mini|hochkant=1.5|ICE 3 auf der Bahnstrecke München–Treuchtlingen mini|Ein Triebzug der Baureihe 420 der S-Bahn Köln als S 12 im Bahnhof Köln Messe/Deutz (Mai 2016) mini|British Rail-Arbeitstriebwagen MPV mini|Mit Brennstoffzelle angetriebener iLint der Regionalverkehre Start Deutschland unterwegs zur Wasserstofftankstelle im Industriepark Höchst mini|Dampftriebwagen M 124.001 ČSD mini|Diesel-Triebzug des Typs VT 11.5 mini|Triebwagen vom Typ A3 der U-Bahn Berlin mini|Straßenbahntriebwagen vom Typ O der Frankfurter Straßenbahn

Triebwagen oder Motorwagen sind angetriebene Schienenfahrzeuge (Triebfahrzeuge), die Fahrgäste oder Ladung befördern. Im Unterschied dazu haben Lokomotiven, die zum Befördern von Wagen dienen, mit Ausnahme von Gepäcklokomotiven keinen Raum für die Fahrgast- oder Güterbeförderung.

Im späteren Verlauf wurden Triebwagen zuerst im Straßenbahnbetrieb eingesetzt, nach dem Verschwinden der Pferdestraßenbahn wurden sie dort das praktisch ausschließliche Beförderungsmittel, an die bald zusätzliche motorlose Beiwagen angehängt wurden.

Aus Triebwagen gebildete Züge nennt man Triebwagenzug oder Motorzug. Mittig in einen solchen Zug eingereihte angetriebene Wagen ohne Führerstände und Sitzplätze heißen Maschinenwagen oder Antriebsmodul, solche mit Sitzplätzen sind Antriebswagen, angetriebene Mittelwagen oder angetriebene Zwischenwagen.

Teilweise waren Triebwagen(züge) früher in den Fahrplänen auch anhand der Zuggattung zu erkennen, so beispielsweise beim Fernschnelltriebwagen, beim Schnelltriebwagen, beim Motorschnellzug, beim Triebwagen-Schnellzug, beim Eiltriebwagen, beim Städteschnellverkehrstriebwagen oder beim Nahschnellverkehrstriebwagen. In den Fahrplänen war dies häufig durch ein hinten angefügtes t in der Zuggattungsbezeichnung erkennbar, also beispielsweise ICt, FDt, Ft, Dt, Et oder Nt.

Definitionen Deutsch Ein Triebwagen ist ein einzelner, angetriebener Wagen, der allein oder zusammen mit Steuer-, Mittel- und Beiwagen als Zug eingesetzt wird. Entsprechend ausgestattete Triebwagen können anstelle einer Lokomotive einen Zug befördern. Bis in die 1930er Jahre wurde in Deutschland synonym auch der Begriff „Schienenomnibus“ verwendet, dann aber 1933 festgelegt, dass einheitlich die Bezeichnung „Triebwagen“ verwendet werden solle.Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft (Hg.): Amtsblatt der Reichsbahndirektion Mainz vom 30. Dezember 1933, Nr. 61. Bekanntmachung Nr. 720, S. 272. Ein Doppeltriebwagen besteht aus zwei fest miteinander gekuppelten Triebwagen und wird gleich wie ein Triebwagen eingesetzt. Ein Gelenktriebwagen ist ein Triebwagen, der aus mehreren gelenkig verbundenen Wagenkastenelementen besteht, z. B. mit Jakobs-Drehgestell, aufgesattelt wie beim Stadler GTW oder in der Art der Kurzgelenkwagen. Ein Triebzug ist eine mit eigenem Antrieb versehene, im Regelbetrieb nicht trennbare Einheit aus mehreren Fahrzeugen, diese werden je nach Funktion als Triebwagen, Triebkopf, Mittel- und Steuerwagen bezeichnet. Vielteilige Gelenktriebwagen werden als Triebzüge bezeichnet. Ein Triebzug unterscheidet sich von einem Wendezug (schweiz.: Pendelzug) dadurch, dass die Mittelwagen nicht als normale Reisezugwagen verwendet werden können. Allerdings werden Wendezüge oft im Regelbetrieb auch nicht mehr getrennt und nur noch in den Fahrzeugunterhaltungszentren umformiert. Andererseits umfassen manche Triebzüge keinen einzigen Triebwagen, wenn nämlich die Triebköpfe nichts außer Führerstand und Antriebseinrichtungen enthalten und keine Achse der Fahrgastwagen angetrieben ist. Schließlich gibt es Triebzüge, die betrieblich als untrennbare Einheiten behandelt und nummeriert sind, technisch aber durchaus als Einzelfahrzeuge Verwendung finden könnten. Ein Triebwagenzug wird in einer engeren Definition aus zwei oder mehreren Triebwagen – also ausschließlich motorisierten Einheiten – gebildet (zum Beispiel bei den Baureihen 403 und 420 der Deutschen Bundesbahn). Eine weiter gefasste Definition bezeichnet damit jede Kombination von mindestens zwei Triebwagen oder Triebzügen, gegebenenfalls unter Einschluss von nicht motorisierten Mittel-, Steuer- oder Beiwagen, sofern die gekuppelten Triebwageneinheiten betrieblich trennbar sind – z. B. für Flügelzugkonzepte. Einheiten, die betrieblich nicht trennbar sind, sind dagegen allein schon aus diesem Grund Triebzüge. In einer dritten Definition wird Triebwagenzug als Synonym zu Triebzug verwendet.Vergleich dazu die mit dem Triebwagensymbol gekennzeichneten Züge in den Schweizer Kursbüchern, z. B. 1981, deren Erläuterung besagte: «Triebwagen oder Triebwagenzug». Aus der italienischen Übersetzung kann geschlossen werden, dass auch Triebzüge gemeint waren: «Automotrice o elettrotreno». Darauf weist der Umstand hin, dass der mit den Triebzügen RAe TEE& II geführte «Gottardo» im Fahrplanfeld 81 mit dem entsprechenden Symbol erscheint. Als Zwillingstriebwagen bezeichnet man zwei permanent miteinander gekuppelte Straßenbahn-Triebwagen, die nur gemeinsam eingesetzt werden können. Als geführte Triebwagen oder motorisierte Anhänger bezeichnet man Straßenbahntriebwagen, die keine vollwertige Führerstandseinrichtung besitzen und nicht an erster Stelle eines Zugverbands eingesetzt werden können. Sind zwei Triebwagen in einem Zug gekuppelt, so spricht man von Doppeltraktion, bei drei Triebwagen von Dreifachtraktion, allgemein von Mehrfachtraktion.

Umgangssprachlich werden die Begriffe „Triebwagen“, „Triebzug“ und „Triebwagenzug“ nicht immer scharf voneinander abgegrenzt. „Triebzug“ wird dabei eher im technischen Zusammenhang verwendet, für kürzere Einheiten wird dafür häufig der Begriff „Triebwagen“ gebraucht.

Andere Sprachen mini|Polnischer Newag 19WE mini|Schmalspur-Dieseltriebwagen der JŽ-Baureihe 802 in Dubrovnik (1967)

In anderen Sprachen sind die Abgrenzungen zwischen Triebwagen, Triebzügen, Schienenbussen und innerhalb dieser Kategorien oft anders gezogen als im Deutschen, was insbesondere beim Übersetzen Probleme bietet.

Im Englischen heißen Einzeltriebwagen je nach Verwendungszweck „railcar“ oder „motor coach“. Im amerikanischen Englisch, wo railcar auch gewöhnliche, also unmotorisierte Eisenbahnwagen bezeichnet, gibt es daneben für Triebwagen die genauere Bezeichnung „railmotor“. Im irischen Englisch verwendet man railcar auch für Triebzüge. Triebzüge werden als „multiple units“ bezeichnet, unterschieden nach Antrieb in „electric multiple unit“ (EMU), „diesel multiple unit“ (DMU) und „bimodal multiple unit“ (BMU). Oft wird dahinter in Ziffern die Anzahl der verbundenen Fahrzeuge angegeben, z. B. „DMU3“. Nach diesem Schema werden Einzeltriebwagen wiederum als „EMU1“ oder „DMU1“ bezeichnet, sofern sie für den Einsatz im Zugverband ausgerüstet sind. Neuerdings sind auch BEMU (batterieelektrische …) und HEMU (hydrogenelektrische …) in Gebrauch. Das Französische unterscheidet bei Einzeltriebwagen zwischen «motrice» (bei der Straßenbahn), «automotrice» (Elektro- und Dampftriebwagen bei der Eisenbahn) und «autorail» (Verbrennungstriebwagen). Triebzüge jeder Antriebsart heißen französisch «rame automotrice». Das Italienische nennt Einzeltriebwagen unabhängig von der Antriebsart „automotrice“, elektrische Triebzüge „elettrotreno“. Früher wurde zum Teil der Begriff „Littorine“ als Gattungsbegriff für Dieseltriebwagen verwendet. Im Niederländischen bezeichnet man Einzeltriebwagen einfach als „motorrijtuig“ (dt.: Motorfahrzeug), was motorisierte Draisinen einschließt, im Flämischen als „motorwagen“. Triebzüge nennt man „treinstel“. Ähnlich ist es im Rumänischen: Der Triebwagen heißt „automotor“ (Pl.: „automotoare“) und kann ein „automotor diesel“ oder ein „automotor electric“ sein. Ein elektrischer Triebzug heißt abgeleitet vom Französischen „rama electrica“. Im Russischen heißt der Einzeltriebwagen mit Verbrennungsmotor Автомотриса (Awtomotrissa), der elektrisch angetriebener Wagen Электромотриса (Elektromotrissa), der Triebzug übergreifend Моторвагонный подвижной состав (Motorwagonny Podwischnoi Sostaw) oder je nach Antrieb Электропоезд (Elektropojesd, dt.: „Elektrozug“) oder Дизель-поезд (Disel-Pojesd, dt.: Dieselzug). Ein Dieselzug, der auch Strom aus dem Kontaktnetz beziehen kann, heißt Дизель-электропоезд (Disel-Elektropojesd, dt.: Dieselelektrozug).ГОСТ 34056—2017 Транспорт железнодорожный. Состав подвижной. Термины и определения. Offizielle Ausgabe. ФГУП «Стандартинформ». Moskau 2016 Im Spanischen heißen Triebwagen unabhängig von der Antriebsart „automotor“, Triebzüge „unidad de tren“. Im Ungarischen heißt der Triebwagen „motorkocsi“ und der Triebzug „motorvonat“. Hier ist zu beachten, dass eine der ungarischen Bezeichnungen für Dampfmaschine „gőzmotor“ (‚Dampfmotor‘) ist und daher die früheren Dampftriebwagen („gőzmotorkocsi“) „mot“ in der Seriennummer trugen. Im Tschechischen heißt der Triebwagen „elektrický vůz“ (dt.: „elektrischer Wagen“), häufiger wird aber vom Triebzug gesprochen – „elektrická jednotka“ (dt.: „elektrische Einheit“, Einheit im Sinne einer Baugruppe), die der englischen EMU entspricht. Analog dazu spricht man bei Dieselantrieb von „motorový vůz“ (dt.: „Motorwagen“) bzw. „motorová jednotka“ (dt.: „Motoreinheit“), englisch DMU.

Straßenbahn Bei der Straßenbahn verkehren Triebwagen meistens einzeln oder in Mehrfachtraktion. Früher war es, besonders im deutschsprachigen Raum, weit verbreitet, Beiwagen (schweiz.: Anhängewagen) ohne eigenen Antrieb mitzuführen, manchmal beschränkt auf die Hauptverkehrszeiten oder die Zeit tagsüber, um die Personalkosten für die Schaffner bzw. Kondukteure zu sparen. Diese wirkten beim Umsetzen an den Endstellen mit. Mit der Einführung des schaffnerlosen respektive kondukteurlosen Betriebs wurden die Beiwagen ganztägig mitgeführt. Jedoch ersetzten im Laufe der Jahre immer mehr Städte ihre Anhängerzüge durch (Multi-)Gelenktriebwagen bzw. Mehrfachtraktionen. Dieser Umstellungsprozess führte dazu, dass 2024 in der Schweiz nur noch in Basel und in Österreich nur noch in Wien Beiwagen eingesetzt werden. In Deutschland sind sie nur noch in Bad Schandau, Bielefeld, Braunschweig, Darmstadt, Kassel, Leipzig und Magdeburg anzutreffen.

Einrichtungstriebwagen haben dabei nur einen Führerstand und Türen meist nur auf einer Seite, diese benötigen an den Endstellen Wendeschleifen oder Gleisdreiecke. Zweirichtungstriebwagen sind hingegen wie Eisenbahnfahrzeuge frei in beide Richtungen verwendbar. Vereinzelt werden zwei Triebwagen „Heck-an-Heck“ gekuppelt, um sie als Zweirichtungszug verwenden zu können. Für die freie Verwendbarkeit müssen die beiden Triebwagen beidseitig Türen besitzen. Man spricht in diesem Fall auch von Anderthalbrichtungswagen. Statt eines zweiten Triebwagens kann ein mit Führerstand ausgerüsteter Beiwagen, also ein Steuerwagen, eingesetzt werden – jedoch stellen Steuerwagen im Straßenbahnbereich eine seltene Ausnahme dar.

In der Schweiz waren bei Straßenbahnen die Bezeichnungen Triebwagen und Beiwagen nicht üblich. Die Beiwagen wurden Anhängewagen oder nur Anhänger genannt. Die mit Fahrmotoren versehenen Wagen wurden als Motorwagen bezeichnet.Tram Basel Rollmaterial Diese hatten bis etwa 1930–1935 meist zwei Führerstände und Einstiegstüren auf beiden Seiten. Sie konnten mit oder ohne Anhänger verkehren. Da nicht alle Bahngesellschaften an den Endstationen über Wendeschleifen verfügten, mussten die Anhängewagen an solchen Kuppelendstellen abgekuppelt und umfahren werden. Mit dem Erscheinen der Schweizer Standardwagen ging die Entwicklung hin zu Einrichtungswagen.

Eisenbahn mini|Berninabahn-Schlepptrieb­wagen ABe 4/4 III mit Übergang für Personal in Tirano mini|NE 81 der SWEG als Schlepp­triebwagen eines Güterzugs, 2016