Prawdinsk (, ), deutsch bis 1946 Friedland in Ostpreußen (, ), ist eine Kleinstadt mit Einwohnern (Stand ) im Süden der russischen Oblast Kaliningrad im Rajon Prawdinsk. Die Stadt Prawdinsk ist Verwaltungssitz der kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Prawdinsk.

Geographische Lage Die Stadt liegt in der historischen Region Ostpreußen, an der Alle, etwa 50 Kilometer südöstlich von Königsberg (Kaliningrad).

Geschichte Im Jahre 1312 wurde der heutige Ort durch den Deutschen Orden gegründet. Der Ordens-Hochmeister Luther von Braunschweig verlieh dem Ort 1335 unter dem Namen Friedland das Kulmer Stadtrecht. Litauische Eindringlinge richteten 1347 schwere Zerstörungen an. 1441 trat die Stadt dem Preußischen Bund bei und gehörte im Städtekrieg 1454 zu den Gegnern des Deutschen Ordens. Im 15. Jahrhundert wurde Friedland zu einem bedeutenden Zentrum für Tuchmacherei und Weberei. Das Ordensheer zerstörte Friedland 1466 erneut. Weitere Zerstörungen erlitt die Stadt 1553 durch einen Stadtbrand, dem nur die Kirche entging, und 1656 durch schwedische Truppen. 1795 wütete erneut eine Feuersbrunst in der Stadt. Am 14. Juni 1807 fand die Schlacht von Friedland statt, in der Napoleon das russische Heer schlug. Zum Treffen der europäischen Orte mit Namen Friedland wurde die Schlacht am Originalschauplatz anlässlich des 200. Jahrestages nachgestellt.

Durch die preußische Verwaltungsreform von 1818 wurde Friedland Kreisstadt des gleichnamigen Kreises im Regierungsbezirk Königsberg. 1885 hatte die Stadt 3182 Einwohner. Den Status der Kreisstadt verlor Friedland 1902 wieder, als das Landratsamt nach Bartenstein verlegt wurde.

Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Friedland eine evangelische Kirche, eine Rettungsstation, eine Präparandenanstalt, ein Amtsgericht, ein Hauptsteueramt sowie eine Dampfmahlmühle und eine Dampfschneidemühle. 1921–1923 wurde das Kraftwerk Friedland erbaut, das große Teile Ostpreußens mit Elektrizität versorgte. 1927 wurde auch der Kreis nach Bartenstein benannt. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges hatte Friedland 4410 Einwohner.

Nach Eroberung der Stadt durch die Rote Armee 1945 wurde die Innenstadt abgebrannt, und die Kirche verlor vollständig ihre Ausstattung. Sie wurde später in eine Lagerhalle umgewandelt.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Friedland zusammen mit der ganzen nördlichen Hälfte Ostpreußens besatzungsrechtlich unter sowjetische Verwaltung gestellt, eine Maßnahme, die im Sommer 1945 nach dem Potsdamer Abkommen unverändert beibehalten wurde. Die Stadt wurde in Prawdinsk umbenannt, vermutlich in Anlehnung an das russische Wort prawda (Wahrheit). Zu den interessanten Bauwerken zählen neben der frühgotischen Pfarrkirche auch die um 1923 errichtete Staumauer (ehem. „Ostpreußenwerk“) am Fluss Alle.

Die Region war bis zum Zerfall der Sowjetunion im Jahre 1991 Teil der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik und gehört seitdem zur Russischen Föderation. mini|Friedland, nordöstlich von Bartenstein, auf einer Landkarte von 1910 mini|St.-Georgs-Kirche mini|Marktplatz (Sommer 2011)

Demographie + Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1768 1597 Leopold Krug: Die Preussische Monarchie. Teil 1: Provinz Ostpreussen, Berlin 1833, S. 479–483 (Google Books) 1782 > 2000 ohne die Garnison (ein Bataillon Infanterie)Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I. Königsberg / Leipzig 1785, S. 16, Ziffer 4). 1798 1957 1802 2118 Alexander August Mützell, Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z. Halle 1823, S. 282–283, Ziffer 177. 1810 1535 darunter 38 Katholiken 1816 1808 davon 1761 Evangelische und 47 Katholiken (keine Juden) 1821 2137 1828 2168 davon fünf Katholiken und sechs Juden, die übrigen Bewohner sind sämtlich evangelisch 1831 2283 August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 514, Ziffer 112. darunter 14 Katholiken und 14 Juden, alle übrigen Bewohner sind evangelisch 1858 2595 davon 2559 Evangelische, sieben Katholiken und 29 JudenAdolf Schlott: Topographisch-statistische Uebersicht des Regierungs-Bezirks Königsberg, nach amtlichen Quellen. Hartung, Königsberg 1861, S. 79, Ziffer 60. 1864 3474 am 3. DezemberDie Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Königsberg. Preußisches Finanzministerium, Berlin 1966, 5. Kreis Friedland, S. 2, Ziffer 38. 1875 3296 1880 3366 1890 2609 1900 2824 Kreisstadt, Landratsamt befindet sich in BartensteinLexikoneintrag zu Friedland, 6), in: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage, Band 7, Leipzig/Wien 1907, S. 111 (Zeno.org). 1910 3027 Stadt, am 1. Dezember, mit einer evangelischen Pfarrkirche, einer katholischen Pfarrkirche, einem Amtsgericht, einem Krankenhaus, einem Sanitätshaus, einer Präparandenanstalt, Mühlen, einer Molkerei, einer Brauerei, Sägewerken, einer Ziegelei, Fabrikation von Zement, Maschinen und Essig sowie Pferde- und ViehmärktenFriedland, Stadt, links der Alle, Kreis Friedland, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Friedland (meyersgaz.org). 1933 4323 1939 4410

+ Bevölkerungsentwicklung seit 1946 Jahr 1959 1970 1979 1989 2002 2010 2021 Einwohner 2718 3335 4070 4143 4480 4323 3986 Anmerkung: Volkszählungsdaten

Prawdinskoje gorodskoje posselenije 2004–2015 mini|Lage der städtischen Gemeinde Prawdinskoje gorodskoje posselenije innerhalb des Rajons Prawdinsk mini|Mühlenteich (Melnitschny prud) am nördlichen Stadtrand, von der St.-Georgs-Kirche aus Die städtische Gemeinde Prawdinskoje gorodskoje posselenije (ru. Правдинское городское поселение) wurde im Jahr 2004 eingerichtetDurch das Закон Калининградской области от 21 декабря 2004 г. № 476 «О наделении муниципального образования "Правдинский район" статусом муниципального района и об установлении границ и наделении соответствующим статусом муниципальных образований, находящихся на его территории» (Gesetz der Oblast Kaliningrad vom 21. Dezember 2004, Nr. 476: Über das Ausstatten der munizipalen Bildung „Rajon Prawdinsk“ mit dem Status eines munizipalen Rajons und über das Festlegen der Grenzen und das Ausstatten mit dem entsprechenden Status der munizipalen Bildungen, die sich auf seinem Gebiet befinden) und enthielt außer der Stadt Prawdinsk weitere 32 als „Siedlungen“ (russisch: possjolok) eingestufte Ortschaften im westlichen und mittleren Bereich des Rajon Prawdinsk. Im Jahr 2015 wurde die Gemeinde aufgelöst und deren Orte in den Stadtkreis Prawdinsk eingegliedert.

Zu den 32 Siedlungen der Prawdinskoje selskoje posselenije gehörten die Orte: Ortsname deutscher Name Ortsname deutscher Name Antonowo (Антоново) Grünwalde Lukino (Лукино) Kloschenen Bely Jar (Белый Яр) Eiserwagen Nowoje (Новое) Trimmau Berjosowo (Берёзово) Schönbaum Oktjabrskoje (Октябрьское) Klein Schönau Bytschkowo (Бычково) Kaydann Peredowoje (Передовое) Postehnen Cholmogorje (Холмогорье) Kipitten Pessotschnoje (Песочное) Althof Dalneje (Дальнее) Wommen Poretschje (Поречье) Allenau Druschba (Дружба) Allenburg Progress (Прогресс) Auglitten Dworkino (Дворкино) Friedenberg Rjabinino (Рябинино) Korwlack Fedotowo (Федотово) Plauen, Kreis Wehlau Rodniki (Родники) Leißienen Iswilino (Извилино) Dettmitten Rownoje (Ровное) Heinrichsdorf Kisseljowka (Киселёвка) Karschau Schewtschenko (Шевченко) zu Friedland Kostjukowka (Костюковка) Heyde Selenzowo (Зеленцово) Grünthal Krasnopolje (Краснополье) Hohenstein Sewskoje (Севское) Böttchersdorf Krutoi Jar (Крутой Яр) Götzlack Sopkino (Сопкино) Rosenberg, Kreis Gerdauen Kurortnoje (Курортное) Wohnsdorf mit Agnesenhof Tjomkino (Тёмкино) Mertensdorf Lugowoje (Луговое) Hohenfelde Trostniki (Тростники) Schakenhof

Kirche

Evangelisch

Kirchengemeinde Seit Einführung der Reformation bis zum Jahre 1945 bestand eine evangelische Kirchengemeinde in Friedland. Gotteshaus war die St.-Georgs-Kirche. Gehörte sie einstmals zur Inspektion des Oberhofpredigers in Königsberg (Preußen) (heute russisch: Kaliningrad), so war sie in den Kirchenkreis Friedland, der ab 1927 in den Kirchenkreis Bartenstein (heute polnisch: Bartoszyce) umfunktioniert wurde, integriert. Sie lag im Bereich der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Vor 1912 zählte die Gemeinde 4.500 Gemeindeglieder.

In der Zeit der Sowjetunion war kirchliches Leben untersagt. In den 1990er Jahren bildete sich in Prawdinsk eine neue evangelische Gemeinde, die zum Einzugsbereich der Auferstehungskirchengemeinde in Kaliningrad (Königsberg (Preußen)) gehört und in die Propstei Kaliningrad der Evangelisch-Lutherischen Kirche Europäisches Russland (ELKER) eingegliedert ist.

Partnerschaften Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde in Prawdinsk unterhält Partnerschaften mit: Evangelische Erlöserkirchengemeinde in Potsdam Gemeinschaft evangelischer Ostpreußen (GeO) e. V.

Die Stadt Prawdinsk gehört zu den zehn Ortschaften in Deutschland, Polen Tschechien und Russland, die den Namen Friedland tragen oder getragen haben und seit 1996 internationale Friedenstreffen unter dem Motto Friedland – Friedliches Land – Friedliches Europa durchführen. auf friedland-mecklenburg.de

Kirchspielorte (bis 1945) Vor 1945 gehörten zum Kirchspiel Friedland folgende Ortschaften: Name (bis 1946) Russischer Name Battkeim – Bothkeim Tschistopolje Eichenwäldchen – Friedlandshof – Götzlack Krutoi Jar Grünwalde Antonowo Hegewald – Heinrichsdorf Rownoje Heyde Kostjukowka Kloschenen Lukino Lawdt – Mertensdorf Tjomkino Postehnen Peredowoje

mini|hochkant|Glocken im Kirchturm von Friedland/Prawdinsk (Juni 2011)

Kirchengebäude

In ihren Anfängen entstand die Friedländer St.-Georgs-KirchePfarrkirche St. Georg in Friedland/Prawdinsk im Jahre 1313 aus Holz. Bei einem Einfall von Litauern brannte sie 1347 nieder, wurde aber 1360 bis 1380 dann als gemauerter Saalbau mit Sakristei und Turm wiedererrichtet. Vor Ende des 15. Jahrhunderts erhielt das Gotteshaus in erheblichem Maße Umbauten. So entstand durch die Anlage von zwei Pfeilerreihen eine dreischiffige Basilika mit sieben Jochen.

An den Seitenwänden baute man 1506 auf der Südseite die St.-Anna-Kapelle an, die später als Privatkapelle der Familie von Proeck genutzt wurde, und nach 1521 kamen weitere Kapellen auf der Nordseite hinzu. mini|Detail der Kirchenglocke Die wertvolle Kunstausstattung der Kirche wurde 1948 geraubt. Von den einst drei Glocken hat eine den Krieg auf dem Hamburger Glockenfriedhof überdauert und läutet heute in der St.-Elisabeth-Kirche zu Langenhagen in Niedersachsen. Sie stammt aus dem Jahr 1746 und wurde in der Königsberger Glockengießerei Dörling angefertigt. Die beiden anderen Glocken, eine kleine und eine große sind im Glockenturm verblieben. Die große Glocke stammt aus dem Jahr 1729 und trägt noch das Wappen von Friedrich Wilhelm I. (Preußen) „FWR“. mini|Detail der Kirchenglocke Zwischen 1961 und 1991 wurde die Kirche zweckentfremdet und diente als Lagerhalle der Konsumgenossenschaft, bis sie – auch mit starker Unterstützung ehemaliger Friedländer Kirchenmitglieder – ausgebessert wurde und nun Gotteshaus der russisch-orthodoxen Kirche ist.

Die neugebildete evangelischen Gemeinde nennt heute ein kleines Gemeindehaus mit besonderem Gottesdienstsaal ihr Eigen.

Pfarrer bis 1945 Bis 1945 wurde Friedland und das dazugehörige Kirchspiel von jeweils zwei Geistlichen (Pfarr- und Diakonenstelle) betreut:Friedwald Moeller: Altpreußisches Evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945. Hamburg 1968.

Heinrich Schmidt, bis 1529 Laurentius Schönwald, 1529 Gregor Steinbach, ab 1529 Petrus Prätorius, 1530–1532 Johannes Pauly, 1532–1537 Nicolaus Naps, 1533 Valentin Buge, 1537–1545 Basilius Kuntz, bis 1543