Das Violoncello [], kurz Cello, ist ein aus verschiedenen Holzarten gefertigtes Streichinstrument aus der Viola-da-braccio-Familie. Das Instrument entstand vor 1535David Dodge Boyden: Die Geschichte des Violinspiels von seinen Anfängen bis 1761. Schott’s Söhne, Mainz 1971. in Norditalien. Das Violoncello wird mit einem Bogen gestrichen, seltener auch mit dem Finger gezupft (pizzicato). Im Gegensatz zur Violine und Bratsche hält der Cellist das Instrument aufrecht (mit dem Hals nach oben) zwischen den Beinen. Es steht heute meist mit einem ausziehbaren Stachel auf dem Boden. Es war das Instrument des Jahres 2018.
Bezeichnungen Die Bezeichnung Violoncello (Abkürzung Vc) ist aus dem Italienischen entlehnt. Ein Violoncello ist wörtlich ein „kleiner Violone“, wobei der Violone wörtlich eine „große Viola“ ist.
Das Instrument wird meist kurz Cello genannt. Der Cellospieler wird in der Regel Cellist genannt und nur selten Violoncellist. Auch in Wortzusammensetzungen ist die Kurzform üblich, z. B. Cellokonzert (Beispiel) oder Cellosonate (Beispiel).
Der Plural lautet in der Fachsprache der Musiker Violoncelli bzw. Celli; laut Duden ist die Pluralform Violoncellos bzw. Cellos aber ebenfalls korrekt.
Ursprünglich lautete die Bezeichnung des Instruments Bassvioline, Bassgeige oder kleine Bassgeige,Johann August Eberhard: Synonymisches Handwörterbuch der deutschen Sprache, 17. Auflage, 1910. französisch basse de violon bzw. italienisch basso di viola da braccio oder auch violone. Die Diminutivform violoncino tauchte nur gelegentlich auf. In den Zwölf Triosonaten des italienischen Komponisten Giulio Cesare Arresti aus dem Jahre 1665 erscheint schließlich, in gleicher Bedeutung wie violoncino, erstmals die Diminutivform violoncello. Die seit 1739 belegte eingedeutschte Wortform Violoncell (Plural Violoncelle oder Violoncells) ist heute nicht mehr gebräuchlich. Die Kurzform Cello ist seit 1813 belegt.Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. Hrsg. von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 822: Violoncell(o).
Aufbau und Funktion Teile und Materialien mini|Violoncello in der Übersicht, wichtige Teile beschriftet mini|Nahaufnahme des Korpus mit Steg und den zwei f-Löchern. Oben das Griffbrett, unten der Saitenhalter mit vier Feinstimmern.
Für den Bau eines Violoncellos verwendet man verschiedene Arten von Klangholz, die auch beim Bau von Violinen und Violen genutzt werden. Die Decke des Korpus und die Klötze im Inneren bestehen in der Regel aus Fichtenholz. Für den Boden des Korpus, die Zargen, den Hals und den Wirbelkasten wird meist Ahorn verwendet (selten ein anderes Hartholz wie Kirsche, Birne, Nuss oder auch Pappel).
Die Saiten verlaufen von den Wirbeln über den Obersattel und den Steg bis zum Saitenhalter im unteren Drittel des Korpus. Griffbrett, Wirbel und Saitenhalter werden aus Ebenholz hergestellt, seltener aus anderen Harthölzern wie Buchsbaum oder Palisander. Der Steg ist ein flaches, oft kunstvoll gefertigtes Holzplättchen mit Einkerbungen für die vier Saiten, das in der Mitte des Korpus mit zwei Füßen senkrecht auf der Korpusdecke aufgesetzt ist. Im Inneren des Korpus befinden sich der Stimmstock und der Bassbalken.
Der Aufbau des Violoncellos entspricht damit weitgehend dem Aufbau der Violine. Abgesehen von den verschiedenen Maßen, ist der wesentliche Unterschied der ausziehbare Stachel, mit dem das Violoncello auf dem Boden steht. Er besteht meist aus Metall, seltener aus Holz oder kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff. Die frühere Bezeichnung PernoPerno. Duden online. für den Stachel ist heute nicht mehr üblich.
Seit den frühen 2000er JahrenAbout us | Luis and Clark, luisandclark.com, abgerufen am 17. Dezember 2023. werden Celli auch aus Carbon gefertigt, die klanglich mit den Eigenschaften herkömmlicher, aus Holz gefertigten Instrumenten mithalten können und gleichzeitig witterungsstabiler und robuster sind.Klaus Lederbauer: Streichinstrumente aus Carbon, maschinenmarkt.vogel.de vom 12. November 2014, abgerufen am 17. Dezember 2023.
Bau Das Violoncello wird vom Geigenbauer hergestellt. Aus handwerklicher Sicht ist der Violoncellobau dem Bau der Violine sehr ähnlich. Für die Herstellung eines Violoncellos benötigt der Geigenbauer aber etwa dreimal so viel Zeit wie für den Bau einer Geige.
Zu Baubeginn bestehen Decke und Boden aus massiven, im Schnitt keilförmigen Holzplatten, die zunächst in der Mitte gefugt werden. Dabei übersteigt die Dicke in der Mitte mindestens etwas die Höhe der späteren maximalen Wölbung. Erst nach vollkommener Fertigstellung der Außenwölbung mit verschiedenen Werkzeugen wird die Innenwölbung begonnen.
Im Gegensatz zu Decke und Boden werden die Zargen, die zusammen mit den vier Eckklötzen sowie dem Ober- und Unterklotz den Zargenkranz bilden, zunächst als plane Streifen auf die richtige Stärke gehobelt. Danach erfolgt mit Dampf und Druck auf einem speziell dafür geformten Eisen (Biegeeisen) ihre Biegung in die richtige Form. Die Klötze, an denen die Zargen festgeleimt sind, dienen als Gerüst. In den Oberklotz wird später der Hals eingelassen und eingeleimt.
Maße und Proportionen Typische Maße: Korpuslänge: 750–760 mm Zargenhöhe: 111 mm Halslänge: 255 mm Schwingende Saitenlänge (Mensur): 690 mm Saitendurchmesser: 0,8–2,0 mm Der Saitendurchmesser variiert je nach Hersteller und Material. Er hängt auch davon ab, ob die Saite mit Metall umsponnen ist oder nicht. Bei gleichem Material ist der Durchmesser tieferer Saiten größer. Bogenlänge: 710–730 mm
Das Violoncello entspricht etwa der Bauform der Violine und der Viola, besitzt aber abweichende Proportionen. Während der Korpus des Violoncellos knapp die doppelte Länge der Geige hat, haben die Zargen die vierfache Höhe. Das erweitert den Resonanzraum und gleicht die Tatsache aus, dass das Violoncello, gemessen an seiner Stimmung, eigentlich viel größer sein müsste, wollte man die Proportionen der Violine beibehalten. Die Saiten sind eine Duodezime tiefer gestimmt als die der Violine bzw. eine Oktave tiefer als die der Viola. Entsprechend vergrößert hätte der Korpus die dreifache Länge eines Geigenkorpus, was zu einem Instrument von den Dimensionen des Kontrabasses führen würde. Die hohen Zargen bewirken, dass im Klangspektrum bestimmte Teiltöne, insbesondere der 1. Oberton, verstärkt werden. Daraus entsteht die charakteristische warme Klangfarbe des Violoncellos.
Weiterhin besitzt das Violoncello ein anderes Mensurverhältnis – der Begriff bezeichnet den Abstand zwischen Sattel und oberem Deckenrand im Verhältnis zum Abstand zwischen Deckenrand und Steg – als die Geige: Während bei der Violine das Mensurverhältnis 2:3 beträgt, ist es beim Violoncello mit 7:10 geringfügig größer. Der gesamte Abstand zwischen Sattel und Steg und damit die Länge der schwingenden Saite wird als Mensur bezeichnet. Die Mensuren variieren beim Violoncello stärker als bei der Violine, sind aber weniger variabel als bei der Viola.
Saiten und Stimmung Das Violoncello ist heute mit vier Saiten im Quintenabstand bespannt, die leer, das heißt ungegriffen, auf die Tonhöhen C–G–d–a gestimmt sind, somit eine Oktave tiefer als die der Viola. Merksprüche für die Grundstimmung sind „ach du Großes Cello“ oder, mit der tiefsten Saite beginnend, „Cello Geht doch auch“.
Die folgende Tabelle zeigt die Frequenzen der vier Saiten in Hertz (Hz), abhängig von drei gebräuchlichen Tonhöhen des Kammertons a′. Saite Ton/Note Frequenzen bei einem Kammerton (a1) von 443 Hz 442 Hz 440 Hz 1 (höchste Saite) a 221,50 Hz 221,00 Hz 220,00 Hz 2 d 147,67 Hz 147,33 Hz 146,67 Hz 3 G 98,44 Hz 98,22 Hz 97,78 Hz 4 (tiefste Saite) C 65,63 Hz 65,48 Hz 65,19 Hz
Die Saiten bestehen im Kern meist aus Stahl, Wolfram, Nylon oder Darm. Sie sind in der Regel mit einem feinen Draht zum Beispiel aus Silber, Aluminium oder Kupfer umsponnen.
Tonerzeugung mini|Cellobogen
Der Ton entsteht beim Violoncello, wie bei allen Streichinstrumenten, durch die Schwingung der Saiten. Sie werden meist durch Anstreichen mit dem Bogen in Schwingung versetzt, können aber auch mit den Fingern gezupft werden (Pizzicato).
Der Steg überträgt die Schwingungen der Saiten auf die Korpusdecke, der Stimmstock leitet sie zwischen Decke und Boden weiter. Der gesamte Korpus wirkt als Resonanzkörper, der den Ton verstärkt. Er bringt die Luft zum Schwingen und strahlt dabei den Schall sowohl nach außen als auch ins Innere des Korpus ab. Durch die beiden seitlichen Schalllöcher (f-Löcher) auf der Korpusdecke wird in erster Linie die Beweglichkeit und Resonanzfähigkeit der Decke erhöht. Zwar dringt auch Schall aus dem Inneren durch die f-Löcher nach außen, dessen Anteil an der gesamten Lautstärke des Instruments ist jedoch gering.
Durch Niederdrücken der Saite mit einem Finger der linken Hand kann ihr schwingender Teil verkürzt werden. Das bewirkt eine höhere Schwingungs-Frequenz und somit eine Veränderung der Tonhöhe. Auf dem Griffbrett befinden sich keine Bünde wie etwa bei der Gambe. Der Cellist muss deshalb die richtige Stelle auf dem Griffbrett präzise treffen; er muss dafür sein Haltungs- und Bewegungsgedächtnis ausgiebig schulen, zumal er das Greifen der Saiten nicht visuell kontrollieren kann. Ein gut gebildetes Gehör hilft dabei.
Klang Tonumfang Der Tonumfang reicht (in bequem spielbaren Positionen) vom großen C bis zum dreigestrichenen g (g3) und umfasst damit mehr als vier Oktaven; als Flageolettton wird sogar das viergestrichene a (a4) erreicht. Charakteristisch für das Violoncello sind vor allem die Töne im Bereich der männlichen Stimme (Bass und Tenor). Es erreicht aber eine größere Tiefe als eine menschliche Bassstimme und geht in der Höhe über den üblichen Tonumfang eines Soprans hinaus. Es klingt „dunkel und kraftvoll in der Tiefe, samtig lyrisch in der Tenorlage; in den höheren Lagen verzaubert es durch strahlende Brillanz“. Webseite der Initiative Instrument des Jahres Anders als auf dem Klavier, der Harfe und der Orgel, die einen noch größeren Tonumfang haben, kann der Cellist zudem mit den Mitteln der Bogenführung und des Vibratos jeden nicht allzu kurzen Ton individuell gestalten.
Aufgrund seiner reichen Palette an Registern und Klangqualitäten gilt das Violoncello als eines der vielseitigsten Instrumente. Es wird eingesetzt: als Bassinstrument in der Barockmusik (Basso continuo), häufig gedoppelt durch den Kontrabass, der dieselbe Basslinie eine Oktave tiefer spielt als Bassinstrument in der Kammermusik (Streich- und Klaviertrio, - quartett, -quintett) als Bassinstrument im barocken und klassisch-romantischen Orchester, sekundiert in der 16'-Lage durch den Kontrabass als Soloinstrument, meist mit Schwerpunkt auf den höheren Klangregistern (Sololiteratur, Kammermusik, Solo-Instrumentalkonzerte).
Akustische Eigenschaften Der Klang eines Musikinstruments wird aus physikalisch-akustischer Sicht hauptsächlich durch den Teilton-, bzw. Obertonaufbau, die Formantverteilung (Frequenzbereiche, in denen die Teiltöne unabhängig von der Lage des Grundtons hervortreten), den Ein- und Ausschwingvorgang, Geräuschanteile sowie die Dynamik bestimmt. Diese Eigenschaften sind baulich stark von den Materialeigenschaften, der Konstruktion und sogar von der individuellen Spieltechnik abhängig, weshalb nur ungefähre Aussagen möglich sind.