mini|Panorama mit den Kleinen Beskiden Żywiec ([]; ; ) ist eine Mittelstadt mit etwa 32.000 Einwohnern in der Woiwodschaft Schlesien in Polen. Es ist Sitz des gleichnamigen Kreises.

Geographie mini|Rot: Hügel Grojec (im Süden), Alt Saybusch (im Norden) und (Neu-)Saybusch am Zusammenfluss von Soła, Koszarawa, Żylica und Łękawka auf österreichischer Karte im Hintergrund; Das Stadtzentrum liegt auf einer Höhe von 345 bis 350 m über NN – es geht aber im Norden bis auf 830 m über NN hinauf – im zu den Beskiden gehörenden Saybuscher Becken an der Mündung der Koszarawa in die Soła, die nördlich zum Jezioro Żywieckie aufgestaut wird. Etwa 18 km nordwestlich liegt die Großstadt Bielsko-Biała. In der Nachbarschaft befindet sich das Dreiländereck mit Tschechien und der Slowakei. Die historische Landschaft des Saybuscher Landes wird heute mehrheitlich und nach der Identität der Bewohner als Teil Kleinpolens betrachtet, ist aber wegen spätmittelalterlicher Zugehörigkeit zu schlesischen Herzogtümern (Oppeln-Ratibor, Teschen, Auschwitz), später auch zum Kreis Schlesien der Woiwodschaft Krakau, kleinpolnisch-schlesischer Grenzbereich.

Das Stadtgebiet nimmt 50,57 km² ein, wovon 45 % Ackerfläche und 17 % Wald sind. Das Stadtgebiet macht 4,9 % des Kreisgebiets aus.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte die Stadt zunächst zur Woiwodschaft Krakau und ab 1975 zur Woiwodschaft Bielsko-Biała.

Das Stadtgebiet grenzt an die folgenden Gemeinden: Czernichów Gilowice Lipowa Łękawica Łodygowice Radziechowy-Wieprz Świnna

Stadtgliederung Die Stadt ist in acht Stadtteile gegliedert. Kocurów-Koleby Moszczanica (mit Zadziele) Oczków Podlesie Rędzina Sporysz Śródmieście Zabłocie

Etymologie Der Name der Stadt, früher auch Żywcza (feminine Form) und Żywcze, taucht in den Urkunden als Zivicz (1326), Zipscha (1327), Ziwcza (1335) und Ziwiecz (1603) auf. Der Name ist possessiv abgeleitet vom vermutlichen Urbesitzer *Żywie(k) (z. B. wurde im Jahr 1484 der Personenname Szywczek de Pakoschowka erwähnt), möglicherweise auch vom polnischen Appellativ żywy, was sich als lebendig übersetzen lässt und darauf anspielt, dass hier lebendiges Inventar, also Vieh, gehalten wurde. Das Stadtwappen mit dem Stierkopf unter dem Adler der oberschlesischen Piasten nimmt hierauf Bezug.

Der deutsche Name Saybusch entwickelte sich wahrscheinlich von Zipscha (1327), im 15. Jahrhundert durch Salbchus (1440), Zeywissch (1445), Seÿppich (1448) und Seypusch (1580). Andrzej Komoniecki (1658–1729) leitete die damalige deutsche Form des Namens aus der örtlichen Tradition der Tierwirtschaft ab: Zaypus, to jest Świni Las albo Świniopas. (Świni Las – etwa Sauwald bzw. Saubusch, Świniopas wäre Schweinehirt).

Geschichte Mittelalter Auf dem Żywiecer Hausberg Grojec befand sich in der Antike eine keltische Festung, die im Frühmittelalter zu einer westslawischen Festungsanlage ausgebaut wurde.

Die ersten urkundlichen Erwähnungen des herzöglichen Dorfs stammen aus der Zeit um 1300eine frühmoderne Abschrift von einem Mieszkos I. von Teschen-Auschwitz Dokument ohne Datum während des polnischen Partikularismus. Die römisch-katholische Pfarrei wurde im Jahre 1308 erstmals urkundlich erwähnt; sie wurde auch als Zivicz im Peterspfennigregister des Jahres 1326 im Dekanat Auschwitz des Bistums Krakau aufgelistet. Es handelt sich um einen Ort, der später Stary Żywiec (Alt Saybusch) genannt wurde und einige Kilometer flussabwärts auf dem Grund des heutigen Stausees lag. Nach der Teilung des Herzogtums Teschen im Jahre 1315 befand sich der Ort im neugegründeten Herzogtum Auschwitz. Seit 1327 stand das Herzogtum unter Lehnsherrschaft des Königreichs Böhmen und das begleitende Dokument erwähnt ein oppidumalso entwickelte sich wahrscheinlich ein Marktort auf dem traditionellen, polnischen Recht – im Gegensatz zu civitates auf Deutschem Recht, wie Bielsko Zipscha. mini|Marktplatz Im Jahr 1445 wurde es in einem deutschsprachigen Dokument im Satz in unserm Zeywisschem weigbilde gelegen erwähnt, was auch die erste Erwähnung des Saybuscher Weichbilds war. Im gleichen Jahr, bei der Teilung des Herzogtums Auschwitz, fiel das Weichbild an Przemislaus III., der nach einem Brand 1447 an der heutigen Stelle 1448 die Stadt neu gründete (da der ursprüngliche Siedlungsort ungünstig lag und oft von Hochwassern heimgesucht wurde). Am 13. September 1448 bestätigte der Herzog die Privilegien und verbot den lande unde gebitte Seÿppichs keinen markth nicht sullin.

Einige Jahre früher, um 1447, wurde das Weichbild wahrscheinlich an die Familie Skrzyński verpfändet, wodurch die private Herrschaft in diesem Gebiet begann, die die Ausgliederung aus dem Herzogtum Auschwitz zur Folge hatte (sicherlich zwischen den Jahren 1450 und 1452). In den Jahren 1460–1465 war die Familie Skrzyński als Raubritter im polnisch-schlesischen Grenzbereich aktiv, woraufhin der polnischen König Kasimir IV. militärisch intervenierte. 1462 wurde die Burg Grojec von königlichen Truppen zerstört und nicht wieder aufgebaut. Die Herrschaft der Familie Skrzyński wurde beseitigt und das Alte Schloss stieg zu einem Königsschloss auf. Doch bereits 1467 vermachte König Kasimir IV. Żywiec mit dem ganzen Saybuscher Land der Adelsfamilie Komorowski für ihre politische Unterstützung, insbesondere der Ungarnpolitik des Königs. Piotr Komorowski wechselte jedoch seine politische Ausrichtung und wandte sich Matthias Corvinus zu und gegen den polnischen König, worauf dieser 1477 die Stadt besetzen und das Schloss zerstören ließ. Gleichwohl gelang es Piotr Komorowski nach einem erneuten Politikwechsel, sich mit dem König zu versöhnen, und er erhielt seine Latifundie zurück.

Frühe Neuzeit mini|Altes Schloss mini|Neues Schloss Kasimirs IV. Sohn Sigismund der Alte verlieh der Stadt 1512 Marktrechte und befreite sie 1518 von Abgaben, was den wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt begünstigte. Die Pfarrkirche wurde von 1512 bis 1542 anstelle einer Holzkirche im Stil der Renaissance errichtet. 1537 erhielt das Bürgertum das Braurecht und das Recht des Bierausschanks. 1542 entstand das erste Stadtspital, 1548 die Stadtbrauerei und 1558 die städtische Schule. 1579 erhielt die Stadt das Stapelrecht sowie weitere Handelsrechte von Stephan Báthory, der die Stadt am Handelsweg in seine ungarische Heimat förderte.

1564 wurde das Herzogtum Auschwitz-Zator zusammen mit dem Land Saybusch als Kreis Schlesien der Woiwodschaft Kleinpolen eingegliedert.

Im Jahr 1600 gab es in der Stadt deutlich unter 1000 Einwohner. Es gab eine protestantische Gemeinde, der vor allem die deutschsprachige Minderheit angehörte.Mariusz Pawelec, Protestantyzm na Żywiecczyźnie - glosa, In: Gronie, Broschüre (füzet) Nr. 6 (2008), S. 191–198

1608 wurde das Saybuscher Land durch Erbfolge geteilt, die Stadt verblieb jedoch bei den Komorowskis, bis diese es 1624 an die polnische Königin Constanze verkauften, die der Stadt noch im gleichen Jahr das Privileg „de non tolerandis Judaeis“ verlieh.Stanislaw Grodziski u. Irena Dwornicka (Hrsg.): Chronografia albo dziejopis Żywiecki. Żywiec 1987, S. 142 Nach ihrem Tod blieb es im Eigentum des polnischen Königshauses Wasa bis 1678. Während der Schwedischen Sintflut wurde die Stadt 1656 zerstört.

1678 erwarb Jan Wielopolski das Land Saybusch und es blieb bis 1838 bei den Wielopolskis. Die Wielopolskis bauten das Schloss im Barockstil aus und legten den Schlosspark an. Ansonsten ist jedoch ihre Herrschaft im 18. Jahrhundert vom wirtschaftlichen Niedergang der Stadt geprägt. Nach der Ersten Polnischen Teilung kam Żywiec an das neugegründete Königreich Galizien, das Teil der Habsburger Lande wurde. Die Wielopolskis blieben jedoch zunächst weiter Eigentümer der Stadt.

Im Habsburgerreich mini|Rathaus mini|Altstadt mini|Schlosspark mini|Chinesischer Turm

Bei der Ersten Teilung Polens kam die Stadt 1772 zum neuen Königreich Galizien und Lodomerien des habsburgischen Kaiserreichs (ab 1804). 1773 wurde die Stadt zum Sitz eines Distrikts im Kreis Wieliczka, der zwei Jahre später aufgelöst wurde und das Gebiet dem Kreisdistrikt Zator angeschlossen wurde. Ab 1782 gehörte es zum Kreis Myślenice (ab 1819 mit dem Sitz in Wadowice). Das ab 1818 bzw. 1820–1850 vorübergehend aus Galizien ausgegliederte und Österreichisch-Schlesien zugeordnete Herzogtum Auschwitz-Zator war in der Zeit formales Mitglied des Deutschen Bundes,Die meisten Historiker geben als Beginn der Zugehörigkeit den 6. April 1818 an, als der Deutsche Bund die Grenzverschiebung anerkannte. Nowakowski betont aber, dass das eigentliche, rechtlich bindende kaiserliche Patent erst am 2. März 1820 erlassen wurde. Ein Patent vom 29. Oktober 1850 schloss die Region wieder Galizien außerhalb des Deutschen Bundes an; obwohl es vor 1772 Polen und nicht dem Heiligen Römischen Reich unterstanden hatte. 1838 erwarb Erzherzog Karl von Österreich-Teschen das Land Saybusch und gliederte es der Teschener Kammer ein.

Ab 1854 bzw. 1867 war Żywiec der Sitz des Bezirks Saybusch bzw. Żywiec.

Große Teile der einstigen Herrschaft Saybusch wurden durch Landkäufe des Herzogs Albert von Sachsen-Teschen, eines Sohnes des sächsisch-polnischen Königs August III., 1810 Teil der Herrschaft der Teschener Kammer. In dieser Zeit erfolgte die Industrialisierung des Gebiets und in Żywiec entstanden die Brauerei Żywiec, die Papierfabrik, die Hütte Friedrich, die Maschinenfabrik Ponar, die Lederwarenfabrik Sila und zahlreiche andere Unternehmen. 1868 wurde das Neue Rathaus gebaut. 1878 wurde die Stadt durch die Kaiser Ferdinands-Nordbahn und 1884 durch die Galizische Transversalbahn an das Schienennetz angeschlossen. Das Neue Schloss und zahlreiche andere öffentliche Bauwerke entstanden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die bis heute das Stadtzentrum prägen.

Durch Erbteilung der Teschener Kammer 1895 entstand der Saybuscher Zweig der Habsburger, deren Stammvater Karl Stephan von Österreich wurde, der bereits fließend Polnisch sprach und auch nach dem Ersten Weltkrieg in Żywiec blieb, als es zur Zweiten Polnischen Republik kam.

In der Zweiten Polnischen Republik Nach der Niederlage Österreich-Ungarns im Ersten Weltkrieg wurde Galizien 1920 in den neuen polnischen Staat eingegliedert, zu der Żywiec als Kreisstadt des Powiat Żywiecki zur Woiwodschaft Krakau gehörte. Das Stadtgebiet wurde 1929 und 1939 durch Eingemeindungen erweitert.

Karl Albrecht von Habsburg-Altenburg erbte 1933 das Land Saybusch, wurde jedoch nach dem deutschen Überfall auf Polen enteignet, da er sich als Pole fühlend nicht bereit war, die Deutsche Volksliste zu unterschreiben. Er wurde von den Besatzern in Teschen und Krakau in Haft genommen und mehrfach gefoltert. Seine Ehefrau konnte nach Schweden fliehen, wohin ihr Karl Albrecht nach der sowjetischen Besetzung Ostpolens folgte.

Zeit der deutschen Besatzung Nach dem deutschen Überfall auf Polen 1939 kam der Ort – nunmehr wieder Saybusch genannt – am 26. Oktober 1939 zum Deutschen Reich. Er bildete als Mittelpunkt des gleichnamigen Kreises einen Teil des neuen Regierungsbezirkes Kattowitz in der preußischen Provinz Schlesien bzw. ab 18. Januar 1941 in der Provinz Oberschlesien. In diesem Zuge wurde 1939 auch das Amtsgericht Saybusch errichtet, das zum Gerichtsbezirk des Landgerichts Bielitz gehörte.