Friedland ist eine Kleinstadt im östlichen Teil des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte im Osten Mecklenburg-Vorpommerns. Sie gehört historisch zum Landesteil Mecklenburg. Die seit dem 1. Januar 2004 amtsangehörige Stadt ist Sitz des Amtes Friedland, dem zwei weitere Gemeinden angehören. Der Ort ist ein Grundzentrum nahe dem Oberzentrum Neubrandenburg.Regionales Raumentwicklungsprogramm Mecklenburgische Seenplatte (2011), Regionaler Planungsverband, abgerufen am 12. Juli 2015
Lage Friedland an der Datze liegt etwa in der Mitte zwischen den Städten Neubrandenburg und Anklam und nordwestlich der Brohmer Berge. Östlich der Stadt breitet sich die nach ihr benannte Friedländer Große Wiese aus. Südwestlich der Stadt befindet sich der Friedländer Mühlenteich.
Stadtgliederung Zur Stadt Friedland gehören folgende OrtsteileHauptsatzung der Stadt Friedland/Mecklenburg-Vorpommern, § 1
Geschichte Friedland mini|Neubrandenburger Tor mini|Friedland um 1760
Noch vor 1200 entstand an einem Wegekreuz alter Handelsstraßen am Rande der großen Niedermoore auf einem Landrücken eine Siedlung der Handelnden, die schon eine Nikolaikirche besaßen. Als die Herrschaft Stargard nach dem Vertrag von Kremmen in die Hände der Brandenburger gelangt war, gründeten die brandenburgischen Markgrafen Otto III. und Johann I. neben den vorhandenen Siedlungen 1244 nach deutschem Recht die Stadt Vredeland, das heutige Friedland. Im Stadtwappen findet man die beiden Stifter noch heute. Der Ort direkt am Landgraben nahe der pommerschen Grenze diente dem Schutz gegen die Pommern.
Es entwickelte sich um 1300 ein gitterförmiges Straßenraster in einem ellipsenförmigen Stadtgrundriss, der von einer teilweise noch erhaltenen, starken Befestigung mit einer bis zu sechs Meter hohen Stadtmauer umgeben war. Mit dem gotischen Anklamer Tor (Steintor) wurde 1304 begonnen, während das spätgotische, dreigeschossige Neubrandenburger Tor (früher Burgtor) im 15. Jahrhundert entstand. An die Stadtmauer wurden später 29 Wieckhäuser angefügt; erhalten blieb die Fischerburg aus dem 13. Jahrhundert. Der Fangelturm der Befestigung wurde 1911 Wasserturm und 1997 Aussichtsturm.
Durch den Vertrag von Vietmannsdorf 1304 kam die Herrschaft Stargard und damit auch Friedland zum Herrschaftsgebiet der Herren, Herzöge, zuletzt Großherzöge von Mecklenburg. Friedland wurde Landstadt in Mecklenburg und als solche Teil der Städte in der Herrschaft Stargard, die bis 1918 auf mecklenburgischen Landtagen der Union der Landstände vertreten waren.
Der Siebenjährige Krieg (Gefecht bei Kavelpaß, 1760), Hungersnöte, Seuchen (1637/38 mit 872 Pesttoten), 12 Stadtbrände (insbesondere der große Stadtbrand von 1703) sowie die Lage in einer der strukturschwächsten deutschen Regionen hemmten die Stadtentwicklung. 1806 zogen die Truppen Napoleons unter Marschall Joachim Murat mit 70.000 Soldaten durch die Stadt, danach weitere französische (über 190.000 Mann) und preußische Truppen. Friederike Krüger aus Friedland kämpfte in Männerkleidung in den napoleonischen Befreiungskriegen (1813–1815), um ihr Land zu befreien. Für ihre Tapferkeit erhielt sie unter dem Namen August Lübeck sogar das Eiserne Kreuz.
mini|Gelehrtenschule Wie viele andere Städte auch erlebte Friedland im 19. Jahrhundert eine Blütezeit. 1803 wurde ein neues Rathaus erbaut, 1862 ein Krankenhaus im Johannesstift, ab 1866 ein modernes Wasserleitungssystem mit Wasserkraftwerk (1886) an der Woldegker Straße. Das Friedländer Gymnasium (1371 bis 1840 Gelehrtenschule) war bis ins frühe 19. Jahrhundert hinein die bedeutendste höhere Schule in Südostmecklenburg. 1814 wurde in Friedland der erste deutsche Turnverein gegründet (heute: TSV 1814 Friedland), es ist somit der älteste Sportverein Deutschlands. Carl Leuschner, Lehrer und zuletzt Konrektor der Gelehrtenschule, legte 1814 in Friedland den ersten Turnplatz in Mecklenburg an.Subrektor Karl Bülch, Leuschners Nachfolger als Turnwart, wurde später mit seinen in Friedland gesammelten Erfahrungen der Begründer des Turnens in Malchin. Ab 1854 hatte Friedland Straßenbeleuchtung und ab 1894 Bürgersteige. Bekannt wurde die Stadt durch die Rote Friedländerin, eine rote Fliese, die für Labor-Fliesentische und Küchenfliesen verwendet wurde. Ab 1879 bestand das Amtsgericht Friedland (Mecklenburg).
In der Gründerzeit entstanden die Bahnstrecke Neubrandenburg–Friedland (1884), die Molkerei (1890), die Zuckerfabrik (1891), das Mosaik-Plattenwerk (1894), die Gasfabrik (1896) und die Überlandzentrale (1911).
Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurden am 28./29. April 1945 große Teile der Altstadt, darunter das Rathaus von 1803, zerstört bzw. von Rotarmisten niedergebrannt. Seit 1965 im Altstadtbereich errichtete Neubauten prägen heute das Stadtbild. Von 1965 bis 1985 wurden in der Innenstadt 1334 Wohnungen zumeist in Plattenbauweise errichtet. Nach der Deutschen Wiedervereinigung wurden ab 1991 die noch vorhandenen historischen Gebäude in der Altstadt im Rahmen der Städtebauförderung saniert.
Von 1952 bis 1994 gehörte Friedland zum Kreis Neubrandenburg-Land (bis 1990 im Bezirk Neubrandenburg, 1990–1994 im Land Mecklenburg-Vorpommern). Im Jahre 1994 wurde die Stadt in den Landkreis Mecklenburg-Strelitz eingegliedert. Seit der Kreisgebietsreform Mecklenburg-Vorpommern 2011 liegt sie im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte.
Am 13. November 2019 pflanzte der Bürgermeister Wilfried Block gemeinsam mit der Fielmann-Niederlassungsleiterin aus Neubrandenburg, Daniela Sahr, anlässlich des 30. Jahrestages der deutschen Wiedervereinigung am Mühlenteich drei Bäume für die Deutsche Einheit als Einheitsdenkmal.(red.): Drei Bäume für die Einheit. In: Internet-Seite Amt Friedland, November 2019, abgerufen am 27. November 2023
Ortsteile Brohm wurde 1338 erstmals als Brume erwähnt – ein slawischer Name für „Tor“ oder „Schanze“, was auf örtliche Befestigungen hindeutet.Willich, Cornelia: Ortsnamen in Mecklenburg-Strelitz. In: Mecklenburg-Strelitz. Beiträge zur Geschichte einer Region, Bd. 2 (2002), S. 6–23, hier S. 8.
Eichhorst wurde erstmals 1298 als Eykchorst erwähnt. Das Angerdorf baute die gotische Feldsteinkirche um 1300 am Anger; 1836/37 wurde sie ausgebaut, und der achteckige Fachwerkturmaufsatz nach Plänen von Buttel entstand. Das Gut hatte oft wechselnde Besitzer, wurde nach 1945 aufgesiedelt, 1952 als LPG geführt und war nach 1990 eine Agrargenossenschaft. Das Gutshaus von 1821 wurde seit 1964 bis in die 1990er Jahre als Gebäude einer zehnklassigen Schule genutzt.
Glienke wurde erstmals 1298 erwähnt. Ein slawischer Burgwall stammt aus dem 10. Jahrhundert. Bis 1772 wurde die Feldsteinkirche des Runddorfes am Anger gebaut.
Jatzke, ein Angerdorf mit ehemaligem Gut (Gutshaus 1945 abgebrannt), hat Reste einer slawischen Wehranlage.
Liepen war seit 1973 Ortsteil von Eichhorst. Das Gut führte der Nationalökonom Johann Heinrich von Thünen um 1806 einige Jahre.
Ramelow: Das Gut war in Besitz der Familien von Hahn (ab 1769), Heinrich Hase (ab 1815), Johann Emanuel Hoth (ab 1821) und Ludwig Bicker (1895–1945). Das Gutshaus aus der Zeit nach 1769 verfällt.
Schwanbeck wurde erstmals 1317 als Swanebeke, niederdeutsch für „Schwanenbach“, erwähnt.
Eingemeindungen Bresewitz wurde am 1. Januar 1957 eingemeindet.Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt Brohm und Schwanbeck gehören seit dem 13. Juni 2004 zu Friedland.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2004 Zum 25. Mai 2014 wurden die Gemeinden Glienke und Eichhorst in die Stadt Friedland eingemeindet.Statistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern: Gebietsänderungen Zum 26. Mai 2019 wurde die südwestlich von Friedland gelegene Gemeinde Genzkow in die Stadt Friedland eingemeindet.Gebietsänderungen und Namensgenehmigung, Bekanntmachung des Ministeriums für Inneres und Europa im Amtsblatt für Mecklenburg-Vorpommern, Nr. 52/2018 vom 24. Dezember 2018, S. 663
Bevölkerung mini|Friedländer Marktplatz um 1900 mini|Kaiserstraße (heute Riemannstraße), Blick zum Markt mit Rathaus und Marienkirche, um 1900
Jahr Einwohner 1990 8164 1995 7935 2000 7486 2005 7473 2010 6544 2015 6779 Jahr Einwohner 2020 6403 2021 6423 2022 6005 2023 6073 2024 6044
Stand: 31. Dezember des jeweiligen JahresStatistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern: Statistischer Bericht. Bevölkerungsstand. Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Politik Stadtvertretung Die Stadtvertretung von Friedland besteht entsprechend der Einwohnerzahl der Stadt aus 19 Mitgliedern. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 58,4 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Freie Wählergemeinschaft Friedland (FWF) 18,3 % 3 34,6 % 7 AfD 13,8 % 1 28,6 % 3 CDU 34,1 % 7 14,5 % 3 Frauenliste Friedland 13,3 % 3 13,6 % 3 WIR für Friedland – – 5,1 % 1 FDP 1,9 % – 2,1 % – Einzelbewerber Ralf Pedd – – 1,6 % – Die Linke 11,8 % 2 – – SPD 4,1 % 1 – – Einzelbewerber Wolfgang Kernchen 1,5 % – – – Wählergemeinschaft Schwanbeck 1,2 % – – – Insgesamt 100 % 17 100 % 17
Bei der Wahl 2019 entfielen auf die AfD drei Sitze. Da sie nur einen Kandidaten aufgestellt hatte, blieben in der Stadtvertretung zwei Sitze unbesetzt. Bei der Wahl 2024 entfielen auf die AfD fünf Sitze. Da sie nur drei Kandidaten aufgestellt hatte, bleiben in der Stadtvertretung weiterhin zwei Sitze unbesetzt.
Bürgermeister 1992–2021: Wilfried Block (parteilos)Friedland – Eine Stadt kämpft um mehr Flüchtlinge. In: Die Welt, 25. August 2015. ab 2021: Frank Nieswandt (Linke)
Nieswandt wurde in der Bürgermeisterstichwahl am 9. Mai 2021 mit 53,1 % der gültigen Stimmen für eine Amtszeit von neun JahrenHauptsatzung der Stadt Friedland/Mecklenburg-Vorpommern, § 7 gewählt.
Wappen
Flagge Die Flagge wurde von dem Friedländer Frank Erstling gestaltet und am 15. Juli 1997 durch das Ministerium des Innern genehmigt.
Die Flagge ist gleichmäßig längs gestreift von Rot und Weiß. In der Mitte des Flaggentuchs liegt, auf jeweils zwei Drittel der Höhe des roten und des weißen Streifens übergreifend, das Stadtwappen. Die Länge des Flaggentuchs verhält sich zur Höhe wie 5:3.Hauptsatzung § 1 (PDF; 135 kB).
Dienstsiegel Das Dienstsiegel zeigt das Stadtwappen mit der Umschrift .
Partnerschaften Unter dem Motto „Friedland–Friedliches Land–Friedliches Europa“ finden seit 1996 Internationale Friedlandtreffen statt. Teilnehmer sind acht Orte, die den Namen Friedland tragen oder in der Vergangenheit trugen. auf friedland-mecklenburg.de Friedland (Niederlausitz) (Brandenburg) Friedland (Niedersachsen) Frýdlant v Čechách (Tschechien) Frýdlant nad Ostravicí (Tschechien) Korfantów (Polen) Mieroszów (Polen) Prawdinsk (Russland)
Sehenswürdigkeiten
mini|hochkant|Westansicht der Marienkirche mini|hochkant|Wassermühle mini|hochkant|Anklamer Tor
Backsteingotische Pfarrkirche St. Marien, vom 14./15. Jahrhundert als dreischiffige Hallenkirche mit elf Jochen. Die Kirche wurde 1703 durch den Stadtbrand schwer beschädigt. Im 19. Jahrhundert wurde der weithin sichtbare Turm auf 91 Meter erhöht. großes Orgelwerk von Wilhelm Sauer von 1905 im Barockprospekt von 1744 Pfarrkirche Sankt Nikolai, aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, gotischer Feldsteinquaderbau, 1945 bis auf die Umfassungsmauern ausgebrannt und seitdem Ruine Stadtbefestigung von nach 1304; sie besteht aus der Stadtmauer aus Feldsteinmauerwerk, bis zu sechs Meter hoch dem Wiekhaus Fischerburg (15. Jh.) (ursprünglich gab es 29 Wiekhäuser) dem äußeren Wallgrabensystem (früher dreifach gegliedert, heute teils Grünflächen) dem Anklamer Tor (früher Steintor) aus Feldsteinen (Unterbau) und Backsteinen mit beiderseitigen Rundtürmen (14. Jh.)