Die Mittelgebirgslandschaft Pfälzerwald (so die amtliche Schreibweise, häufig auch Pfälzer Wald, in naturräumlichen Gliederungen auch Haardtgebirge) im Land Rheinland-Pfalz ist das größte zusammenhängende Waldgebiet Deutschlands. Seine Ausdehnung beträgt, je nach naturräumlicher Abgrenzung, 1589,4 km² entsprechend 158.940 Hektar oder 1771 km² entsprechend 177.100 Hektar,Michael Geiger: Der Pfälzerwald im geographischen Überblick. In: Michael Geiger/Günter Preuß/Karl-Heinz Rothenberger (Hrsg.): Der Pfälzerwald Porträt einer Landschaft. Pfälzische Verlagsanstalt, Landau i. d. Pfalz 1987, S. 9–58. wobei 82 bis 90 Prozent der Fläche von Wald bedeckt sind. Damit nimmt er ein gutes Drittel der gesamten Pfalz ein, deren zentrale Landschaft er darstellt und von der er seinen Namen hat.
Die südliche Fortsetzung des Naturraums auf französischem Boden wird dort „Nordvogesen“ (französisch Vosges du Nord) genannt. Sie zieht sich von der deutsch-französischen Grenze bis zur Zaberner Steige und wird dort durch die Vogesen im eigentlichen Sinne abgelöst. Diese französische Eigenheit spiegelt sich auch im offiziellen Namen des zum Schutz des Naturraums sowie angrenzender Gebiete eingerichteten grenzüberschreitenden Biosphärenreservats Pfälzerwald-Vosges du Nord wider. Es hat insgesamt eine Fläche von 310.500 Hektar.
Der 179.800 HektarNaturpark Pfälzerwald e. V. (Hrsg.): (PDF; 818 kB). Abgerufen am 19. Oktober 2011. große deutsche Naturpark Pfälzerwald umfasst zusätzlich den Landstrich zwischen Haardtrand und Deutscher Weinstraße im Osten sowie die Täler von Eckbach und Eisbach im Nordosten.
Naturräumliche Grundstruktur mini|hochkant=1.5|Das linksrheinische Schichtstufenland mit dem Pfälzerwald (17)
Der Pfälzerwald ist gemeinsam mit den Vogesen, die sich südlich der Zaberner Steige anschließen, Teil eines einheitlichen Mittelgebirgsraumes von etwa 8000 km² Gesamtfläche, der sich von der Börrstadter Senke (Linie Winnweiler–Börrstadt–Göllheim) bis zur Burgundischen Pforte (Linie Belfort–Ronchamp–Lure) erstreckt und die westliche Begrenzung der Oberrheinischen Tiefebene bildet. Diese Landschaft ist wiederum östlichster Teil des sehr weitläufigen Nordfranzösischen Schichtstufenlandes, das auf deutschem Boden weite Teile der Pfalz und des Saarlandes einnimmt, mit älteren (z. B. am Donnersberg) und jüngeren Gesteinsschichten (Muschelkalk, z. B. Westricher Hochfläche). Die folgenden beiden Unterkapitel umfassen daher auch den französischen Teil des Naturraums.
Gliederung
Der Pfälzerwald stellt innerhalb des Pfälzisch-Saarländischen Schichtstufenlandes (Großregion 2. Ordnung) eine naturräumliche Großregion 3. Ordnung dar, die nach Süden bis zur Zaberner Steige, also weit in französisches Gebiet hinein, reicht, wo sich der Höhenzug in den Vogesen fortsetzt. Dessen ungeachtet wird, der Staatsgrenze wegen, der französische Südteil des Naturraumes dort als „Nordvogesen“ bezeichnet.
Die wesentlichsten Gliederungen des Buntsandsteingebirges erfolgten in den 1950er und 1960er Jahren im Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands nebst Einzelblättern 1:200.000 durch die Bundesanstalt für Landeskunde. Indes haben sich zum Teil von dieser Gliederung abweichende Landschaftsnamen durchgesetzt.
Nachstehend sind die wichtigsten Teillandschaften mit einer Karte aufgelistet, wobei in der Karte nur namentlich bekannte Landschaften genannt werden und nur signifikantere Landschaftsgrenzen eingezeichnet sind.Emil Meynen, Josef Schmithüsen: Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands. Bundesanstalt für Landeskunde, Remagen/Bad Godesberg 1953–1962 (9 Lieferungen in 8 Büchern, aktualisierte Karte 1:1.000.000 mit Haupteinheiten 1960).Verschiedene Autoren: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten in Einzelblättern 1:200.000. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1952–1994. → Online-Karten Mit einem Stern (*) gekennzeichnete Blätter sind bislang nicht in die Aufstellung eingeflossen. Blatt 150: Mainz (Harald Uhlig 1964; 39 S.) Blatt 160: Landau i. d. Pfalz (Adalbert Pemöller 1969; 47 S.) Blatt 169*: Rastatt (Heinz Fischer 1967; 31 S.)
mini|hochkant=1.5|Gliederung des Pfälzerwaldes;physisch-naturräumliche Landschaftsnamen und -grenzen in Rot, umgebende Hauptlandschaften andersfarbig gestaltet
Pfälzerwald Unterer Pfälzerwald (Nördlicher Pfälzerwald) Otterberger Wald (bis um 380 m) (Sembacher Platten) Stumpfwald (nur nahe der südlichen Nahtstelle über 400 m) Queitersberg (Quaidersberg, Quaitersberg; 394,0 m); Osteinrahmung Kaiserslauterns Mittlerer Pfälzerwald (nur signifikant abgetrennte Teillandschaften hervorgehoben) Diemersteiner Wald (bis um 450 m) Leininger Sporn (bis 516 m) Hoher Pfälzerwald (Hauptplateau der Frankenweide; bis 610 m) Haardt (bis 673,64 m) Wasgau Westlicher Wasgau (bis 513 m) Bitscher Waldniederung Dahn-Annweiler Felsenland Stürzelbronn-Schönauer Felsenland (bis 581 m) Dahner Felsenland (bis 577 m) Dahner Felsenland im engeren Sinne Annweiler FelsenlandDas Annweiler Felsenland wird, einem Vorschlag von Beeger und Geiger folgend, entlang der südlichen Fortsetzung der Elmsteiner Verwerfung vom Dahner Felsenland getrennt. Annweiler-Albersweiler-Ausraum („Trifelsland“)Queich- und Eisbach-Talungen, Reichsburg Trifels Östlicher Wasgau Oberer Mundatwaldnebst nordöstlichem Sporn zur Madenburg (bis 562 m) Hochwald (bis 529 m) Lembacher Graben Südlicher Wasgau (bis 526 m; Entwässerung zur Moder)
Grenzen mini|Südöstlicher Gebirgsrand bei Eschbach
Während der Pfälzerwald nach Norden und Osten vergleichsweise scharf begrenzt ist, ist der Übergang in benachbarte Landschaften nach Westen und Süden eher fließend.
Nördlich schließt das Nordpfälzer Bergland mit dem Donnersberg () an den Pfälzerwald an. Dort enden die für den Pfälzerwald typischen Buntsandsteinformationen, die von anderen Gesteinsarten, z. B. durch Gesteine des Rotliegend, abgelöst werden. Daraus ergibt sich eine deutliche geomorphologische Abgrenzung beider Landschaftsräume, die ungefähr auf einer Linie von Eisenberg, Göllheim, Börrstadt bis nach Otterberg bei Kaiserslautern verläuft.Michael Geiger: Die Landschaften der Pfalz. In: Michael Geiger u. a. (Hrsg.): Geographie der Pfalz. Verlag Pfälzische Landeskunde, Landau/Pf. 2010, S. 99.
Das Hügelland zwischen Haardt und Oberrheinebene, wo die Pfälzer Weine angebaut werden, wird als Weinstraße bezeichnet. Durch diese Hügelzone verläuft die Deutsche Weinstraße.
Bis in den Nordwesten des Pfälzerwaldes hinein reicht die in Westsüdwest-Ostnordost-Richtung verlaufende St. Ingbert-Kaiserslauterer Senke, zu der insbesondere westlich von Kaiserslautern, in der Moorniederung des Landstuhler Bruchs, die südlichen Nachbarlandschaften in einer deutlichen Schichtstufe abfallen.
mini|Großer Hausberg
Westlich des Großen Hausbergs löst die Westricher Hochfläche den Pfälzerwald an der scharfen Südgrenze des Landstuhler Bruchs in vergleichsweise fließendem Übergang ab. Sie erreicht im Übergangsbereich vergleichbare Höhen, weist jedoch als Muschelkalk-Plateau ein deutlich anderes Relief auf und ist auch nicht mehr durchgängig bewaldet. Sie zieht sich als Westsaum nicht nur um den Pfälzerwald, sondern auch noch weiter südlich um die Vogesen im engeren Sinne. Ungefähr ab Lemberg in Lothringen bildet sie auch die Wasserscheide zwischen Mosel und Oberrhein; der Süden der Region entwässert komplett über das System der Moder zum Oberrhein.
Nach Süden bildet die schmale Zaberner Steige die Grenze zwischen dem Pfälzerwald und den Vogesen. Geomorphologisch und geologisch ist diese Trennlinie weniger scharf ausgeprägt, als es rechtsrheinisch der Fall ist, wo Odenwald und Schwarzwald durch die Niederung des Kraichgaus deutlich voneinander getrennt sind. Erst die Burgundische Pforte jenseits der Vogesen bildet linksrheinisch eine orographisch vergleichbar klare Grenze.
Geschichte Name mini|Karte der Oberrheinischen Tiefebene von Martin Waldseemüller aus der Zeit der Renaissance. Der Pfälzerwald ist als Teil des Gebirges „Vosagus Mons“ (heute Vogesen, Nordvogesen und Pfälzerwald) eingezeichnet, welches im oberen Kartenteil von „Befort“ (Belfort) bis nach „Ceisersluter“ (Kaiserslautern) verläuft.
Der Name Pfälzerwald wurde erst 1843, als die Pfalz ein Teil des Königreichs Bayern war, in der zentral liegenden Gemeinde Johanniskreuz auf einer Konferenz von Forstleuten, die Ministerialrat Albert von Schultze leitete, geprägt, die damit die Wälder auf dem Buntsandsteingebiet der Pfalz bezeichneten. Weitere Verbreitung fand der Name, als 1902 der Pfälzerwald-Verein gegründet wurde,Kurt Reh: Der Pfälzerwald – Eine Einführung in Landschaft und Namengebung. In: Michael Geiger u. a. (Hrsg.): Pfälzische Landeskunde, Beiträge zu Geographie, Biologie, Volkskunde und Geschichte. Bd. 1. Selbstverlag, Landau/Pf. 1981, S. 381. wobei sich vor allem Fritz Claus, einer der Pioniere des PWV, intensiv für den neuen Namen einsetzte.Winfried Lang: Der Luitpoldturm und sein Panorama. Plöger Medien GmbH, Annweiler 2009, S. 75. Eine wissenschaftlich fundierte genauere Definition des Pfälzerwaldes als eigenständige naturräumliche Einheit erfolgte 1911 durch Daniel Häberle, einen pfälzischen Geographen und Heimatforscher.Daniel Häberle: Der Pfälzerwald: Entstehung seines Namens, seine geographische Abgrenzung und die Geologie seines Gebietes.Crusius Verlag, Kaiserslautern 1911 (Sonderdruck), S. 7.
Aus sprachhistorischer Perspektive wurde aber bereits von Kelten und Römern das gesamte linksrheinische Gebirge als räumliche Einheit begriffen, also keine Trennung zwischen den verschiedenen Gebirgsteilen, dem heutigen Pfälzerwald und den Vogesen, vorgenommen. Das Gebirge erhielt seinen Namen nach dem keltischen Waldgott Vosegus und ist in zahlreichen römischen Inschriften, welche sowohl in Deutschland als auch in Frankreich gefunden wurden, als „silva vosegus“ oder „mons vosegus“ bezeugt.Michael Geiger u. a. (Hrsg.): Der Pfälzerwald, Porträt einer Landschaft. Verlag Pfälzische Landeskunde, Landau/Pf. 1987, S. 18. Aus dieser Sprachwurzel entwickelten sich im Laufe des Mittelalters die Bezeichnungen Vosges für den französischen und Wasgen, Was(i)genwald, später auch Wasgau, in Anlehnung an die entsprechende mittelalterliche Verwaltungseinheit Gau, für den deutschen Sprachraum. Noch im Jahre 1810 wurde daher das heutige Gebiet des Pfälzerwaldes auf einem Stahlstich als „Vogesengebirge“ bezeichnet. Auch der Pfälzer Heimatforscher August Becker nannte das von Frankreich her in die Pfalz hineinragende Mittelgebirge in seinem 1858 erschienenen Buch Die Pfalz und die Pfälzer noch „die Vogesen“.
Während also der Begriff Wasgen bzw. Vogesen über einen langen Zeitraum für das gesamte linksrheinische Gebirge stand, wurde er zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Bewusstsein der Öffentlichkeit wie auch in der wissenschaftlichen Diskussion schrittweise auf den elsass-lothringischen Teil des Buntsandsteingebirges eingeengt, während sich für den pfälzischen Teil mehr und mehr der Name Pfälzerwald einbürgerte. Dies hatte zur Folge, dass Pfälzerwald und Vogesen in Deutschland als voneinander getrennte, unterschiedliche Naturräume definiert wurden, während in Frankreich der dortige, südliche Teil des Pfälzerwaldes nach wie vor als „Nordvogesen“ bezeichnet wird. Allerdings sind in den letzten Jahrzehnten im Rahmen der europäischen Einigung (Schengener Abkommen) zunehmend Tendenzen zu beobachten, den gesamten Gebirgskomplex wieder als geographische Einheit zu betrachten.Winfried Lang: Der Luitpoldturm und sein Panorama. Plöger Medien GmbH, Annweiler 2009, S. 61. Als Beleg für diese veränderte Grundhaltung kann u. a. die 1998 erfolgte Einrichtung des ersten grenzüberschreitenden Biosphärenreservates Pfälzerwald-Vosges du Nord gesehen werden.
Siedlungsgeschichte Geringe menschliche Spuren (bis 10. Jahrhundert)