, zunächst in Kaiseraugst, dann in Basel, später in Pruntrut und bis heute in Solothurn.

Als bischöfliche Residenzstadt war Basel über Jahrhunderte hinweg geistiger und intellektueller Anziehungspunkt für gelehrte Kleriker und Mönche, ausserdem eine Wirkungsstätte verschiedener Orden. Hier entstand im 15. Jahrhundert ein Versammlungsort für ein wichtiges römisch-katholisches Kirchenkonzil (Basler Konzil), was u. a. zur Gründung der Universität Basel im Jahre 1460 durch Privileg von Papst Pius II. führte. Ausserdem war die Stadt Wirkungsstätte des römisch-katholischen Priesters, Augustiner-Chorherrn und Humanisten Erasmus von Rotterdam, der mit seiner im Jahr 1516 publizierten kritischen Neuübersetzung des griechischen Neuen Testaments ins Lateinische (Novum Instrumentum omne, eine Überarbeitung der Vulgata) unter Klerikern und Gelehrten für Gesprächsstoff sorgte und Anlass für theologische Debatten bot.

Infolge der Reformation durch die Basler Zünfte wurden das Domkapitel und der römisch-katholische Adel 1529 aus Basel vertrieben und das Münster übernommen. Die Reformation hatte keine Auswirkungen auf die weltliche Herrschaft des Bischofs als Fürstbischof im Fürstbistum Basel, einem vom Heiligen Römischen Reich zu Lehen gehenden reichsunmittelbaren Hochstift. Seit 1828 ist die Stadt Solothurn Residenzstadt und offizieller Verwaltungssitz des Bischofs von Basel und die frühklassizistische St. Ursenkathedrale in Solothurn Kathedrale des Bistums; Basel gehört aber nach wie vor zur Diözese Basel.

Von 999 bis 1803 war der Bischof von Basel Fürstbischof, d. h. Bischof der Diözese Basel und zugleich Fürst des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und als solcher weltlicher Landesherr im heutigen Kanton Jura, im Berner Jura, im Birseck, im Laufental sowie in Schliengen, Istein und Binzen im badischen Markgräflerland – Gebiete, die zum Hochstift Basel gehörten und das Territorium des Fürstbistums Basel bildeten.Hochstift und Fürstbistum sind zwei Ausdrücke, die eigentlich dasselbe bedeuten, aber in nicht ganz deckungsgleichen Zusammenhängen genutzt werden. Im vorliegenden Fall der territorialen Besitztümer des damaligen Fürstbischofs von Basel ist insbesondere in der Schweiz der Terminus Fürstbistum gebräuchlich, während in der deutschen Geschichtsliteratur der Begriff Hochstift verwendet wird.

Ursprung Die älteste Bischofsliste ist der Laterculus Monasteriensis aus dem 11. Jahrhundert, erhalten in der Abtei Münster im Elsass.August Bernoulli: Zum ältesten Verzeichnis der Basler Bischöfe. In: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde. Band 3 (1904), S. 59–64 (doi:10.5169/seals-111577). Als erster Bischof von Basel ist hier ein Walaus genannt, der unter Papst Gregor III. (r. 731–741) ernannt worden sei. Ob hier ein neues Bistum unter fränkischer Herrschaft entstanden war, oder ob der antike Bischofssitz von Augusta Raurica nach Basel verlegt wurde, ist unbekannt. Jedenfalls wurden später die Bischöfe von Augusta Raurica in die Liste der Bischöfe von Basel aufgenommen.

Die Colonia Augusta Raurica lag zunächst in der römischen Provinz Germania superior, dann ab dem Jahr 297 nach der diokletianischen Reichsreform in der Provinz Maxima Sequanorum mit Zivilverwaltungshauptort in Besançon, als Teil der Präfektur Gallia in der Diözese Dioecesis Galliarum. Dementsprechend war das Bistum Basel vom Beginn der Überlieferung bis 1801 ein Suffraganbistum des Erzbistums Besançon. Als erster Bischof gilt seit dem Hochmittelalter der legendäre Pantalus, der im Bistum als Heiliger verehrt wird. Bischof Justinianus nahm nachweislich an den Konzilen von Serdica 343 und Köln 346 teil. Wie jedoch die Ausgrabungen der Fundamente einer spätantiken Kirche in Kaiseraugst zeigen, muss es bereits zuvor in dieser Gegend christliche Gemeinden gegeben haben.

Im 7. Jahrhundert erwähnt Jonas von Bobbio in seiner Vita des hl. Eustasius von Luxeuil den Mönch Ragnachar aus dem Kloster Luxeuil als Bischof von Basel und Augst. Während der Zeit des Herzogtums Elsass verschwindet das Bistum für ein Jahrhundert aus den Quellen und das Bistum Straßburg pastorisierte Unter- und Oberelsass.A. M. Burg: Das elsässische Herzogtum - ein Überblick, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins, Band 117. Braun, Karlsruhe 1969, S. 83–95, hier S. 90

Unter der Herrschaft des Frankenkönigs Pippin III. († 768) soll dann Walaus als Bischof von Basel eingesetzt worden sein. Da ihn das Laterculus Monasteriensis aber als archiepiscopus erwähnt (während Basel nie Erzbistum war) ist seine Funktion als Bischof von Basel allerdings umstritten. Zur Zeit Karls des Grossen erfuhr die Diözese Basel unter dem Bischof Haito ihre erste Blüte. Haito war, wie Waldo, Mönch und Abt des Klosters Reichenau und daneben Vertrauter und Berater des Kaisers, für den er 811 als Gesandter nach Konstantinopel zum oströmischen Kaiserhaus und zum Patriarchen von Konstantinopel reiste. Haito veranlasste auch den Bau des Basler Münsters. Damit wurde Basel vermutlich auch bischöfliche Residenz, Haitos Nachfolger Udalricus soll am 31. Mai 824 in die Stadt eingezogen sein, erst am 10. Juni 825 wurde er zum Priester geweiht. Nach Udalricus ist die Liste der Basler Bischöfe des 9. und 10. Jahrhunderts im Laterculus Monasteriensis nur lückenhaft überliefert. Ein Bischof Rudolf II. ist nur aus einer Grabinschrift bekannt, laut der er 917 bei der Zerstörung Basels durch die Ungarn getötet worden sein soll. Erst mit dem ersten Fürstbischof, Adalbero II., der 999 von Rudolf III. von Burgund die Abtei Moutier-Grandval als Lehen erhielt, wird die Liste der Basler Bischöfe lückenlos. mini|Wappen des Fürstbistums Basel, das heute in den Bischofswappen der Bischöfe von Basel weiterverwendet wird: eine rote Bischofskrümme (Baselstab) auf silbernem Grund

Fürstbistum Basel / Hochstift Basel

mini|links|Das weltliche Herrschaftsgebiet der Bischöfe von Basel im 16. Jahrhundert mini|Das Basler Münster war bis zur Reformation Kathedrale des Bistums

Im Mittelalter gelangte der Bischof von Basel, wie viele andere Bischöfe auch, zu weltlicher Macht und wurde Fürstbischof eines Hochstifts. Die territoriale Entwicklung dieses Fürstbistums nahm 999 mit den Schenkungen der altehrwürdigen Benediktinerabtei Moutier-Grandval und des Münstertales im Berner Jura sowie des Stifts Saint-Ursanne im heutigen Kanton Jura durch den kinderlosen König Rudolf III. von Burgund ihren Anfang. Hinzu kamen später als Zugänge zum Hauensteinpass, das Sisgau und das Buchsgau sowie, ausserhalb der Diözese gelegen, Gebiete am Bielersee, die Herrschaft Pruntrut, die Landvogtei Schliengen mit Istein und Kleinbasel. Der Mittelpunkt des geistlichen Fürstentums Basel war die Stadt mit ihrem Münster und den Domherrenhäusern. Die grösste Ausdehnung hatte die weltliche Herrschaft unter Bischof Burkard (1072–1107), der in der Gunst Kaiser Heinrichs IV. stand, weil er ihn im Investiturstreit unterstützte und ihn sogar nach Canossa begleitete. Der Investiturstreit mündete letztlich ins Wormser Konkordat von 1122, das dem Papst (und nicht mehr dem Kaiser) künftighin die Vollmacht einräumte, alle Reichsbischöfe in ihre geistlichen Würden einzusetzen. Damit wurde die Bindung der Bistümer und somit auch des Basler Bistums an die römische Kurie gestärkt.Karl Schib: Weltgeschichte vom Mittelalter bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts. Rentsch, Zürich 1983. Nicht zuletzt deshalb setzte bei den verstreuten und verschiedenartigen weltlichen Besitztümern und Rechten des Hochstifts nach einer längeren Zeit der Stagnation langsam ein Zerfall ein, indem der Bischof den mit Erfolg ihre Herrschaft ausbauenden Habsburgern, aber auch der mit Beharrlichkeit ihre Autonomie anstrebenden Basler Bürgerschaft immer stärkeren Einfluss zugestehen musste. Die ehemals bischöflichen Städte Breisach, Neuenburg am Rhein und Rheinfelden wurden eine Beute der Habsburger und fielen zurück ans Reich. Auch im Elsass und in Basel selbst machte sich von der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts an der habsburgische Einfluss in starkem Masse geltend. Darum richtete konsequenterweise der Bischof seine Territorialpolitik auf den Jura aus. Die umstrittene Bischofswahl von 1436 wurde auf dem von 1431 bis 1449 tagenden Konzil von Basel verhandelt. Mit der einsetzenden Reformation verlegte der Bischof 1527 seine Residenz von der Stadt Basel ins fürstbischöfliche Schloss zu Pruntrut, das Domkapitel blieb hingegen bis 1529 weiterhin in der Stadt.

Reformation und Exil des Basler Domkapitels in Freiburg im Breisgau Am 9. Februar 1529, einem Fasnachtsdienstag, stürmten die Reformierten in das Basler Münster und zerstörten beim Bildersturm auf das Basler Münster seine Ausstattung weitgehend. Unermessliche sakrale Kunstschätze des mittelalterlichen Basel gingen dabei verloren. Durch glückliche Umstände blieb der berühmte Basler Münsterschatz vollständig erhalten. Am 12. Mai siedelten die Domherren und Kapläne, welche nicht zur Reformation gewechselt hatten oder auf ihre Nebenpfründe gezogen waren, ins katholische Freiburg im Breisgau. Dort schloss das Domkapitel am 28. August 1529 mit der Stadt einen Vertrag über die rechtlichen und steuerlichen Belange, den Erwerb von Häusern, Kapitel- und Amtshaus sowie über die Benützung des Freiburger Münsters. Damit hörte Basel für immer auf, Sitz des Bischofs und des Domkapitels zu sein. Verwaltungssitz des Domkapitels war ab 1587 das Stürtzelsche Haus, heute Basler Hof genannt.

Mit dem Wegzug aus Basel und der Übersiedlung nach Freiburg 1529 hat das Domkapitel seine wesentliche Aufgabe verloren, die Arbeiten in der Basler Kathedrale mit dem Organisieren der fast pausenlosen Totenmessen an den ca. 60 Altären und insbesondere der fortwährende bauliche Unterhalt des grossen und kunstvollen Gebäudes. Das Wahlrecht des Bischofs ist dem Domkapitel geblieben, aber eine Beteiligung an der weltlichen Regierung des Bistums war kaum mehr möglich. Die Distanz zwischen Freiburg und Pruntrut beträgt ca. 100 km. Die Tätigkeit der Domherren beschränkte sich wohl, abgesehen vom Stundengebet, auf das Beibringen der Erträge der bischöflichen Güter, das ihnen den standesgemässen Lebensunterhalt ermöglichte.Das Basler Münster. Die Kunstdenkmäler des Kantons Basel-Stadt, Bd. 10. 2019. S. 38 ff.

Weltliche Ausdehnung mini|links|Weltliche und geistliche Hoheit des Bistums Basel im 15. Jahrhundert