Friedland ist eine Gemeinde im Landkreis Göttingen im südlichsten Zipfel Niedersachsens im Drei-Länder-Eck mit Hessen und Thüringen. Die Nachkriegsgeschichte Friedlands und seiner Umgebung wurde geprägt durch das Lager Friedland, Grenzdurchgangslager zuerst für heimatvertriebene Deutsche. Das Lager machte nicht nur den Namen dieses Ortes weltbekannt, sondern trug auch zu einer Verdoppelung der früheren Einwohnerzahl bei. Der Bekanntheitsgrad des Ortes Friedland führte dazu, dass als Name für die neue Großgemeinde aus den 14 umliegenden Dörfern „Friedland“ vorgeschlagen und angenommen wurde, obwohl der Ort Groß Schneen als Verwaltungssitz vorgesehen und festgesetzt wurde.

Geschichte Am 1. Januar 1973 wurde die Gemeinde Friedland durch den Zusammenschluss der bisherigen Gemeinden Ballenhausen, Deiderode, Elkershausen, Friedland, Groß Schneen, Klein Schneen, Lichtenhagen, Ludolfshausen, Mollenfelde, Niedergandern, Niedernjesa, Reckershausen, Reiffenhausen und Stockhausen neu gebildet.

Politik Gemeinderat

Der Rat ist die kommunale Vertretung und Hauptorgan der Gemeinde Friedland und beschließt über alle wichtigen Selbstverwaltungsangelegenheiten der Gemeinde. Er handelt als Vertretungskörperschaft durch Beschlüsse.

Mitglieder des Rates sind die 22 Abgeordneten, die den Titel Ratsherr bzw. Ratsfrau der Gemeinde Friedland tragen, sowie, kraft Amtes, der hauptamtliche Bürgermeister Andreas Friedrichs (SPD). Der Rat bildet Fachausschüsse. In den einzelnen Fraktionen und Ausschüssen arbeiten weitere beratende Mitglieder ohne Stimmrecht mit, die von den Fraktionen benannt werden. Der Bürgermeister nimmt an den Sitzungen des Rates und seiner Ausschüsse teil und erstattet dem Rat Bericht.

Der Vorsitzende des Rates wird aus der Mitte der Abgeordneten gewählt. Amtierender Ratsvorsitzender (Wahlperiode 2021–2026) ist Sebastian Bause (CDU). Stellvertretende Ratsvorsitzende sind Jürgen Rozeck (SPD), Caterina Dake (FWFG) und Anton Limburg (Grüne).

Der Rat hat drei Fachausschüsse gebildet (Wahlperiode 2021–2026): Ausschuss für Bau, Planung, Entwicklung, Feuerwehr, Umwelt, Naturschutz und Energie (Vorsitz: Joachim Hoy (CDU)) Ausschuss für Finanzen, Wirtschaft, Ordnung und Personal (Vorsitz: Immo Rühling (SPD)) Ausschuss für Schule, Jugend, Soziales, Kultur und Sport (Vorsitz: Jürgen Rozeck (SPD))

Wappen Das dominierende Symbol des im Grunde silberfarbenen Wappens ist das Friedland-Mahnmal (heraldisch rot) auf dem Hagenberg (heraldisch grün). In der grünen Fläche der unteren Wappenhälfte ist zentral ein Vierspeichenrad angeordnet (silberfarben).

Der Bezirk des alten Amtes Friedland umfasste etwa den Bereich der heutigen Gemeinde Friedland. Diese geschichtliche Tatsache wird durch das Vierspeichenrad (Symbol der Gerichtsbarkeit) in der unteren Wappenhälfte symbolisiert. Für viele Menschen ist der Name Friedland in der Vorstellung und Erinnerung eng mit dem Bild des Friedland-Mahnmals auf dem Hagenberg verbunden, weshalb es als Symbol Einzug in das Wappen fand. Die Farbwahl wurde – neben heraldischen Erwägungen – auch dadurch beeinflusst, dass die auf- oder untergehende Sonne den grauen Betonsäulen des Mahnmals eine rötliche Färbung verleiht.

Gemeindegliederung Zur Gemeinde Friedland gehören insgesamt 14 Ortschaften: Ballenhausen Deiderode Elkershausen Friedland Groß Schneen Klein Schneen Lichtenhagen Ludolfshausen Mollenfelde Niedergandern mit dem Rittergut Besenhausen Niedernjesa mit dem Klostergut Reinshof Reckershausen Reiffenhausen Stockhausen.

Ortsteil Friedland Der Ortsteil Friedland hat 1318 Einwohner bei einer Gesamtgröße von 4,39 km². Ursprung des Ortes ist die landesherrliche Burg Friedland (früher „Fredeland“ für „befriede das Land“), die 1285 erstmals urkundlich erwähnt und während des Dreißigjährigen Krieges zerstört wurde. Sie diente der Sicherung der Grenze zu Thüringen und Hessen und wurde später in die Göttinger Landwehr eingebunden. Während des 13. Jahrhunderts wurde Graf Diedrich von Eberstein von den Braunschweiger Herzögen mit dem Amt Friedland belehnt, jedoch wurde die angebliche „Treulosigkeit“ Diedrichs gegenüber Albrecht I. 1252 vor der einstigen Asseburg mit dem Galgen bestraft. Das freigewordene Amt wurde anschließend der Stadt Göttingen zugesprochen, in dessen Besitz es bis zur Reformation verblieb. Aus der fruchtbaren Gegend bezog der Rat vielfach seine Getreidevorräte. Friedland behielt stets seine kleinbäuerliche Struktur bei, obwohl Orte an einem Amtssitz üblicherweise zum Flecken erhoben wurden und das Marktrecht besaßen. Friedland hat vermutlich beides nicht erhalten, da in vier Kilometern Entfernung das Klostergut Mariengarten lag, das ein großer Wirtschaftsbetrieb und Wallfahrtsort war. 1743 wurde die Ruine der Burg Friedland größtenteils abgetragen und das gewonnene Material zum Bau des ehemaligen Amtshauses (des späteren „Schlosses“, in dem sich heute ein Pflegeheim befindet), der Zehntscheune und der Amtsmühle im Ort verwendet.

Bekannt wurde der Ort vor allem durch das Lager Friedland als Grenzdurchgangslager, zuerst für heimatvertriebene Deutsche aus den ehemals deutschen Ostgebieten und dem Sudetenland. Das Lager wurde von der britischen Besatzungsmacht auf dem Gelände der nach Friedland ausgelagerten landwirtschaftlichen Versuchsanstalt der Universität Göttingen errichtet und am 20. September 1945 in Betrieb genommen.

Die Lage Friedlands am Grenzpunkt der damals drei Besatzungszonen (Niedersachsen – britisch, Hessen – amerikanisch und Thüringen – sowjetisch) sowie an der wichtigen Bahnstrecke zwischen Hannover und Kassel (Bahnstrecke Bebra–Göttingen) prädestinierten den Standort für ein Flüchtlingslager. Der Bahnhof Friedland war 1945–1949 der letzte in der britischen Besatzungszone (Eichenberg/Hessen: amerikanisch, Arenshausen/Thüringen: sowjetisch) und damit Anlass für das Grenzdurchgangslager. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Hunderttausende Heimkehrer aus der Kriegsgefangenschaft in Friedland empfangen. 1955 kamen die letzten Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion heim, umgangssprachlich die Heimkehr der Zehntausend genannt. 1957 wurde der Verein Friedlandhilfe gegründet, um eben jenen bei der Wiedereingliederung zu helfen. Zum Empfang der Heimkehrer wurde als Choral von Friedland das Kirchenlied Nun danket alle Gott gesungen. Im Februar 1958 kamen zwei Transporte von deutschen Spezialisten mit ihren Familien aus Sochumi an.

Später wurde das Lager als Übergangslager für Übersiedler aus der DDR genutzt, heute vor allem als Aufnahmelager für Spätaussiedler. Seit Oktober 2002 (nach anderen Angaben seit 2001) ist das Lager Friedland die einzige Erstaufnahmeeinrichtung für Spätaussiedler in Deutschland. Zuständig für das Grenzdurchgangslager Friedland ist das Bundesverwaltungsamt.

Oberhalb der Ortschaft befindet sich das 1967/68 errichtete monumentale Heimkehrerdenkmal mit seiner zentralen Inschrift „Völker, entsaget dem Hass – versöhnt Euch, dienet dem Frieden – baut Brücken zueinander“. Die künstlerische Gestaltung der Gedenkstätte stammt von Hans Wachter.

Der Bekanntheitsgrad des Namens „Friedland“ war entscheidend dafür, dass die zum 1. Januar 1973 aus 14 Dörfern neu gebildete Gemeinde den Namen „Friedland“ erhielt.

Es gibt zwei Kindergärten (in evangelischer und katholischer Trägerschaft) und eine Grundschule (im Einzugsbereich von neun Ortschaften). Besonders in der Begabtenförderung hat die Grundschule Friedland eine Vorbildfunktion. In der Friedländer Mathewerkstatt können sowohl Kinder mit Dyskalkulie als auch hochbegabte Kinder sehr anschaulich Mathematik begreifen. Auch Kinder mit Lernschwierigkeiten werden optimal gefördert (jede Klasse hat weniger als 20 Schüler). Ab August 2008 wird die Grundschule Friedland als offene Ganztagsgrundschule geführt. (Schwerpunkte: Musik/Drama/Tanz, Sport, Technik/Naturwissenschaft/Mathematik, Ernährung und Bewegung, Kunst)

Die historische evangelische Kirche sowie die evangelische Lagerkapelle, die heute auch als Pilger- und Radwegekapelle genutzt wird, gehören zur Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Die katholische St.-Norbert-Kirche wurde 1954/55 im Grenzdurchgangslager erbaut.

Ortsrat

Neben dem Gemeinderat, der für alle Ortsteile der Gemeinde Friedland zuständig ist, besteht ein Ortsrat für den gleichnamigen Ortsteil. Er hat sieben Mitglieder. Davon gehören vier der CDU, zwei der SPD und eines der FWGF an.

(Stand: Kommunalwahl am 12. September 2021)

Ortsteil Groß Schneen mini|Gerichtseiche in Groß Schneen mini|Südliches Ende von Groß Schneen mit dem Einzelberg, gesehen von Westen Einwohner: 1792, Gesamtgröße: 11,14 km²

Groß Schneen () gehört, wie Funde aus der Jungsteinzeit bezeugen, zu den ältesten Siedlungen im Leinetal. 1022 wurde Groß Schneen erstmals urkundlich erwähnt. Damals trat es in den Urkunden über die Stiftung des St.-Michaels-Klosters zu Hildesheim als Snen auf. Spätere Bezeichnungen nennen den Ort Ostersneen, major Snen oder Grotensneyn.

Die jetzige Ortschaft bestand einst aus zwei Teilen, die jeweils eine eigene Kirche hatten. Bis in die jüngste Zeit wurde daher der obere, kleinere Teil des Ortes „das obere Dorf“ genannt. Wahrzeichen Groß Schneens ist die etwa 400 bis 500 Jahre alte Stieleiche auf dem Mühlenberg. Diese soll im Mittelalter die Halsgerichtsstätte des Amtes Friedland gewesen sein. Am 27. April 2025 wurde die seit 1913 als Naturdenkmal geschützte Eiche von der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft zum Nationalerbe-Baum ausgezeichnet. Einfluss auf die Topographie des Ortes nehmen der kegelförmige, 247 m hohe Einzelberg im Süden und der Mühlenberg im Nordwesten, dessen Ausläufer bis dicht an die Leine reichen. Ein weiteres Wahrzeichen bildet die St.-Michaelis-Kirche, in einer ihrer ersten Nennungen 1290 fungiert sie als inferioris Ecclesie. 1623 fiel sie einem Brand zum Opfer und wurde 1705 wieder aufgebaut.

Durch seine Lage in einer flachen Senke über der Leine und seine große fruchtbare Feldmark konnte der Ort in der Vergangenheit vielen Menschen Arbeit und Brot geben. Heute profitiert die Ortschaft vor allem von ihrer günstigen Lage zum Oberzentrum Göttingen. So wurden in den letzten Jahren mehrere Wohn- und Gewerbegebiete erschlossen.

Groß Schneen hat sich zum Grundzentrum der Gemeinde Friedland entwickelt, in dem alle wesentlichen Infrastruktureinrichtungen vorgehalten werden: ein Kindergarten, ein Hort, eine Oberschule mit Gymnasialangebot sowie Versorgungseinrichtungen für den täglichen Bedarf und das Gesundheitswesen. Groß Schneen ist Sitz der Verwaltung der Gemeinde Friedland, im Ort findet sich auch eine Polizeistation der Polizeiinspektion Göttingen. Ein Mehrgenerationenhaus wurde am 6. Dezember 2007 eingeweiht. Dort befindet sich auch eine Kinderkrippe. Die vormals nördlich der Oberschule vorhandene „Einzelberg“-Grundschule wurde geschlossen, da die Oberschule mehr Räume beansprucht; Die Gemeinde Friedland unterhält seit dem Beginn des Schuljahres 2017/18 nur noch eine Grundschule in Friedland, die anlässlich der Zusammenlegung entsprechend erweitert wurde.

Groß Schneen hat ein reges Vereins- und Kulturleben. Alljährlich am 2. Septemberwochenende findet als Volksfest der Groß Schneer Kirmes oder auch – wie sie von den Einheimischen liebevoll auf Plattdeutsch genannt wird – Use Kermesse statt. Diese erinnert an die Weihe der St.-Michaelis-Kirche zu Groß Schneen im Jahre 1705, nachdem der Vorgängerbau während des Dreißigjährigen Krieges 1623, wie das gesamte Dorf, zerstört worden war.

Ortsrat Der Ortsrat setzt sich aus sieben Ratsfrauen und Ratsherren zusammen. (Stand: Kommunalwahl am 12. September 2021)

Ortsteil Klein Schneen mini|Kirche Klein Schneen

Einwohner: 593, Gesamtgröße: 5,95 km²